Rötelstudie im Besitz der Frau ~Dr.~ Ewald. Berlin.]

Chodowieckis Radiertechnik hat mannigfache Wandlungen durchgemacht;

anfangs verraten die mageren und locker gefügten Strichlagen noch

Unsicherheit in der Handhabung des ungewohnten Ausdrucksmittels (Abb.

25-27). Der Maßstab der Figuren ist größer gewählt, die Lichtführung

und Wiedergabe stofflicher Besonderheiten bereitet dem Anfänger

offenbare Schwierigkeit. Allmählich sehen wir, wie der Vortrag

immer zierlicher wird, wie das Auge sich für die Feinheiten der im

kleinsten Maßstabe gehaltenen Details schärft. Für die Köpfe und die

Fleischpartien wählt der Künstler jetzt die weiche Punktiermanier,

eine dichte Hintergrundschraffierung gibt den Gestalten kräftigeres

Relief. Diese zweite Entwickelungsstufe seiner Radiertechnik wird

vielleicht am besten in dem Porträt der Prinzessin Friederike Sophie

Wilhelmine von Preußen (~E.~ 45) und den Kupfern zu Lessings

Minna von Barnhelm (~E.~ 51) erkannt. Den vollen Reiz solcher

Subtilität offenbaren freilich nur ganz frische Abdrücke der genannten

Blätter. Mit der Beherrschung der Mittel wächst dann die Neigung, der

Schwarzweißkunst reichere malerische Effekte abzuzwingen. Ein Beispiel

dafür bildet die Folge von zwölf Illustrationen zu Geßners Idyllen

(Abb. 32, ~E.~ 69), während in den neunziger Jahren die Absicht,

durch möglichst scharfe Kontraste von Licht und Schatten zu wirken,

sowie die Sorglosigkeit der Durchführung und Abtönung nicht selten

störend wirkt (Abb. 133). Es wäre indessen verkehrt, anzunehmen, daß

sich die eben angedeutete Entwickelung mit durchaus gesetzmäßiger

Folgerichtigkeit vollzieht. Wir müssen auch hier unterscheiden zwischen

den Arbeiten, denen der Künstler von vornherein Enthusiasmus und Liebe

entgegenbrachte, und solchen, von denen er selbst sagte: „Ich mache,

was man mir in Auftrag gibt, und lasse die anderen reden.“

[Illustration: Abb. 150. +Sitzendes Mädchen.+

Chodowiecki · 第 62 / 81 题