Antwort Herzens an Rothen

Deine Briefe gefallen mir immer mehr und mehr, obschon ich Deine

Ratschläge immer mehr und mehr verabscheue, und das bloß, weil der

Ton in denselben mit dem meinigen so absticht, daß er das

verdrüßliche Einerlei meines Kummers auf eine pikante Art unterbricht.

Fahre fort, mir mehr zu schreiben, es ist mir alles lieb, was von

Dir kommt, sollte mir's auch noch so viel Galle machen.

Sei glücklich unter Deinen leichten Geschöpfen, und laß mir meine

Hirngespinste. Ich erlaub es euch sogar, über mich zu lachen, wenn

euch das wohltun kann. Ich, lache nicht, aber ich bin glücklicher

als ihr, ich weide mich zuweilen an einer Träne, die mir das süße

Gefühl des Mitleids mit mir selbst auf die Wange bringt. Es ist wahr,

daß ich alles hier begrabe, aber eben in dieser Aufopferung findt

mein Herz eine Größe, die ihm wieder Luft macht, wenn seine Leiden zu

schwer werden. Niemanden im Wege--welch eine erhabene Idee! ich will

niemanden in Anspruch nehmen, niemand auch nur einen Gedanken kosten,

der die Reihe seiner angenehmen Vorstellungen unterbricht. Nur

Freiheit will ich haben, zu lieben, was ich will, und so stark und

dauerhaft, als es mir gefällt. Hier ist mein Wahlspruch, den ich in

die Rindentüre meiner Hütte eingegraben:

Du nicht glücklich, kümmernd Herz? Was für Recht hast

du zum Schmerz? Ist's nicht Glück genug für dich, Daß

sie da ist, da für sich?

Der Waldbruder, ein Pendant zu Werthers Leiden · 第 17 / 61 题