Vorige. August. Malchen.
Malchen.
Ist es wahr, ist der Onkel angekommen? (Sieht ihn.) Ach
liebster, bester Onkel! mit welcher Sehnsucht haben wir
Sie erwartet.
Rappelkopf.
Die ist so falsch wie ihre Mutter.
Malchen.
August, komm doch her.
Rappelkopf (erschrickt).
Wer?
August (hervortretend).
Bester Herr von Silberkern--(will auf ihn zu.)
Rappelkopf (fährt zurück).
Himmel, wer bringt dies Bild vor meine Augen?
Sopie.
Was ist dir, lieber Bruder?
Malchen.
Aber Onkel!
Rappelkopf (beiseite).
Ich muß mich fassen, damit ich allen auf den Grund komme.
(Laut, mit Zwang.) Verzeihen Sie mir, mein Herr, sein Sie
mir willkommen.
August.
Erlauben Sie, Herr von Silberkern--(Tritt näher.)
Rappelkopf (fährt wieder auf).
Nein, es ist nicht möglich--Drei Schritt vom Leib! (Beiseite.)
Vergiften könnt ich den Verführer!
August.
Was soll ich davon denken?
Malchen.
Onkel!
Sopie (gleichzeitig).
Bruder!
Rappelkopf (faßt sich wieder).
Verzeihen Sie, aber Sie haben eine Ähnlichkeit, eine
Ähnlichkeit--
August.
Mit wem?
Rappelkopf.
Mit--mit einem Menschen
August.
Mit was für einem?
Rappelkopf.
Der mich bestohlen hat.
Sopie.
Aber Bruder!
August (lacht).
Herr von Silberkern--
Malchen.
Ach Onkel, er hat nichts gestohlen als mein Herz.
Rappelkopf (auffahrend).
Das ist es eben--(faßt sich) was mich nichts angeht.
(Sehr freundlich.) Sind Sie nur nicht so kindisch, ich hab
nur einen Spaß gemacht. (Für sich.) Verstellung, steh mir
bei! (Laut.) Endlich sind wir alle recht froh beieinander,
meine lieben Kinder. (Lacht boshaft.) Das ist ein freudiger
Tag heute. (Für sich.) Ich möcht zur Decke hinauffahren.
Sopie.
Wir wollen dich jetzt allein lassen, lieber Bruder. Damit du
eine Stunde ausruhen kannst. Du bist zu angegriffen. In
diesem Zimmer findest du ein Ruhebett, unterdessen werden
wir die Nachforschungen nach meinem armen Mann verdoppeln,
denn es gibt keinen ruhigen Augenblick für mich, solange ich
in Ungewißheit über sein Schicksal leben muß. (Geht ab.)
Rappelkopf.
Da werd ein anderer klug, ich nicht.
August.
Herr von Silberkern, ich weiß, daß Sie alles über Herrn von
Rappelkopf vermögen.
Rappelkopf.
Da haben Sie recht, wenn ich nichts über ihn vermag, dann
richtet niemand etwas mit ihm aus.
August.
Oh, dann werden Sie mir Ihren Beistand nicht versagen.
Rappelkopf.
Ihnen? hahaha! Nun, das will ich hoffen.
August.
Wenn meines Malchens Vater sein Haus wieder betritt und es
Ihnen gelingt, ihm mildere Gesinnungen gegen die Welt
einzuflößen, so vergessen Sie auch meiner nicht! Versichern
Sie ihm, daß es keinen jungen Mann auf Erde gäbe, der mit
einer so unwandelbaren Treue an seiner liebenswürdigen
Tochter und mit einer so innigen Dankbarkeit an ihrem edlen,
aber unglücklichen Vater hinge als der von ihm so ungerecht
verfolgte August Dorn. (Verbeugt sich und geht ab.)
Rappelkopf.
Das ist mir unbegreiflich.
Malchen (weinend).
Lieber Onkel, wenn Sie meinen Vater sprechen, was ich gewiß
nicht darf, so sagen Sie ihm, daß er seine Amalie unendlich
gekränkt hat, daß ihn niemand so sehr liebt wie seine Tochter,
aber daß ihr auch gewiß das Herz brechen wird, wenn sie ihren
August verlieren müßte. (Weint heftig.)
Rappelkopf (sein Vatergefühl bricht los, er schließt Malchen
heftig in seine Arme).
Du bist halt doch mein Kind, wenn ich auch jetzt nicht dein
Vater bin. (Nimmt sie am Kopf.) Was nützt denn das, das läßt
sich nicht verleugnen. Ich muß dich küssen, Malchen.
Malchen.
Ach guter Onkel!
Rappelkopf.
Sag du mir, ist das wahr, liebst du deinen Vater?
Malchen.
Unendlich, lieber Onkel!
Rappelkopf.
Und du lügst nicht?
Malchen.
Bei Gott nicht.
Rappelkopf (freudig überrascht).
Das ist schön von dir, das freut mich. (Legt ihren Kopf an
seine Brust.) Sie hat mich lieb! So hab ich doch eine Seele
auf der Welt, die mich liebt. Aber jetzt geh hinaus, ich bitt
dich um alles in der Welt, geh hinaus.
Malchen.
Sie verstoßen mich doch nicht, lieber Onkel?
Rappelkopf.
Nein, ich verstoß dich nicht, ich will dich noch einmal
küssen sogar, aber geh hinaus, sonst muß ich mich vor mir
selber schämen, geh hinaus.
Malchen.
So ruhen Sie sanft, bester Onkel. (Ab.)
Rappelkopf (allein).
O Schande! ich bin ein Menschenfeind und komm da in eine
Küsserei hinein, die gar kein End nimmt. Das war der einzige
vergnügte Augenblick, den ich seit fünf Jahren erlebt hab.
Aber wie ist mir denn? bin ich betrunken? Das ist ja keine
Möglichkeit. Wenn das alles wahr wäre, was die Leute
zusammenreden, so wären sie ja völlige Engel. Das ist Betrug,
da muß etwas dahinterstecken. Das ist ein Einverständnis. Mein
Weib ist eine Schlange. Zu was braucht sie einen Zichori?
wenn so viel Kaffee aufgeht. Aber meine Tochter ist brav.
Über die laß ich jetzt nichts mehr kommen. Auch den jungen
Menschen trau ich nicht, den haben sies einstudiert. Er wär
ohnehin bald steckengeblieben. Ha, da kommt der Habakuk, der
große Bandit. Der soll mir Licht geben.