Siebenter Auftritt

Voriger. Lischen.

Lischen.

Die gnädige Frau läßt fragen, ob Euer Gnaden eine Tasse Tee

befehlen.

Rappelkopf.

Ich danke. (Für sich.) Die werd ich auch in die Kur nehmen.

(Laut.) Was macht meine Schwester?

Lischen.

Sie ist sehr betrübt.

Rappelkopf.

Weswegen?

Lischen.

Unseres gnädigen Herrn wegen.

Rappelkopf.

Wegen mir?

Lischen.

Ah, wegen Ihnen nicht.

Rappelkopf (faßt sich).

Ja so. (Für sich.) Die kennt mich auch nicht. (Laut.) Und was

macht meine Nichte?

Lischen.

Sie spricht mit ihrem Bräutigam.

Rappelkopf (für sich).

Himmel und Hölle! (Faßt sich. Laut.) Was ist denn das für ein

Mensch?

Lischen.

Ein sehr liebenswürdiger Mensch.

Rappelkopf.

Was heißt das, macht er Ihr auch die Cour?

Lischen.

Nun, das wäre der Wahre, er wagt es ja kaum, ein anderes

Mädchen anzusehen. Das wird ein handfester Pantoffelritter

werden. Ich glaube, er hat mir bloß darum noch keinen Heller

zum Geschenke gemacht, damit er nur meine Hand nicht berühren

darf. Er und mein Fräulein taugen ganz zusammen, und es ist

himmelschreiend, daß der gnädge Herr seine Einwilligung nicht

gibt.

Rappelkopf (rasch).

Da hat er recht, wenn er sie nicht gibt. Der junge Mensch hat

keine Achtung vor ihn.

Lischen.

Ei bewahre, er schätzt ihn weit mehr--verzeihen Euer Gnaden,

wenn ich so von Ihren Herrn Schwager spreche--aber weit mehr,

als er es verdient.

Rappelkopf (für sich).

Es ist, als ob sie sich alle verschworen hätten wider mich.

Geduld, verlasse mich nicht! (Laut.) Ich will Ihr etwas

schenken, aber sag Sie mir in der größten Geschwindigkeit

alle üblen Eigenschaften Ihres Herrn.

Lischen.

In einer Geschwindigkeit, das ist ohnmöglich, gnädger Herr.

Rappelkopf.

Warum nicht?

Lischen.

Weil, wenn ich jetzt diesen Augenblick anfange, ich morgen

früh noch nicht fertig bin.

Rappelkopf.

Wo ich nur die Geduld hernehme, das alles anzuhören!

Lischen.

Es ist schon genug, daß er ein Menschenfeind ist. Ich begreife

gar nicht, wie man bei einem so großen Vermögen, einer

gutmütigen Frau, einer wohlerzogenen Tochter und einem so

hübschen Stubenmädchen ein Menschenfeind sein kann.

Lied

Ach, die Welt ist gar so freundlich

Und das Leben ist so schön.

Darum soll der Mensch nicht feindlich

Seinem Glück entgegenstehn.

Alles sucht sich zu gefallen,

Liebend ist die Welt vereint,

Und das Häßlichste von allen

Ist gewiß ein Menschenfeind.

Heitrer Sinn nur kann beglücken,

Nur die Freude hebt die Brust,

Nur die Liebe bringt Entzücken,

Und der Haß zerstört die Lust.

Doch wenn alle sich erfreun

Und der Stern des Frohsinns scheint,

Sitzt im düstern Wald allein

Drauß der finstre Menschenfeind.

Sieht man nur die goldne Sonne,

Wenn sie auf am Himmel steigt,

Wie sie schon mit holder Wonne

Allen Wesen ist geneigt:

Dann kann man die Welt nicht hassen,

Die 's im Grund nicht böse meint,

Man muß nur die Lieb nicht lassen,

Wird man nie zum Menschenfeind. (Ab.)

Rappelkopf (allein).

Schrecklich! Muß ich mich auch noch ansingen lassen! Das sind

Beleidigungen nach den Noten, und ich darf den Takt nicht dazu

schlagen. Und alles bleibt auf einem Wort! Wer kommt?

Der Alpenkönig und der Menschenfeind · 第 37 / 45 题