4. Rasse und Begabung 285

~Literatur~ 299

(Namen- und Sachregister s. am Schluß des 2. Bandes.)

Einleitung.

In der Zusammensetzung eines jeden Volkes vollziehen sich fortwährend

Änderungen. Das Volk, das Rom zu Ende der Kaiserzeit bewohnte,

war nicht nur in seinen Sitten und Gewohnheiten, sondern auch in

seinem ganzen Charakter und in seinen Rasseneigenschaften völlig

verschieden von dem Volke zur Zeit Catos. Und die Menschen, die

heute in Deutschland leben, sind in ihren geistigen und körperlichen

Rasseneigenschaften völlig verschieden von den Zeitgenossen Karls des

Großen. Diese Weiterentwicklung, diese Umbildung eines Volkes kann zum

Guten, zur Ertüchtigung und zum Aufstieg des Volkes führen, sie kann

aber auch, und das ist bei allen Kulturvölkern der häufigste Fall,

rascher oder langsamer seinen ~Verfall~, seine ~Entartung~

bewirken.

Man hat oft in einer durchaus unbegründeten Vergleichung eines

Volkes mit einem einzelnen Menschen geglaubt, daß jedes Kulturvolk

gewissermaßen ein frisches Jugendstadium, ein Stadium der Reife und

endlich ein Altern, d. h. eine Entartung und einen Niedergang aufweise.

~Das ist sicher nicht der Fall.~ Aber in jedem Volke können

krankhafte Vorgänge, meistens sind es Auslese-Vorgänge, einsetzen,

welche die Beschaffenheit des Volkes rasch verschlechtern, seinen

Verfall bedingen.

Die Erkenntnis, daß solche Vorgänge sich in unserem Volke, wie in

allen Kulturvölkern, in bedrohlichem Maße zeigen, daß wir, wie alle

Kulturvölker in einer Entartung begriffen sind, ist heute schon weit

verbreitet. Man versucht auch schon, dieser „Krankheit des Volksganzen“

mit sozialpolitischen und gesetzgeberischen Maßnahmen entgegenzutreten,

meistens freilich mit wenig tauglichen Mitteln.

Ebenso wie ohne eine gründliche Kenntnis der menschlichen Anatomie,

Physiologie und Pathologie eine wissenschaftliche Heilkunde

unmöglich ist, ebenso ist auch für das Studium der menschlichen

~Soziologie~, für jede zielbewußte ~Bevölkerungspolitik~ und

für alle ~rassenhygienischen Bestrebungen~ (Eugenik) eine breite

naturwissenschaftliche Grundlage erforderlich.

~Wenn wir nicht wissen, welche verschiedenen Rassenbestandteile ein

Volk zusammensetzen, nach welchen Gesetzen die Rassenunterschiede

und die zahllosen Unterschiede der Einzelmenschen vererbt werden und

wie Auslesevorgänge auf ein Volk einwirken, tappen wir mit allen

Betrachtungen über die Wirkung von sozialen und politischen Einflüssen

auf die Beschaffenheit eines Volkes völlig im Dunkeln.~ Ohne diese

Kenntnis vorgenommene gesetzgeberische Eingriffe auf dem Gebiet der

Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene wären ebenso zu bewerten wie die

gemeingefährliche Quacksalberei eines ungebildeten Laien.

Aus dieser Überlegung ergibt sich die Gliederung unseres Lehrbuches.

Der erste Abschnitt gibt einen Überblick über die allgemeine

Variations- und Erblichkeitslehre. Der zweite Abschnitt behandelt die

spezielle menschliche Variations- und Erblichkeitslehre einschließlich

der anthropologischen Rassenunterschiede. Im dritten Abschnitt werden

dann die wichtigsten erblichen Krankheiten und Anomalien besprochen,

und im vierten wird die erbliche Bedingtheit der geistigen Begabung

behandelt. Diese vier Abschnitte zusammen bilden eine gewisse

Einheit, insofern als sie alle Tatsachen, von denen die Veranlagung

des einzelnen Menschen abhängig ist, theoretisch zur Darstellung

bringen. Für Leser, welche sich für die praktischen Folgerungen,

die sich daraus für unser soziales und persönliches Leben ergeben,

weniger interessieren, haben wir diese theoretischen Teile zu einem

besonderen, einzeln käuflichen Bande zusammengefaßt. Das praktische

Hauptgewicht liegt indessen auf dem zweiten Bande. Dort werden zunächst

die Auslesevorgänge, welche sich in unseren Bevölkerungen abspielen,

dargestellt, mit dem Ergebnis, daß die erbliche Beschaffenheit

unserer Bevölkerung in der Gegenwart sich im ganzen in ungünstiger

Richtung ändert. In den letzten Abschnitten wird dann die praktische

Rassenhygiene behandelt, d. h. es wird untersucht, wie man dieser

Entartung Einhalt tun und wie man das Leben der Rasse in möglichst

günstige Bahnen lenken könne. Insbesondere wird auch dargestellt,

wie der einzelne Mensch und die einzelne Familie ihr Leben im Sinne

praktischer Rassenhygiene gestalten könne.

Erster Abschnitt.

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 22 / 64 题