Dritter Aufzug

Vorzimmer der Königin. Rechts eine Seitentüre, zu ihrem Gemach führend.

Im Hintergrunde der Haupteingang, an dem mehrere Hofleute stehen. Unter

ihnen Graf Peter. Der Arzt wartend im Vorgrunde.

Die Königin tritt aus ihrem Zimmer.

Königin.

Wo ist der Arzt?

Arzt.

Hier bin ich, gnäd'ge Frau!

Königin.

Mein Bruder gilt für krank, und Ihr bestätigt's.

Kommt Ihr von dort? Wie also steht's mit ihm?

Arzt.

Nicht gut, muß ich bekennen, doch zugleich,

Daß noch die Form, der eigentliche Sitz

Des Übelseins sich nicht bestimmen läßt.

Königin.

Ein feines Pröbchen Eurer Kunst!

Arzt.

Verzeiht!

Es läßt gar leicht sich Grund und Ursach' nennen,

Die Frag' ist nur, ob's auch zum Falle paßt.

Wir Ärzte sind Nachtreter der Natur

Und unsre Herrin geht auf dunkeln Pfaden.

Königin.

Ei gut! Ei schön!

(Zu Graf Peter.)

Man sagt ja, Eure Schwester

Sie geh aufs Land?--In dieser Jahreszeit?

Ohn' Urlaub und Begehr? Scheint's doch, sie lernt

Von ihrem Gatten Hofesbrauch und Sitte.--

Peter.

Verzeiht, sie harrt im Vorgemache draußen,

Ob Ihr erlaubt--

Königin.

Warum ward's nicht gemeldet?

Laßt sie herein.

(Es geht jemand.)

Nun, weiser Ödipus,

Fahr fort, und lös uns deine eignen Rätsel.

Arzt.

Des Herzogs Zustand läßt sich Fieber nennen.

Er liegt und starrt und schweigt. Die Pulse fliegen,

Die Stirne heiß, die Eßlust fort.

Königin.

Wieso?

Arzt.

Er schlug die Diener, die ihm Nahrung brachten,

Weist ab so Speis' als Trank.

Königin.

Seit wann?

Arzt (achselzuckend).

Wer weiß?

(Königin stampft mit dem Fuße.)

Ein treuer Diener seines Herrn · 第 7 / 11 题