Der Sturm ist _vorüber_. Mit unsrer Freundschaft ist es _aus_. Du bist
_im Irrthum_. Der Knabe ist (befindet sich) _auf der Wiese_. Gott ist
_ein Geist_. Der Soldat wird _ein Held_. Der Bruder bleibt (ist) _mein
Nachbar_.
§. 39. 1. Der _Gegenstand_ kann stehen:
a. in der _Einzahl_ und _Mehrzahl_;
b. in drei _verschiedenen Personen_:
Ich schreibe, du schreibst, er schreibt, wir schreiben etc.
2. Die _Aussage_ kann stehen:
a. in der _Gegenwart_, _Vergangenheit_ u. _Zukunft_;
b. in der _Wirklichkeits-_, _Möglichkeits-_ und _Befehlsweise_.
3. _Gegenstand_ und _Aussage_ stehen immer in _gleicher_ Zahl und
Person.
Der Vater geht. Die Väter gehen.
4. _Zwei_ und _mehrere Gegenstände_ erfordern die Aussage in der
_Mehrzahl_.
Der Vater und die Mutter gehen aus.
5. Bei der Frage nach dem Gegenstande hat man auf Person und Zahl, bei
der Frage nach der Aussage auf Zeit und Aussageweise zu achten:
Wer blüht? Wer hat geblüht? Wer wird blühen? -- Was thut der Baum? Was
hat der Baum gethan? Was kann der Baum thun?
II. Der erweiterte Satz.
§. 40. Werden _Gegenstand_ oder _Aussage_ des einfachen Satzes, oder
beide zugleich _näher bestimmt_ (erweitert, ergänzt, ausgebildet) so
erhält man den _erweiterten_ Satz.
A. _Nähere Bestimmungen des Gegenstandes._
Sie antworten auf die Frage: welcher, e, es, und sind somit
_eigenschaftlichen_ Characters.
Der _Gegenstand des Satzes_ kann näher bestimmt werden:
1. Durch ein _Fürwort_:
_Dieser_ (jener, dein) Baum blüht. _Derselbe_ Mann war es.
2. Durch ein _Eigenschaftswort_:
Der _große_ Baum blüht. Ein _gutes_ Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
3. Durch ein _Zahlwort_:
Der _dritte_ Baum blüht. _Drei_ Bäume blühen. _Aller_ Anfang ist schwer.
4. Durch ein _Hauptwort_ im 1. Fall:
Kaiser _Karl_ lebte zur Zeit Luthers. Friedrich der _Große_ erbaute
Sanssouci. Sechs Loth _Zucker_ kosten einen Silbergroschen. Bruder
_Fritz_ ist verreist. Doctor _Mai_ ist angekommen.
5. Durch ein _Hauptwort_ im 2. Fall:
Der Baum _meines Bruders_ blüht. Die Furcht _des Herrn_ ist der Weisheit
Anfang.
6. Durch einen _Umstand_, der auch durch ein Verhältnißwort mit seinem
Fall ausgedrückt werden kann:
Der Garten _dort so hübsch_ etc. Der Baum _in der Stube_ blüht. Ketten
_von Gold_ drücken oft schwer. Ein Sperling _in der Hand_ ist besser,
als eine Taube _auf dem Dache_.
7. Durch ein _Zeitwort_ in der _Grundform_:
Die Lust zu _sterben_ ist selten.
_Anm._ Das Eigenschaftswort kann stets durch ein Umstandswort oder
ein Verhältnißwort mit seinem Falle näher bestimmt werden. Z. B.
Die _mit Anlagen_ begabten Schüler. Die _recht_ gute Schrift.
B. _Nähere Bestimmungen der Aussage._
§. 41. a. _Die Aussage_ kann, wenn sie durch ein _Hauptwort mit dem
Hülfszeitwort sein_ ausgedrückt wird, durch die Bestimmungen des
Gegenstandes erweitert werden.
Ueberhaupt können Hauptwörter, die in einem Satze vorkommen, die 7
Bestimmungen des Gegenstandes annehmen.
Hunger ist der _beste Koch_. Müßiggang ist _aller_ Laster Anfang.
