Florentin. Was willst du?
Dulli. Fort von Euch, heim in meine Eremitage.
Florentin. (verwundert) Mensch!
Dulli. In allem Ernst Herr.
Florentin. Was hat dich auf den Einfall gebracht?
Dulli. (mit einem tiefen Seufzer) die Dachspizze.
Florentin. Wie? -- bist du Zeuge von jenem Auftritt gewesen, dem ich vor
einigen Augenblikken begegnete?
Dulli. Ich bins gewesen.
Florentin. Und willst darum Kanella verlassen?
Dulli. Ja und heim in meine Eremitage.
Florentin. Doch nicht aus Furcht vor _Enrikos_ gedrohter Empörung?
Dulli. Aus Furcht vor der Nichterfüllung der Eurigen! -- O, Herr, warum
habt Ihr mich herausgelokt aus meiner Ruhe, wo ich längst schon Kanella,
Tyrannen und Tyrannisirte vergessen hätte? -- Warum habt Ihr mich lüstern
gemacht nach Dingen, die eher ein berauschter Liebhaber, -- eher der Knabe
Enriko erfüllen wird, als Ihr? -- Bei Gott und dem heiligen Petrus, Herr,
Ihr solltet nur den Jammer nur das Herzeleid sehn, in welchem Kanella
verstoßen liegt; -- solltet nur das Winseln brodbettelnder Kinder, und das
ohnmächtige Fluchen der Erwachsenen hören, die kein Brod geben können, und
ich will des Todes sein, wenn Ihr nicht Augen und Ohren zupressen und Euch
nach andern Gegenden umsehn würdet, wie ich.
Florentin. (kalt) Leicht möglich.
Dulli. Nein, unwidersprechlich wahr! -- aber Ihr, gnädger Graf, nehmts mir
nicht übel, wenn ichs dürr heraussage -- Ihr seid schon leider verpestet
von Piedros Hofluft und Eure prangenden Wünsche sind elendiglich
eingetroknet am Strahl seiner Majestät. O, da, auf den glänzenden
Assembleen und Redouten, und Bällen und Maskeraden, und wie die höllischen
Freuden des Hofes mehr heißen, -- da gehts lustig her! da hört man vorm
Pauken- und Geigenschall das Aechzen der Hungrigen nicht, da sieht man die
Blutthränen des Unterthanen nicht vor den Reihen der blanken Tänzer und der
geschwungnen Weinbecher! Gott erbarms! -- Ihr seid verpestet!
Florentin. (warm) So wahr ich lebe, Dulli, noch bin ichs nicht!
Dulli. (freudig) Seid _Ihrs noch nicht_? -- wahrlich _noch nicht_? O dann,
Herr, dann steht meinem Vaterlande bei; -- Ihr könnts! Um Gotteswillen,
hastet Euch. -- Seht, sinds nicht schier vierzig Monate, daß wir hier
leben? Habt Ihr Euch in vierzig Monaten noch nicht auf das _Wie_? besinnen
können? -- O es ist ja so leicht zu erfinden, wenn Ihr nur ein
warmschlagendes Herz besizt! -- Seht, nehmt einen Dolch und stoßt ihn in
Piedros Wanst, erwürgt seinen Spürhund Benedetto, seinen Mordhund Moriz,
wenn sie von griechischen Weinen benebelt sind, oder sie an der Tafel vom
Mark des Unterthans schwelgen, oder sie am Busen ihrer Huren wollüsteln! --
Es ist ja kinderleicht! -- und dann lauf' ich hin auf den Dominikusplaz,
und schreie: Kanella du bist frei! und Tausende werden Freiheit mit mir
rufen und Tausende mit mir ihre Kniee vor Euch beugen! -- Nun, Herr?