Privatdozent #Dr. Fritz Lenz.#

#1. Die hervorragende Begabung.#

Schon bei der Besprechung der krankhaften Erbanlagen sind wir

einigen Tatsachen begegnet, welche Schlüsse auf die Erblichkeit

normaler seelischer Fähigkeiten erlauben. So wurde auf S. 165

darauf hingewiesen, daß wir aus dem Erbgange der Farbenblindheit

auf den der normalen Farbentüchtigkeit, d. h. einer seelischen

Fähigkeit, schließen können. Ganz entsprechend kann man aus dem

Vorkommen rezessiver Erbanlagen, die Taubstummheit bedingen,

auf die Erblichkeit des normalen Gehörs schließen. In einer

Bevölkerung, in der die allermeisten Leute taubstumm wären, würde

normale Hörfähigkeit als eine dominant erbliche Anlage verfolgt

werden können, und zwar würde diese als eine eigentümliche höhere

Fähigkeit imponieren, Vorgänge wahrzunehmen, ohne sie zu sehen,

eine Fähigkeit, von der sich die Mehrheit der Bevölkerung keine

rechte Vorstellung machen könnte. Aus dem Vorkommen erblicher

Geistesschwäche können wir zwingend auf die erbliche Bedingtheit

der normalen Verstandesanlagen schließen; und aus der Tatsache, daß

es eine ganze Reihe verschiedener Arten erblicher Geistesschwäche

gibt, folgt weiter, daß beim Aufbau des normalen Verstandes eine

ganze Anzahl von Erbeinheiten mitwirken, von denen keine fehlen

darf, ohne daß Mängel des Verstandes in die Erscheinung treten. In

einer Bevölkerung von lauter Schwachsinnigen würde normale Begabung

als eine erbliche besondere Fähigkeit des Geistes hervortreten,

der allerdings die große Mehrzahl der Bevölkerung verständnislos

gegenüber stehen würde.

Ganz entsprechend verhält es sich mit der Erblichkeit von

Begabungen, die den Durchschnitt der heutigen Bevölkerung

in ähnlichem Grade überragen, wie diese die Begabung der

Schwachsinnigen. Man pflegt derartige hervorragende Begabungen

im Deutschen mit den beiden Fremdworten „Talent“ und „Genie“ zu

benennen, wobei man unter „Talent“ mehr einseitige Begabungen,

besonders auf künstlerischem Gebiet, unter „Genie“ dagegen

vielseitige und umfassende Begabungen zu verstehen pflegt.

Andererseits hat man freilich auch einen Gradunterschied dabei im

Auge. So wie etwa Idiotie einen höheren Grad von Geistesschwäche

gegenüber dem Schwachsinn darstellt, soll mit „Genie“ ein

besonders hoher Grad hervorragender Begabung gegenüber dem bloßen

„Talent“ bezeichnet werden. Man stellt sich vor, daß in einer

Millionenbevölkerung zwar viele „Talente“ aber höchstens ganz

wenige „Genies“ vorhanden sind.

Während man die gewöhnlichen Unterschiede der Begabung in ihrer

Erblichkeit begreiflicherweise nur schwer verfolgen kann, ist das

bei hervorragenden Begabungen erheblich leichter, und zwar einfach

deshalb, weil sie sich stärker vom Durchschnitt abheben. Besonders

auffällig ist z. B. das familienweise Vorkommen des musikalischen

Talents. In der Familie _Bach_ läßt sich hohe musikalische Begabung

in ununterbrochener Reihe durch 5 Generationen männlicher Linie

verfolgen; unter den Söhnen _Johann Sebastian Bachs_ waren nicht

weniger als 5 bedeutende Musiker, und aus der Nachkommenschaft von

_Bachs_ Urgroßvater gingen auch sonst noch mehrere hervorragende

Musiker hervor. Auch _Beethovens_ Vater und Großvater waren musikalisch

hochbegabt. Ebenso läßt sich in der Familie _Mozart_ die musikalische

Begabung durch 3 Generationen verfolgen. Bei vielen anderen großen

Musikern tritt die erbliche Bedingtheit ihrer Begabung vermutlich

nur deswegen nicht so deutlich hervor, weil die Anlage natürlich oft

auch aus weiblicher Linie übernommen wurde, wo sie nicht dieselbe

günstige Gelegenheit zur Entfaltung hatte. So scheint der Komponist

_Mendelssohn_ seine Begabung hauptsächlich von mütterlicher Seite

geerbt zu haben.

Die musikalische Veranlagung scheint im wesentlichen auf der

Anwesenheit ganz weniger oder höchstens einiger Erbeinheiten zu

beruhen. Das ist natürlich nicht so zu verstehen, als ob die übrigen

Erbeinheiten, welche die körperliche und seelische Konstitution

des normalen Menschen bedingen, dem Musiker fehlen könnten; diese

andern Erbeinheiten, welche außer den eigentlich musikalischen

Anlagen im Musiker vorhanden sein müssen, sind aber offenbar sonst

ziemlich allgemein verbreitet, und daher kann die eigentlich

musikalische Veranlagung einen anscheinend dominanten Erbgang

aufweisen. Ausgesprochen musikalisches Empfinden kommt gar nicht so

selten auch bei Schwachsinnigen vor; selbstverständlich aber kann

ein Schwachsinniger kein großer Musiker werden. Insbesondere zu

schöpferischer Betätigung auf dem Gebiete der Musik bedarf es nicht

nur eines hervorragenden Musikgehörs, sondern auch eines reichen

Gefühlslebens, reger Phantasie und geistiger Gestaltungskraft. Damit

hängt es offenbar zusammen, daß sich in der Familie eines musikalischen

„Genies“ zwar in der Regel noch weitere talentierte Musiker zu finden

pflegen, nicht aber ein zweites Genie. Wir brauchen daher auch nicht

anzunehmen, das _Johann Sebastian Bach_ seine musikalischen Verwandten

gerade in der eigentlich musikalischen Anlage überragt habe; es

genügt vielmehr, daß bei ihm besonders günstige anderweitige geistige

Anlagen damit zusammentrafen. Ganz entsprechend dürfte auch auf anderen

Gebieten der Unterschied zwischen der einseitigen Begabung des Talents

und der umfassenden Begabung des Genies zustande kommen.

Ähnlich wie musikalische kommt auch mathematische Begabung einseitig,

d. h. ohne notwendige Verknüpfung mit anderweitiger hoher Begabung vor.

Besonders berühmt geworden ist die Mathematikerfamilie _Bernoulli_,

aus der nicht weniger als 8 (oder bei weniger enger Fassung sogar 9)

bedeutende Mathematiker hervorgegangen sind. Sehr bezeichnend ist

es, daß von diesen mehrere sich zunächst andern Berufen zugewandt

hatten; einer hatte die kaufmännische Laufbahn ergriffen, zwei hatten

juristische und einer biologische Studien begonnen; aber trotzdem

wurden auch aus diesen vier schließlich 3 Professoren der Mathematik

und einer der Physik.

Auch hervorragende Begabung für Malerei und Plastik kommt ausgesprochen

familienweise vor. So sind aus der Verwandtschaft _Tizians_ 9 Maler

hervorgegangen. Für die bildende Kunst gilt in noch höherem Maße als

für die Musik, daß zu der eigentlichen Formbegabung noch mancherlei

andere geistige Anlagen hinzukommen müssen, damit bedeutende Leistungen

entstehen. Große bildende Künstler stammen daher in der Regel aus

Familien, aus denen auch auf andern Gebieten bedeutende Männer

hervorgehen. Das gilt z. B. von der Familie _Anselm Feuerbachs_.

In der Familie _Krupp_ kann die Begabung für technische Erfindungen

durch 3 Generationen verfolgt werden. In der Familie _Siemens_ waren

3 (oder bei anderer Beurteilung 4) Brüder unter 14 Geschwistern

bedeutende Erfinder.

Schon ~Galton~ hat eine ganze Reihe hervorragender Familien

beschrieben, und seitdem sind noch viele andere bekannt geworden.

_Galton_ selber war ein Vetter _Darwins_, und er war geistig kaum

weniger bedeutend als dieser; daß er nicht eine ebenso weltbewegende

Entdeckung gemacht hat, spricht natürlich nicht für eine geringere

Begabung. Immerhin ist _Galton_ der Begründer der modernen

Rassenhygiene geworden. Auf dem Gebiete der Erblichkeitslehre hat

er sogar entschieden klarere Vorstellungen als sein Vetter _Darwin_

errungen; er kann geradezu neben _Mendel_ als ein Bahnbrecher der

modernen Erblichkeitsforschung angesehen werden. Außer _Darwin_ und

_Galton_ sind aus demselben Verwandtschaftskreise noch eine ganze

Anzahl bedeutender Köpfe hervorgegangen; ihr gemeinsamer Großvater

_Erasmus Darwin_ erfaßte den Grundgedanken der Abstammungslehre sogar

früher als Lamarck. Aus der Ehe _Charles Darwins_ mit einer Kusine sind

ebenfalls drei bedeutende Forscher und Gelehrte hervorgegangen.

Einem sehr interessanten Verwandtschaftskreis ist H. W. ~Rath~

in Württemberg nachgegangen. Die großen Dichter _Hölderlin_, _Uhland_

und _Mörike_, die berühmten Philosophen _Schelling_ und _Hegel_, der

Dichter und Ästhetiker _F. Th. Vischer_, die Erzähler _Hauff_, _Schwab_

und _Ottilie Wildermuth_ und noch eine ganze Reihe weiterer namhafter

Künstler und Gelehrter haben alle einen gemeinsamen Stammvater namens

_Bardili_, der am Ende des 16. Jahrhunderts Professor der Medizin

in Tübingen war und mit der Tochter eines Professors der Logik

_Burckhardt_ verheiratet war. Nach ~Rath~ stammt geradezu die

Mehrzahl der berühmten Schwaben von diesem Paare ab.

In solchen Fällen kann es sich natürlich nicht einfach um eine

dominante Anlage handeln, die sich in einem Verwandtschaftskreise wie

die Sechsfingrigkeit oder die Nachtblindheit ausbreitet. Die Häufung

hoher Begabung in solchen Familienkreisen kommt vielmehr offenbar zum

guten Teil dadurch zustande, daß hervorragende Familien mit Vorliebe

untereinander heiraten.

~Galton~ hat auch die Verwandtschaftsverhältnisse von etwa 1000

der berühmtesten Männer Englands statistisch bearbeitet. Er hat

gefunden, daß 100 hervorragende Männer im Durchschnitt 31 bedeutende

Väter, 41 bedeutende Brüder, 48 bedeutende Söhne, 17 bedeutende

Großväter und 14 bedeutende Enkel hatten. Diese Zahlen gewinnen erst

die richtige Beleuchtung, wenn man bedenkt, daß ~Galton~ den

Begriff der hervorragenden Begabung so eng faßte, daß auf eine Million

nur etwa 250 hervorragende Männer kommen, also einer auf 4000.

In Amerika hat F. A. ~Woods~ die Verwandtschaft von 3500 bekannten

Amerikanern verfolgt. Während irgend ein amerikanischer Bürger die

Wahrscheinlichkeit 1/500 hatte, mit einem von diesem näher verwandt zu

sein, betrug die Wahrscheinlichkeit für einen dieser bekannten Männer,

mit einem andern verwandt zu sein, 1/5, also das Hundertfache.

Die Erblichkeit geistiger Begabung wird oft mit dem Hinweis

bestritten, daß die „Genies“ nicht wieder ebensolche Söhne haben.

Das ist nun zwar unbestreitbar, beweist aber natürlich nicht das

Geringste gegen die erbliche Bedingtheit der geistigen Begabung.

Wir haben oben gesehen, daß eine ganze Anzahl von Erbanlagen

zusammentreffen müssen, damit eine hervorragende und umfassende

Begabung entsteht. Jedes Kind bekommt aber von jedem seiner Eltern

immer nur die Hälfte seiner Erbanlagen mit, und es ist in der Regel

natürlich nicht gerade die bessere Hälfte der Erbanlagen. Selbst

wenn also die Frauen der Genies regelmäßig dieselben günstigen

Erbanlagen enthalten würden wie ihre Männer, was natürlich in

Wirklichkeit fast niemals der Fall ist, so würde es doch nicht zu

erwarten sein, daß die Söhne der Genies ihren Vätern gleichkämen.

Wie alle Mixovariationen ist das Genie in gemischten Bevölkerungen

nicht als solches erblich; gleichwohl aber sind die einzelnen

Anlagen, welche es zusammensetzen, doch erblich bedingt. Bei

entsprechender Auslese und Reinzucht dagegen würde auch das Genie

ebenso wie andere Mixovariationen erblich sein. Man könnte das

„Genie“ also auch „züchten“.

Wenn man in früherer Zeit große Unterschiede zwischen Vater und

Sohn oder zwischen Geschwistern wahrnahm, so glaubte man darin

einen Grund gegen die Bedeutung der Erblichkeit zu sehen. Seit

der Entdeckung des Mendelschen Gesetzes wissen wir aber, daß

gerade auch solche Unterschiede auf der Auswirkung des Gesetzes

der Erblichkeit beruhen können. Das Mendelsche Gesetz erklärt uns

ebenso die Tatsache, daß hochmusikalische Geschwister neben völlig

unmusikalischen vorkommen können, wie auch jene, daß die Söhne

genialer Männer ihren Vätern nicht zu gleichen pflegen.

Auf den meisten Gebieten des Geisteslebens müssen eine ganze

Anzahl günstiger Anlagen zusammentreffen, damit hervorragende

Leistungen entstehen können: starke Urteilskraft, Fähigkeit

klarer begrifflicher Sonderung, Kombinationsgabe, Wahrheitssinn,

Stetigkeit des Willens, leichte Auffassung, gutes Gedächtnis. Je

nachdem die verschiedenen Anlagen mehr oder weniger ausgeprägt

sind, ist natürlich auch die Begabung eine verschiedene. Der

Gelehrte braucht mehr die rezeptiven Anlagen wie gute Auffassung

und Gedächtnis. Es gibt Familien, in denen mehrere oder alle

Mitglieder über ein auffallend gutes Gedächtnis verfügen; aus

solchen gehen vielfach Gelehrte, besonders Philologen, Historiker,

Theologen hervor. Hand in Hand mit gutem Gedächtnis geht meist

ein lebhaftes Interesse für das Einmalige und Einzelne, kurz

das Geschichtliche, während der Sinn für das Allgemeine und

Gesetzliche eher in einem gewissen Gegensatz dazu steht. Diesen

aber braucht gerade der Forscher und Erfinder neben starker

Urteilskraft und der Fähigkeit zu intuitiver Erfassung gesetzlicher

Zusammenhänge. Der Philosoph braucht außerdem einen unbestechlichen

Wahrheitssinn, der auch vor schmerzlichen Wahrheiten nicht Halt

macht. Der Unternehmer, der Staatsmann, der Feldherr müssen mit

guter Menschenkenntnis, starkem Machtwillen und großer Voraussicht

ausgestattet sein. Der schaffende Künstler und der Dichter

müssen eine lebhafte Phantasie und Gestaltungskraft haben und

die Fähigkeit, sich in die Seele anderer Menschen einzufühlen.