Dienstjahre sind _keine_ Herrenjahre. Thorheit ist _eine Schwester_ der
Dummheit.
§. 42. b. Besteht die Aussage aus einem Zeitwort oder Eigenschaftswort,
so kann sie _näher bestimmt_ werden:
a) Durch Bestimmungen _gegenständlichen_ Charakters.
1. Durch den 4. Fall (_regierter_ oder _leidender Gegenstand_ =
_Object_):
Ein faules Ei verdirbt _den ganzen Brei_. Böse Gesellschaft verdirbt
gut' _Sitte_. Uebung macht _den Meister_. S. §. 29.
2. Durch den 4. u. 3. Fall. (3. Fall = _betheiligter Gegenstand_):
Der Mann schenkt _dem Knaben_ eine Birne. Die Mutter verbietet _dem
Kinde_ das Naschen. Der Krieg nimmt _dem Lande_ seine Söhne. S. §. 29.
3. Durch den 4. u. 2. Fall. (2. Fall = bewirkender Gegenstand):
Der Dieb beraubt _mich meines Geldes_. S. §. 30. 1.
4. Durch zwei 4. Fälle:
Er nannte _ihn einen Narren_. Herr, lehre _mich deine Steige_! Wer
lehrt _das Auge seine Pflicht_? Herr, lehrt _mich bess're Sachen_! S.
§. 30. 2.
5. Durch den 3. Fall:
Der Schüler antwortet _mir_. Der Knabe ist _ihm_ ähnlich. _Peter dem
Großen_ wurde die Bildung seines Volkes sehr schwer. S. §. 28.
6. Durch den 2. Fall:
Ich bedarf _seiner_ nicht. Ich bin _meiner Sache_ gewiß. Eigner Herd
ist _Goldes_ werth. Tugend bedarf _keines Ausrufers_. S. §. 27.
b. Durch Bestimmungen _umständlichen_ Charakters.
7. Durch einen _Umstand des Ortes_:
Der Fisch lebt _im Wasser_. Treue Hand geht _durch's ganze Land_.
Der Knabe spielt _hier_, _dort_ etc. Man suchte ihn _aller Orten_.
S. §. 32. 1.
8. Durch einen _Umstand der Zeit_:
Die Bäume blühen _im Frühling_. Die Bäume blühen _jetzt_. _Des Morgens_
schläft er und _des Abends_ ist er munter. Rom ist nicht _in einem
Tage_ erbaut. S. §. 32. 2.
9. Durch den _Umstand der Weise_:
Ich singe dir _mit Herz und Mund_. Der Schüler singt _rein_ und
_richtig_. Zwei harte Steine mahlen _nicht_ gut. Er mußte _stehenden
Fußes_ umkehren. S. §. 32. 3.
10. Durch einen _Umstand des Grundes_:
Der Knabe weint _vor Schmerz_. _Gesundheitshalber_ giebt er die Arbeit
auf.
_Anm._ Die Umstände des Ortes, der Zeit und der Weise können
ausgedrückt werden durch:
a. Verhältnißwörter mit ihren Fällen;
b. Umstandswörter;
c. Fälle der Hauptwörter.
Der Umstand des Grundes kann nur durch ein Verhältnißwort mit
seinem Falle ausgedrückt werden.
11. Durch ein Zeitwort in der _Grundform_:
Ich höre ihn _kommen_. Er hat mich _gehen_ heißen. Der Freund hat ihm
_schreiben_ helfen.
Mehrere Bestimmungen.
§. 43. _Gegenstand und Aussage_ können durch mehrere _verschiedene_
Bestimmungen (Ergänzungen) zu gleicher Zeit ausgebildet werden.
Zwischen ihnen steht kein Zeichen.
Dieser freundliche Sohn meiner vielgeliebten Tante schenkte jenem armen
Knaben am ersten Weihnachtstage auf dem Weihnachtsmarkte diesen recht
warmen Anzug. Der fleißige Knabe aus dem benachbarten Dorfe schreibt
morgen früh um acht Uhr in der obern Schule seinem Vetter in der Stadt
einen sehr langen Brief zum nächsten Geburtstage.
