Voriger. Lischen.
Lischen.
Die gnädige Frau läßt fragen, ob Euer Gnaden eine Tasse Tee
befehlen.
Rappelkopf.
Ich danke. (Für sich.) Die werd ich auch in die Kur nehmen.
(Laut.) Was macht meine Schwester?
Lischen.
Sie ist sehr betrübt.
Rappelkopf.
Weswegen?
Lischen.
Unseres gnädigen Herrn wegen.
Rappelkopf.
Wegen mir?
Lischen.
Ah, wegen Ihnen nicht.
Rappelkopf (faßt sich).
Ja so. (Für sich.) Die kennt mich auch nicht. (Laut.) Und was
macht meine Nichte?
Lischen.
Sie spricht mit ihrem Bräutigam.
Rappelkopf (für sich).
Himmel und Hölle! (Faßt sich. Laut.) Was ist denn das für ein
Mensch?
Lischen.
Ein sehr liebenswürdiger Mensch.
Rappelkopf.
Was heißt das, macht er Ihr auch die Cour?
Lischen.
Nun, das wäre der Wahre, er wagt es ja kaum, ein anderes
Mädchen anzusehen. Das wird ein handfester Pantoffelritter
werden. Ich glaube, er hat mir bloß darum noch keinen Heller
zum Geschenke gemacht, damit er nur meine Hand nicht berühren
darf. Er und mein Fräulein taugen ganz zusammen, und es ist
himmelschreiend, daß der gnädge Herr seine Einwilligung nicht
gibt.
Rappelkopf (rasch).
Da hat er recht, wenn er sie nicht gibt. Der junge Mensch hat
keine Achtung vor ihn.
Lischen.
Ei bewahre, er schätzt ihn weit mehr--verzeihen Euer Gnaden,
wenn ich so von Ihren Herrn Schwager spreche--aber weit mehr,
als er es verdient.
Rappelkopf (für sich).
Es ist, als ob sie sich alle verschworen hätten wider mich.
Geduld, verlasse mich nicht! (Laut.) Ich will Ihr etwas
schenken, aber sag Sie mir in der größten Geschwindigkeit
alle üblen Eigenschaften Ihres Herrn.
Lischen.
In einer Geschwindigkeit, das ist ohnmöglich, gnädger Herr.
Rappelkopf.
Warum nicht?
Lischen.
Weil, wenn ich jetzt diesen Augenblick anfange, ich morgen
früh noch nicht fertig bin.
Rappelkopf.
Wo ich nur die Geduld hernehme, das alles anzuhören!
Lischen.
Es ist schon genug, daß er ein Menschenfeind ist. Ich begreife
gar nicht, wie man bei einem so großen Vermögen, einer
gutmütigen Frau, einer wohlerzogenen Tochter und einem so
hübschen Stubenmädchen ein Menschenfeind sein kann.
Lied
Ach, die Welt ist gar so freundlich
Und das Leben ist so schön.
Darum soll der Mensch nicht feindlich
Seinem Glück entgegenstehn.
Alles sucht sich zu gefallen,
Liebend ist die Welt vereint,
Und das Häßlichste von allen
Ist gewiß ein Menschenfeind.
Heitrer Sinn nur kann beglücken,
Nur die Freude hebt die Brust,
Nur die Liebe bringt Entzücken,
Und der Haß zerstört die Lust.
Doch wenn alle sich erfreun
Und der Stern des Frohsinns scheint,
Sitzt im düstern Wald allein
Drauß der finstre Menschenfeind.
Sieht man nur die goldne Sonne,
Wenn sie auf am Himmel steigt,
Wie sie schon mit holder Wonne
Allen Wesen ist geneigt:
Dann kann man die Welt nicht hassen,
Die 's im Grund nicht böse meint,
Man muß nur die Lieb nicht lassen,
Wird man nie zum Menschenfeind. (Ab.)
Rappelkopf (allein).
Schrecklich! Muß ich mich auch noch ansingen lassen! Das sind
Beleidigungen nach den Noten, und ich darf den Takt nicht dazu
schlagen. Und alles bleibt auf einem Wort! Wer kommt?