Also dieser aristokratisch-einfache, zweckmäßig gegliederte alte Bau
soll nun auch verschwinden!
Statt dessen werden schreckliche Unnötigkeiten erstehen, Türmchen mit
Kupferplatten versehen, oder eiserne schwarze, oder vergoldete; riesige
Emailplatten in allen Farben; kleine Balkone, auf die niemand
hinaustreten kann, mit Geländern wie irrsinnig gewordene Schlänglein!
Ein Tohuwabohu von Unzulänglichkeiten! Ein architektonischer Hexensabbat
alles Unnötigen, Unzweckmäßigen, blöd Verschwendeten auf Erden! In
unseren geliebten Spielereischachteln einstens waren Häuser mit glatten
edlen Wänden, breiten Fenstern, hohen Dächern, großen Haustoren. Da
konnten wir uns weite, stille, abgeschiedene Zimmer hineindenken, in
denen man ein Refugium fand vor den Stürmen des äußeren Lebens! Aber
heutzutage ist man ehrlich; an der Schnickschnackfassade sollst du es
nämlich sogleich zu spüren bekommen, daß du auch in deinem eigenen, von
dir selbst bezahlten Zimmer, keinerlei klösterlichen Frieden, Ruhe,
Sicherheit, Vereinsamung, Abgeschlossenheit mehr finden könntest — — —!
Die Menschen suchen Ornamente, Verschnörkelungen, _Zieraten_ (ein
ekelerregendes Wort), weil sie zu ihren eigenen, in sie von Gott
gelegten _Paradieseseinfachheiten_ noch nicht vorgedrungen sind!
Der alte, einfache, edle Trattnerhof hat durch Jahrzehnte niemanden
gestört, belästigt. Ich sehe nun schon alle Künsteleien ihre
schändlichen Orgien feiern. Häuser werden zum Bewohntwerden errichtet,
meine Herren Architekten; architektonische Knockabouts gehören in den
Wurstelprater!