Werden sie jedoch durch _gleichartige_ Bestimmungen erweitert, so steht
zwischen diesen ein Komma, wenn sie nicht durch „_und_“ verbunden sind:
Marie war eine klare, heitere, thätige und wackere Schülerin.
III. Der zusammengesetzte Satz.
§. 44. Jeder _zusammengesetzte Satz_ besteht aus einfachen oder
erweiterten Sätzen oder aus beiden zugleich. Sind diese Sätze von
einander unabhängig -- ist jeder einzelne für sich verständlich, -- so
nennt man sie beigeordnet (coordinirt):
Friede ernährt; Unfriede verzehrt.
Sind sie aber von einander _abhängig_ -- kann der eine ohne den andern
nicht verstanden werden, -- so sind sie einander _über_- und
_untergeordnet_:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
Die übergeordneten (superordinirten) Sätze heißen -- sind sie
unabhängig -- _Hauptsätze_, die untergeordneten (subordinirten) heißen
_Nebensätze_.
1. Hauptsätze sind Hauptsätzen beigeordnet:
Der Knecht hat erstochen den edlen Herrn; der Knecht wär' selber ein
Ritter gern. Mit Vielem hält man Haus; mit Wenigem kommt man aus.
2. Nebensätze sind Nebensätzen beigeordnet:
Wenn du deinen Beruf treu erfüllst; wenn du den Gesetzen des Landes
gehorchst: so soll Niemand dir ein Leid zufügen.
3. Hauptsätze sind Nebensätzen übergeordnet.
4. Nebensätze sind Hauptsätzen untergeordnet:
Und als er die güldenen Sporen ihm gab, da schleudert's ihn wild in den
Strom hinab.
5. Nebensätze können Nebensätzen über- und untergeordnet sein. Es giebt
also Nebensätze ersten, zweiten u. s. w. Ranges:
Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er
vollbringt.
A. Beigeordnete Sätze.
§. 45. 1. _Beigeordnete Sätze_ werden gar nicht oder durch Bindewörter
der Beiordnung verbunden. S. §. 33. A.
2. Zwischen beigeordneten Sätzen -- sind sie nicht sehr kurz -- steht
ein Semikolon (;), ausgenommen vor „_und_“ und „_oder_“, vor diesen
steht ein Komma.
Sie können sein:
1. _Anreihend_:
Redlich sei des Herzens Grund; redlich spreche stets der Mund. Jede
Stund' ist wichtig; Müßiggang ist nichtig. Töne entlockt er der Flöte
_und_ das Echo des Berges wird wach. Im Herbste werden die Tage kürzer;
_auch_ kühlt sich die Luft immer mehr ab. Dort nahet der Feind; _nun_
laßt uns wacker kämpfen! Zuerst beginnt der Tag zu dämmern; _dann_
verlieren die Sternlein ihren Glanz; _zuletzt_ erscheint die Sonne in
ihrer Purpurpracht. _Nicht nur_ suchte ich ihn im Felde; _sondern_ mein
Bruder durchlief auch den Wald.
2. _Entgegenstellend_:
Heute wird _entweder_ jenes Gras gemäht, _oder_ dieses Holz wird
eingefahren. Schönheit verläßt uns bald; _aber_ ein getreues Herz
bleibt uns. Die Biene ist zwar ein kleines Thier; _allein_ sie kann
große Schmerzen verursachen.
3. _Begründend_:
Wo ihr wohnet, da verschönet jedes gute Herz den Ort; _drum_ verweilet
froh und eilet nur so bald nicht wieder fort. Das Glas ist spröde;
_daher_ läßt es sich nicht biegen. Der Mensch kann das Gute thun und
das Böse lassen; _denn_ er hat freien Willen. Ich hatte schon einem
Andern mein Wort gegeben; _deßhalb_ konnte ich deinem Wunsche nicht
nachkommen.
Zusammengezogene Sätze.
