auf dem weiten Residenzplatze. Von weiß und rothem Marmor durchaus
aufgeführt, besitzt sie Meisterwerke der Bildhauerkunst, strotzt
inwendig von Gold und herrlicher Steinpolitur, und könnte alle Bewohner
der Stadt zugleich aufnehmen! Die prächtige _Facade_ ist gegen Nordwest
gekehrt und bildet die Breite des sogenannten Domplatz-Vierecks. Ihre
beiden viereckig hohen Thürme, welche Jedem Ehrfurcht abnöthigen,
begränzen eine breite Mittelwand, welche mit einem auf dem Hauptgesimse
freistehenden Fronton geziert ist. Die Thürme bestehen aus drei hohen
Absätzen, welche von gekuppelten Säulen in toskanischer und zu oberst in
römischer Ordnung getragen werden; unter sich haben sie tief in der Erde
ausgegrabene, und mit unterirdischen Kanälen verbundene Zisternen, worin
sich Quellwasser sammelt. Dieß dient wider die Gefahr von Erdbeben; denn
dadurch können sich die unterirdischen Winde und Wässer, welche
verschlagen, gewöhnlich Erdstösse erzeugen, in diesen Zisternen
ungehindert entladen, und somit beiseitigt sich jede Erderschütterung.
Die Bedachung der Kirche macht durchaus Kupfer, und verewigt sich in der
Dauer, so wie die ganze Kirche den Ruhm ihrer Stifter (von 1614 bis
1668), der Erzbischöfe Max _Sittich_, Paris _Lodron_ und Guidobald
_Thun_ auf die Nachwelt bringt, und den Namen ihres Erbauers _Solari_
bleibend adelt.
Der fünfzig Fuß hohe Brunnen dabei, welcher ganz aus weissem Marmor
besteht, verdient gleichfalls Aufmerksamkeit. Vier Stufen führen zu dem
untersten grossen Wasserbecken, in welchem sich ein künstlicher Fels
befindet; auf diesem spritzen vier ungeheure Wasserrosse Fluthen aus
Maul und Nase; Tritonen in Muscheln auf Delphinen ruhend, giessen die
kleineren Quellen aus. Die
Felsenfestung Hohensalzburg,
ehemals stolz im Gefühle ihres Werths -- von keiner der Nebenbuhlerinnen
übertroffen zu seyn! biethet nun, seine Aussicht auf die Stadt
abgerechnet, nichts Interessantes. Zwar ist und bleibt ihre Geschichte
zugleich die des Landes; doch diese hat sich im Papier besser erhalten,
als die quadernen Mauern und kühn gespannten Bögen der Festung. Man kann
sich einen Begriff von der ungeheuren Wuth und Wirkung vorbemeldeten
Brandes machen, indem der Feuerzunder aus der tiefen Stadt zum
entlegenen Ende des Schlosses Mirabell über der breit gedehnten Salza,
und bis zur hochfelsigen Veste im unabwährenden Sturmmarsche in ein
Gluthmeer zusammenfloss. Feuer und Wasser paarten ihre Fluthen im
seltenen Kriege, hitzten und kühlten sich wechselseitig die
entgegenwirkenden Wogen, welch erstere, zunehmend an Kraft und Gewalt,
die jammernde Menschheit bannten aus den väterlichen Häusern, gewohnten
Gässen, geweiheten Hallen des Trostes! Händeringend suchten und flehten
sie um ihre Habe, trugen Reste davon auf den verbrannten Armen, und
verloren das Wenige im Getümmel, weil Angst und Schreck ihnen Seh- und
Denkkraft hemmte! Anderen gab die Noth Riesenkraft; was sonst drei
Männer zu tragen bezweifelt hätten, lud der Einzelne bebend sich auf, er
floh mit dem theuerst Gesicherten, und es war -- das Geringste seiner
Habe! An der Salza zitterten die Flüchtlinge, sie fanden die Brücke
nicht, eine Flammenstrasse wölbte sich über dem gekochten Fluß, welcher
dampfend seine Bewohner tödtete, als übe er mit den Flammen --
Preismord! Hie und da brannten Schiffe wie griechisches Feuer im Strom;
in Rauch und Gluth würgte die Axt des entschlossenen Mannes, sprangen
die Balken, fielen die Dächer, flogen die Schindel als glühende Billete
um Brand. Einen Augenblick weilte der Schmerz der Rettung suchenden
Schar, man war ungewiß, ob die Elemente oder Menschen Hülfe schaffen
könnten? und staunte über die Grösse des Verderbens!
Doch weg von jenen Saaten des Unglücks, welche Reiselustigen nie als
Aufmunterer gelten! Man zeigte mir im Schlosse die alte Folterkammer,
Nägelschrauben, Aufzug- und Hinrichtungsräder, mehrere in Felsen
gehauene Kerker, das Angstloch etc.; doch bin ich überzeugt, daß Niemand
durch den Anblick dargewiesener Martergegenstände für die unglückliche
Menschheit, wenn sie auch nur zum Angedenken jener Schreckenszeit noch
dienen, seine Bemühung der Schloßersteigung belohnt findet. Itzt werden
die Militärverbrecher hier aufbewahrt, welche mit ein paar Kompagnieen
Soldaten einige ausgebesserte Theile des Schlosses bewohnen.