Fünfter Auftritt

Vorige. August. Malchen.

Malchen.

Ist es wahr, ist der Onkel angekommen? (Sieht ihn.) Ach

liebster, bester Onkel! mit welcher Sehnsucht haben wir

Sie erwartet.

Rappelkopf.

Die ist so falsch wie ihre Mutter.

Malchen.

August, komm doch her.

Rappelkopf (erschrickt).

Wer?

August (hervortretend).

Bester Herr von Silberkern--(will auf ihn zu.)

Rappelkopf (fährt zurück).

Himmel, wer bringt dies Bild vor meine Augen?

Sopie.

Was ist dir, lieber Bruder?

Malchen.

Aber Onkel!

Rappelkopf (beiseite).

Ich muß mich fassen, damit ich allen auf den Grund komme.

(Laut, mit Zwang.) Verzeihen Sie mir, mein Herr, sein Sie

mir willkommen.

August.

Erlauben Sie, Herr von Silberkern--(Tritt näher.)

Rappelkopf (fährt wieder auf).

Nein, es ist nicht möglich--Drei Schritt vom Leib! (Beiseite.)

Vergiften könnt ich den Verführer!

August.

Was soll ich davon denken?

Malchen.

Onkel!

Sopie (gleichzeitig).

Bruder!

Rappelkopf (faßt sich wieder).

Verzeihen Sie, aber Sie haben eine Ähnlichkeit, eine

Ähnlichkeit--

August.

Mit wem?

Rappelkopf.

Mit--mit einem Menschen

August.

Mit was für einem?

Rappelkopf.

Der mich bestohlen hat.

Sopie.

Aber Bruder!

August (lacht).

Herr von Silberkern--

Malchen.

Ach Onkel, er hat nichts gestohlen als mein Herz.

Rappelkopf (auffahrend).

Das ist es eben--(faßt sich) was mich nichts angeht.

(Sehr freundlich.) Sind Sie nur nicht so kindisch, ich hab

nur einen Spaß gemacht. (Für sich.) Verstellung, steh mir

bei! (Laut.) Endlich sind wir alle recht froh beieinander,

meine lieben Kinder. (Lacht boshaft.) Das ist ein freudiger

Tag heute. (Für sich.) Ich möcht zur Decke hinauffahren.

Sopie.

Wir wollen dich jetzt allein lassen, lieber Bruder. Damit du

eine Stunde ausruhen kannst. Du bist zu angegriffen. In

diesem Zimmer findest du ein Ruhebett, unterdessen werden

wir die Nachforschungen nach meinem armen Mann verdoppeln,

denn es gibt keinen ruhigen Augenblick für mich, solange ich

in Ungewißheit über sein Schicksal leben muß. (Geht ab.)

Rappelkopf.

Da werd ein anderer klug, ich nicht.

August.

Herr von Silberkern, ich weiß, daß Sie alles über Herrn von

Rappelkopf vermögen.

Rappelkopf.

Da haben Sie recht, wenn ich nichts über ihn vermag, dann

richtet niemand etwas mit ihm aus.

August.

Oh, dann werden Sie mir Ihren Beistand nicht versagen.

Rappelkopf.

Ihnen? hahaha! Nun, das will ich hoffen.

August.

Wenn meines Malchens Vater sein Haus wieder betritt und es

Ihnen gelingt, ihm mildere Gesinnungen gegen die Welt

einzuflößen, so vergessen Sie auch meiner nicht! Versichern

Sie ihm, daß es keinen jungen Mann auf Erde gäbe, der mit

einer so unwandelbaren Treue an seiner liebenswürdigen

Tochter und mit einer so innigen Dankbarkeit an ihrem edlen,

aber unglücklichen Vater hinge als der von ihm so ungerecht

verfolgte August Dorn. (Verbeugt sich und geht ab.)

Rappelkopf.

Das ist mir unbegreiflich.

Malchen (weinend).

Lieber Onkel, wenn Sie meinen Vater sprechen, was ich gewiß

nicht darf, so sagen Sie ihm, daß er seine Amalie unendlich

gekränkt hat, daß ihn niemand so sehr liebt wie seine Tochter,

aber daß ihr auch gewiß das Herz brechen wird, wenn sie ihren

August verlieren müßte. (Weint heftig.)

Rappelkopf (sein Vatergefühl bricht los, er schließt Malchen

heftig in seine Arme).

Du bist halt doch mein Kind, wenn ich auch jetzt nicht dein

Vater bin. (Nimmt sie am Kopf.) Was nützt denn das, das läßt

sich nicht verleugnen. Ich muß dich küssen, Malchen.

Malchen.

Ach guter Onkel!

Rappelkopf.

Sag du mir, ist das wahr, liebst du deinen Vater?

Malchen.

Unendlich, lieber Onkel!

Rappelkopf.

Und du lügst nicht?

Malchen.

Bei Gott nicht.

Rappelkopf (freudig überrascht).

Das ist schön von dir, das freut mich. (Legt ihren Kopf an

seine Brust.) Sie hat mich lieb! So hab ich doch eine Seele

auf der Welt, die mich liebt. Aber jetzt geh hinaus, ich bitt

dich um alles in der Welt, geh hinaus.

Malchen.

Sie verstoßen mich doch nicht, lieber Onkel?

Rappelkopf.

Nein, ich verstoß dich nicht, ich will dich noch einmal

küssen sogar, aber geh hinaus, sonst muß ich mich vor mir

selber schämen, geh hinaus.

Malchen.

So ruhen Sie sanft, bester Onkel. (Ab.)

Rappelkopf (allein).

O Schande! ich bin ein Menschenfeind und komm da in eine

Küsserei hinein, die gar kein End nimmt. Das war der einzige

vergnügte Augenblick, den ich seit fünf Jahren erlebt hab.

Aber wie ist mir denn? bin ich betrunken? Das ist ja keine

Möglichkeit. Wenn das alles wahr wäre, was die Leute

zusammenreden, so wären sie ja völlige Engel. Das ist Betrug,

da muß etwas dahinterstecken. Das ist ein Einverständnis. Mein

Weib ist eine Schlange. Zu was braucht sie einen Zichori?

wenn so viel Kaffee aufgeht. Aber meine Tochter ist brav.

Über die laß ich jetzt nichts mehr kommen. Auch den jungen

Menschen trau ich nicht, den haben sies einstudiert. Er wär

ohnehin bald steckengeblieben. Ha, da kommt der Habakuk, der

große Bandit. Der soll mir Licht geben.

Der Alpenkönig und der Menschenfeind · 第 35 / 45 题