§. 46. Gehören in _beigeordneten_ Sätzen _mehrere_ Gegenstände (Subj.)
zu _einer_ Aussage (Praed.), oder _mehrere_ Aussagen zu _einem_
Gegenstande, so hat man _zusammengezogene Sätze_:
Grobheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Hoffen und Harren macht
Manchen zum Narren. Bewegung, Mäßigkeit und Ruh' schließt dem Arzt
die Thüre zu. Einige Blumen blühen im Sommer, andere blühen im
Herbste. Der Fuchs ist schlau, listig und raubgierig. Er kam, sah' und
siegte. Nadelhölzer sind: Tannen, Fichten, Kiefern etc. Fleiß bringt
Brod, Faulheit Noth. Roggen wird entweder geschnitten oder gemäht.
Verschlossener Mund und offene Augen haben noch Niemandem geschadet.
Sammet und Seide löschen das Feuer in der Küche aus.
Anm. In den zusammengezogenen Sätzen steht vor „_und_“ und „_oder_“
kein Komma.
B. Nebensätze.
§. 47. Der _Nebensatz_ steht immer an der Stelle eines Satzgliedes und
kann in ein solches verwandelt werden.
Die Nebensätze werden durch die Bindewörter der Unterordnung mit den
Hauptsätzen verbunden. S. §. 33. B.
Da es dreierlei nähere Bestimmungen giebt, so giebt es auch dreierlei
Nebensätze.
1. Eigenschaftssätze.
Die Nebensätze können stehen für _eigenschaftliche Bestimmungen_ =
_Eigenschaftssätze_ (Adjectiv-, Relativ-Sätze). Sie werden mit dem
Hauptsatze in der Regel durch die zurückbeziehenden Fürwörter: welcher,
e, es; der, die, das, auch wohl durch: _wo_, _wann_, _wie_, verbunden:
Nichts ist so elend, als ein Mann, der Alles will, und der Nichts kann.
= Nichts ist so elend, als ein Alles _wollender_ und _Nichts könnender_
Mann. Die Sterne, welche ihr eigenes Licht haben, heißen Fixsterne.
2. Gegenstandssätze.
§. 48. Die Nebens. können stehen für gegenständliche Bestimmungen =
_Gegenstandssätze_ (Substantiv-Sätze) und werden mit dem Hauptsatze in
der Regel durch: _daß_, _ob_, _wer_, _was_, _wo_, _wann_, _wie_ etc.
verbunden. Als solche können sie sein:
a. _Gegenstandssätze_ für den 4. Fall (Object-Sätze).
Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, was du werth
bist. = Sage mir _deinen Umgang_, und ich will dir _deinen Werth
sagen_. Wer läuft, den jagt man. Wer _hoch_ steht, den sieht man.
1. Hierher gehören auch die Sätze, die angeben, was Jemand sagt, meint,
behauptet etc.
Solon sagte: Niemand ist vor seinem Tode glücklich.
2. Vor der wörtlich angeführten (directen) Rede steht ein Doppelpunkt.
Häufig folgen diesem Doppelpunkt auch noch Anführungsstriche:
Solon sagte. „Niemand ist vor seinem Tode glücklich.“
3. Tritt der Einführungssatz zwischen den Ergänzungssatz, so sind die
Zeichen in folgender Weise zu setzen:
„Niemand“, sagte Solon, „ist vor seinem Tode glücklich“. -- „Komm mit“,
sprach neulich der Klaus zu mir, „vor dem Thore etc.“
4. Führt man die Rede nicht wörtlich (indirect) an, so werden die Sätze
durch ein Komma getrennt:
Solon sagte, daß Niemand vor seinem Tode glücklich sei.
b. _Gegenstandssätze_ für den 2. Fall (Genitiv-Sätze):
Der Gedanke, daß Gott gerecht sei, giebt allein dem Menschen Ruhe = der
Gedanke _der Gerechtigkeit_ Gottes giebt allein etc. Er erinnerte sich,
daß er ihn gesehen = seines Anblicks.
c. _Gegenstandssätze_ für den 3. Fall (Dativ-Sätze):
Verkündige die Nachricht, wem du zuerst begegnest = _dem dir zuerst
Begegnenden_. Wem nicht zu rathen ist, dem ist nicht zu helfen. Wer
zürnet, dem reiche kein Messer.