Sehr förderlich für hervorragende Leistungen ist gute körperliche

Gesundheit, ohne welche ausdauernde geistige Arbeit kaum möglich

ist. Unerläßlich aber ist lebhaftes Interesse für eine Sache;

dieses Interesse wird allerdings in den meisten Fällen noch

wirksamer durch den lebhaften Trieb, sich zur Geltung zu bringen,

durch einen starken geistigen oder materiellen Willen zur Macht

erzeugt. „Ehrgeiz“ oder „Eitelkeit“ werden bei großen Männern

fast regelmäßig mit einer gewissen Mißbilligung festgestellt;

es kann aber kein Zweifel bestehen, daß die mit diesen Worten

bezeichnete Anlage, für die wir lieber das moralisch indifferente

Wort Geltungsbedürfnis gebrauchen, eine der wesentlichsten

Triebkräfte großer Leistungen ist, wenn auch oft nur unbewußt.

Man wird vielleicht einzuwenden geneigt sein, daß das dann nicht

„wahre“ Größe sei. Nun, Größe in diesem Sinne ist ein Wertbegriff,

der eigentlich naturwissenschaftlich überhaupt nicht faßbar ist.

Was wir feststellen können, ist eigentlich nur die Berühmtheit.

Der Erfolg in der Welt und die Berühmtheit aber hängen natürlich

nicht nur von der sachlichen Leistung ab, sondern vor allem auch

von einem suggestiven Auftreten, instinktivem Gefühl für das, was

imponiert, und der Geschicklichkeit schriftlicher Darstellung

bzw. der Redegewandtheit, Fähigkeiten, wie sie z. B. _Goethe_ in

hervorragendem Maße besaß. Bei unvoreingenommener Betrachtung

muß auch die starke Wirkung auf die Mit- und Nachwelt als solche

gewürdigt werden. Vor Zeiten galt der, welcher körperlich stärker

als alle andern war (Siegfried) als der größte Mann, heute der,

welcher die Menschen seelisch in seinen Bann zwingt.

#2. Die gewöhnlichen Unterschiede der Begabung.#

Viel weniger auffallend als die Erblichkeit der außergewöhnlich hohen

Begabung ist natürlich die der gewöhnlichen Begabungen. Immerhin kann

auch diese nicht nur in der alltäglichen Erfahrung, sondern auch mit

wissenschaftlichen Methoden festgestellt werden.

Der Würzburger Professor für Psychologie ~Peters~ hat die

Schulzeugnisse von 1162 Kindern gesammelt und mit denen ihrer Eltern

und Großeltern verglichen. Die Beurteilung eines Kindes während

der ganzen Schulzeit und durch die verschiedenen Lehrer blieb sich

im allgemeinen weitgehend gleich, so daß also Schlußfolgerungen aus

den Durchschnittswerten durchaus Anspruch auf Zuverlässigkeit machen

können. Die Zeugnisse der Kinder wichen im Durchschnitt regelmäßig in

der gleichen Richtung vom Mittel ab wie die der Eltern; und zwar betrug

die Abweichung der Kinder im Durchschnitt etwa ein Drittel von der der

Eltern. Diese Erscheinung, welche ~Galton~ „Regression“ genannt

hat, spricht übrigens nicht etwa für eine verhältnismäßig geringe

Bedeutung der Erblichkeit, denn auch bei strenger Erblichkeit jeder

einzelnen Anlage wäre kaum eine geringere „Regression“ zu erwarten.

Jedes Kind bekommt ja nur die Hälfte der Erbanlagen der Eltern mit,

und diese sind bei den Kindern in anderer Weise zusammengefügt als

bei den Eltern. Wenn nun die Eltern nach ihren Schulleistungen

gruppiert werden, so sind in der besten Gruppe natürlich die besonders

günstigen Mixovarianten vereinigt, in der schlechtesten die besonders

ungünstigen. Und da bei den Kindern die väterlichen und mütterlichen

Anlagen sich zu neuen Mixovariationen zusammenfügen, so ist auch bei

strenger Erblichkeit keineswegs zu erwarten, daß die Kinder derart

gruppierter Eltern wieder ebenso stark vom Durchschnitt abweichen.

Das würde vielmehr nur in dem gedachten Falle zu erwarten sein, wenn

beide Eltern in ihrer idiotypischen Beschaffenheit immer völlig gleich

und außerdem durchwegs homozygot wären. Da aber die Bevölkerung in

Wirklichkeit sehr stark heterozygot ist und die Eltern sich niemals

völlig gleichen, spricht die gleichsinnige Abweichung im Betrage

von einem Drittel schon für eine ganz überwiegende Bedeutung der

Erblichkeit im Vergleich zu den Außeneinflüssen.

Bei dem Vergleich der Durchschnittsnoten der Großeltern mit denen

ihrer Enkel zeigte sich eine Übereinstimmung von nur wenig geringerer

Größe. ~Peters~ hat weiter die Zeugnisse von Kindern, deren Eltern

gleiche Durchschnitte aufweisen, gesondert mit denen der Großeltern

verglichen und gefunden, daß auch dann die Kinder in der gleichen

Richtung wie die Großeltern vom Mittel abweichen. Da für die Erklärung

dieser Ähnlichkeit die Wirkung gleicher Umwelt nicht in Betracht kommt,

ist darin ein besonders starker Beleg für die Erblichkeit der Begabung

zu erblicken. ~Peters~ kommt auf Grund seiner Untersuchungen sogar

zu dem Schluß, daß die Umwelt (häusliche Erziehungen u. a.) nur einen

geringen Einfluß auf die Schulleistungen hat.

Wenn die Schulleistungen beider Eltern verschieden waren, so waren auch

die der Kinder desselben Elternpaares untereinander im Durchschnitt

stärker verschieden, als wenn die Leistungen beider Eltern annähernd

gleich waren. ~Peters~ sieht darin mit Recht einen Ausdruck

Mendelscher Spaltungen.

Auch ~Schuster~ und ~Elderton~ haben die seelische

Geschwisterähnlichkeit an Schulkindern statistisch untersucht und

gefunden, daß sie fast genau so groß wie die körperliche ist. Bei

Vergleich der Studienzeugnisse von Vätern und Söhnen fanden sie eine

fast ebenso große Ähnlichkeit als in den körperlichen Eigenschaften.

Ebenso hat ~Thorndike~ eine bedeutende Geschwisterähnlichkeit

in den Schulleistungen feststellen können. Er hat außerdem 50

Zwillingspaare verglichen und bei ihnen eine mehr als doppelt so große

Ähnlichkeit als sonst unter Geschwistern feststellen können. Das kommt

offenbar daher, daß darunter eine Anzahl eineiiger Zwillinge waren,

welche ja von völlig gleicher idiotypischer Veranlagung sind, während

zweieiige Zwillinge sich nicht ähnlicher sind als sonst Geschwister

untereinander (vgl. S. 86 u. 187). Auch in der auffallenden seelischen

Ähnlichkeit eineiiger Zwillinge offenbart sich eben die überragende

Bedeutung der Erbanlagen für die geistige Ausstattung der Menschen.

Einen schlagenden Ausdruck der erblichen Bedingtheit der seelischen

Veranlagung hat auch eine Sammelforschung von ~Heymans~ und

~Wiersma~ ergeben. Auf Grund von Erhebungen mittels Fragebogen

an 437 Familien mit 1541 Kindern ließ sich von 181 unter 185

Eigenschaften, nach denen gefragt wurde, die Erblichkeit verfolgen.

Für die geistige Begabung sind ohne Zweifel auch

geschlechtsgebundene Erbanlagen von großer Bedeutung. Wir sind oben

bei Besprechung der krankhaften Erbanlagen mehreren Krankheiten des

Zentralnervensystems begegnet, welche geschlechtsgebunden-rezessiv

sind, welche also auf Mängeln im Geschlechtschromosom beruhen

(vgl. z. B. S. 219). Daraus folgt aber unweigerlich, daß es

normalerweise Anlagen im Geschlechtschromosom geben muß, welche

zum Aufbau eines normalen Zentralnervensystems unerläßlich sind,

und wir dürfen daraus weiter schließen, daß mindestens ein Teil

dieser geschlechtsgebundenen Erbanlagen sich auch in der seelischen

Ausstattung ihrer Träger äußern wird.

Deutliche Zeichen von geschlechtsgebundenem Erbgang finden sich in

den angeführten Untersuchungen des Psychologen ~Peters~. Wenn

er nämlich nicht einfach den Durchschnitt der Eltern mit dem der

Kinder verglich, sondern nach Geschlechtern getrennt vorging, so

zeigte sich folgendes: Die verhältnismäßig geringste Ähnlichkeit

bestand zwischen Vätern und Söhnen, die größte zwischen Müttern

und Töchtern, und zwar war diese um über 70% größer als jene. Die

Ähnlichkeit zwischen Vätern und Töchtern und die zwischen Müttern

und Söhnen stand in der Mitte, und zwar war jene um etwa 12%,

diese um etwa 30% größer als die zwischen Vätern und Söhnen. Als

Maß der Durchschnittsähnlichkeit wurden dabei gewisse mathematisch

definierte Koeffizienten, deren genauere Erörterung uns hier zu

weit führen würde, zugrunde gelegt (vgl. S. 249). Zur Erklärung

dieser Abweichungen von der allgemeinen Durchschnittsähnlichkeit

zwischen Eltern und Kindern kommen zwei verschiedene Ursachen

in Betracht, erstens die Gleichheit bzw. Verschiedenheit des

Geschlechts und zweitens die geschlechtsgebundenen Erbanlagen.

Die verhältnismäßig große Ähnlichkeit zwischen Müttern und

Töchtern erklärt sich daraus, daß hier die geschlechtsgebundenen

Erbanlagen ebenso wie die Gleichheit des Geschlechts die allgemeine

Ähnlichkeit zwischen Eltern und Kindern verstärken, so daß diese

um mehr als 20% übertroffen wird. Mutter und Tochter haben eben in

jedem Falle eines ihrer beiden Geschlechtschromosome, in dem ja

die geschlechtsgebundenen Erbanlagen lokalisiert sind, gemeinsam.

Vater und Sohn dagegen haben niemals ein Geschlechtschromosom

gemeinsam; und so kommt es, daß ihre Durchschnittsähnlichkeit

trotz der Gleichheit des Geschlechts hinter der allgemeinen

Durchschnittsähnlichkeit zwischen Eltern und Kindern um fast 30%

zurückbleibt. Die Verschiedenheit in den geschlechtsgebundenen

Erbanlagen erweist sich in diesem Falle also stärker als die

Gleichheit des Geschlechtes. Das kommt auch darin zum Ausdruck,

daß die Ähnlichkeit zwischen Vater und Tochter trotz des

Geschlechtsunterschiedes immer noch um 12% größer gefunden wurde

als die zwischen Vater und Sohn, weil dort Gemeinsamkeit eines

Geschlechtschromosoms besteht, hier aber nicht. Mit diesen

Verhältnissen dürfte es auch zusammenhängen, daß ~Peters~

eine erheblich größere seelische Ähnlichkeit der Schwestern

untereinander als der Brüder untereinander fand. Schwestern haben

ja immer mindestens ein Geschlechtschromosom gemeinsam, nämlich

das vom Vater überkommene, und in der Hälfte der Fälle sogar

zwei. Bei Brüdern dagegen ist die Verschiedenheit ihres einen

Geschlechtschromosoms ebenso häufig wie seine Gemeinsamkeit.

Diese Befunde können um so mehr als Belege für

geschlechtsgebundenen Erbgang seelischer Anlagen angesehen werden,

als ~Peters~ selber die Theorie des geschlechtsgebundenen

Erbganges bei der Arbeit offenbar gar nicht gekannt hat, also ganz

unvoreingenommen zu Werke gegangen ist.

In den Untersuchungsergebnissen von ~Heymans~ und

~Wiersma~ deutet sich geschlechtsgebundener Erbgang in

stärkerer Durchschnittsähnlichkeit zwischen Müttern und Kindern im

Vergleich zu der zwischen Vätern und Kindern an. Der Vater enthält

eben nur ein Geschlechtschromosom, die Mutter aber zwei, durch

welche geschlechtsgebundene Erbanlagen den Kindern übermittelt

werden können. Auch treten ja geschlechtsgebunden-rezessive

Anlagen, die sich beim Vater äußern, bei den Kindern in der Regel

überhaupt nicht in die Erscheinung, was ebenfalls im Sinne einer

vergleichsweise geringeren Ähnlichkeit zwischen Vätern und Kindern

wirkt.

In den erwähnten Untersuchungen ~Schusters~ und

~Eldertons~ ist wohl ein Zeichen geschlechtsgebundenen

Erbganges darin zu erblicken, daß die seelische Ähnlichkeit

zwischen Brüdern um etwa 33% größer als die zwischen Vätern und

Söhnen befunden wurde. Brüder haben eben immerhin in der Hälfte der

Fälle ein gemeinsames Geschlechtschromosom, Väter und Söhne aber

niemals.

Aus den Erscheinungen des geschlechtsgebundenen Erbganges dürfte

sich auch die landläufige Meinung erklären, daß Söhne meist mehr

nach der Mutter, Töchter mehr nach dem Vater schlügen. Aus den

dargelegten Verhältnissen ist aber zugleich zu ersehen, daß diese

Meinung nur eine sehr oberflächliche Annäherung an den wahren

Sachverhalt darstellt.

Entsprechendes gilt von einer Lehre, die ~Schopenhauer~ lange

vor dem Aufkommen der wissenschaftlichen Erblichkeitsforschung

aufgestellt und hartnäckig verfochten hat, nämlich daß der

„Intellekt“ immer nur von der Mutter, der „Charakter“ aber

ausschließlich vom Vater her erblich sei. Es kann heute gar keinem

Zweifel unterliegen, daß die „Intelligenz“ keine idiotypische

Einheit darstellt, die als solche vererbt würde; sie baut sich

vielmehr aus einer großen Anzahl von Erbanlagen auf; und dasselbe

gilt auch vom Charakter. Immerhin hat ~Schopenhauer~ sich ein

gewisses Verdienst dadurch erworben, daß er schon damals auf die

größere Bedeutung der Mutter für die geistige Begabung der Söhne

hingewiesen und eine Anzahl Beispiele aus der Geschichte dafür

beigebracht hat.

