Bleistift- und Kreidestudie im Besitz des Direktor Wichern. Altona.]

[Illustration: Abb. 157.

+Figurenstudie.+ Rötelzeichnung im Besitz der Frau ~Dr.~

Ewald. Berlin.]

Doch Chodowiecki gehört nicht dem Sammler allein. Was er uns von seiner

Zeit erzählt, und wie er es erzählt, wird jeden, der rückschauender

Kunstbetrachtung überhaupt fähig ist, lebhaft fesseln. Zwischen den

Schaffenden und den Genießenden hat sich ein Jahrhundert geschoben,

das zwar unser unmittelbares Interesse an den geschilderten Vorgängen

und Zuständen etwas erkalten ließ, aber auf der anderen Seite auch

unsere Neugier rege macht, wenn wir einen naiven und ehrlichen

Zeugen der alten Zeit vernehmen. In das vorige Jahrhundert spinnen

sich vielfach noch familiäre Erinnerungen hinüber, der Hausrat

unserer Urgroßeltern, die Porträts aus ihren Tagen strömen noch

immer persönlichen Hauch aus, unsere Pietät redet diesen Dingen

gegenüber lauter, als etwa vor den Schöpfungen der Renaissance und

des Mittelalters. Und wie wird das alles wieder lebendig in der Kunst

Chodowieckis! Die friedliche Sonntagsstimmung unserer Altvordern

umfängt uns, jene ruhige Zufriedenheit, die in den nüchternen und

doch so anheimelnden Stuben des damaligen Kleinbürgertums nistet.

Alles ist hier auf einen Ton gestimmt, die ruhigen Linien und kahlen

Flächen der Wände, der unscheinbare, aber gediegene Hausrat, die

saubere und wohlanständige Tracht der Bewohner, ihr behäbiges und

zugleich graziöses Gebaren: wir atmen mit dem Künstler die Luft jener

Tage, freuen uns an der patriarchalischen Einfalt und Unverdorbenheit

bürgerlicher Sitten, lächeln mit ihm über die mattherzige Empfindelei

und alberne Aufgeblasenheit der eleganten Welt, über die Schrullen

der Sonderlinge, die in unserer nivellierenden Zeit mehr und mehr von

der Bildfläche verschwinden. Er versteht es, wie kaum ein zweiter,

munteres Behagen um die dargestellten Dinge zu breiten, das sich dem

Beschauer unwillkürlich mitteilt. Die Bonhomie, die überall aus seinen

Schilderungen hervorblickt, erwärmt uns für den Schaffenden wie für das

Geschaffene, die Lebendigkeit und Frische des Vortrags bewirkt, daß wir

uns mit ihm hineinversetzen in den bunten Jahrmarkt des Lebens, wie er

sich auf dem Berliner Pflaster des vorigen Jahrhunderts abspielte.

[Illustration: Abb. 158. +~Ecce homo.~+ (~E.~ 216.)

Chodowiecki · 第 65 / 81 题