Potsdam 1782. (~E.~ 458.)]

[Illustration: Abb. 167. +Porträt der Babette Renelle.+

Rötelzeichnung im Besitz der Frau ~Dr.~ Ewald. Berlin.]

Wie hat sich Chodowiecki dies Glück der Unsterblichkeit errungen?

Versuchen wir dem Wege nachzugehen, der ihn in den Kreis derer

führt, die als Fixsterne am deutschen Kunsthimmel glänzen. Von dem

unablässigen Fleiß, der keine Feierstunden kannte, ist gesprochen

worden. Die technische Gewandtheit aber, die seinem Wollen das Gelingen

sicherte, die glückliche Beobachtungsgabe und Frische der Auffassung,

die ihn bis ins hohe Alter nicht verließ, waren nicht nur Ergebnis

eifriger Studien, sie waren Geschenke der Natur. Wenn wir des

Künstlers Skizzen betrachten -- gerade sie sind die glaubwürdigsten

Zeugen für die Echtheit des Talents, das sich in flüchtigen

Augenblicken glücklicher Inspiration am reinsten offenbart -- so

entdecken wir eine Leichtigkeit der Hand, ein Unterscheidungsvermögen

für Charakteristisches und Gleichgültiges, eine Fähigkeit, mit wenigem

alles zu sagen, die wir aus den ausgeführten Arbeiten mit ihrer nicht

selten kleinlich erscheinenden Accuratesse und ängstlichen Durchführung

niemals herauslesen könnten. Diese flüchtigen Zeichnungen, wie die

hier abgebildeten Studien eines vom Rücken gesehenen Kavaliers (Abb.

139), einer am Tisch stehenden Dame (Abb. 137), eines Mädchens, das ein

Gepäckstück im Arm hält (Abb. 140) -- sie alle sind in ausgeführten

Werken, für die der Meister stets seine Mappen plünderte, benutzt

-- zeugen von einer gottbegnadeten Schärfe des Blicks, sie atmen

ein Leben und eine Beweglichkeit, die, wie gesagt, oft den nach

ihnen ausgeführten Arbeiten zu mangeln scheint. Selbst das, was man

Chodowiecki zuletzt zutrauen möchte, leidenschaftliches Temperament,

kommt in einzelnen Skizzen, wie in dem Entwurf zur Figur des Hamlet

(Abb. 138, ~E.~ 252) zum Ausdruck. Man glaubt hier die Erregung

des Augenblicks zu spüren, wo Shakespeares Gestalt in der genialen

Interpretation Brockmanns die Einbildungskraft des Meisters zu

ungewohnter Lebhaftigkeit entflammte. Zu diesen glücklichen, scheinbar

direkt von inneren Impulsen angeregten Augenblicksschöpfungen zählen

auch einige Blätter der Danziger Reise, wie die Kirchgängerinnen (Abb.

141, 142), das polnische Starostenpaar (Abb. 50), den Bürgermeister

Conradi (Abb. 51), Frau Öhmichen (Abb. 143) und jene köstlichen

Rötelzeichnungen, die uns Frauen und Mädchen bei ihrer Arbeit oder in

träumerischer Selbstvergessenheit schildern (Abb. 144-146). Hier ist

Chodowiecki dem Charme eines Watteau so nahe gekommen, wie sonst nie;

aber es steckt in seinen Gestalten unendlich größere Ehrlichkeit, viel

mehr Respekt vor der Natur und sogar etwas mehr Energie der Technik

(Abb. 147 bis 151).

[Illustration: Abb. 168. +Porträt der Françoise Renelle.+

Chodowiecki · 第 69 / 81 题