§. 49. d. Auch das Subject kann durch einen Nebensatz ausgedrückt
werden = (Subject-Sätze):
Wer Pech angreift, besudelt sich = der Pech _Angreifende_ besudelt
sich. Wer antwortet auf unnütz Geschrei, der macht aus einem Unglück
zwei. Wer nicht hören will, muß fühlen.
3. Umstandssätze.
§. 50. Die _Nebensätze_ können stehen für _umständliche Bestimmungen_
(Umstands-, Adverbial-Sätze). Sie können sein:
a. _Umstandssätze des Ortes:_
Er starb, wo er geboren war = _an dem Orte_ seiner Geburt.
b. _Umstandssätze der Zeit:_
Wenn die Sonne scheint, ist unser Zimmer hell = beim Schein der Sonne.
c. _Umstandssätze der Art und Weise:_
Wie der Mensch säet, so wird er ernten = _seiner Saat gemäß_.
d. _Umstandssätze des Grundes:_
Der Christ liebt und ehrt die Tugend, weil sie Gott gebietet = _um des
göttlichen Gebotes_ willen.
Satzkürze. Beisatz. Anrede.
§. 51. 1. Fehlen in den _Nebensätzen_ Satztheile, so hat man _verkürzte
Sätze_ (Satzkürzen). Die fehlenden Theile lassen sich leicht ergänzen:
Es ist ein großes Glück, gute Eltern zu haben = wenn man gute Eltern
hat. Des Weges unkundig, verirrte ich mich = da ich des Weges unkundig
etc. Allzustraff gespannt, zerspringt der Bogen = der Bogen zerspringt,
wenn er etc. Das Recht spricht: Jedem das Seine! Die Liebe: Jedem das
Deine! Johann, der muntere Seifensieder, erlernte viele schöne Lieder =
Johann, welcher ein munterer Seifensieder war, erlernte etc.
2. Ist im verkürzten Nebensatze, wie in dem letztgenannten Beispiele,
die Aussage durch ein Hauptwort ausgedrückt, so hat man einen _Beisatz_
(Gleichstand, Apposition). Der Beisatz muß mit dem Hauptworte, zu dem
er gehört, in gleicher Zahl und im gleichen Falle stehen:
Hans Gutgenug, _der bequeme Knecht_, macht seine Sache nur halb und
schlecht. Vor der Stimme des Löwen, _des Königs_ der Wälder, fürchten
sich alle Thiere.
3. Auch die Anrede ist ein verkürzter Satz:
Gott grüß dich, _Alter_, schmeckt etc. Gott sieht dich, _Kind_, d'rum
scheu die Sünd'! _Kind_, wirst du roth, so warnt dich Gott.
Stellung der Nebensätze.
§. 52. 1. Stehen _Nebensätze vor dem Hauptsatze_, so heißen sie
_Vordersätze_; der _Hauptsatz_ aber heißt _Nachsatz_:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
2. Stehen sie _zwischen den Theilen des Hauptsatzes_, so heißen sie
_Zwischensätze_:
Fritz, der im Gehen recht Zeit zum Lügen fand, log auf die
unverschämteste Weise.
3. Stehen sie _nach_ dem Hauptsatze, so heißen sie _Nachsätze_:
Es helfen weder Licht noch Brill', wenn das Aug' nicht sehen will.
§. 53. _Nebensätze_ werden durch ein _Komma_ vom Hauptsatze getrennt;
_Zwischensätze_ stehen zwischen 2 Komma. Für die verkürzten Nebensätze
gilt dasselbe. Es steht also auch der _Beisatz_ und die _Anrede_
zwischen 2 Komma. Steht die Anrede zu Anfang des Satzes, so folgt ihr
ein Komma: Johann, bring' Holz! In Briefen folgt der Anrede auch ein
Ausrufungszeichen: Lieber Freund!
Bemerkungen.
1. _Unvollständige Hauptsätze_ (elliptische Sätze) sind:
Guten Morgen! Nein! Ja! Feuer! Herein! Achtung geben!
