Schönheit

Sonne! Sonne!

In mir treibt die köstliche Unruhe deiner Kraft!

In mir dein Lachen,

in mir ein heimliches Lachen!

Befreit lachen nun in mir alle Menschen,

lacht in mir die ganze Welt!

Ein einziges goldiges Friedensgelächter lacht mein Herz in

alle Fernen hinein!

Alle, alle kommen sie zu einem großen Mahl,

mit tausend bunten, wichtigen Meinungen:

Gute und Böse,

Zweifler und Fromme,

stolz und demütig,

wissend und einfältig,

vornehm und gering,

Ausschweifende, Diebe, Mörder --

Alle, alle kommen sie

mit fragenden sehnenden ängstlichen Augen,

denn sie glauben,

daß sie häßlich und sündhaft seien.

Aber wie sie kommen,

in breiten Scharen,

mit unzähligen dunklen Geheimnissen,

mit Gebresten,

Lastern, Schwächen, Einbildungen und Lächerlichkeiten --

ein einziges

unauslöschliches Gelächter ist es,

das sie empfängt,

das sie vermehren.

In diesem Gelächter aber

lebt der bitterste Grimm

und das fruchtbarste Mitleid ...

Nun röten sich Gesichter,

glätten sich Falten und Runzeln,

verschwinden Geschwüre,

ergänzen sich Glieder,

hellen sich trübe, blöde Augen,

runden sich magre Leiber

und verjüngen sich ungeschlachte.

Und alle sind nun eine einzige

selige junge Göttergemeinde.

Jetzt!

In mir!

O Wunder!

Dummes, fröhliches, freches Frühlingswunder!

Frühling(#40733) · 第 8 / 21 题