~Literatur~ 299
(Namen- und Sachregister s. am Schluß des 2. Bandes.)
Einleitung.
In der Zusammensetzung eines jeden Volkes vollziehen sich fortwährend
Änderungen. Das Volk, das Rom zu Ende der Kaiserzeit bewohnte,
war nicht nur in seinen Sitten und Gewohnheiten, sondern auch in
seinem ganzen Charakter und in seinen Rasseneigenschaften völlig
verschieden von dem Volke zur Zeit Catos. Und die Menschen, die
heute in Deutschland leben, sind in ihren geistigen und körperlichen
Rasseneigenschaften völlig verschieden von den Zeitgenossen Karls des
Großen. Diese Weiterentwicklung, diese Umbildung eines Volkes kann zum
Guten, zur Ertüchtigung und zum Aufstieg des Volkes führen, sie kann
aber auch, und das ist bei allen Kulturvölkern der häufigste Fall,
rascher oder langsamer seinen ~Verfall~, seine ~Entartung~
bewirken.
Man hat oft in einer durchaus unbegründeten Vergleichung eines
Volkes mit einem einzelnen Menschen geglaubt, daß jedes Kulturvolk
gewissermaßen ein frisches Jugendstadium, ein Stadium der Reife und
endlich ein Altern, d. h. eine Entartung und einen Niedergang aufweise.
~Das ist sicher nicht der Fall.~ Aber in jedem Volke können
krankhafte Vorgänge, meistens sind es Auslese-Vorgänge, einsetzen,
welche die Beschaffenheit des Volkes rasch verschlechtern, seinen
Verfall bedingen.
Die Erkenntnis, daß solche Vorgänge sich in unserem Volke, wie in
allen Kulturvölkern, in bedrohlichem Maße zeigen, daß wir, wie alle
Kulturvölker in einer Entartung begriffen sind, ist heute schon weit
verbreitet. Man versucht auch schon, dieser „Krankheit des Volksganzen“
mit sozialpolitischen und gesetzgeberischen Maßnahmen entgegenzutreten,
meistens freilich mit wenig tauglichen Mitteln.
Ebenso wie ohne eine gründliche Kenntnis der menschlichen Anatomie,
Physiologie und Pathologie eine wissenschaftliche Heilkunde
unmöglich ist, ebenso ist auch für das Studium der menschlichen
~Soziologie~, für jede zielbewußte ~Bevölkerungspolitik~ und
für alle ~rassenhygienischen Bestrebungen~ (Eugenik) eine breite
naturwissenschaftliche Grundlage erforderlich.
~Wenn wir nicht wissen, welche verschiedenen Rassenbestandteile ein
Volk zusammensetzen, nach welchen Gesetzen die Rassenunterschiede
und die zahllosen Unterschiede der Einzelmenschen vererbt werden und
wie Auslesevorgänge auf ein Volk einwirken, tappen wir mit allen
Betrachtungen über die Wirkung von sozialen und politischen Einflüssen
auf die Beschaffenheit eines Volkes völlig im Dunkeln.~ Ohne diese
Kenntnis vorgenommene gesetzgeberische Eingriffe auf dem Gebiet der
Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene wären ebenso zu bewerten wie die
gemeingefährliche Quacksalberei eines ungebildeten Laien.
Aus dieser Überlegung ergibt sich die Gliederung unseres Lehrbuches.
Der erste Abschnitt gibt einen Überblick über die allgemeine
Variations- und Erblichkeitslehre. Der zweite Abschnitt behandelt die
spezielle menschliche Variations- und Erblichkeitslehre einschließlich
der anthropologischen Rassenunterschiede. Im dritten Abschnitt werden
dann die wichtigsten erblichen Krankheiten und Anomalien besprochen,
und im vierten wird die erbliche Bedingtheit der geistigen Begabung
behandelt. Diese vier Abschnitte zusammen bilden eine gewisse
Einheit, insofern als sie alle Tatsachen, von denen die Veranlagung
des einzelnen Menschen abhängig ist, theoretisch zur Darstellung
bringen. Für Leser, welche sich für die praktischen Folgerungen,
die sich daraus für unser soziales und persönliches Leben ergeben,
weniger interessieren, haben wir diese theoretischen Teile zu einem
besonderen, einzeln käuflichen Bande zusammengefaßt. Das praktische
Hauptgewicht liegt indessen auf dem zweiten Bande. Dort werden zunächst
die Auslesevorgänge, welche sich in unseren Bevölkerungen abspielen,
dargestellt, mit dem Ergebnis, daß die erbliche Beschaffenheit
unserer Bevölkerung in der Gegenwart sich im ganzen in ungünstiger
Richtung ändert. In den letzten Abschnitten wird dann die praktische
Rassenhygiene behandelt, d. h. es wird untersucht, wie man dieser
Entartung Einhalt tun und wie man das Leben der Rasse in möglichst
günstige Bahnen lenken könne. Insbesondere wird auch dargestellt,
wie der einzelne Mensch und die einzelne Familie ihr Leben im Sinne
praktischer Rassenhygiene gestalten könne.
Erster Abschnitt.