Ich bin durch einen Brief meines wirklichen Freundes und
freundschaftlichsten (er schreibt unerhört flink auf einer allerbesten
Schreibmaschine) Fr. W. erst zur Erkenntnis gekommen, zur plötzlichen
einbrechenden einfachsten Erkenntnis, daß _gut_ Briefe schreiben nur
bedeuten könne, _so_ zu schreiben, als _höre_ der Briefempfänger während
des Lesens unmittelbar den neben ihm sitzenden Schreiber des Briefes
laut und eindringlich mit ihm _sprechen_! Diesen Unterschied des
_schweigend_ Schreibenden und des _tönend_ Sprechenden ausgleichen
können, vollständig, in einem Briefe, heißt Brief _schreiben können_!
Alles andere ist literarischer Mumpitz mit Lorbeeren gekrönt à la
Schweinskopf. Temperament, Ungezogenheiten, Eigenheiten, Frechheiten,
Dummheiten, alles muß _herausgellen_, gellen, gellen; sonst ist
es eine gemachte, verlogene und daher _ennuyante_ Sache!
Briefmomentphotographie!
Zu mir kam einmal einer meiner Freunde, der Uhrmacher Josef T. Er hatte
seine wunderbare 23jährige Geliebte zu Grabe geleitet.
»Peter, Sie kennen mich, helfen S’ mir! Eine Grabschrift von Ihnen für
meinen marmornen Gedenkstein! Wann darf ich hoffen, daß Ihnen was
Passendes einfallen dürfte?!?«
»_Sofort_,« erwiderte ich mitten auf der Straße, »oder _nie_!«
Er riß sein Notizbuch heraus.
Ich schrieb:
»Ich war der Uhrmacher Josef T.,
Und dann war ich im Paradiese durch Dich — — —.
Und jetzt bin ich wieder der Uhrmacher
Josef T. — — —.«
So rasch, so prompt muß man seine Menschlichkeiten ausschütten; denn
später wird es eine fade Sauce! Daher die vielen faden Saucen — — —.