Immer aber kann nur ein Bruchteil aller seelischen Anlagen

geschlechtsgebunden erblich sein. In einer unbefruchteten

menschlichen Eizelle sind 12 Chromosome vorhanden, darunter 1

Geschlechtschromosom. Man kann also erwarten, daß etwa der zwölfte

Teil aller menschlichen Erbanlagen geschlechtsgebundenen Erbgang

zeigen wird. Wenn man die krankhaften Erbanlagen überblickt, so

zeigt sich, daß das annähernd stimmen dürfte. Gerade von jenen

Erbanlagen, die von wesentlicher Bedeutung für die seelische

Veranlagung sind, dürfte aber eher ein größerer Teil im

Geschlechtschromosom lokalisiert sein.

Schließlich möge noch kurz darauf hingewiesen werden, daß ja der

seelische Unterschied der Geschlechter selber idiotypisch, d. h.

erblich bedingt ist. Man kann nicht sagen, daß das Weib weniger

begabt sei als der Mann; es ist nur in anderer Weise begabt. In der

Auffassung und im Gedächtnis ist das Weib dem Manne ebenbürtig, in

der Begriffsbildung und im eigenen Urteil dagegen im Durchschnitt

nicht. Selbstverständlich gibt es auch viele Frauen, die der Masse

der Männer darin überlegen sind; im Durchschnitt aber ist es

anders. Große Frauen im Sinne überragender schöpferischer Begabung

sind kaum bekannt geworden. Noch stärker als die Unterschiede der

geistigen Begabung sind offenbar die Unterschiede im Triebleben

der beiden Geschlechter, nicht nur in den geschlechtlichen

Trieben, sondern auch in den Nahrungstrieben und besonders in den

Gesellschaftstrieben. Die Wunschbestimmbarkeit ist normalerweise

beim Weibe größer als beim Manne. Das Geltungsbedürfnis richtet

sich auf andere Dinge. Es sind eben ganz andere Aufgaben, die das

Weib im Leben der Rasse zu erfüllen hat, aber es sind nicht minder

wichtige als die des Mannes; und wenn von beiden Geschlechtern

eines entbehrlich wäre, so würde es das männliche und nicht das

weibliche sein.

Fast noch wichtiger als die Einsicht in die Erblichkeit der seelischen

Anlagen ist jene, daß alles, was der Mensch im Leben durch Übung

und Erfahrung erwirbt, nicht vererbt wird. Ein Mensch von einer

gewissen musikalischen Veranlagung kann Klavierspielen oder sonst

eine musikalische Betätigung erlernen; die musikalische Begabung

seiner Nachkommen wird dadurch aber weder größer noch kleiner, als

sie es ohne das geworden wäre. Was der Mensch oder irgend ein anderes

Lebewesen ererbt, ist eine gewisse Summe von Reaktionsmöglichkeiten

(vgl. S. 16). Welche von diesen Reaktionsmöglichkeiten verwirklicht

werden und wie sie es werden, ist für die Veranlagung der Nachkommen

aber ohne Bedeutung. Wo eine Reaktionsmöglichkeit überhaupt fehlt,

kann sie natürlich auch nicht erworben werden. Es gab einmal eine

Zeit, da suchte man Taube dadurch zum Hören zu bringen, daß man laute

Geräusche neben ihnen erzeugte. Das kommt uns doch heute wenigstens

schon lächerlich vor. Ein Tauber wird durch keine Gehörsübungen und

durch keine Strafen hörend. Ein Farbenschwacher kann durch keine

Übung die ihm fehlenden Farbenempfindungen erwerben; die Art und der

Grad seiner Farbenschwäche bleibt vielmehr immer derselbe. Damit

durch Übung und Erziehung ein Erfolg erreicht werden kann, müssen

immer schon entsprechende Anlagen vorhanden sein; dann ist innerhalb

gewisser Grenzen eine Ausbildung möglich. Die Erfolge der Erziehung

beruhen hauptsächlich auf der Aneignung von Gedächtnisinhalten und

auf der Gewöhnung an gewisse Anschauungen und Verhaltungsweisen. Das

Gedächtnis wie die seelische Bildsamkeit überhaupt ist in der Jugend

am größten; es ist die Zeit, wo der Mensch Kenntnisse, Anschauungen

und Gewohnheiten annimmt, die sich im Leben der Gesellschaft, der

er angehört, bisher einigermaßen bewährt haben. Das in der Jugend

Aufgenommene wird zur „zweiten Natur“, aber die „erste Natur“,

welche in der Erbmasse begründet ist, bleibt davon unberührt. Die

Erziehungsarbeit an vergangenen Generationen hat daher auf die Anlagen

der gegenwärtigen keinen Einfluß, die an der gegenwärtigen keinen auf

die Anlage der zukünftigen. Was an seelischem Gut von den Vätern ererbt

ist, braucht von den Kindern nicht erst erworben zu werden, und alles,

was die Väter auf Grund ihrer Erbanlagen erworben haben, müssen auch

die Nachkommen erst erwerben, um es zu besitzen.

Die experimentellen Erfahrungen sprechen eindeutig gegen die

Möglichkeit einer „Vererbung erworbener Eigenschaften“; theoretisch

würden wir uns von einer solchen keine Vorstellung machen können; und

auch das menschliche Leben bietet keine Erfahrungen, die so gedeutet

werden müßten. Wenn die Kinder gebildeter Eltern im Durchschnitt

begabter sind als die ungebildeter, so sind sie es nicht infolge

der Ausbildung der Eltern, sondern weil sie von diesen Erbanlagen

überkommen haben, die schon die Eltern zur Aneignung der Bildung

befähigte. Erblich ist also die Erziehbarkeit oder Bildungsfähigkeit.

Andererseits ist es eine alltägliche Erfahrung, daß aus gebildeten

Familien oft unbegabte Söhne stammen, die trotz allen Aufwands

von Bildungs- und Erziehungsmitteln sich keine höhere Bildung

anzueignen vermögen. Solche Erfahrungen sprechen deutlich gegen

eine Erblichkeit von Bildungserfolgen, während sie auf Grund des

Mendelschen Grundgesetzes der Erblichkeit ohne weiteres verständlich

sind. ~Es ist daher völlig hoffnungslos, durch Erziehung und Übung

das Menschengeschlecht dauernd heben zu wollen.~ Das ist eine der

allerwichtigsten rassenhygienischen Einsichten.

Wem es niederdrückend erscheinen mag, daß alles was wir durch immer

strebendes Bemühen an unserer Vervollkommnung vielleicht erreichen

können, doch nicht in die Erbmasse unserer Nachkommen eingehen

kann, der möge daran erinnert werden, daß andernfalls die kommenden

Geschlechter auch mit allem dem Wust des Irrtums und Unsinns, der

Verächtlichkeit und Gemeinheit der Vergangenheit und Gegenwart

belastet sein würden. Soweit diese nicht aus dem erblichen Wesen der

Zeitgenossen, sondern nur aus den Zeitumständen entspringen, brauchen

unsere Nachkommen damit also nicht belastet zu sein. Die kommenden

Geschlechter können sich wieder zur Höhe und Reinheit emporarbeiten,

wofern wir nur dafür sorgen, daß sie aus tüchtigem Ahnenerbe stammen.

Darauf kommt alles an. Es ist daher die große Schicksalsfrage unserer

Rasse und Kultur, ob die Urteilsfähigkeit unserer Zeitgenossen noch

ausreicht, den herrschenden Vorurteilen von der Allmacht der Umwelt

entgegen die notwendige Umstellung unserer Lebensanschauung und aller

unserer Einrichtungen durchzusetzen oder nicht.

#3. Begabung und Psychopathie.#

Starke Abweichungen vom Durchschnitt sind meistens krankhaft, zwar

durchaus nicht in jedem Falle, wie schon auf S. 144 betont wurde, aber

doch in allen jenen Fällen, wo durch die Natur der Abweichung eine

gegenüber dem Durchschnitt verminderte Erhaltungswahrscheinlichkeit

bedingt wird. Das trifft nun oft gerade bei überragenden Begabungen

zu. Zahlreiche talentierte Menschen scheitern an Forderungen des

täglichen Lebens, denen Durchschnittsmenschen von gesundem Sinn ohne

weiteres gerecht werden. Was von der persönlichen Selbsterhaltung

gilt, gilt in erhöhtem Maße von der Erhaltung der Familie. Ein großer

Teil der talentierten und erst recht der genialen Menschen bleibt

ehelos, ein anderer lebt in unglücklichen Familienverhältnissen, weil

auch dem Ehegemahl gegenüber die Anpassungsmöglichkeiten des Genies

oft versagen. Fast regelmäßig kommt es zum schnellen Aussterben der

Familie. Wenn die geistige Verfassung eines Menschen aber die Erhaltung

beeinträchtigt, so sprechen wir von Psychopathie und bei den schwersten

Graden von Geisteskrankheit. Wir dürfen daher der Erörterung der Frage

der Krankhaftigkeit genialer Begabung nicht ausweichen, zumal sie für

die praktische Stellung der Rassenhygiene zu den Psychopathen von

erheblicher Bedeutung ist.

Zur vorurteilsfreien Erörterung dieser Frage ist es nötig, die

naturwissenschaftliche Betrachtung von der wertenden reinlich zu

trennen. Krankheit ist ein naturwissenschaftlicher Begriff, und er

braucht nicht unter allen Umständen mit einem negativen Werturteil

belastet zu werden. Vielleicht können gerade gewisse krankhafte

Zustände wünschenswert sein; das ist aber kein Grund, ihnen den

Charakter des Krankhaften abzusprechen. Die Feststellung krankhaften

Seelenlebens bei einem genialen Menschen bedeutet also keine

Herabsetzung seiner Leistungen. Krankheit ist nicht gleichbedeutend

mit Minderwertigkeit. Andererseits aber ist das Zusammentreffen

überragender Leistungen und krankhafter Züge des Seelenlebens viel zu

häufig, als daß es durch bloßen Zufall erklärt werden könnte; und da

die krankhaften Seelenzustände in der Regel erblich bedingt sind, so

darf bei Darlegung der erblichen Bedingtheit geistiger Begabung auch

die Bedeutung krankhafter Anlagen dafür nicht verschwiegen werden.

Das Schlagwort „Genie und Irrsinn“, welches im Anschluß an

~Lombroso~, der zuerst diese Frage ausführlich erörtert hat,

oft gebraucht wird, ist irreführend, weil bei den eigentlichen

Geisteskrankheiten, zumal solchen, die mit Zerstörungen im Gehirn

einhergehen, geniale Schöpfungen natürlich nicht zu erwarten sind.

Wo solche bei genialen Menschen beobachtet worden sind (z. B. bei

_Hölderlin_, _Scheffel_, _Schumann_, _Nietzsche_, _Maupassant_ u.

a.) haben sie offenbar die Leistungen viel mehr beeinträchtigt als

gefördert. Immerhin ist es denkbar, daß gelegentlich auch solche

Krankheiten durch Zerstörung normaler Hemmungen zum Zustandekommen

besonderer Leistungen beitragen können.

Auch die Epilepsie ist genialem Schaffen im allgemeinen sicher

nicht förderlich. Ich möchte daher vermuten, daß bei jenen großen

Männern, von denen Epilepsie berichtet wird (z. B. _Caesar_,

_Paulus_, _Mohammed_, _Franz v. Assisi_, _Alfred d. Große_,

_Napoleon I._) es sich entweder nur um zufälliges Zusammentreffen

oder, was wahrscheinlicher ist, um epilepsieähnliche Äußerungen der

Orgoristie gehandelt habe, die man in früherer Zeit offenbar häufig

mit der Epilepsie als „heilige Krankheit“ zusammengeworfen hat.

Der Orgoristie (s. S. 234) kommt unzweifelhaft eine große Bedeutung

für das Zustandekommen der Berühmtheit zu. Orgoristische Züge weisen

z. B. _Rousseau_, _Friedrich d. Große_, _Wagner_, _Nietzsche_

(abgesehen von seiner späteren Geisteskrankheit) auf. Man könnte

noch zahlreiche Namen von gleichem Range nennen; ja, es scheint mir

sogar, daß es für die Mehrzahl der berühmten Männer wenigstens auf

künstlerischem, politischem und verwandten Gebieten zutrifft, während

es für die großen Forscher und Entdecker nicht in gleichem Maße

gilt. Die abnorme Wunschbestimmbarkeit kann dem Orgoristen Ziele als

erreichbar erscheinen lassen, die der nüchterne Verstand von vornherein

als aussichtslos ansieht. „Das Wort unmöglich kenne ich nicht“, sagte

_Napoleon_. Die Orgoristie kann einen Glauben, der Berge versetzt,

schaffen, einen Glauben, der wider alles Zeugnis der Sinne und der

Vernunft gehen kann und der eben darum gelegentlich das Ungeheure

vollbringt.

„Wer ohne den Wahn der Musen vor das Tor der Dichtkunst kommt,

dessen Dichten vergeht vor der Kunst dessen, der den schöpferischen

Wahn hat.“ So sagte ~Platon~, und ~Aristoteles~ hat

ebenfalls schon auf die krankhafte Veranlagung der großen Dichter

und Künstler, Philosophen und Politiker hingewiesen. ~Ibsen~

hat als bedeutende Menschen fast nur Orgoristen auf die Bühne

gebracht; und sie wirken dort recht naturwahr; sein Peer Gynt, der

die Karikatur eines Orgoristen darstellt, hat große Erfolge in der

Welt. Überhaupt scheint die Orgoristie mehr den Erfolg bei den

Menschen als die eigentliche geistige Leistung zu begünstigen. Der

Glaube an leuchtende Wunschbilder hat etwas Mitreißendes; und ein

außerordentlich lebhaftes Geltungsbedürfnis treibt viele Orgoristen

immer wieder zu Worten und Taten, die Eindruck auf die Mit- und

Nachwelt versprechen. Ähnlich wie die Orgoristie zur Mimikry von

Krankheit und Schwäche (Hysterie) führen kann, so kann sie auch

eine Mimikry geistiger Größe hervorbringen; und diese ist kaum

weniger häufig und eindrucksvoll als jene. Im einzelnen kann die

Anlage natürlich mit sehr verschiedenen andern verbunden sein; und

ohne hervorragende sonstige Begabung kann selbstverständlich auch

die Orgoristie nicht bedeutende Leistungen hervorbringen.

Auch die mit der Orgoristie verwandte Psychasthenie („Neurasthenie“)

scheint für geniale Leistungen in manchen Fällen günstig sein zu

können. _Darwin_ war ein Psychastheniker, der nur ganz wenige Stunden

am Tage arbeiten konnte und der doch mehr geleistet hat als tausend

andere Forscher. Ähnliches gilt von _Fechner_.

