Anton. Damis.
Anton (vor sich). Ja, die Gelehrten--wie glücklich sind die Leute
nicht!--Ist mein Vater nicht ein Esel gewesen, daß er mich nicht auch
auf ihre Profession getan hat! Zum Henker, was muß es für eine Lust
sein, wenn man alles in der Welt weiß, so wie mein Herr!--Potz Stern,
die Bücher alle zu verstehn!--Wenn man nur darunter sitzt, man mag
darin lesen oder nicht, so ist man schon ein ganz andrer Mensch!--Ich
fühl's, wahrhaftig ich fühl's, der Verstand duftet mir recht daraus
entgegen.--Gewiß, er hat recht; ohne die Gelehrsamkeit ist man nichts
als eine Bestie.--Ich dumme Bestie!--(Beiseite.) Nun, wie lange wird
er mich noch schimpfen lassen?--Wir sind doch närrisch gepaaret, ich
und mein Herr!--Er gibt dem Gelehrtesten und ich dem Ungelehrtesten
nichts nach.--Ich will auch noch heute anfangen zu lesen.--Wenn ich
ein Loch von achtzig Jahren in die Welt lebe, so kann ich schon noch
ein ganzer Kerl werden.--Nur frisch angefangen! Da sind Bücher genug!
--Ich will mir das kleinste aussuchen; denn anfangs muß man sich nicht
übernehmen.--Ha! da finde ich ein allerliebstes Büchelchen.--In so
einem muß es sich mit Lust studieren lassen.--Nur frisch angefangen,
Anton!--Es wird doch gleichviel sein, ob hinten oder vorne?--Wahrhaftig,
es wäre eine Schande für meinen so erstaunlich, so erschrecklich, so
abscheulich gelehrten Herrn, wenn er länger einen so dummen Bedienten
haben sollte--
Damis (indem er sich ihm vollends nähert). Ja freilich wäre es eine
Schande für ihn.