Moriz. Weißt du sonst irgend etwas aufzutischen? Wie bin ich beim Volke
akkreditirt?
Flimmer. (lächelnd) Wird darum sich ein _Moriz_ kümmern?
Moriz. Ich hab' heut Laune, und frage danach.
Flimmer. Akkreditirt? -- hm, mehr als der Landesherr selber.
Moriz. Und der Kardinal? -- Fülle den Becher und trink!
Flimmer. (grinsend) Sr. Eminenz? -- hm, wird allgemein -- -- gehaßt.
Moriz. (sich mit der Hand übers Gesicht fahrend, um ein Lächeln zu
verwischen) Wirklich? (zukt die Achseln.) Doch von etwas andern. -- Sag
mir, befindet sich noch der alte, stumme Schurke beim Grafen, der ihn
einmal vor Jahr und Tag aus der Welt befördern sollte?
Flimmer. Freilich! freilich!
Moriz. 's ist mir doch lieb, daß mein damahliges Projekt mit dem Gifttrank
scheiterte. Duur soll und wird mir mit seinem Kopf noch wichtige Dienste
leisten.
Flimmer. Aber eben der Badner, und der mit dem Grafen zurükgekommne
verwegne Dulli, dessen Geschichte mit der Ladda -- --
Moriz. Ich weis es ha, ha, ha!
Flimmer. Ich sage, eben diese odieuse Gesellschaft des Grafen erregt in mir
so viel Besorgnisse! --
Moriz. Schweig mit deinen ewigen Besorgnissen! Gesezt auch, der _Graf_
führe etwas Hinterlistiges im Schilde: so müßten du und ich den Kopf
verloren haben, wenn wir nicht bald davon Wind bekämen -- und dann läßt man
ihn gefänglich einziehn, oder schikt ihn auf die Galeere, oder geradenwegs
in die andre Welt. --
Flimmer. (am Fenster) Sein Wagen hält jezt, unten am Schlosse -- er springt
heraus -- --
Moriz. Sein Besuch ist mir willkommen; Ich habe Laune. -- Geh du!
Ehren-Flimmer entfernte sich, halbbenebelt von Zyprier. Der _Prinz_ war
noch keine Minute allein, als _Florentin_ ziemlich eilfertig hereintrat.
»Nun, lieber Graf! das gefällt mir; Ihr vergeßt mich doch nicht unter so
vielen andern, die von Euch nicht vergessen sein wollen! Sezt Euch neben
mir nieder und seid vertraulich, wie mit Eurem Busenfreunde.«
Florentin. (höflich) Ew. Hoheit machen mich stolz. -- Doch wer würde sich
solcher Gnade und einer solchen Busenfreundschaft weigern?
Moriz. Na, ich denks auch. Sezt Euch doch. Ich hasse die steife,
vermaledeiete Etikette unter vier Augen. Dort stehn dreierlei Sorten des
kostbarsten Weines -- wählt! -- sezt Euch her und trinkt!
Florentin. (gehorchend) Ihr überhäuft mich mit Gnadenbezeugungen,
gnädigster Fürst.
Moriz. Nicht doch. Hört, Ihr habt des Herzogs Beifall, und da könnt' Ihr
des meinigen leicht vergessen.
Florentin. (mit einem Blik voller Sprache) Prinz -- Ihr fühlt Euern Werth,
wisset, _wer_ im Lande dominirt -- und das macht Euch so sprechen!
Moriz. (füllt die Gläser) Ha, ha, ha! Schelm! (er klingelt. Ein Lakai tritt
herein, zu welchem er sagt) Ich befinde mich nicht wohl -- bin in einigen
Stunden nicht zu sprechen -- selbst wenn Sr. Eminenz der Kardinal, -- oder
des Herzogs Durchlaucht schikt. (der Lakai entfernt sich) Nun, Fiorentino,
wir sind ungestört. Eure Miene schien mir so etwas zu weissagen -- laßt uns
plaudern.
Florentin. Ich bringe Euch dazu einen wichtigen Stoff.
Moriz. Nun?
Florentin. Es herrschen furchtbare Gährungen im Volk.
Moriz. Volk! Volk! -- pah, was will der Wurm?