Der bekannte Psychiater ~Aschaffenburg~ sagt sogar: „Die

Nervosität und Genialität sind zwei Erscheinungsformen derselben

psychopathischen Prädisposition. Dieselbe Empfindsamkeit und

Empfänglichkeit, die das Nervenleben des Neurasthenikers als

krank erscheinen läßt, gibt ihm die Möglichkeit zu ungeahnten

und kühnen Kombinationen, macht sein Denken und Fühlen tiefer und

nachhaltiger, gibt ihm den Schwung des Künstlers und Dichters, die

Tatkraft des Genies.“ Nach der in dem Kapitel über die geistigen

Anomalien gewählten Einteilung würden einige dieser Züge allerdings

mehr zur Orgoristie zu rechnen sein.

Das geniale Gehirn ist fast immerwährend in lebhafter Tätigkeit,

und wenn es häufiger die Zeichen der Erschöpfung zeigt als das

Durchschnittsgehirn, so braucht das nicht eigentlich auf abnormer

Ermüdbarkeit, die für Psychasthenie als charakteristisch bezeichnet

wurde, zu beruhen. Ein Durchschnittsgehirn würde vielleicht schon

nach einem Bruchteil der Leistung des genialen versagen, und es

bleibt vielleicht nur deshalb von den Zeichen der Psychasthenie

verschont, weil es auch diesen Bruchteil in der Regel nicht

leistet; und andererseits mag ein erheblicher Teil dessen, was im

gewöhnlichen Leben als Neurasthenie erscheint, auf allzu reger

Geistestätigkeit beruhen. Und wenn die abnorm starke Tätigkeit des

genialen Gehirns als solche die Gesundheit beeinträchtigt, so würde

sie eben als solche schon krankhaft sein.

Auch die parathymische (manisch-melancholische) Veranlagung scheint

zu genialem Schaffen beitragen zu können. _Konrad Ferdinand Meyer_

und _Anselm Feuerbach_ litten an Geistesstörungen aus dieser Gruppe.

Nach der gewöhnlichen Einteilung würde man auch die Krankheit _Robert

Mayers_, des Entdeckers des Energiegesetzes, und _Gregor Mendels_,

des Entdeckers des Grundgesetzes der Erblichkeit, dahin rechnen.

_Schopenhauer_ war von melancholischer Veranlagung und zeigte zugleich

orgoristische Züge. ~Moebius~ nimmt parathymische Veranlagung auch

bei _Goethe_ an; doch scheinen mir die krankhaften Zeichen bei diesem

eher für Orgoristie zu sprechen, die sich sehr ähnlich wie leichte

Parathymie äußern kann.

Von unzweifelhafter Bedeutung kann offenbar auch paranoische

Veranlagung für hervorragende Leistungen sein. Die krankhafte

Hartnäckigkeit, mit der der Paranoiker seine Überzeugungen

verficht, kann ihn zu Leistungen befähigen, die andere Menschen

von sonst gleicher Begabung nicht zu vollbringen vermögen. Der

bekannte Sozialhygieniker ~Grotjahn~ neigt dazu, in fast allen

hartnäckigen Vorkämpfern einer Bewegung oder eines Gedankens leichte

Paranoiker zu sehen. Nach meinen Beobachtungen dürfte der Orgoristie

größere Bedeutung zukommen. Vielleicht aber bestehen zwischen der

orgoristischen, der paranoischen und der parathymischen Veranlagung

überhaupt enge Beziehungen (vgl. S. 236).

Jedenfalls ist es ganz verkehrt, wenn man meint, daß aus einem

krankhaften Geiste keine richtigen Erkenntnisse oder keine

schönen Kunstwerke entspringen könnten. Was objektiv wahr und

falsch ist, ist oft viel zu schwer zu entscheiden, als daß dieser

Unterschied zum Kennzeichen des Krankhaften gemacht werden dürfte.

Falsche Überzeugungen können gelegentlich lebensfördernd, wahre

erhaltungswidrig sein. Die Falschheit eines Gedankens beweißt

also nichts für, die Richtigkeit nichts gegen die Krankhaftigkeit

seines Urhebers. _Robert Mayer_ z. B. behielt schließlich Recht mit

seiner Überzeugung, für die er fanatisch kämpfte. Ebenso wird die

Entdeckung _Gregor Mendels_, welche praktisch von ungleich größerer

Bedeutung ist als etwa die des Kopernikus, keineswegs dadurch

beeinträchtigt, daß sie von einem seelisch leidenden Manne errungen

wurde. Andererseits ist z. B. _Goethes_ Farbenlehre, die er für

die Hauptleistung seines Lebens hielt und die er mit krankhafter

Hartnäckigkeit verfocht, nicht haltbar.

In der Familie genialer Persönlichkeiten finden sich seelische

Störungen fast regelmäßig auch bei andern Mitgliedern. _Goethes_ Vater

z. B. war deutlich psychopathisch, _Goethes_ Schwester sogar schwer,

ebenso sein Sohn. Die Erforschung der idiotypischen Bedingtheit

genialer Begabung muß daher auch krankhafte Anlagen in der Familie

eingehend berücksichtigen, wie ~Möbius~ zuerst gelehrt hat.

Es ist für die meisten Menschen ein peinlicher Gedanke, daß die

Leistungen und Taten jener Männer, die sie als Helden des Geistes

zu verehren gewohnt sind, z. T. aus krankhafter Veranlagung

entspringen sollen. Es sei daher noch einmal daran erinnert, daß

Krankheit weiter nichts bedeutet als eine vergleichsweise geringe

Erhaltungsgemäßheit. Solange man den Krankheitsbegriff an der

Erhaltung des Individuums orientiert, kommt man nicht darum herum,

einen Zusammenhang zwischen Genie und Krankheit anzuerkennen.

Allerdings kann man den Krankheitsbegriff auch auf die Erhaltung

der Rasse beziehen, und dann gewinnt die Frage ein anderes Gesicht.

Alle organische Anpassung geht letzten Endes nicht auf die

Erhaltung des Individuums, sondern auf die der Rasse. Es gibt

Organe und Funktionen, z. B. die der Fortpflanzung, welche

überhaupt nicht der individuellen Erhaltung, sondern nur der der

Rasse dienen. Andererseits dienen alle Organe und Funktionen,

welche die Erhaltung des Individuums ermöglichen, zugleich der

Erhaltung der Rasse. Diese ist also der übergeordnete Begriff

gegenüber der Erhaltung des Individuums. Ebenso wie der Begriff

der Anpassung sind daher auch die davon abhängigen Begriffe

der Krankheit und Gesundheit an der Erhaltung der Rasse zu

orientieren. So ist z. B. Unfruchtbarkeit, aus welchen Gründen

immer sie entstanden sein mag, doch ohne Zweifel etwas Krankhaftes,

obwohl sie die Erhaltung des Individuums nicht beeinträchtigt.

Andererseits sind Geburt und Wochenbett, obwohl sie unvermeidlich

gewisse Gefahren für die Frau mit sich bringen, nicht als

krankhaft, sondern als durchaus normal anzusehen.

Ebenso kann auch die schöpferische Betätigung des Genies, selbst

wenn sie die individuelle Erhaltung beeinträchtigt, dennoch dem

Leben der Rasse dienen. Und eine solche Veranlagung wäre im

höchsten Sinne lebensfördernd, also von Grund aus gesund. Nicht

alle Menschen müssen ja dem Durchschnitt gleichen. Eine Bevölkerung

von lauter Genies wäre freilich schwerlich lebensfähig; einzelne

aber können für das Leben der Rasse das Höchste leisten, und es

ist geradezu eine Lebensfrage für eine Rasse, daß sie immer wieder

Männer hervorbringt, die ihr neue Wege des Lebens eröffnen.

#4. Rasse und Begabung.#

Im zweiten Abschnitt ist gezeigt worden, daß die verschiedenen

erblichen Anlagen, welche in der körperlichen Erscheinung des Menschen

zum Ausdruck kommen, in verschiedenen Gegenden sehr verschieden häufig

sind, daß z. B. helle Augen, die sich in Nordeuropa bei der großen

Mehrheit der Bevölkerung finden, weiter nach Süden und Osten immer

seltener werden, bis sie in Zentralafrika oder in Ostasien gar nicht

mehr vorkommen. In ähnlicher Weise sind auch die seelischen Erbanlagen

über die verschiedenen Länder verschieden verteilt. Anlagen, die

eine derartige verschiedene Verteilung aufweisen, nennt man eben

Rassenanlagen, und es besteht keinerlei Wesensunterschied gegenüber

den sonstigen Erbanlagen, auch nicht gegenüber den krankhaften. Die

Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassenanlagen sind allerdings

im allgemeinen weniger hochgradig als die zwischen normalen und

krankhaften Anlagen; so ist der seelische Unterschied zwischen einem

Chinesen und einem Neger geringer als der zwischen einem normalen und

einem schwachsinnigen Chinesen. Andererseits aber würde ein Europäer,

der mit der seelischen Ausstattung eines australischen Eingeborenen

geboren würde, sich wohl im Wettbewerbe des modernen Lebens nicht

halten können und vermutlich als schwachsinnig angesehen werden,

ähnlich wie etwa ein Neger, der mit der Pigmentarmut des nordischen

Menschen geboren würde, in seiner tropischen Heimat vermindert

widerstandsfähig wäre und mit Recht als albinotisch, d. h. krankhaft

gelten würde. Die verschiedenen Rassen sind eben im allgemeinen nur an

ihre angestammte Umwelt angepaßt, und diese Unterschiede der Anpassung

haben gewisse Beziehungen zu dem Unterschied zwischen gesund und krank,

der ja ebenfalls an der Anpassung orientiert ist.

Wenn auch die Rassenunterschiede im allgemeinen viel weniger hochgradig

sind als die zwischen normalen und ausgesprochen krankhaften Anlagen,

so sind sie darum doch nicht minder bedeutungsvoll, und zwar

deshalb nicht, weil sie die Unterschiede ganzer großer Gruppen und

Bevölkerungen betreffen. Das gilt ganz besonders von den seelischen

Unterschieden. Wenn es nur körperliche Rassenunterschiede gäbe, so wäre

ja die ganze Rassenfrage ohne besondere Bedeutung; und damit hängt

es offenbar zusammen, daß gerade die seelischen Rassenunterschiede

mit Vorliebe entweder übertrieben oder ganz geleugnet werden. Daß es

überhaupt seelische Rassenunterschiede gibt, daran kann von vornherein

kein Zweifel sein. Jeder Rasse kommen ja gewisse Durchschnittswerte im

Bau jedes Organs zu; das gilt natürlich auch von dem Bau des Gehirns

und damit auch den seelischen Anlagen. Die Frage kann also nicht sein,

ob es überhaupt seelische Rassenunterschiede gibt, sondern nur, welcher

Art und wie groß sie sind.

Daß die seelischen Anlagen erblich bedingt sind, wurde bereits

ausführlich erörtert. Nun sind aber diese Anlagen natürlich nicht etwas

Abstraktes, das gewissermaßen in der Luft schwebte, sondern sie haften

an organischen Formen, an den verschiedenen Idiotypen. Alle Erblichkeit

besteht ja darin, daß die organischen Formen ihre Eigenart bewahren.

Erbanlagen sind Rassenanlagen; das gilt auch von den seelischen

Erbanlagen. Ein sehr großer Teil der seelischen Unterschiede, von denen

wir gesprochen haben, dürfte sogar auf Rassenunterschieden im engeren

anthropologischen Sinne beruhen. Die einzelnen Rassenanlagen bleiben ja

auch in einer Mischbevölkerung erhalten; und ebenso wie wir gemeinsame

erbliche Eigentümlichkeiten des Körpers verschiedener Individuen auf

gemeinsame Abstammung zurückführen, so gehen auch gemeinsame Anlagen

der Seele auf gemeinsamen Ursprung zurück. Es erhebt sich also die

Frage nach den seelischen Eigentümlichkeiten jener ursprünglichen

Rassen, aus denen die modernen Mischbevölkerungen hervorgegangen sind.

Selbstverständlich kann es sich dabei nur um Durchschnittswerte

handeln. Auch die Ursprungsrassen sind natürlich niemals völlig

gleichförmig in sich gewesen, sondern immer aus einer großen Zahl von

Idiotypen zusammengesetzt, die untereinander ein wenig verschieden

waren. Auch kommen natürlich in jeder Rasse gelegentlich so starke

Erbänderungen an einzelnen Idiotypen vor, daß diese nunmehr von der

Ausgangsrasse weiter entfernt sind als diese von anderen Rassen; das

gilt z. B. von solchen Idiovariationen, die Schwachsinn oder andere

krankhafte Anlagen bedingen. Aber solche stark abweichenden Anlagen

werden zum großen Teil bald wieder durch natürliche Auslese ausgetilgt,

und soweit sie auf kürzere oder längere Zeit bestehen bleiben, können

sie doch nicht die Durchschnittsunterschiede der Rassen aufheben.

In einer gemischten Bevölkerung wie der unsrigen kann man nicht

einfach aus den körperlichen Rassenmerkmalen eines Menschen auf seine

seelischen Rassenanlagen schließen. Es ist z. B. durchaus möglich, daß

ein helläugiger blonder Mensch eine seelische Verfassung habe, wie sie

eigentlich einer dunklen Rasse zukommt. Mit größerer Wahrscheinlichkeit

als aus derartigen körperlichen Rassenmerkmalen kann man aus der

Abkunft eines Menschen auf seine seelischen Rassenanlagen schließen.

Unter niedersächsischen Bauern stellt ein kleiner kurzköpfiger

dunkelhaariger Mensch eine Ausnahme dar; er hat aber trotzdem mit viel

größerer Wahrscheinlichkeit nordische Anlagen der Seele als z. B. ein

großer blonder langköpfiger Italiener. Da nun die meisten Menschen

nicht derartige Ausnahmen darstellen, sondern körperlich und seelisch

dem Durchschnittsbilde ihrer Gruppe ähnlich sind, so ist ein Schluß aus

der körperlichen Erscheinung auf die seelische Veranlagung doch sehr

oft wenigstens annähernd zutreffend; und praktisch geben ja auch alle

Menschen mehr oder weniger viel darauf.

Direkt können wir die seelischen Unterschiede der ursprünglichen

Rassen, welche in unsere Mischbevölkerung eingegangen sind, natürlich

nicht mehr feststellen. Wir müssen uns damit begnügen, aus den

seelischen Unterschieden von Bevölkerungen, an denen wir zugleich

eine verschiedene Mischung körperlicher Rassenanlagen wahrnehmen, auf

die seelischen Anlagen der ursprünglichen Rassen zurückzuschließen.

