Damis. Und wo blieben wir denn vorhin?
Lisette. Wo blieben wir? bei dem, was ich allezeit am liebsten höre
und wovon ich allezeit am liebsten rede, bei Ihrem Lobe. Wenn es nur
nicht eine so gar kitzliche Sache wäre, einen ins Gesicht zu loben!
--Ich kann Ihnen unmöglich die Marter antun.
Damis. Aber ich beteure Ihr nochmals, Lisette: es ist mir nicht um
mein Lob zu tun! Ich möchte nur gern hören, auf was für verschiedene
Art verschiedene Personen einerlei Gegenstand betrachtet haben.
Lisette. Jeder lobte dasjenige an Ihnen, was er an sich
Lobenswürdiges zu finden glaubte. Zum Exempel, der kleine dicke Mann
mit der ernsthaften Miene, der so selten lacht, der aber, wenn er
einmal zu lachen anfängt, mit dem erschütterten Bauche den ganzen
Tisch über den Haufen wirft--
Damis. Und wer ist das? Aus Ihrer Beschreibung, Lisette, kann ich es
nicht erraten--O es ist mit den Beschreibungen eine kitzliche Sache!
Es gehört nicht wenig dazu, sie so einzurichten, daß man, gleich bei
dem ersten Anblicke, das Beschriebene erkennen kann. Über nichts
aber muß ich mehr lachen, als wenn ich bei diesem und jenem großen
Philosophen, wahrhaftig bei Männern, die schon einer ganzen Sekte
ihren Namen gegeben haben, öfters Beschreibungen anstatt Erklärungen
antreffe. Das macht, die guten Herren haben mehr Einbildungskraft als
Beurteilung. Bei der Erklärung muß der Verstand in das Innere der
Dinge eindringen; bei der Beschreibung aber darf man bloß auf die
äußerlichen Merkmale, auf das--