2. Enthalten Sätze nicht nothwendig zum Zusammenhange der Rede
gehörende Bemerkungen, so heißen diese _eingeschobene_ Sätze und
werden zwischen Klammern, Parenthesen oder Gedankenstriche gesetzt:
Der Schelm -- ich will ihn zwar nicht schimpfen -- der etc.
Auch benutzt man die Parenthese () zur Einschaltung einzelner Wörter.
3. Es giebt auch _abgebrochene_ Sätze:
Wenn du nicht gehst, so ....
Die Periode.
§. 54. Mehrere Sätze können eine _Periode_ bilden. Es giebt _zwei-_
und _mehrgliedrige Perioden_.
Vorder- und Nachsatz werden in einer zweigliedrigen Periode durch ein
Semikolon getrennt:
Weil der Westwind über den atlantischen Ocean weht und die Ausdünstungen
desselben mit sich führt; so pflegt er uns Regenwetter zu bringen.
Vorder- und Nachsatz werden in einer mehrgliedrigen Periode durch ein
Kolon, unter sich aber durch ein Semikolon getrennt:
Wenn du wahrhaft und auf die Dauer glücklich zu sein wünschest; so
befleißige dich eines rechtschaffenen Lebens: denn nur der
Rechtschaffene vermag in Wahrheit glücklich zu sein.
Satzzeichen.
§. 55. Deutlichkeit in Schrift und Rede erfordern es, daß man
Zusammengehöriges nicht auseinander reiße, Verschiedenes aber
andererseits aus einander halte. Um dieses zu können, bedient man sich
der *Satzzeichen* (Interpunction). Diese sind:
A. Satzpausenzeichen.
1. Der *Strich* oder das *Komma* (,);
2. der *Strichpunkt* oder das *Semikolon* (;);
3. der *Doppelpunkt* oder das *Kolon* (:);
4. der *Punkt* (.);
5. der *Gedankenstrich* (--).
Ueber den Gebrauch der Nr. 1-4 ist bereits bei der Satzlehre gesprochen.
Der Gedankenstrich steht, um eine größere Pause als den Punkt
anzuzeigen, oder um die Aufmerksamkeit des Lesers zu spannen.
§. 56. B. Satztonzeichen.
1. Das *Fragezeichen* (?);
2. das *Ausrufungszeichen* (!).
Schließen die Satztonzeichen einen Satz, so schreibt man nach ihnen
einen großen Anfangsbuchstaben. Weiteres über diese Zeichen findet sich
ebenfalls in der Satzlehre.
C. Hülfszeichen.
1. Die *Klammer* oder *Parenthese* [] ();
2. das *Bindezeichen* (-) (");
3. der *Apostroph* oder das *Häkchen* (') steht für ein ausgelassenes
e, ei, i.
Mich dünk't, ich mein', ich glaub', ich dacht' hat manchen guten
Gesellen in's Verderben gebracht. Ein blut'ger Kampf! Ich hab' 'nen
schweren Stand gehabt.
4. die *Anführungszeichen*, *Gänsefüßchen* („ “);
5. das *Zeichen der abgebrochenen Rede* (...) (-- --);
6. das *Zeichen des Abschnittes* oder *Paragraphen* (§).
§. 57. Wortbildung.
*Stamm.* *Ableitung.* *Zusammensetzung.*
Band Bändchen Bandeisen.
A. Ableitungen.
*1. Hauptwörter* durch: er, in, chen, lein, ling, en, ung, niß, muth,
sal, ei, e, keit, heit, schaft, thum (tum), ge.
*2. Eigenschaftswörter* durch: ig, isch, bar, sam, en, ern, lich, haft,
icht.
*3. Zeitwörter* durch: chen, ken, chten, eln, ern, igen, zen; durch die
Vorsilben: be, er, ver, ent, zer, ge, miß, ur.
*4. Umstandswörter* durch: lich, haft, icht, lings.
B. §. 58. Zusammensetzungen: 1. Bestimmungsw. 2. Grundw.
*1. Hauptwörter.*
a) Hauptwörter und Hauptwörter (Schulhaus).
b) Hauptwörter und Eigenschaftswörter (Jungfrau).
c) Hauptwörter und Zeitwörter (Wohnhaus).