Bedenklich ist es dagegen, aus besonders „typischen“ Vertretern

die Anlagen der Rassen erschließen zu wollen, weil die Auswahl des

„Typischen“ bereits bestimmte Vorstellungen über das seelische Bild

der Rasse voraussetzt. Besonders _Goethe_ ist beliebt als Typus, nach

dem derartige „Rassenforscher“ das Bild ihrer Rasse schaffen. Viel

einfacher als in unserer Bevölkerung ist die Feststellung seelischer

Rassenanlagen an Gruppen, die wenig oder gar nicht gemischt sind,

z. B. Ostasiaten, manchen Neger- und Indianerstämmen. Besonders die

kulturellen Leistungen der verschiedenen Gruppen gestatten wertvolle

Schlüsse.

Jene Gruppe ursprünglicher Rassen, zu denen die Wedda und die

Uraustralier gehören, steht offenbar den affenartigen Vorfahren

der Menschen auch seelisch verhältnismäßig noch am nächsten. Die

Angehörigen dieser Rassen gewinnen ihren Lebensunterhalt, indem sie

durch die Wälder streifen und verzehren, was sie an Genießbarem finden.

Eine Erzeugung von Nahrungsmitteln durch Viehzucht oder Ackerbau spielt

keine Rolle. Auch bei der Berührung mit Kulturvölkern haben diese

Rassen wenig oder gar nichts von deren Kultur zu übernehmen vermocht,

sondern sie gehen dabei zugrunde.

Die ~Neger~ leben im Vergleich zu diesen Rassen schon viel

weniger in den Tag hinein. Sie haben eine ziemlich ausgedehnte

Viehzucht und auch Pflanzenbau in gewissem Umfang entwickelt. Auch

einige Gewerbe wie das Schmiedehandwerk haben sie ausgebildet. Im

Vergleich mit europäischen Rassen fällt allerdings ein Mangel an

vorsorglichem Sinn am Neger auf. Die Aussicht auf späteren Wohlstand

vermag ihn im allgemeinen nicht zu ausdauernder Arbeit zu bestimmen.

Der Neger ist dem unmittelbaren Sinneseindruck viel stärker hingegeben

als der Europäer; er läßt sich daher leicht durch Flitterkram

bestechen. Je nach den unmittelbaren Erlebnissen schwankt er zwischen

sorgloser Ausgelassenheit und ratloser Niedergeschlagenheit. In den

Kinderjahren hält der Neger allerdings zunächst ziemlich gleichen

Schritt mit Kindern europäischer Rassen. Immerhin haben Untersuchungen

an amerikanischen Volksschülern übereinstimmend gezeigt, daß die

Negerkinder bei psychologischen Untersuchungen in ihren Leistungen

um etwa 30% hinter den „weißen“ Kindern zurückblieben. Mit der

früh einsetzenden Geschlechtsreife wird aber ein Abschluß erreicht,

über den der Neger nicht wesentlich hinauskommt. Die Neger haben

keine den europäischen oder asiatischen an die Seite zu stellenden

Gesellschaftsbildungen hervorgebracht; Negerstaaten wie Haiti oder

Liberia zeichnen sich durch Mißwirtschaft aus. Wo Neger mit Menschen

europäischer Rassen zusammenleben wie in den Südstaaten Nordamerikas,

finden sie sich regelmäßig nur in den niederen Schichten der

Bevölkerung mit einfachen Beschäftigungsarten. Geniale Leistungen hat

nie ein Neger hervorgebracht.

Die ~mongoliden Rassen~ übertreffen die Neger im Durchschnitt

erheblich an geistiger Begabung. Bei den ostasiatischen Mongolen

haben Ackerbau und Viehzucht seit Jahrtausenden eine hohe Stufe der

Entwicklung erreicht. Die Bildung des chinesischen Reiches und sein

Bestand durch fünf Jahrtausende legen ein unzweideutiges Zeugnis von

der hohen gesellschaftsbildenden Begabung der Mongolen ab. Auch das

japanische und das siamesische Reich sind von Mongolen geschaffen

worden. In Amerika sind von verwandten Rassen das altperuanische und

das altmexikanische Reich gebildet worden.

Im übrigen kommt aber unter den mongoliden Rassen die höchste

Kulturbegabung offenbar den Ostasiaten zu. Bei dem Mongolen sind die

auf das gesellige Leben gerichteten Anlagen besonders entwickelt. Im

ganzen hat er mehr die Fähigkeit der Nachahmung als der Erfindung.

Sein Gedächtnis ist stärker als der kritische Verstand. Er hat daher

geringes Interesse für abstrakte Wissenschaften, neigt aber zur

Verehrung des Geschichtlichen. Während die indischen Arier, die in

der Philosophie und der Baukunst so Hervorragendes geleistet haben,

ihre Geschichte völlig vernachlässigt haben, verfügen die Chinesen

über sorgfältige geschichtliche und genealogische Aufzeichnungen durch

Jahrtausende. Geniale Denker, Erfinder und Entdecker im europäischen

Sinne sind unter den Mongolen kaum zu verzeichnen. Die ungeheure

Gleichmäßigkeit, welche trotz gelegentlicher Wechselfälle die

Geschichte der chinesischen Kultur auszeichnet, ist sicher zum großen

Teil eine Folge des mongolischen Charakters, der zum Festhalten am

Hergebrachten neigt. So gering wie das wissenschaftliche ist auch das

metaphysische Bedürfnis des Mongolen. Die Lehren des Konfutse und

Laotse handeln nicht von metaphysischen Dingen, sondern sie sind ganz

auf das praktische soziale Leben gerichtet. Mehrere Religionen bestehen

in Ostasien in gegenseitiger Duldsamkeit nebeneinander. Die Geschichte

Ostasiens kennt keine Religionskriege, wie sie Europa zerrissen

haben. Der praktischen Nüchternheit und der geringen Entwicklung der

Phantasie entspricht es, daß der Mongole auch die romantische Liebe

im europäischen Sinne nicht kennt. Entgegen den Vorstellungen, die

bei uns mit den Begriffen der „Hunnen“ oder der „Tataren“ verbunden

zu werden pflegen, ist festzustellen, daß die mongoliden Rassen

im ganzen sicher weniger wild und kriegerisch als die eigentlich

europäischen sind. Sie unterscheiden sich von diesen seelisch wie

körperlich in ähnlicher Richtung wie das Weib vom Manne; sie sind mehr

aufnehmend als schöpferisch, dabei genügsam und geduldig. Ihre große

Bedürfnislosigkeit und Zähigkeit ermöglicht ihnen das Gedeihen auch in

kümmerlichen Lebensverhältnissen, an welche die eigentlich europäischen

Rassen sich nicht anzupassen vermögen.

Über die mongoliden Rassen Europas ist schwer etwas Bestimmtes

auszusagen, weil sie nur in Mischung mit andern vorkommen. Immerhin

aber kann man sagen, daß sich europäische Bevölkerungen mit starkem

mongolidem Einschlag von solchen mit vorwiegend nordischer Rasse in

ähnlicher Richtung wie der Mongole vom Europäer unterscheiden. An den

verschiedenen Kulturen, welche Europa im Laufe der Jahrtausende erlebt

hat, haben mongolide Rassenelemente sicher erheblichen Anteil, ohne

daß man sie freilich als die eigentlichen Schöpfer irgend einer dieser

Kulturen bezeichnen könnte.

Die Völker von vorwiegend ~armenoider Rasse~ (vgl. S. 134)

wie Armenier, Griechen, Juden zeichnen sich durch eine besondere

Geschäftstüchtigkeit im Handel und Verkehr aus, wozu ihnen neben einem

hohen Grad von Klugheit vor allem die Fähigkeit, sich in die Seele

anderer Menschen einzufühlen, zugute kommt. Die armenoide Rasse hat

jedenfalls an der assyrisch-babylonischen und der altjüdischen Kultur

einen hervorragenden Anteil gehabt.

Die ~mediterrane Rasse~ zeichnet sich gegenüber der ruhigen

Biederkeit der mongoliden durch eine gewisse unruhige Wildheit aus.

Die seelischen Unterschiede der Bevölkerungen von Sizilien, Korsika,

Nordwestafrika etwa gegenüber denen Osteuropas sind in die Augen

springend. Die ruhige Arbeitsamkeit des Mongoliden läßt der Mediterrane

vermissen; auch an Verstandesbegabung scheint er ihm eher nachzustehen.

Die ~orientalische Rasse~ dagegen, welche mit der mediterranen

verwandt ist, zeichnet sich nicht nur durch Klugheit, sondern auch

durch Energie und Unternehmungslust aus. Zu der ruhigen stetigen Arbeit

des Ackerbauers hat sie noch weniger Neigung, vielmehr neigt sie

ausgesprochen zum Nomadentum. Auch kühne Seefahrer wie die Phönikier

hat sie hervorgebracht. Arabische Stämme bilden eine Herrenschicht in

einem großen Teile Afrikas. Die orientalische Rasse dürfte als die

treibende Kraft der altägyptischen Kultur anzusehen sein, ebenso der

phönikischen und punischen, der altjüdischen und der arabischen Kultur

des Mittelalters. Auch an der assyrisch-babylonischen Kultur kommt ihr

wohl ein großer Anteil zu. Sehr einschneidend ist auch ihr Einfluß

auf die moderne abendländische Kultur und zwar dadurch, daß sie einen

wesentlichen Bestandteil der jüdischen Bevölkerung bildet.

Die eigentliche Bewegung hat aber die ~nordische Rasse~ in die

europäische Geschichte gebracht. Von ihr sind die indogermanischen

Kulturen ausgegangen. So ist die Kultur des alten Vorderindien eine

unverkennbare Folge der Eroberung des Landes durch die nordischen

Arier, die im zweiten vorchristlichen Jahrtausend dort eindrangen.

Die Macht und Blüte des alten Perserreiches ruhte auf den Schultern

eines andern Zweiges der Arier. Die unvergleichliche Kultur des alten

Griechenlands schloß sich an die Einwanderung der arischen Hellenen

an, deren nordische Rasse nicht minder durch ihre überlieferten

Bildwerke als durch ihre geschichtlichen Aufzeichnungen verbürgt

wird. Das römische Weltreich hatte seine Wurzeln in den keltischen

Italikern, die ebenso wie die sonstigen alten Kelten im wesentlichen

von nordischer Rasse gewesen sein dürften. Die Germanenreiche,

welche aus der sogenannten Völkerwanderung hervorgingen, wurden

gegründet von Stämmen nordischer Rasse. Das deutsche Kaiserreich des

Mittelalters ruhte ganz und gar auf den Schultern von Germanen. Weite

Küstengebiete des Mittelmeeres beherrschten seefahrende Normannen. In

der italienischen Renaissance äußert sich das Blut der Langobarden.

Auf dem Boden des oströmischen Reiches, das nicht von nordischen

Stämmen, sondern von den mongoliden Türken erobert wurde, ist keine

Renaissance erblüht. Die iberische Halbinsel, welche im Vergleich

mit den beiden andern südlichen Halbinseln in frühgeschichtlicher

Zeit nur eine geringe nordische Einwanderung erfahren hatte, erlebte

auch keine solche Kulturblüte im Altertum. Nachdem aber die Westgoten

nach Spanien gekommen waren, erstand im ausgehenden Mittelalter

ein spanisches Weltreich, in dem „die Sonne nicht unterging“.

Auch für die Entdeckungen und Eroberungen der Portugiesen hat der

nordische Blutseinschlag offenbar entscheidende Bedeutung gehabt.

Die Reformation wurde aus der Eigenart nordischen Geistes geboren,

und sie hat im großen und ganzen nur die Länder mit überwiegend

nordischer Bevölkerung erobert. Das kleine niederländische Volk hat in

der Seegeltung Hervorragendes geleistet und ein großes und blühendes

Kolonialreich begründet. Das kleine schwedische Reich hat unter Gustav

Adolf und Karl XII. eine gewaltige politische Stoßkraft entfaltet.

Die französische Macht der vergangenen Jahrhunderte ruhte auf den

Nachkommen von Franken, Goten und Normannen. Das große russische

Reich wurde von Normannen (Warägern) begründet. Die angelsächsiche

Kolonisation Nordamerikas, Südafrikas und Australiens in den letzten

drei Jahrhunderten, welche von den Nachkommen von Sachsen und Normannen

getragen wurde, stellt die gewaltigste Ausbreitungswelle nordischen

Blutes seit der Völkerwanderung dar, vielleicht die gewaltigste der

Weltgeschichte überhaupt. Das spanische und portugiesische Südamerika,

dessen führende Schicht im Gegensatz zu Nordamerika nicht vorwiegend

nordisch, sondern mediterran ist, kann sich an wirtschaftlicher und

kultureller Bedeutung mit diesem nicht messen.

Die moderne abendländische Kultur ist durchaus nicht gleichmäßig

über die Erde verteilt, sondern sie ist hauptsächlich in den Ländern

mit überwiegend nordischer Rasse oder solchen, die doch wenigstens

einen starken Einschlag nordischer Rasse haben, zu Hause. Die großen

wissenschaftlichen Entdeckungen, die Erfindungen und sonstigen

geistigen Errungenschaften der Gegenwart, kommen fast alle entweder

aus der nordwestlichen Hälfte Europas (diese einschließlich Finnlands,

Österreichs und der Schweiz gerechnet) oder aus Nordamerika.

Wenn wir die geistigen Führer der Menschen, die großen Staatsmänner

und Feldherrn, Forscher und Philosophen, Erfinder und Entdecker,

Künstler und Dichter auf ihren Typus betrachten, so finden wir, daß

die allermeisten auch in ihrem Äußern überwiegend von nordischer

Rasse sind. Diese Erfahrung ist derart in das allgemeine Bewußtsein

übergegangen, daß z. B. sogar Christus regelmäßig als Mensch von

nordischem Typus dargestellt wird. Auch im Weltkrieg waren die

erfolgreichsten Führer auf beiden Seiten Menschen nordischer Rasse,

nicht nur _Hindenburg_ und _Ludendorff_, sondern auch _Joffre_ und

_Foch_, _Lloyd George_ und _Wilson_.

Der nordische Mensch ist von allen am wenigsten dem Augenblick

hingegeben; er übertrifft alle andern Rassen an Willensstetigkeit und

sorgender Voraussicht. Infolge der vordenklichen Sinnesart werden

die sinnlichen Antriebe weiter gesteckten Zielen untergeordnet. Auch

dem Mongoliden ist er, wenn auch vielleicht nicht an aufnehmender

Intelligenz, so doch an schöpferischer Kraft des Geistes unzweifelhaft

überlegen. Auch das aber gilt nur vom Durchschnitt; denn es gibt

sicher auch viele begabte Mongolide, die es mit den meisten Menschen

nordischer Rasse durchaus aufnehmen können.

