Florentin. Von meinen Spionen. Ja, noch mehr. Einer derselben bringt mir
eine Liste mit den Namen derer, die, im Fall einer Rebellion, massakrirt
werden sollen. Der Eurige steht oben an.
Moriz. (sezt gleichgültig das Glas hin) Ehre dem Ehre gebührt!
Florentin. (mit Nachdruk) Im Raum dreier Monate soll unsre jezzige
Regierung umgeworfen sein!
Moriz. (die Stirn faltend) Und wer soll herrschen?
Florentin. Das Volk.
Moriz. (bitter) _Wer_?
Florentin. Das Volk!
Moriz. Wer -- _wer_ soll herrschen, wenn Piedros Unvermögen zum Regieren
öffentlich anerkannt worden? -- _Wer_? --
Florentin. (kalt) das Volk!
Moriz. (aufspringend) Und das wird nicht geschehn! oder Moriz müßte von
einer _Bettlerfamilie_ stammen -- müßte nicht in Kanella sein.
Florentin. (steht auf und geht durchs Zimmer, indem er sich auf den Finger
beißt, und eine Miene zieht, als einer, welcher diebischerweise ein
Geheimnis entwendet.)
Moriz. Verdammt! -- da sollts auf diese Gefahr zu einer Rebellion kommen,
und Ihr Schurken von Demokraten solltet _Morizen_ kennen lernen!
Florentin. (sich umdrehend) Ja, gnädigster Prinz, ich zweifle, nicht, --
besonders wenn Ihr dies an der Spizze von wenigstens zehn bis zwanzig
tausend Mann sagtet!
Moriz. (starrt lange vor sich nieder, geht dann rasch zum Grafen, legt
vertraulich seine Hand auf dessen Achsel; seine Mienen sprechen, aber --
sein Mund schweigt. Er dreht sich wieder um und pfeift -- geht zum Tisch
und klingelt.)
Florentin. (beobachtet den Prinzen mit scharfen Blikken unverwand, so sehr
er sich auch den Schein des Gleichgültigen giebt)
Moriz. (zum hereintretenden Lakai) Schampagner!
Florentin. (mit Theilnehmung und Ernst) Prinz!
Moriz. (zerstreut) Was ist?
Florentin. Ihr scheint ein großes Geheimnis in Eurer Seele zu führen;
scheinet -- (abspringend) doch, Ihr kennet mich noch zu wenig, Prinz, ich
verarg' es Euch nicht.
Moriz. (mit untergeschlagenen Armen dicht vor ihm hintretend) Mensch!