*2. Eigenschaftswörter.*
a) Eigenschaftswörter u. Eigenschaftsw. (hellgrün).
b) Hauptwörter u. Eigenschaftswörter (naseweis).
c) Eigenschaftswörter u. Zeitwörter (lernbegierig).
*3. Zeitwörter* mit: an, auf, aus, bei, durch, ein, mit, nach, um,
unter, über, vor, ab, voll, wieder, dar, fort, heim, hin, her, weg.
*4. Zusammengesetzte Umstandswörter.*
Ebendaselbst, himmelwärts etc.
Eine Wörterfamilie: _Ziehen_.
Der _Zug_, der Truppenzug, der Zugvogel, der Gesichtszug, die
Ziehung; die _Zucht_, die Kinderzucht, der Zögling, die Bienenzucht;
_züchtigen_, die Züchtigung, der Züchtling, die Züchtlingsarbeit, das
Zuchthaus, die Zuchthausarbeit, der Zuchtmeister, die Zuchtruthe,
züchtig, züchtiglich; _abziehen_, der Abzug; _anziehen_, der Anzug, die
Anziehung, die Anzüglichkeit; _aufziehen_, der Aufzug, die Aufzieherei;
_ausziehen_, der Auszug, der Auszieher; _beziehen_, der Bezug, die
Beziehung, beziehlich, bezüglich; _durchziehen_, der Durchzug;
_einziehen_, der Einzug, die Einziehung; _entziehen_; _erziehen_,
die Erziehung, der Erzieher, die Erziehungsschule, erziehungskundig;
_nachziehen_, der Nachzug, der Nachzügler; _umziehen_, der Umzug;
_verziehen_, der Verzug; _vorziehen_, der Vorzug, vorzüglich, die
Vorzüglichkeit; _überziehen_, der Ueberzug etc.
Rechtschreibung -- Orthographie.
§. 59. 1. Ein *Wort* hat eine oder mehrere *Silben*. *Eine Silbe*
besteht aus *Lauten*. Die *Laute* sind entweder *Selbstlaute* oder
*Mitlaute* (Vocale oder Consonanten).
2. Die Selbstlaute können sein:
a. Grundlaute: *a*, *e*, *i*, *o*, *u* -- *y*;
b. Umlaute: *ä*, *ö*, *ü*;
c. Doppellaute: *au*, *äu*, *eu*, *ei*, *ai*.
Die Mitlaute heißen: b, c, d, f, g, h, k, l, m, n, p, q, r, ſ, s,
t, v, w, x, z, j, ch, sch, ß.
3. Steht der Mitlaut vor dem Selbstlaute, so heißt er _Vorlaut_; steht
er nach dem Selbstlaute, so heißt er _Nachlaut_. Ein Wort hat soviel
Silben, als es Selbstlaute hat. Die Zeichen für die Laute heißen
Buchstaben. Die Gesammtheit der einfachen Buchstaben nennt man das
A-be-ce oder Alphabet.
§. 60. 1. Löse jeden Satz in seine Wörter, jedes _Wort_ in seine Silben
und jede _Silbe_ in ihre Laute auf; setze für jeden Laut den
entsprechenden _Buchstaben_; sieh auf die _Ableitung_, beachte die
_Verlängerung_, und richte dich nach dem _Sprachgebrauch_.
2. Hat ein Wort a, o, u oder au, so erhält das abgeleitete ä, ö, ü oder
äu.
Bach -- Bäche; Sohn -- Söhne; Tuch -- Tücher; Baum -- Bäume.
3. Weißt du nicht, ob du zum Schlusse eines Wortes *b* oder *p*, *d*
oder *t*, *g*, *ch* oder *k*, *s*, *ß* oder *z* setzen sollst, so
verlängere das Wort.
Korb -- Körbe; plump -- plumper; Wald -- Wälder; kalt -- kälter; Gang --
Gänge; Storch -- Störche; Bank -- Bänke; Gans -- Gänse; Fuß -- Füße;
Kranz -- Kränze.