Die seelische Eigenart der nordischen Rasse hängt offenbar mit der

nordischem Umwelt zusammen, aber nicht so, daß das naßkalte Klima

unmittelbar ihre sorgende Sinnesart erzeugt hätte, sondern vielmehr

in dem Sinne, daß Familien mit dem leichten Sinn des Südländers,

die nicht auf lange Zeit vorauszudenken pflegen, viel häufiger im

nordischen Winter zugrundegingen. Die Rasse ist also in gewissem

Sinne das Produkt ihrer Umwelt, aber nicht das direkte Produkt der

Umwelt im lamarckistischen Sinne, sondern das Züchtungsprodukt

der Umwelt. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei natürlich auch

die ursprünglichen Entwicklungsmöglichkeiten einer Rasse. Auch

mongolide Rassen sind durch Auslese an nördliches Klima angepaßt

worden. Während aber bei der nordischen Rasse die Überwindung der

Unwirtlichkeiten der Umwelt durch Steigerung der geistigen Kräfte

erreicht wurde, geschah die Anpassung der arktischen Mongoliden

durch Züchtung äußerster Bedürfnislosigkeit.

Der nordische Mensch wird gern als seßhafter Ackerbauer in

Gegensatz zum schweifenden Nomaden gestellt. Er ist aber weniger

ausgesprochener Ackerbauer als der mongolide. Eher könnte man den

Wikinger als Typus des nordischen Menschen ansehen. Wagemutig,

willensstark bis zur Rücksichtslosigkeit, kann er sich selbst auch

rücksichtslos für eine Sache einsetzen. Damit hängt es zusammen,

daß er sich nur schwer in die Seelen anderer Menschen einfühlen

kann. Eigensinnig besteht er auf seinem Kopf. Durch seine Begabung

für Organisation ist er zwar von großer Bedeutung für das soziale

Leben, aber im Grunde verachtet er die Gemeinschaft. Seine

Instinkte sind mehr individualistisch als sozial gerichtet. Während

die östlichen Mongolen schon fast 5000 Jahre lang zu mehreren

Hundert Millionen in einem Reich zusammenleben, haben sich die

nordischen Menschen, in zahlreiche kleine Gruppen geteilt, immer

wieder gegenseitig zerfleischt. Ihr übertriebenes Selbstbewußtsein

steht heute wie seit Jahrtausenden dem rettenden Zusammenschluß

entgegen.

Mit dem Mangel an einfühlendem Verstehen hängt vielleicht die

verhältnismäßig geringe musikalische Begabung des nordischen

Menschen zusammen. Die indischen Arier, die Hellenen, die modernen

Skandinavier und die Angelsachsen haben Großes in der bildenden

Kunst geleistet, aber nicht in der Musik. „Frisia non cantat.“

Italiener, Magyaren, Juden, Zigeuner gelten bei den Germanen wohl

nicht zu Unrecht als besonders musikalisch.

Die Anlage zu sorgender Voraussicht drängt den nordischen

Menschen zu der Frage nach dem Woher und Wohin der Welt und des

Menschen. Er ist der eigentlich religiöse und philosophische

Mensch. Die nordische Sehnsucht findet nicht, was ihr genügt; sie

schwärmt daher leicht über alle Wirklichkeit hinaus und wendet

sich ins Metaphysische. Der nordische Mensch neigt auch zu einer

eigentümlichen Vergeistigung der Liebe, die leicht einen ungesunden

Zug erhält und dem Leben der Rasse gefährlich werden kann.

Es ist sehr beliebt, die Rassenanlage des Germanen der des

~Juden~ gegenüberzustellen, wobei allerdings gewöhnlich

übersehen wird, daß beide Gruppen keine einheitlichen Rassen

darstellen. Andererseits kann freilich die seelische Eigenart der

Juden nicht einfach aus der jener Rassen, aus denen die jüdische

Gemeinschaft hervorgegangen ist, erklärt werden. Von wesentlichstem

Einfluß waren offenbar die Ausleseverhältnisse während des

viele Jahrhunderte langen städtischen Lebens und der fast

ausschließlichen Beschäftigung im Handel und ähnlichen Berufen.

Von der Urerzeugung der Lebensbedürfnisse nicht nur durch eigene

Neigung, sondern vielfach auch durch gesetzliche Beschränkungen

ausgeschlossen, konnten in der Hauptsache immer nur solche Juden

eine Familie gründen, welche die Angehörigen der Wirtsvölker ganz

besonders gut zu nehmen verstanden. So dürfte es kommen, daß

die Juden sich nicht nur durch Klugheit und Rührigkeit, Fleiß

und Beharrlichkeit, sondern vor allem auch durch die Fähigkeit

auszeichnen, sich in die Seele anderer Menschen zu versetzen und

sie nach ihrem Willen zu lenken. Neigung und Fähigkeiten führen sie

daher immer wieder zu Betätigungen, bei denen das Eingehen auf die

jeweiligen Neigungen des Publikums und deren Lenkung Erfolg bringt.

Berufe, denen sie sich mit Vorliebe und Erfolg zuwenden, sind daher

vor allem die des Kaufmanns, Händlers und Geldverleihers, des

Journalisten, Schriftstellers, Politikers, Schauspielers, Musikers,

Rechtsanwalts und Arztes. Berühmte Männer der Wissenschaft stellen

die Juden auf dem Gebiete der Medizin, der Mathematik und Physik

und der Psychologie. Die großen Schachmeister sind fast alle Juden.

Auffallend gering ist ihr Sinn für Natur. Auch für bildende Kunst

sind die Juden im allgemeinen wenig begabt. Gegen körperliche

Arbeit hat der Jude meist eine lebhafte Abneigung. Schmerzen,

Krankheit und Tod fürchtet er im allgemeinen mehr als der Germane.

Er liebt auch den Kriegsdienst im allgemeinen nicht besonders.

Andererseits darf man auch nicht übersehen, daß Germanen und Juden

in wesentlichen Anlagen sich recht ähnlich sind, und zwar gilt das

besonders, wenn man als „Germanen“ nur Menschen von überwiegend

nordischer Rasse gelten läßt. Beide zeichnen sich durch hohe

Verstandesbegabung und Willensstärke aus; beide haben großes

Selbstbewußtsein, Unternehmungsgeist und einen ausgesprochenen

Herrenwillen. An Geschäftstüchtigkeit werden die Juden von

nordischen Hanseaten, Schotten und Yankees eher übertroffen. Die

vielfach zutage tretende Feindschaft zwischen Germanen und Juden

dürfte mindestens ebensosehr als auf ihrer Wesensverschiedenheit

gerade auf der Ähnlichkeit in ihrer Befähigung beruhen, die

zu einem scharfen Konkurrenzverhältnis führt, ähnlich wie

die verschiedenen germanischen Herrengruppen immer wieder in

Machtkämpfe geraten.

Leider wird die rassenpsychologische Betrachtung immer wieder

mit moralischer Beurteilung verquickt. Die Sinnesart des

Juden ist an und für sich durchaus nicht auf Verneinung und

Zersetzung gerichtet. Auch da, wo er zerstört, vermeint er in

der Regel aufzubauen. Die Erscheinung, daß die Führer radikaler

revolutionärer Bewegungen meist Juden sind, erklärt sich vielmehr

aus Anlagen der jüdischen Seele, die, biologisch betrachtet, weder

gut noch böse sind. Die Fähigkeit, sich in die Stimmungen anderer

einzufühlen, sich in ihre Vorstellungen zu versetzen, macht den

Juden nicht nur zum geborenen Schauspieler, sondern auch zum

geborenen Redner und Demagogen. Die größte Rolle spielen jüdische

Orgoristen (s. S. 234) in modernen revolutionären Bewegungen, weil

sie sich auch in utopische Vorstellungen völlig hineinversetzen

und daher mit weitgehender innerer Wahrhaftigkeit den Massen

überzeugende Versprechungen machen können.

Der ausgesprochene Familiensinn der Juden ist alles andere als

zersetzend, ebenso ihr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, ihre

gegenseitige Hilfsbereitschaft und ihr Gefühl für die allgemeine

Menschheit. Der jüdische Geist ist neben dem germanischen die

hauptsächlichste treibende Kraft der modernen abendländischen

Kultur. Die Emanzipation der Juden hat darauf ähnlich eingewirkt,

wie eine der Wellen nordischen Blutes auf die indogermanischen

Kulturen. Aber auch schon in der Entwicklung und Ausbreitung

des Christentums als einer der wesentlichsten Wurzeln der

abendländischen Kultur ist der jüdische Geist unverkennbar wirksam

gewesen.

~Selbstverständlich sind die erblichen Rassenanlagen nicht die

alleinige Ursache der großen Kulturleistungen. Alle Kultur, alle

Leistung entsteht vielmehr aus dem Zusammenwirken von Rassenanlage

und Umwelt.~ Die rassenbiologische Betrachtung muß sich hüten, in

ähnliche Einseitigkeiten zu verfallen wie gewisse ihr entgegenstehende

verbreitete Lehren. So lehrt die sogenannte „materialistische“

Kulturauffassung, welche an den Namen ~Marx~ anknüpft, daß allein

die Wirtschaftsverhältnisse über alle Kultur entscheiden; auch alle

sittlichen und geistigen Ideale sucht sie auf die wirtschaftlichen

Verhältnisse zurückzuführen. Die sogenannte „idealistische“ Auffassung

sieht demgegenüber gerade die geistigen Leistungen und Ideale als die

eigentlich treibenden Kräfte in der Geschichte an; sie leugnet aber

in ihrer landläufigen Form, wie sie z. B. von ~Natorp~ vertreten

wird, ebenso wie die materialistische Auffassung eine wesentliche

Bedeutung der Rasse. Beiden gemeinsam ist der lamarckistische Irrtum

einer fast unbeschränkten Bildsamkeit der Menschen. Während die

„materialistische“ Auffassung die Bildsamkeit durch direkten Einfluß

der Umwelt überschätzt, träumt die „idealistische“ von einer Veredelung

des Menschengeschlechts durch die innere Aneignung geistiger Ideale,

was aber ebenfalls eine Erblichkeit erworbener Anpassungen voraussetzt

und daher unhaltbar ist. Die geistige Veranlagung der Menschen kann

weder durch wirtschaftliche noch durch geistige Einwirkungen einfach

umgestaltet werden, sondern nur durch Auslese; sie ist Rassenanlage

und alle geistigen Errungenschaften sind in allererster Linie von

der erblichen Veranlagung ihrer Schöpfer und Träger abhängig. Eine

organische Kulturauffassung darf zwar die von der „materialistischen“

und der „idealistischen“ einseitig hervorgehobenen Bedingungen nicht

übersehen; sie muß aber gegenüber jenen auf die Rasse oder allgemeiner

auf die Erbanlage als die erste und unerläßlichste Bedingung aller

Kultur hinweisen. Der große ~Kant~, auf den sich die modernen

„Idealisten“ mit Vorliebe zu berufen pflegen, hat sich übrigens von

solcher Einseitigkeit freigehalten und betont, daß der „angeborene

Charakter in der Blutmischung des Menschen liegt und auch der

erworbene und künstliche nur die Folge davon ist“.

Vielfach ist die Ansicht verbreitet, daß bei Rassenmischungen

regelmäßig die Geistesverfassung der niederen Rasse durchschlage,

ja daß die Mischlinge sogar minderwertiger seien als beide

Elterrassen. So wird von den Mischlingsbevölkerungen in den

Küstenstrichen Afrikas, Mittel- und Südamerikas berichtet, daß

sie sittlich tiefer stehen als die reinen Neger oder Indianer,

während sie an Intelligenz diesen ebenbürtig oder überlegen seien.

Wahrscheinlich ist die Minderwertigkeit dieser Mischlinge zum

großen Teil das Ergebnis einer Auslese. Die Weißen, welche mit

eingeborenen Weibern Mischlinge erzeugen, stellen dem Charakter

nach eine ungünstige Auslese dar, und auch die eingeborenen Weiber,

welche sich zum Verkehr mit Weißen hergeben, sind natürlich

vielfach von haltlosem Charakter, kein Wunder, daß es dann auch

die Mischlinge zum großen Teil sind. Wo die Ausleseverhältnisse

günstiger sind, besteht auch keine Minderwertigkeit der

Mischlinge gegenüber der farbigen Stammrasse. Das gilt z. B.

von den von ~Eugen Fischer~ beschriebenen Bastards von

Rehoboth, welche die Nachkommen von holländischen Kolonisten

und Hottentottinnen, die jene als rechtmäßige Ehefrauen nahmen,

darstellen. ~Fischer~ hat gefunden, daß die Bastards den

reinen Hottentotten nicht nur an Intelligenz, sondern auch an

Charakter überlegen sind, während sie andererseits den Buren an

Kulturbegabung erheblich nachstehen.

Jedenfalls ist es nicht richtig, daß große Kulturleistungen

nur von reinen Rassen vollbracht werden könnten, noch weniger

natürlich, daß die Reinheit einer Rasse gar wichtiger sei als die

Art ihrer angestammten Begabung. Die nordischen Stämme, welche im

alten Indien, Griechenland, Italien eingewandert sind, haben den

größten Glanz erst zu einer Zeit entfaltet, als schon mannigfache

Mischungen mit der Urbevölkerung stattgefunden hatten. Manche der

größten Geister wie _Michelangelo_, _Luther_, _Beethoven_ waren

offenbar Mischlinge. Auch _Goethe_ war offenbar weder körperlich

noch seelisch von rein nordischem Typus; den Bildern nach zu

urteilen, dürfte der andersartige Einschlag vor allem von seiner

Großmutter mütterlicherseits, die eine geborene _Lindheimer_ war,

herrühren.

Natürlich kann Rassenmischung in vielen Fällen auch zu ungünstigen

Mixovariationen führen. Die einzelnen Anlagen jeder Rasse sind

durch Naturzüchtung im Laufe ungezählter Generationen aneinander

angepaßt, und durch Mischung kann diese Harmonie gestört werden.

Aber selbst ein Mißverhältnis zwischen verschiedenen Anlagen

braucht im Sinne der Kulturschöpfung nicht immer ungünstig zu

sein. Wie oben erörtert wurde, sind gerade disharmonische Naturen

gelegentlich zu großen Kulturleistungen befähigt. ~Gobineau~,

auf den sich die Verfechter der reinen Rasse oft berufen, hat

geradezu die „Welt der Künste und der edleren Literatur als

Ergebnis der Blutmischungen“ angesprochen und gesagt: „Es wäre

unrichtig, behaupten zu wollen, daß alle Mischungen vom Übel und

schädlich seien.“ Andererseits kannte er für die nordische Rasse

freilich keine ebenbürtige Mischung, und er sah das Verhängnis

der Rasse und Kultur darin, daß die an Zahl geringere edle Rasse

allmählich durch Mischung in der Flut der unedlen aufgehe.

