9. und 10. Rudolf und Heinrich † 1300, Enkel König Rudolfs von
Habsburg.
Die Grabsteine für 5, 6, 7, 8 und 9 liegen unter der Treppe vor dem
Altar.
Rechts davon liegen: 11. und 12. Adalbert † 1136 und Ernest † 1137
Markgrafen von Oesterreich, Söhne Leopolds des Heiligen.
13. und 14. Gertrud von Braunschweig † 1326, Gemahlin Friedrichs
des Streitbaren und Richardis, Gemahlin Heinrichs des Grausamen,
Tochter des berühmten Landgrafen Hermann von Thüringen.
III. An das Capitelhaus schließt sich die ~Todtenkapelle~ an, vom
Abte Martin von Egris 1349 zu Ehren des heiligen Alexius gestiftet.
Hier ruhen der Stifter der Kapelle und der um das Stift hochverdiente
Abt Robert † 1755.
~Das Radfenster~, gemalt 1845 von Friedrich Walzer, zeigt links den
ersten Abt Gottschalk, rechts den heiligen Leopold. Interessant sind
die barocken Leuchter, welche Todtengerippe darstellen.
Rings an den Wänden herum sind ~Grabsteine verstorbener Capitularen des
Stiftes~ aus dem 17. und 18. Jahrhundert eingefügt.
IV. Neben der Todtenkapelle ist das frühgothische etwa gleichzeitig
mit dem Capitelhaus gebaute ~untere Schlafhaus~. Diese Halle war einst
der Schlafraum der Mönche.
=Oberes Schlafhaus.=
Vom unteren Schlafhause führt eine Stiege in das obere, Ende des 14.
Jahrhunderts gebaute Schlafhaus, eine mächtige, von 20 Säulen getragene
Halle im gothischen Style. Dieser kirchenartige Saal diente früher
ebenfalls als Schlafraum für die Mönche.
An der Südwand stehen die zwei Colossalstatuen »~Sebastian und Rochus~«
von Giulliani. Vom selben Meister ist auch die Kreuzabnahme, eine sehr
belebte figurenreiche Gruppe.
~An der Westwand sind fünf Gemälde angebracht~:
1. Der heilige Laurenz, das Hochaltarbild aus der ehemaligen
Mayerlinger Kirche,
2. der heilige Benedict und seine Schwester, die heilige
Scholastica, gemalt von Rothmayr 1710,
3. der heilige Leopold, gemalt von Altomonte 1729,
4. Tod des heiligen Josef, von Altomonte 1731,
5. der heilige Stefan, von Rothmayr 1710.
=Bibliothek.=
Links in der südlichen Ecke dieser Halle führt eine Thür in die aus
zwei Sälen und zwei Zimmern bestehende Bibliothek, die ~über~ 40.000
~Bände~ umfaßt, darunter 500 ~Handschriften~ aus dem 10., 11., 12., 13.
und 14. Jahrhundert, dann ~viele Incunabeln~ und seltene Bibelausgaben.
~Der große Saal~ mit Fresken von Rothmayr wurde 1701 vom Abt Marian
I. († 1701) erbaut; ~der zweite Saal~, der Gartensaal mit Stuckarbeit
und Fresken, wurde in der jetzigen Gestalt vom Abt Xaver (1824-1841)
eingerichtet.
=Schatzkammer.=
Die Schatzkammer ist ein schmuckloser Raum, nur die alten
Paramentenkästen tragen reiches Schnitzwerk.
1. ~Ornate~: Davon wären hervorzuheben:
a) eine rothe Casel unter Abt Michael II. 1641 erworben;
b) ein rother Ornat aus der Zeit des Abtes Gerhard (1705-1728),
c) ein weißes goldgesticktes Meßkleid, selbsteigene Arbeit der
Kaiserin Maria Theresia; im Kelchtuch Vexirbilder.
2. ~Kelche und Ciborien.~ Unter den Kelchen sind bemerkenswerth:
a) ein großer goldener Kelch vom Abt Clemens angeschafft, Augsburger
Arbeit aus dem Jahre 1679;
b) ein niedriger silberner, reich vergoldeter Kelch aus dem 17.
Jahrhundert;
c) ein spätgothischer Ciboriumdeckel aus dem 15. Jahrhundert;
d) ein Barockciborium;
3. ~Mehrere Monstranzen.~
4. ~Infeln und vier Hirtenstäbe~:
a) silberner Krummstab vom Abt Gerhard;
b) gothisches Pastorale 1866;
c) silberner Krummstab aus dem Stifte St. Gotthard;
d) schönes Pastorale von einem Verehrer des gegenwärtigen Abtes, zu
dessen Profeß-Jubiläums 1893, gespendet.
