Achtzehnter Auftritt

Valer. Anton. Chrysander. Damis.

Valer. Wie, Damis? ist es wahr, daß Sie wieder zu sich selbst

gekommen sind?--daß Sie von Julianen abstehen?

Chrysander. Ach, Herr Valer, Sie könnten mir nicht ungelegener kommen.

Bestärken Sie ihn fein in seinem Trotze. So? Sie verdienten es

wohl, daß ich mich nach Ihrem Wunsche bequemte? Mich auf eine so

gottlose Art hintergehen zu wollen?--Mein Sohn, widersprich mir nicht

länger, oder--

Damis. Ihre Drohungen sind umsonst. Ich muß mich fremden Ländern

zeigen, die sowohl ein Recht auf mich haben als das Vaterland. Und

Sie verlangen doch nicht, daß ich eine Frau mit herumführen soll?

Valer. Damis hat recht, daß er auf das Reisen dringt. Nichts kann

ihm, in seinen Umständen, nützlicher sein. Lassen Sie ihm seinen

Willen, und mir lassen Sie Julianen, die Sie mir so heilig versprochen

haben.

Chrysander. Was versprochen? Betrügern braucht man sein Wort nicht

zu halten.

Valer. Ich habe es Ihnen schon beschworen, daß einzig und allein

Lisette diesen Betrug hat spielen wollen, ohne die wir von dem

Dokumente gar nichts wissen würden.--Wie glücklich, wann es nie zum

Vorschein gekommen wäre! Es ist das grausamste Glück, das Julianen

hat treffen können. Wie gern würde sie es aufopfern, wenn sie dadurch

die Freiheit über ihr Herz erhalten könnte.

Chrysander. Aufopfern? Herr Valer, bedenken Sie, was das sagen will.

Wir Handelsleute fassen einander gern bei dem Worte.

Valer. Oh, tun Sie es auch hier! Mit Freuden tritt Ihnen Juliane das

Dokument ab. Fangen Sie den Prozeß an, wenn Sie wollen; der Vorteil

davon soll ganz Ihnen gehören. Juliane hält dieses für das kleinste

Zeichen ihrer Dankbarkeit. Sie glaubt Ihnen noch weit mehr schuldig

zu sein.--

Chrysander. Nu, nu, sie ist mir immer ganz erkenntlich

vorgekommen--Aber was würden Sie denn, Valer, als ihr künft'ger Mann,

zu dieser Dankbarkeit sagen?

Valer. Denken Sie besser von mir. Ich habe Julianen geliebt, da sie

zu nichts Hoffnung hatte. Ich liebe sie auch noch, ohne die geringste

eigennützige Absicht. Und ich bitte Sie: was schenkt man denn einem

ehrlichen Manne, wenn man ihm einen schweren Prozeß schenkt?

Chrysander. Valer, ist das Ihr Ernst?

Valer. Fordern Sie noch mehr als das Dokument; mein halbes Vermögen

ist Ihre.

Chrysander. Da sei Gott vor, daß ich von Ihrem Vermögen einen Heller

haben wollte! Sie müssen mich nicht für so eigennützig ansehen.--Wir

sind gute Freunde, und es bleibt bei dem alten: Juliane ist Ihre! Und

wenn das Dokument meine soll, so ist sie um so viel mehr Ihre.

Valer. Kommen Sie, Herr Chrysander, bekräftigen Sie ihr dieses selbst!

Wie angenehm wird es ihr sein, uns beide vergnügt machen zu können.

Chrysander. Wenn das ist, Damis; so kannst du meinetwegen noch heute

die Nacht fortreisen. Ich will Gott danken, wenn ich dich Narren

wieder aus dem Hause los bin.

Damis. Gehen Sie doch nur, und lassen Sie mich allein.

Valer. Damis, und endlich muß ich Ihnen doch noch mein Glück

verdanken? Ich tue es mit der aufrichtigsten Zärtlichkeit, ob ich

schon weiß, daß ich die Ursache Ihrer Veränderung nicht bin.

Damis. Aber die wahre Ursache?--(Zu Anton.) Verfluchter Kerl, hast du

dein Maul nicht halten können?--Gehen Sie nur, Valer--

(Indem Chrysander und Valer abgeben wollen, hält Anton Valeren zurück.)

Anton (sachte). Nicht so geschwind! Wie steht es mit Lisettens

Ausstattung, Herr Valer? und mit--

Valer. Seid ohne Sorgen; ich werde mehr halten, als ich versprochen

habe.

Anton. Juchhe! nun war die Taube gefangen.

Der junge Gelehrte: Ein Lustspiel in drei Aufzügen · 第 116 / 121 题