Die Kulturbegabung der verschiedenen Rassen wird besonders darum so

viel erörtert und so leidenschaftlich umstritten, weil man meint,

daß der ~Wert der Rassen~ davon abhängig sei. Auch wir haben

bisher, wenn wir gewisse Rassenanlagen als wertvoll und andere als

minderwertig bezeichneten, die Kulturbegabung als Maßstab vorausgesetzt

und zwar in bewußter Anlehnung an landläufige Anschauungen. Vom

philosophischen Standpunkt aus ist dieser Maßstab indessen weder

selbstverständlich noch eindeutig. Wenn man nämlich den Wert der

Rassen an der Kultur messen will, so entsteht notwendig die Frage nach

dem Sinn und Wert der Kultur. Steht z. B. die abendländische oder

die chinesische höher? Wie im zweiten Bande gezeigt werden wird, hat

die abendländische Kultur gegenwärtig eine Richtung, welche darauf

hinausläuft, ihre Schöpfer und Träger auszutilgen und damit sich

selbst zu vernichten. Man wird vielleicht geneigt sein, zu sagen, daß

nur eine gesunde Kultur zum Maßstabe des Rassenwertes gemacht werden

dürfe. Dann wäre die chinesische Kultur, welche für ihre Träger ohne

Zweifel erhaltungsgemäßer ist, also die höhere und ihre Schöpfer die

höchststehende Rasse~??~ Wir werden nicht geneigt sein, diese

Folgerung zu ziehen, und sie würde in der Tat nur einen Zirkelschluß

bedeuten. Denn wenn man den Wert einer Kultur an ihrer Wirkung auf

die Rasse mißt, so kann man den Wert der Rasse nicht wieder an ihrer

Wirkung auf die Kultur messen. Wenn man aber der Rasse als solcher

Eigenwert zuerkennt, so kann eine Rasse weder „höher“ noch „tiefer“

als eine andere stehen, weil alle solche Höhenbeziehungen die Geltung

eines anderweitigen Maßstabes voraussetzen würden. Die Erde steht weder

höher noch tiefer als etwa der Mars und auch nicht gleich hoch, weil

die Begriffe Hoch und Tief an der Erde selber orientiert sind. Ebenso

bei der Rasse. Wenn wir unsere Rasse nicht um irgendeiner Kultur, einer

Lehre oder Moral willen, sondern um ihrer selbst willen lieben, so

verträgt sich diese Liebe nicht mit der Gleichschätzung irgend einer

andern Rasse, ohne daß wir darum unsere Rasse als höherwertig in einem

objektiven Sinne ansähen.

#Literatur zum ersten Bande.#

Da dieses Buch kein erschöpfendes Handbuch sein will, verzichten

wir auf eine vollständige Zusammenstellung der Literatur, welche

außerordentlich umfangreich sein und das Buch unnötig verteuern würde.

Wir haben uns vielmehr auf die Angaben der wichtigsten Schriften

beschränkt. Zur Orientierung für Nichtfachleute schien es uns wichtig,

dem Titel der Bücher kurze kritische Bemerkungen anzufügen. Bei

Büchern, die ausführliche Literaturverzeichnisse enthalten, wurde dies

angegeben, um Lesern, die sich für die Einzelliteratur dieses oder

jenes Teilgebietes interessieren, einen Weg dahin zu weisen.

#Zum ersten Abschnitt.#

Der Verfasser des ersten Abschnitts hat die Erblichkeitslehre

ausführlicher in einem besonderen Buche dargestellt:

#Baur, E.# ~Einführung in die experimentelle

Vererbungslehre~. 3. und 4. Auflage. Berlin 1919. (Enthält ein

Literaturverzeichnis von 30 Seiten über die wichtigste Literatur

auf dem Gebiete der Erblichkeitslehre.)

Andere deutsche Lehrbücher der Erblichkeitslehre sind:

#Johannsen, W.# ~Elemente der exakten Erblichkeitslehre~.

2. Aufl. Jena 1913. (Besonders auch zur Einführung in die

biologische Variationsstatistik sehr zu empfehlen. Nur den

Ausführungen über die Bedeutung der Auslese können wir nicht ganz

zustimmen.)

#Goldschmidt, R.# ~Einführung in die

Vererbungswissenschaft~. 3. Aufl. Leipzig 1920. (Sehr

vielseitig; doch weichen unsere Anschauungen in einzelnen Punkten

von denen des Verfassers ab. Mit Literaturlisten hinter den

einzelnen Kapiteln.)

#Plate, L.# ~Vererbungslehre~. Leipzig 1913.

(Behandelt die Erblichkeit menschlicher Anlagen, einschließlich

der krankhaften, ausführlicher wie die andern Lehrbücher. Die

vorgetragenen Anschauungen weichen jedoch von denen, die wir für

richtig halten, zum Teil erheblich ab. Mit Literaturverzeichnis.)

#Haecker, V.# ~Allgemeine Vererbungslehre~. 2.

Aufl. Braunschweig 1912. (Berücksichtigt die Beziehungen der

Erblichkeitslehre zur Zellforschung besonders ausführlich. Mit

Literaturlisten hinter den einzelnen Kapiteln. Die 3. Aufl. von

1921 lag uns noch nicht vor.)

#Ziegler, H. E.# ~Die Vererbungslehre in der Biologie und

in der Soziologie~. Jena 1918. (Behandelt auch die biologische

und die soziale Auslese. Den Anschauungen Zieglers über Erblichkeit

können wir nur in wenigen Punkten, z. B. hinsichtlich der Funktion

der Chromosome, nicht ganz zustimmen.)

#Bateson, W.# ~Mendels Vererbungstheorien~. Aus dem

Englischen übersetzt. Leipzig und Berlin 1914. (Enthält auch

eine Beschreibung von Mendels Leben und eine Wiedergabe seiner

klassischen Arbeit von 1865.)

#Siemens, H. W.# ~Die biologischen Grundlagen der

Rassenhygiene und der Bevölkerungspolitik~. München 1917. (Diese

billige kleine Schrift ist besonders zur ersten Einführung in die

Erblichkeitslehre und Rassenbiologie zu empfehlen.)

Die führenden ~Zeitschriften~ auf dem Gebiete der

Erblichkeitsforschung sind:

#Zeitschrift für induktive Abstammungs- und Vererbungslehre.#

Herausgeber ~E. Baur~. Verlag Bornträger, Berlin.

#Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie.# Herausgeber A.

~Ploetz~; Verlag Teubner, Leipzig.

Jene behandelt mehr die Verhältnisse bei Pflanzen und Tieren, diese

beim Menschen. Beide bringen regelmäßige Literaturberichte und

kritische Besprechungen.

#Journal of Genetics.# Herausgeber W. ~Bateson~ und R. C.

~Punnett~. Cambridge. (Wichtigste englische Zeitschrift für

Erblichkeitsforschung.)

#Journal of Heredity.# Herausgeber P. ~Popenoe~.

Washington. (Führende Zeitschrift in Amerika.)

#Hereditas.# Herausgeber R. ~Larsson~. Lund. (In dieser

skandinavischen Zeitschrift für Erblichkeitsforschung erscheinen

auch viele Arbeiten in deutscher oder in englischer Sprache.)

#Zum zweiten Abschnitt.#

#Martin, R.# ~Lehrbuch der Anthropologie~. Jena 1914.

(Das Werk ~Martins~, welches mehr ein Handbuch als ein

Lehrbuch ist, bringt die anthropologische Methodenlehre und die

Variation der einzelnen menschlichen Merkmale und Organe in sonst

unerreichter Vollständigkeit zur Darstellung. Das 100 Seiten starke

Literaturverzeichnis kann als erschöpfend gelten.)

#Ripley, W.# ~The races of Europe~. 2. Aufl. London

1912. (Das schöne Werk dieses amerikanischen Forschers stellt die

bisher beste, durch viele Bilder illustrierte Beschreibung der

Rassenverhältnisse Europas dar.)

#Deniker, J.# ~The races of man~. London 1900.

-- -- ~Les races de la terre~. Paris 1914. (Das Werk

~Denikers~ ist in vieler Beziehung grundlegend. Seine

Aufspaltung der großen Rassen scheint uns aber zu weit zu gehen. Er

dürfte z. T. Rassenmischungen als Rassen angesprochen haben.)

#Fischer, E.# Die Artikel „~Anthropologie~“,

„~Anthropogenese~“, „~Fossile Hominiden~“,

„~Gehirn~“, „~Haar~, ~Haut~“,

„~Körperformen~“, „~Rassen~“, „~Schädellehre~“,

„~Sozialanthropologie~“ im Handwörterbuch der

Naturwissenschaften. Jena 1912/13. (In diesen Artikeln hat der

Verfasser des 2. Abschnittes dieses Buches seine anthropologischen

Ansichten in gedrängter Kürze dargestellt. Dort auch

Spezialliteratur.)

#Fischer, E.# ~Die Rehobother Bastards und das

Bastardierungsproblem beim Menschen~. Jena 1913. (Dort auch

Angabe der einschlägigen Spezialliteratur.)

#Retzius G.# und #Fürst.# ~Anthropologia suecica~.

Stockholm 1900. (Klassische Monographie der Rassenverhältnisse

Schwedens.)

#Ammon, O.# Zur Anthropologie der Badener. Jena 1899. (Einzige

und grundlegende Monographie der Rassenverhältnisse eines deutschen

Landes.)

#Giuffrida-Ruggeri, V.# ~Homo sapiens~. Wien 1913.

~L’uomo attu ale~ Milano 1913.

#Sergi, G.# ~Europa~. Torino 1908. (Die Ansichten

~Sergis~ weichen von denen, welche wir für richtig halten, z.

T. sehr stark ab.)

#Klaatsch, H.# ~Der Werdegang der Menschheit~. Berlin

1921. (Auch den Ansichten von ~Klaatsch~ können wir nur zum

Teil zustimmen.)

#Guenther, K.# Vom Urtier zum Menschen. Stuttgart 1909. (Mit

Literaturverzeichnis.)

#Haecker, V.# ~Entwicklungsgeschichtliche

Eigenschaftsanalyse~. Jena 1918. (Dort auch einschlägige

Literatur.)

#Zum dritten Abschnitt.#

Der Verfasser des dritten Abschnitts hat seine biologischen

Grundanschauungen in ihrer Auswirkung auf dem Gebiete der Pathologie

bereits i. J. 1912 in einer besonderen Schrift dargestellt:

#Lenz, F.# Über die krankhaften Erbanlagen des Mannes und die

Bestimmung des~ Geschlechts beim Menschen~. Jena 1912. (Manche

Einzelheiten dieser Schrift, die allzu Vieles bringen wollte, sind

inzwischen überholt. Der Verfasser darf aber mit Befriedigung

feststellen, daß alle dort vertretenen Grundanschauungen sich

inzwischen weitgehend Bahn gebrochen haben. Seit 1919 hat er

seine Anschauungen auch in seinen Vorlesungen über Rassenhygiene

dargelegt. Der vorliegende Grundriß stellt teilweise einen Auszug

aus diesen Vorlesungen dar.)

-- -- ~Über dominant-geschlechtsbegrenzte Vererbung~. Archiv

für Rassen- und Gesellschaftsbiologie 1918/19. H. 1. (In dieser

Arbeit hat Verf. erstmalig den Unterschied zwischen dominanten und

rezessiven geschlechtsgebundenen Erbanlagen auseinandergesetzt.)

-- -- ~Die Bedeutung der statistisch ermittelten Belastung mit

Blutsverwandtschaft der Eltern~. Münch. med. Wochenschrift 1919

Nr. 47. (Erstmalige Darlegung, daß bei rezessiven Leiden ein um

so höherer Prozentsatz der Belastung mit Blutsverwandtschaft der

Eltern zu erwarten ist, je seltener das betreffende Leiden ist.)

#Siemens, H. W.# ~Einführung in die allgemeine

Konstitutions- und Vererbungspathologie~. Berlin 1921. (Die

Grundvorstellungen und auch die allermeisten Ansichten über

Einzelheiten in diesem Buche stimmen mit den unsrigen völlig

überein. Da wir von dem Erscheinen des Buches erst nach Abschluß

der Korrekturen unseres Textes Kenntnis erhielten, konnte jenes

darauf keinerlei Einfluß ausüben. Die Übereinstimmung erklärt

sich vielmehr außer aus der allgemeinen Evidenz der Tatsachen und

der Wirkung früherer Schriften aus einem intensiven persönlichen

Gedankenaustausch. Das Buch enthält auch ein ausgewähltes

Literaturverzeichnis von 67 Nummern.)

#Bauer, J.# ~Die konstitutionelle Disposition zu inneren

Krankheiten~. 2. Aufl. Berlin 1921. (Ein außerordentlich

fleißiges Sammelwerk, das im wesentlichen sich freilich noch in

den Bahnen der älteren Konstitutionspathologie vor dem Aufkommen

der modernen Erblichkeitsforschung bewegt. Recht wertvoll ist

das umfangreiche, 88 Seiten umfassende Literaturverzeichnis, das

allerdings etwas wahllos zusammengetragen ist und daher keine

Unterscheidung zwischen mehr oder weniger wertvollen Schriften

gestattet.)

#Brugsch, Th.# ~Allgemeine Prognostik~. Berlin 1918.

(Auch dieses Buch enthält manches Wertvolle.)

#Martius, F.# ~Konstitution und Vererbung in ihren

Beziehungen zur Pathologie~. Berlin 1914. (Der Verfasser

dieses Werkes hat sich ein bleibendes Verdienst dadurch erworben,

daß er in einer Zeit der einseitigen Überschätzung der äußeren

Krankheitsursachen nachdrücklich auf die Wichtigkeit der erblichen

Veranlagung hingewiesen hat, wenn auch in vormendelschem Geiste. In

Einzelheiten können wir ihm nicht zustimmen.)

#Dresel, K.# Inwiefern gelten die Mendelschen

Vererbungsgesetze in der menschlichen Pathologie? Virchows Archiv

für pathologische Anatomie. Bd. 224. 1918. (Enthält ein wertvolles

Literaturverzeichnis.)

#Krankheiten und Ehe.# 2. Aufl. Neu bearbeitet und

herausgegeben von C. v. ~Noorden~ und S. ~Kaminer~.

Leipzig 1916. (Dieses Sammelwerk enthält mancherlei wertvolles

Material über die Bedeutung krankhafter Erbanlagen, besonders

in den Kapiteln über Krankheiten der Knochen und Gelenke [C.

~Helbing~], über Augenleiden [G. ~Abelsdorff~],

über Stoffwechselkrankheiten [C. v. ~Noorden~] und über

Sprachstörungen [H. ~Gutzmann~]; in andern Kapiteln ist die

Frage der Erblichkeit weniger gründlich behandelt; entsprechend

verschiedenwertig sind auch die Literaturverzeichnisse zu den

einzelnen Kapiteln.)