5. ~Reliquiare~:
a) eine Reliquie des heiligen Leopold, die Fassung 1756;
b) eine kleine Kreuzpartikel in schöner mit Steinen besetzter
Kreuzfassung;
c) ein Versehkreuz aus Bergkrystall, ebenfalls mit einer kleinen
Kreuzpartikel;
d) ein Dorn aus der Dornenkrone Christi;
e) Reliquien des heiligen Gregorius Magnus;
f) die große silberne Kreuzpartikelfassung, eine werthvolle
getriebene Arbeit aus dem Jahre 1749.
6. ~Kirchengeräthe.~ Romanische Leuchter aus dem 12. Jahrhundert,
silberne Meßkännchen, silberbeschlagenes Missale, ein von der
Kaiserin Maria Theresia gestickter Baldachin u.s.w.
7. ~Kreuze~, darunter ein bleiernes Crucifix, ein Werk Raphael
Donner's.
8. ~Raritäten~:
a) Elfenbeinbuchdeckel aus dem 9. Jahrhundert; den heiligen Gregor
darstellend;
b) byzantinische Madonna aus Serpentin, 11. Jahrhundert;
c) ein Bild aus Bernstein, Korallen und Elfenbein zusammengesetzt;
d) ein Altar aus Achit, korinthischem Marmor und Lazurstein u.s.w.
=Sommerchor.=
Vom oberen Dormitorium gelangt man durch das Winterchor auf das
große Musikchor. Dort hinter der großen Orgel sind die ~kunstvoll
geschnitzten Chorstühle~ aufgestellt zum Theil von Giulliani -- die
Kniebänke älter. Die Holzreliefs enthalten das Leben Jesu, die Figuren
sind aus allen Ständen genommen, als: Krieger, Mönche, Dichter,
Künstler, Fürsten, Priester, Bischöfe, Cardinäle, Könige und Päpste.
=Orgel.=
Die große Orgel mit zwei Manualen, 62 Register und 53 klingende
Stimmen, dann 2376 Pfeifen wurde 1802 von Ignaz Kober in Wien gebaut.
Von besonderer Schönheit sind die zarten Register, wie: Gamba,
Calicional, Flöte u.s.w. Mächtig klingt das Vollwerk, besonders die
Bässe, darunter zwei Register 32 Fuß.
=Sacristei.=
Vom oberen Dormitorium führt eine Stiege zur Sacristei hinab, die vom
Abt Clemens 1667 erbaut, und mit Fresken ausgeschmückt ist. Die feine
~Stuckarbeit~ übertrifft an Schönheit der Zeichnung alle anderen Räume
dieses Styles im Stifte.
~Die Paramentenkästen~ mit kunstvoller Holzmosaik, verfertigt 1802,
stammen aus den Händen der geschickten Laienbrüder Lucas Barth und
Caspar Willer. Hier wird auch ~die große Kreuzpartikel~ verwahrt, die
Herzog Leopold V. der Tugendhafte auf einem Kreuzzuge 1182 vom König
Balduin erhalten hatte und die er 1187 dem Stifte spendete.
=Bernhardikapelle.=
Vom Sacristeihof gelangt man zur gothischen vom König Albrecht I. 1300
gestifteten Bernhardikapelle, die unter Abt Marian I. 1697 in die
jetzige Form gebracht wurde. An der Außenseite dieser Kapelle stehen
die Grabsteine der Aebte Marian II. † 1803; Nicolaus II. † 1824 und
Alberik † 1787.
=Kreuzweg.=
Lohnenswerth ist auch der Besuch des längs der Gaadnerstraße angelegten
Kreuzweges, zu welchem außerhalb des Wiener Thores rechts eine
Stiege führt. Derselbe wurde 1732 vom Abte Robert und den Einsiedler
Sebastian Zettel erbaut. In jeder Station ist eine Leidenscene in
Holzrelief in einer gemauerten Kapelle dargestellt. Längs des ganzen,
von einer Baumallee beschatteten Weges stehen Sandsteinfiguren, theils
von Giulliani, theils unter seiner Leitung von dem Familiaren Josef
Schnitzer ausgeführt.
Den Abschluß bildet die mit einem Thürmchen geschmückte
~Kreuzwegkapelle~ und unten am Fuße des Hügels der ~idyllische
»Heilandsbrunnen«~, der den Heiland darstellt, aus dessen Seitenwunde
ein Wasserstrahl springt, darüber die Inschrift: »~Ihr werdet mit
Freude Wasser schöpfen aus dem Brunnen des Heilandes«~. Isaias 12, 3.
[Illustration]