Valer. Anton. Chrysander. Damis.
Valer. Wie, Damis? ist es wahr, daß Sie wieder zu sich selbst
gekommen sind?--daß Sie von Julianen abstehen?
Chrysander. Ach, Herr Valer, Sie könnten mir nicht ungelegener kommen.
Bestärken Sie ihn fein in seinem Trotze. So? Sie verdienten es
wohl, daß ich mich nach Ihrem Wunsche bequemte? Mich auf eine so
gottlose Art hintergehen zu wollen?--Mein Sohn, widersprich mir nicht
länger, oder--
Damis. Ihre Drohungen sind umsonst. Ich muß mich fremden Ländern
zeigen, die sowohl ein Recht auf mich haben als das Vaterland. Und
Sie verlangen doch nicht, daß ich eine Frau mit herumführen soll?
Valer. Damis hat recht, daß er auf das Reisen dringt. Nichts kann
ihm, in seinen Umständen, nützlicher sein. Lassen Sie ihm seinen
Willen, und mir lassen Sie Julianen, die Sie mir so heilig versprochen
haben.
Chrysander. Was versprochen? Betrügern braucht man sein Wort nicht
zu halten.
Valer. Ich habe es Ihnen schon beschworen, daß einzig und allein
Lisette diesen Betrug hat spielen wollen, ohne die wir von dem
Dokumente gar nichts wissen würden.--Wie glücklich, wann es nie zum
Vorschein gekommen wäre! Es ist das grausamste Glück, das Julianen
hat treffen können. Wie gern würde sie es aufopfern, wenn sie dadurch
die Freiheit über ihr Herz erhalten könnte.
Chrysander. Aufopfern? Herr Valer, bedenken Sie, was das sagen will.
Wir Handelsleute fassen einander gern bei dem Worte.
Valer. Oh, tun Sie es auch hier! Mit Freuden tritt Ihnen Juliane das
Dokument ab. Fangen Sie den Prozeß an, wenn Sie wollen; der Vorteil
davon soll ganz Ihnen gehören. Juliane hält dieses für das kleinste
Zeichen ihrer Dankbarkeit. Sie glaubt Ihnen noch weit mehr schuldig
zu sein.--
Chrysander. Nu, nu, sie ist mir immer ganz erkenntlich
vorgekommen--Aber was würden Sie denn, Valer, als ihr künft'ger Mann,
zu dieser Dankbarkeit sagen?
Valer. Denken Sie besser von mir. Ich habe Julianen geliebt, da sie
zu nichts Hoffnung hatte. Ich liebe sie auch noch, ohne die geringste
eigennützige Absicht. Und ich bitte Sie: was schenkt man denn einem
ehrlichen Manne, wenn man ihm einen schweren Prozeß schenkt?
Chrysander. Valer, ist das Ihr Ernst?
Valer. Fordern Sie noch mehr als das Dokument; mein halbes Vermögen
ist Ihre.
Chrysander. Da sei Gott vor, daß ich von Ihrem Vermögen einen Heller
haben wollte! Sie müssen mich nicht für so eigennützig ansehen.--Wir
sind gute Freunde, und es bleibt bei dem alten: Juliane ist Ihre! Und
wenn das Dokument meine soll, so ist sie um so viel mehr Ihre.
Valer. Kommen Sie, Herr Chrysander, bekräftigen Sie ihr dieses selbst!
Wie angenehm wird es ihr sein, uns beide vergnügt machen zu können.
Chrysander. Wenn das ist, Damis; so kannst du meinetwegen noch heute
die Nacht fortreisen. Ich will Gott danken, wenn ich dich Narren
wieder aus dem Hause los bin.
Damis. Gehen Sie doch nur, und lassen Sie mich allein.
Valer. Damis, und endlich muß ich Ihnen doch noch mein Glück
verdanken? Ich tue es mit der aufrichtigsten Zärtlichkeit, ob ich
schon weiß, daß ich die Ursache Ihrer Veränderung nicht bin.
Damis. Aber die wahre Ursache?--(Zu Anton.) Verfluchter Kerl, hast du
dein Maul nicht halten können?--Gehen Sie nur, Valer--
(Indem Chrysander und Valer abgeben wollen, hält Anton Valeren zurück.)
Anton (sachte). Nicht so geschwind! Wie steht es mit Lisettens
Ausstattung, Herr Valer? und mit--
Valer. Seid ohne Sorgen; ich werde mehr halten, als ich versprochen
habe.
Anton. Juchhe! nun war die Taube gefangen.