Ich erfinde nichts, daher bin ich kein Schriftsteller und kein Dichter.
Das Leben trägt mir alles zu, ich habe nichts dabei zu verrichten, als
das Zugetragene _nicht_ zu verfälschen oder den anderen absichtlich
plausibler machen zu wollen, denn man hilft ihnen ja doch nicht dadurch.
Ich kannte vor vielen Jahren die Frau eines Literaturprofessors an der
Universität W. Eines Tages sagte sie zu ihm: »Ich liebe diesen jungen
Schauspieler, den wir vor vier Tagen (so lange brauchen nämlich die
Reizungen des Nervus sympaticus, um dringend zu werden in der Seele)
gemeinsam im Theater genossen haben — —«
»Lade ihn aber vorerst zu uns zu einem Souper ein, damit man sehen
könne, ob er dieselbe Wirkung auf dich ausübt außerhalb seines
Idealterrains — —«
Nach dem Souper sagte sie zu ihrem Gatten:
»Es ist nichts mit diesem Manne. Oh, du, du, du einziger — — —.«
Als ihr Mann in jungen Jahren gestorben war, sprach sie einst einen
fremden Herrn vormittags, Ecke Kärntnerstraße und Graben an: »Ich
ersuche um Ihren Namen und Ihre Adresse — — —.«
Seitdem arbeitete sie tagelang an Dingen der sogenannten Nadelmalerei,
wobei man mit verschiedenfarbiger Seide die zarten Nuancen von
Gegenständen nachzuahmen versucht. Alle diese Dinge schickte sie dem
fremden Manne und war glücklich dabei und vor allem friedvoll, seelisch
beschäftigt. Später unterrichtete sie Dorfkinder umsonst im
Französischen, ihrer Muttersprache. Und dann hörte ich nichts mehr über
sie 35 Jahre lang. Aber stets gedenke ich ihrer, besonders wenn ich an
die modernen Tennisspielerinnen denke! Die suchen sich auch »die Zeit zu
vertreiben«!?!