"Erlauben Sie mir aber, daß ich als ein Freund mit Ihnen reden darf."
So rede, Verräter!
"Ich habe Ihnen unmöglich den schlimmen Dienst erweisen können, Ihre
Abhandlung zu übergeben.--"
Du hast sie also nicht übergeben, Treuloser? Himmel, was für ein
Donnerschlag!--So soll mich deine Nachlässigkeit, unwürdiger Freund,
um die verdienteste Belohnung bringen?--Wie wird er sich entschuldigen,
der Nichtswürdige?
"Wenn ich es frei gestehen soll, so scheinen Sie etwas ganz anders
getan zu haben, als die Akademie verlangt hat. Sie wollte nicht
untersucht wissen, was das Wort Monas grammatikalisch bedeute? wer es
zuerst gebraucht habe? was es bei dem Xenokrates anzeige? ob die
Monaden des Pythagoras die Atomi des Moschus gewesen? usw. Was ist
ihr an diesen kritischen Kleinigkeiten gelegen, und besonders alsdann,
wann die Hauptsache dabei aus den Augen gesetzt wird? Wie leicht
hätte man Ihren Namen mutmaßen können, und Sie würden vielleicht
Spöttereien sein ausgesetzt worden, dergleichen ich nur vor wenig
Tagen in einer gelehrten Zeitung über Sie gefunden habe.--"
Was lese ich? kann ich meinen Augen trauen? Ah, verfluchtes Papier!
verfluchte Hand, die dich schrieb! (Wirft den Brief auf die Erde und
tritt mit den Füßen darauf.)
Anton. Der arme Brief! man muß ihn doch vollends auslesen! (Hebt ihn
auf.) Das Beste kömmt vielleicht noch, Herr Damis. Wo blieben Sie?
Da, da! hören Sie nur!
"... gelehrten Zeitung gefunden habe.--Man nennt Sie ein junges
Gelehrtchen, welches überall gern glänzen möchte und dessen
Schreibesucht--"
Damis (reißt ihm den Brief aus der Hand). Verdammter Korrespondent!
--Das ist der Lohn, den dein Brief verdient! (Er zerreißt ihn.) Du
zerreißest mein Herz, und ich zerreiße deine unverschämte Neuigkeiten.
Wollte Gott, daß ich ein gleiches mit deinem Eingeweide tun könnte!
Aber--(zu Anton) du nichtswürdige, unwissende Bestie! An alledem bist
du schuld!
Anton. Ich, Herr Damis?
Damis. Ja du! wie lange hast du nicht den Brief in der Tasche
behalten?
Anton. Herr, meine Tasche kann weder schreiben noch lesen: wenn Sie
etwa denken, daß ihn die anders gemacht hat--
Damis. Schweig! Und solche Beschimpfungen kann ich überleben?--O ihr
dummen Deutschen! ja freilich, solche Werke, als die meinigen sind,
gehörig zu schätzen, dazu werden andre Genies erfordert! Ihr werdet
ewig in eurer barbarischen Finsternis bleiben und ein Spott eurer
witzigen Nachbarn sein!--Ich aber will mich an euch rächen und von nun
an aufhören, ein Deutscher zu heißen. Ich will mein undankbares
Vaterland verlassen. Vater, Anverwandte und Freunde, alle, alle
verdienen es nicht, daß ich sie länger kenne, weil sie Deutsche sind;
weil sie aus dem Volke sind, das ihre größten Geister mit Gewalt von
sich ausstößt. Ich weiß gewiß, Frankreich und Engeland werden meine
Verdienste erkennen--
Anton. Herr Damis, Herr Damis, Sie fangen an zu rasen. Ich bin nicht
sicher bei Ihnen; ich werde jemand rufen müssen.
Damis. Sie werden es schon empfinden, die dummen Deutschen, was sie
an mir verloren haben! Morgen will ich Anstalt machen, dieses
unselige Land zu verlassen--