#Treasury of Human Inheritance.# (Herausgegeben von dem

rassenhygienischen Institut [Galton-Institut] der Universität

London, dessen Leiter K. ~Pearson~ ist. Der Treasury erscheint

fortlaufend in einzelnen Sammelwerken, deren jedes eine erbliche

Krankheit oder eine Gruppe von solchen behandelt. Die einzelnen

Bände stellen unerreicht vollständige Sammlungen der bisher

bekannten Stammbäume und der einschlägigen Literatur dar.)

#Bulletins of the Eugenics Record Office.# (In diesen Heften

aus dem von C. B. ~Davenport~ geleiteten rassenhygienischen

Institut in Cold Spring Harbor im Staate New York wird oft auch die

Erblichkeit krankhafter Anlagen in wertvollen Einzeldarstellungen

behandelt.)

Zusammenfassende amerikanische Darstellungen sind:

#Davenport, C. B.# ~Heredity in Relation to Eugenics~.

New York 1911.

#Popenoe, P.# und #Johnson, R. H.# ~Applied

Eugenics~. New York 1920. (Dieses ausgezeichnete, mit

sorgfältigen Literaturangaben versehene Werk sei zur Einführung in

die amerikanische Literatur über unsern Gegenstand warm empfohlen.)

Als Sammelstellen für Tatsachen über die Erblichkeit krankhafter

Anlagen sei auch noch einmal auf die schon zum ersten Abschnitt

genannten ~Zeitschriften~ hingewiesen, vor allem auf das #Archiv

für Rassen- und Gesellschaftsbiologie#. Die meisten Mitteilungen

über die erbliche Bedingtheit bestimmter Leiden erscheinen allerdings

in den Fachzeitschriften der einzelnen medizinischen Fächer, welche

hier nicht einzeln aufgeführt werden können. Als Wegweiser dahin

kann die Zeitschriftenschau und der Referatenteil des ~Archivs für

Rassenbiologie~ sowie auch die Zeitschriftenschau der allgemein

medizinischen Zeitschriften, z. B. der ~Münchener Medizinischen

Wochenschrift~, dienen.

Zur Orientierung auf dem Gebiete der bisherigen Literatur über die

erblichen Leiden der einzelnen Organsysteme sei noch besonders auf

folgende Werke hingewiesen:

#Groenouw, A.# ~Beziehungen der Allgemeinleiden und

Organerkrankungen zu Veränderungen und Krankheiten des

Sehorgans~. Als Band von ~Graefe-Saemischs Handbuch der

gesamten Augenheilkunde~. 3. Aufl. Berlin 1920. (In dem Buche

~Groenouws~ findet sich eine sorgfältige und ausführliche

Darstellung der erblichen Augenleiden und der einschlägigen

Literatur.)

#Steiger, A.# ~Die Entstehung der sphärischen Refraktionen

des menschlichen Auges~. Berlin 1913. (Auf dieses bahnbrechende

Werk ~Steigers~, das in der Frage der Entstehung der

Kurzsichtigkeit geradezu erlösend gewirkt hat, sei besonders

hingewiesen.)

#Stein, C.# ~Gehörorgan und Konstitution~. Zeitschr.

f. Ohrenheilkunde. 76. Bd. 1917. (Enthält ein wertvolles

Literaturverzeichnis über erbliche Ohrenleiden.)

#Bettmann, S#. Die Mißbildungen der Haut. Jena 1912.

(Ausführliches Literaturverzeichnis über erbliche Hautleiden.)

#Meirowsky, E.# ~Über die Entstehung der sogenannten

kongenitalen Mißbildungen der Haut~. Wien und Leipzig 1919.

(Enthält eine wertvolle Sammlung von Stammbäumen und Literatur.)

Zur Orientierung über die Literatur auf dem Gebiete der Mißbildungen,

der Konstitutionsanomalien und der inneren Leiden sei auf die schon

genannten allgemeineren Werke verwiesen. Ferner seien genannt:

#Toenniessen, E.# ~Vererbungsforschung und innere

Medizin~. In: Ergebnisse der Inneren Medizin und

Kinderheilkunde. Bd. 17. 1919. (Enthält keine speziellen

Literaturangaben.)

#Pfaundler, M. v.# ~Über Wesen und Behandlung der Diathesen

im Kindesalter~. Verhandl. des 28. Kongresses für innere

Medizin. Wiesbaden 1911.

#Pfaundler, M. v.# ~Kindliche Krankheitsanlagen~

(~Diathesen~) ~und Wahrscheinlichkeitsrechnung~. In:

Zeitschr. f. Kinderheilkunde. Bd. 4. 1912.

#Jendrassik, E.# ~Die hereditären Krankheiten~. Im

Handbuch der Neurologie von ~Lewandowsky~. Bd. 2. Berlin

1911. (Den Anschauungen des Verfassers über erbliche Nervenleiden

können wir nur teilweise zustimmen. Enthält ein wertvolles

Literaturverzeichnis.)

#Kraepelin, E.# ~Psychiatrie~. 4 Bde. Leipzig

1909-1915. (Umfassende Darstellung des Gesamtgebietes der

Geistesstörungen durch den Altmeister der modernen Psychiatrie.

Ohne Literaturverzeichnis.)

#Rüdin, E.# ~Studien über Vererbung und Entstehung geistiger

Störungen~. I. ~Zur Vererbung und Neuentstehung der Dementia

praecox~. Berlin 1916. (Verf. hat durch Inangriffnahme der

Forschung nach den Ursachen der Geistesstörung im Geiste moderner

Biologie bahnbrechend gewirkt. Mit Literaturverzeichnis.)

#Lundborg, H.# ~Medizinisch-biologische Familienforschungen

innerhalb eines 2232köpfigen Bauerngeschlechts in Schweden~.

Jena 1913. (Dieses Werk, in dem eine gewaltige Arbeitsleistung des

bekannten schwedischen Rassenbiologen ihren Niederschlag gefunden

hat, ist die beste rassenbiologische Einzeldarstellung einer

abgegrenzten Bevölkerungsgruppe, welche bisher erschienen ist. Das

Hauptaugenmerk ist auf die erblichen Nerven- und Geisteskrankheiten

gerichtet.)

Die Werke von ~Rüdin~ und ~Lundborg~ behandeln auch die

Methodik der Erblichkeitsforschung. Im übrigen muß zur Orientierung

über die Literatur zum 3. und 4. Kapitel des dritten Abschnitts (S.

239-266) auf die zum ersten Abschnitt genannten Werke verwiesen werden.

#Zum vierten Abschnitt.#

#Peters, W.# ~Über Vererbung psychischer Fähigkeiten~.

Leipzig 1915 (Grundlegendes Werk mit sorgfältig ausgewählten

Literaturangaben.)

#Ziegler, H. E.# ~Die Vererbungslehre in der Biologie und in

der Soziologie~. Jena 1918. (Auf dieses schon eingangs genannte

Werk sei hier noch einmal ausdrücklich hingewiesen, weil unsere

Darstellung der Erblichkeit geistiger Begabung sich teilweise

darauf stützt.)

#Schallmayer, W.# ~Vererbung und Auslese~. 4. Aufl. Jena

1920. (Dieses umfassende Werk ist zwar auch für die Gegenstände

der früheren Abschnitte unseres Lehrbuches von Bedeutung, ganz

besonders aber für den vierten Abschnitt. Es enthält auch ein

sorgfältiges und ausführliches Literaturverzeichnis. Wenn Verf.

den Zusammenhang zwischen anthropologischer Rasse und Begabung

leugnet, so können wir ihm darin allerdings nicht folgen.)

#Galton, F.# ~Hereditary Genius~. London 1869. (Das

klassische Werk über die Erblichkeit der Begabung. Die unter dem

Titel „Genie und Vererbung“ erschienene deutsche Übersetzung ist

leider nicht ganz glücklich.)

-- -- ~Natural Inheritance~. London 1889. (Ebenfalls

klassisch, obwohl in mancher Hinsicht überholt.)

#Popenoe, P. u. Johnson, R. H.# ~Applied Eugenics~. Neu

York 1920. (Dieses schon genannte Werk behandelt die Erblichkeit

der seelischen Anlagen in ganz besonders glücklicher Weise.)

#Lombroso, C.# ~Der geniale Mensch~. Hamburg 1900.

(Obwohl einseitig und überholt soll das i. J. 1864 erschienene

Buch ~Lombrosos~ wegen seiner originalen Bedeutung hier doch

Erwähnung finden.)

#Moebius, P. J.# ~Das Pathologische bei Goethe~. Leipzig

1898.

-- -- ~Nietzsche~. Leipzig 1904. (Durch diese „Pathographien“

hat ~Moebius~ wesentlich zur Klärung der Beziehungen zwischen

Psychopathie und Begabung beigetragen. Ein Buch, das diese Frage

wirklich im Geiste moderner Biologie und moderner Psychiatrie

umfassend behandeln würde, gibt es bisher leider nicht.)

#Fischer, E.# ~Sozialanthropologie~. In: Handwörterbuch

der Naturwissenschaften. Jena 1912/13. (In dieser knapp gehaltenen

Schrift ist auch die Kulturbegabung der verschiedenen Rassen kurz

umrissen. Ich (~Lenz~) verdanke auch wertvolle Einsichten den

anthropologischen Vorlesungen meines Lehrers ~Eugen Fischer~,

ohne indessen diesem alle im vierten Abschnitt entwickelten

Anschauungen zuschreiben zu wollen.)

#Ploetz, A.# ~Sozialanthropologie~. Sonderabdruck aus

„Kultur der Gegenwart“. Leipzig 1920. Bisher im Buchhandel nicht

erschienen. (Ich verdanke ~Alfred Ploetz~, dem Begründer

der deutschen Rassenhygiene, den ich wohl ebenfalls als meinen

Lehrer bezeichnen darf, außerordentlich viel an rassenbiologischer

Einsicht. In der genannten „Sozialanthropologie“ sind u. a. auch

seine rassenpsychologischen Anschauungen zu knappem Ausdruck

gekommen.)

#Gobineau, J. A.# ~Versuch über die Ungleichheit der

Menschenrassen~. Deutsch von L. ~Schemann~. Stuttgart 1898.

(Trotz mannigfacher Irrtümer im einzelnen ist dieses seherische

Werk, das 1853-55 in Paris erschien, in seinem Grundgedanken

unerschüttert; es hat in der Rassenfrage wie kein anderes gewirkt.

#Woltmann, L.# ~Politische Anthropologie~. Eisenach 1903.

(Bedeutungsvolle Fortsetzung der Lehre ~Gobineaus~; biologisch

allerdings noch in den Anschauungen der vormendelschen Zeit

wurzelnd.)

#Schemann, L.# ~Gobineaus Rassenwerk~. Stuttgart 1910.

(Eine historisch-kritische Apologie von ~Gobineaus~ Werk, die

im ganzen als wohl gelungen bezeichnet werden darf.)

Fußnoten:

[1: Daß der Begriff Individuum bei diesen Lebewesen genau

besehen gar nicht durchführbar ist, braucht wohl nicht weiter

ausgeführt zu werden.]

[2: Etwas der ungeschlechtlichen Fortpflanzung der niederen

Tiere. Entsprechendes finden wir bei höheren Tieren im allgemeinen

nur darin, daß Embryonen in den ersten Entwicklungsstufen sich teilen

können, so daß zwei oder mehr Individuen aus ~einem~ befruchteten

Ei entstehen. Das führt dann zu eineiigen Zwillingen, Drillingen usw.

Dieser Vorgang, der beim Menschen nur ausnahmsweise vorkommt, ist bei

manchen Tieren -- Gürteltieren -- die Regel.]

[3: Vorwiegend autogam sind z. B. auch Erbsen, Gerste, Weizen

und gerade aus diesem Grunde wird besonders mit diesen so sehr viel

experimentiert. Mit Gerste und Bohnen hat z. ~B. W. Johannsen~

seine klassischen Versuche ausgeführt.]

[A: Wie das in Fig. 7 geschehen ist.]

[B: „Rot“ heißt hier, daß keine ~weiße~ Pflanzen

herausspalten, das rot ist aber zum Teil ungleich, spaltet je nach

Formel der betreffenden Kategorie in heller und dunkler rot.]

[4: Durch diesen Vergleich soll aber, das sei ausdrücklich

hervorgehoben, nicht etwa gesagt werden, daß die Rassenbestandteile

aus denen ein Menschenvolk zusammengemischt ist, ursprünglich immer

verschiedene „Arten“ im Sinne der Systematiker gewesen seien.]

[5: Der -- soll (zur Abkürzung der Formel) die für unsere

Überlegung hier gleichgültigen homozygotischen Faktoren #AA XX BB

CC# andeuten.]

[6: Eine Anleitung zu eigener speziell anthropologischer

Arbeit soll nicht gegeben werden. (So bleibt auch eine Beschreibung

anthropologischer Technik ganz weg.) Es sei hier auf das ausgezeichnete

~Lehrbuch der Anthropologie von Rudolf Martin~ ganz besonders

hingewiesen, das für jeden, der anthropologisch arbeiten will, völlig

unentbehrlich ist.]

[7: Die Ziffern vor dem Maß sind die Martin’schen Nummern,

seine Technik ist angewandt.]

[8: Man sagt oft dem Adel „blaues Blut“ nach: bei hell- und

dünnhäutigen Menschen nordischer Rasse schimmern die Blutgefäße der

Haut bläulich durch.]

[9: S. S. 42.]

[10: Hier wären Studien an Europäer-Mongolenmischungen, die

auch nebenbei auf anderen Gebieten vielversprechend wären, dringend

erwünscht.]

[11: Darauf beruht die Anwendbarkeit zum (forensisch)

Identitätsnachweis von Personen. Man hat die Linienanordnung zu solchen

Zwecken systematisch eingeteilt.]

[12: Von sozialer Auslese soll hier abgesehen werden.]

[C: Nach den „dinarischen“ Alpen.]

[D: Von οργάο heftig verlangen und ὁριοτός bestimmbar. Für

Psychiater, welche Anstoß daran nehmen, daß ich als Nichtpsychiater

einen solchen Fachausdruck einzuführen wage, möchte ich bemerken, daß

damit ja kein neuer Krankheitsbegriff bezeichnet werden soll, sondern

nur eine Art der Psychopathie, welche auch bisher schon abgegrenzt und

als „psychogener Reaktionstyp“ oder mit andern wenig treffenden Namen

bezeichnet wurde.]

[E: το ἴδιον = das Eigene, das innere Wesen; χινεῖν = etwas

Feststehendes erschüttern, verändern.]

[F: Diese Auffassung ist allerdings von den maßgebenden

Autoritäten noch nicht anerkannt, wozu freilich bisher auch noch

keine Gelegenheit gegeben war, da ich sie noch nicht anderweitig

veröffentlicht habe. M. E. ist sie aber durch die schon bekannten

Erfahrungstatsachen völlig gesichert. Sie stellt nur das Fazit aus

diesen dar.]

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 64 / 64 题