_Neue Freie Presse, Wien_: Die Idee erinnert an Renate Fuchs, die
auch durch allen Schmutz schreitet, ohne daß er ihr höher als bis zu
den Sohlen dränge, aber Renate Fuchs ist eine wandelnde Idee, mit
ungeheuer viel geistreichem Beiwerk. Ellen Olestjerne ist aus Fleisch
und Blut, und das Leben pulst ihr in jeder Fiber. Wir folgen ihr durch
ihre eingezwängte Jugend auf dem freiherrlichen Schloß ihrer Eltern,
durch alle Gouvernantenkämpfe und die mit der strengen Mutter, die
keine Ahnung von den seelischen Vorgängen ihrer heißblütigen Tochter
hat, und die sie reizt und quält bis zu Ellens eroberter Freiheit in
München, wo sie in der Malerbohème unterzugehen droht und sich dennoch
mit Aufgebot übermenschlicher Kräfte schließlich für ihr Kind rettet.
Es ist der Roman einer Übergangszeit für das Weib ... Die Münchener
Malerbohème ist geradezu glänzend geschildert. Man vergißt oft, daß
man liest, man erlebt alles mit, ihren Idealismus, ihre wundervolle
Kameradschaftlichkeit, ihren Übermut, ihre Zwanglosigkeit und ihren
Hunger. Man muß das Buch lesen ... Ellen macht alles durch, was ein
Weib nur erleben kann, unentrinnbare Gewalten treiben sie, so zu
handeln, so zu lieben. Immer glaubt sie fest an ihre Liebe und immer
kommt wieder ein anderer und beweist ihr, daß es eine Täuschung war.
Nicht in der Liebe findet sie sich, nicht in der Kunst -- in ihrem
Kinde findet sie sich aus einem Leben, das sie in die Irre gejagt.
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