Ich schreibe Dir dieses, obschon Du's nicht verdienst. Aber ich kann
nicht, ich kann die Freude über alle mein Glück nicht bei mir
behalten. Und da ich sonst gewohnt war, mein Herz gegen Dich zu
öffnen--Wisse alles, Rothe, sie kennt mich, sie weiß, daß ich um
ihrentwillen hier bin, wer muß ihr das gesagt haben?
Gestern konnt' ich's fast nicht aushalten in meiner Hütte. Alles war
versteinert um mich, und ich habe die Kälte in der härtesten
Jahrszeit in meinem Vaterlande selbst nicht so unmitleidig gefunden.
Ich nahm mir das Eis aus den Haaren, und es war mir nicht möglich,
Feuer anzumachen; ich mußte also ziemlich spät ins Dorf hinabgehen,
mich zu wärmen.
Stelle Dir das Entzücken, die Flamme vom Himmel vor, die meine
ausgequälte Seele durchfuhr, als ich auf einmal Fackeln vor einem
Schlitten auf mich zu kommen und bei deren Schein die Liverei meiner
angebeteten Gräfin sah. Ich hielt sie dafür, ich betrog mich nicht.
Sie war es, sie war es selbst, nicht die, die ich auf dem Ball
gesehen, aber mein Herz sagte mir's, daß sie es sei, denn als sie
mich sah, sie sah scharf heraus, hielt sie den Muff vor das Gesicht,
um die Bewegungen ihres Herzens zu verbergen. Und wie groß, wie
sprachlos war meine Freude, als ich hernach im Dorf hörte, sie habe
sich durch ihre Bedienten nach einem gewissen Waldbruder erkundigen
lassen, der hier in der Nähe wohnte.
Ich, so lebhaft gegenwärtig in ihrem Andenken--und in dieser Kälte
kam sie heraus, mich zu sehen--wenn es auch nur Spazierfahrt war, wie
glücklich, daß meine Hütte sie auf diesen Weg locken
mußte--vielleicht kann ich sie noch einmal sehen und sprechen.--Rothe!
Gibt's eine höhere Aussicht für menschliche Wünsche?