4. Zu Anfang einer Silbe steht das lange „ſ“; zum Schluß einer Silbe
steht das „s“. Folgt „t“ auf „s“, so wird in der Regel auch als
Nachlaut „ſt“ geschrieben.
Mäu-ſe, Mäus-chen, Aus-ſicht, Kunſt, daſſelbe, deßhalb.
§. 61. Die _Dehnung_ der Selbstlaute *a*, *e*, *o* wird oft durch *aa*,
*ee*, *oo* bezeichnet. Geht der Selbstlaut in den Umlaut über, so
schwindet die Verdoppelung.
*aa*: Aal, Aar, Aas, baar, Haar, Maal, Paar, Saal, Saat, Staat, Waare,
Härchen, Pärchen, Säle.
*ee*: Allee, Armee, Beere, Beet, Fee, Heer, Heerde, Idee, Kameel,
Kaffee, Klee, leer, Livree, Meer, Moschee, Portepee, Schnee, See,
Seele, Speer, Spree, Theer, -- des See's, die Seen, des Schnee's.
*oo*: Boot, Loos, Moor, Moos, Böte, Loose, Moore, Moose.
§. 62. 1. Die Dehnung der Selbst- und Umlaute wird oft durch
Hinzufügung des *„h“* bezeichnet. Siehe auf die Grundform der
Zeitwörter und beachte die Ableitung: Mehl, Lehm, Huhn, Ohr, zählen,
fühlen, dröhnen; sah -- sehen, ruht -- ruhen, fröhlich -- froh --
froher.
2. Bei dem *„i“* bezeichnet man die Dehnung, indem man ein *„e“*, ein
*„h“* oder ein *„eh“* hinzufügt.
*ie*: die, dies, hier, nie, sie, viel, vier, wie, Harmonie, Kopie,
Melodie, Paradies; -- deklamiren, speculiren, illuminiren -- *iren*;
aber: regieren, spazieren; Quartier, einquartieren.
*ih:* ihm, ihn, ihr, ihnen, ihres, ihrem, ihren.
*ieh:* stiehlt, -- stehlen; befiehlt, sieh, lieh, zieh, gedieh, Vieh,
Viehes.
§. 63. 1. Mit *„th“* werden geschrieben:
Thal, Thaler, That, Thau, Theil, Theater, Thema, Theodor, Therese,
Thermometer, theuer, Thier, Thür, Thon, aber: Ton (eines Instruments),
Thor, Thron, Thräne, Apotheke, Aether, Armuth, Arithmetik, Athem,
Dorothea, Elisabeth, Gemüth, Katheder, Katholik, Koth, Loth, Lazareth,
Mathilde, Methode, Myrthe, Muth, Noth, Pathe, Räthsel, Röthe, Ruthe,
Sabbath, Urtheil; -- Draht, -- drehen; Naht, nähen.
Merke: Abenteuer, Bart, Etat, Gebet, Geburt, Monat, Partei, Partie,
Rhein, Rhede, Rhin, Rhone; -- Whist, Katarrh, Rheumatismus, Rhinoceros.
-- Parasol, Diarium, egal, Fibel, Bibel, Lineal, Habit, Fabrik,
Terrine, Garderobe.
2. Zu den Doppellauten tritt nur ein „h“ hinzu, wenn die Ableitung ein
solches erfordert: Weihnachten, rauh.
§. 64. 1. _Die Schärfung_ der Selbst- und Umlaute wird oft _durch
Verdoppelung_ der darauf folgenden Mitlaute bezeichnet.
Mann, kennen, retten, hoffen, treffen, ertappen, wollen, können,
Roggen, Egge, Widder, Robbe, Ball, Puppe, kämmen, karren, Narr,
denn, wenn, dann, Sammet, Zimmet, majorenn, Rabatt, Duett, minorenn,
Protocoll, Duell.
2. Für zwei „k“ schreibe „ck“. Also Rock, nicht Rokk, Stock, locken,
necken, stricken, erblicken, backen, Druck, Stück.
Für zwei „z“ schreibe „tz“. Also Netz nicht Nezz.