_Chitra_
(in einen Mantel gehüllt.)
Mein Herr, hast Du den Becher bis zur Neige geleert? Ist dies wirklich
das Ende? Nein, wenn alles getan, so bleibt doch noch Eins, mein letztes
Opfer, das ich zu Deinen Füßen darbringe. Aus dem himmlischen Garten
brachte ich Blumen von unvergleichlicher Schönheit, Dich zu ehren, Gott
meines Herzens.
Ich will die Blumen aus dem Tempel hinauswerfen, wenn sie verwelkt sind
und die heilige Handlung vorüber.
(Sie nimmt ihren Mantel ab und trägt Männerkleidung wie am Anfang.)
Nun laß Deinen Knecht Gnade finden vor Deinen Augen.
Ich bin nicht schön und vollkommen wie die Blumen, mit denen ich Dich
ehrte. Ich bin voller Schuld und Fehler. Auf der großen Heerstraße der
Welt bin ich ein Wanderer, meine Kleider sind beschmutzt, und Dornen
haben meine Füße blutig gerissen. Wie könnte ich schön sein wie die
Blumen, voll unbefleckter Lieblichkeit, für die kurze Dauer eines
Augenblicks? Die Gabe, die ich Dir voll Stolz darbringe, ist das Herz
eines Weibes. Darinnen ist eingeschlossen aller Schmerz und alle Lust,
alle Hoffnung, alle Furcht, alle Scham einer Erdentochter.
Hier ist der Uranfang der Liebe, von hier aus ringt sie nach
Unsterblichkeit. Im Herzen des Weibes liegt eine große und erhabene
Unvollkommenheit. Nun, da die Anbetung der Schönheit vorüber, nimm
diesen
(auf sich zeigend)
als Deinen Knecht für kommende Tage.
Ich bin Chitra, die Königstochter. Vielleicht erinnerst Du Dich des
Tages, als in Shivas Tempel ein Weib zu Dir trat, behangen mit Putz und
Schmuck. Die Schamlose kam und warb um Dich wie ein Mann. Du stießest
sie zurück, und Du tatest wohl daran. Herr, jenes Weib -- bin ich. Sie
diente mir als Maske. Damals verlieh mir die göttliche Gnade für ein
Jahr die strahlendste Gestalt, die je einem Sterblichen wurde. Mit der
Last jenes Betruges beschwerte ich meines Helden Herz. Dies Weib kann
ich nicht sein.
Ich bin Chitra. Keine Göttin bin ich, die man anbetet, aber auch nicht
ein Gegenstand allgemeinen Mitleids, den man achtlos abschüttelt wie ein
Insekt. Wenn Du mich würdig findest, Dir zur Seite zu stehen, wenn ich
die großen Pflichten Deines Lebens teilen darf -- dann wirst Du mein
wahres Wesen erkennen. Wenn Dein Kind, das ich in meinem Schoß nähre,
ein Sohn sein wird, will ich es lehren, ein zweiter Arjuna zu werden.
Wenn die Zeit kommt, werde ich ihn zu Dir senden, und Du wirst endlich
mein eigenstes Ich erkennen. Heute kann ich Dir nur Chitra darbringen,
die Tochter eines Königs.
_Arjuna_
Geliebte, mein Leben ist vollkommen erfüllt.