Liebes, liebes Fräulein, Mitzi von der »Lamingson-Truppe«!
Ich weiß es nicht, wie lange Sie noch in Wien und hier im »Casino de
Paris« bleiben werden, und eines Tages können Sie fort sein, fort auf
Nimmerwiedersehen, irgendwohin in die lustige oder traurige Welt der
Künstler, der Artisten, tausend und tausend merkwürdigen Schicksalen und
Begebenheiten ausgesetzt!
Mögen Sie es daher wissen, daß ein alter armer glatzköpfiger uneleganter
Dichter Ihnen nachweinen wird und Ihre herrliche liebliche wundervolle
Persönlichkeit gleichsam im Innern seiner Augen aufbewahren wird, lange
lange lange Zeit — — —.
Man vergleicht oft junge Mädchen mit schlanken Rehen im Walde; aber
niemals, niemals hat ein Vergleich so sehr gestimmt! Sie sind das
schlanke rührende edelbeinige Reh, nicht ahnend, woher der Schuß eines
grausamen Jägers kommen wird im Waldesfrieden — — —.
Ihre lieben lieben, beim Lächeln zusammengezwickten Augen, werde ich nie
nie vergessen, nie Ihre blondbraunen Haare, Ihre aristokratisch-noblen
Glieder, Ihre edelgebogene und dennoch rechtzeitig abstumpfende Nase,
Ihren süßen Mund!
Wenn Sie fort sind, Mitzi, Fräulein Mitzi, wird es mir sein, wie wenn
mir jemand ungeheuer Liebes gestorben wäre, und ich werde Ihnen
nachtrauern und um Sie besorgt sein!
Ihre außergewöhnliche Schönheit, Ihr Leib, der wie das zarte Gedicht
eines Dichters ist, haben mich tief, tief gerührt; und ich möchte, daß
junge, reiche elegante Männer mit derselben Ehrfurcht vor Ihrer
lieblichen Herrlichkeit sich innerlich verneigen könnten wie ich alter
Mann.
Man müßte Sie betreuen und beschützen wie einen kostbaren lebendigen
Gegenstand, man müßte für Sie sorgen bei Tag und bei Nacht. — — — Mit
liebevollster Fürsorge!
Lächeln Sie nicht, wenn Sie diese Zeilen lesen, Ihre Härte könnte mich
nicht verwunden, nicht verletzen — — —.
Ich bete zu Gott, daß Sie glücklich werden, Sie Allerlieblichste!!!
Peter Altenberg.