Es geschah einmal auf Grimsö, daß das Feuer im Winter erlosch, so
daß auf keinem Hof Feuer oder Licht angezündet werden konnte. Es
war damals ruhiges Wetter, und der Frost war so scharf, daß der
Grimsösund zugefroren war, und man glaubte, daß das Eis tragen könne.
Da entschlossen sich die Bewohner von Grimsö, ein paar Leute auf das
Festland zu senden, die Feuer holen sollten, und wählten dazu drei von
den tüchtigsten Männern der Insel.
Sie zogen früh morgens bei hellem Wetter davon, und eine Menge
Bewohner begleiteten sie auf das Eis hinaus und wünschten ihnen einen
glücklichen Weg und baldige Heimkunft. Es wird nichts von der Wanderung
der Ausgesandten berichtet, bis sie mitten im Sund an eine Wake kamen,
die so lang war, daß sie ihr Ende nicht sehen konnten, und so breit,
daß nur zwei mit knapper Not hinüberzuspringen vermochten, während
der dritte sich nicht dazu imstande glaubte. Die anderen rieten ihm
deshalb, nach der Insel zurückzukehren und setzten ihre Wanderung fort;
er aber blieb am Rande der Wake zurück und verfolgte sie mit den Augen.
Er wollte ungern unverrichteter Sache zurückkehren und entschloß sich
daher, an der Wake entlang zu gehen, um zu versuchen, ob sie vielleicht
an einer anderen Stelle schmaler wäre. Im Laufe des Tages wurde das
Wetter trübe, und es zogen von Süden Sturm und Regen auf. Das Eis
löste sich, und schließlich stand der Mann auf einer Eisscholle, die
dem Meere zutrieb. Am Abend stieß die Scholle gegen einen großen
Eisberg, den der Mann bestieg. Da entdeckte er unweit von sich einen
Bären, der auf seinen Jungen lag. Er aber war verklammt und hungrig,
und ihm graute jetzt vor dem Leben. Als der Bär den Mann erblickte,
betrachtete er ihn eine Weile, erhob sich dann, ging auf ihn zu,
umkreiste ihn und gab ihm ein Zeichen, daß er sich auf das Lager zu den
Jungen legen sollte. Er tat das mit Furcht im Herzen. Dann legte sich
das Tier selbst bei ihm nieder, breitete sich über ihn und säugte ihn
mit seinen Jungen zugleich. Die Nacht verstrich; am nächsten Tage stand
das Tier auf, entfernte sich ein kleines Stück vom Lager und winkte
dem Manne nachzukommen. Als er auf das Eis hinausgekommen war, legte
sich der Bär vor seine Füße nieder und gab ihm ein Zeichen, sich auf
seinen Rücken zu setzen. Als er den Rücken des Bären bestiegen hatte,
erhob sich dieser, rüttelte und schüttelte sich, bis der Mann von ihm
heruntergefallen war. Mit dieser Probe war er für diesmal zufrieden,
der Mann aber wunderte sich darüber. Es vergingen nun drei Tage; nachts
lag der Mann auf dem Lager des Bären und saugte seine Milch, jeden
Morgen aber hieß ihn der Bär sich auf seinen Rücken setzen, und dann
schüttelte er sich, bis der Mann sich nicht mehr festhalten konnte.
Am vierten Morgen konnte sich der Mann auf dem Rücken des Tieres
halten, so viel es sich auch schüttelte. Gegen Abend ging es aufs Eis
hinunter, den Mann auf dem Rücken, und schwamm mit ihm nach der Insel.
Als der Mann an Land gekommen war, ging er auf die Insel hinauf und gab
dem Bären ein Zeichen, ihm zu folgen. Er ging voran nach seinem Heim
und ließ sogleich die beste Kuh im Stall melken und ihn so viel frisch
gemolkene Milch trinken, wie er nur konnte; dann ging er vor dem Bären
in seinen Schafstall, ließ die beiden besten Schafe aus seiner Herde
herausnehmen und schlachten, band sie an den Hörnern zusammen und legte
sie quer über den Rücken des Bären. Dieser kehrte nach dem Meere zurück
und schwamm zu seinen Jungen hinaus.
Und nun war viel Freude auf Grimsö; denn während die Inselbewohner
mit Erstaunen dem Bären nachschauten, sahen sie ein Boot vom Festland
kommen und mit gutem Wind nach der Insel segeln. Darin hofften sie die
beiden anderen Abgesandten mit dem Feuer zu sehen.