Vorige. Rappelkopf öffnet die Tür und bleibt stehen.
Rappelkopf.
Holla, da gehts zu, nur hinauf auf die Köpf! Das ist ein Gesindel.
(Geht in die Mitte des Zimmers und klatscht in die Hände.
Schadenfroh.) Bravo! Bravissimo!
Salchen.
Jetzt schauts den an. Was will denn der da?
Marthe.
Nu was will Er? Was schaut Er?
Rappelkopf.
Sie will ich nicht. Sie Altertum! Was kost die Hütten da? Was
muß ich zahlen, wenn ich euch alle hinauswerfen darf?
Salchen.
Ah, der hat einen kuriosen Gusto.
Marthe.
Er impertinenter Mensch, was untersteht Er sich denn, da
hereinzukommen--
Salchen.
Und uns Grobheiten anzutun.
Christian (halb schlaftrunken).
Werfts ihn aussi!
Marthe (verdrüßlich).
Halt's Maul! (Zu Rappelkopf) Was hat denn Er zu befehlen, ich
kann meine Kinder schlagen, wie ich will.
Andresel.
Nun ja, was geht denn den Herrn mein Buckel an? Die Schläg sein
unser Mittagmahl.
Der Bub unterm Bett. Sultel! Huß huß!
Der Hund.
Hau hau!
Marthe und Salchen.
Hinaus mit Ihm!
Rappelkopf.
Still! kein Wort reden! (Zieht zwei Geldbeutel hervor und
klingelt damit.) Geld ist da! Dukaten sind da! Die gehören alle
euch. Verstanden? Also freundlich sein. Die Zähn herblöcken.
Euer Gnaden sagen. Gschwind! Bagage! Gschwind!
Marthe.
Euer Gnaden, wir bitten um Verzeihung. Gehts, Kinder, küßt den
gnädigen Herrn die Hand. Kriegts was zu schenken.
(Die Kinder kriechen hervor.)
Andresel (lacht dumm).
Dukaten hat er? Gehts, Buben, küssen wir ihm die Hand.
(Sie küssen ihm die Hände.)
Rappelkopf.
Ist schon da die Brut.
Alle drei Buben.
Euer Gnaden, bitt gar schön um ein Dukaten.
Christian.
Bringts mir auch welche her!
Salchen.
Schamts euch nicht? er foppt euch nur.
Rappelkopf.
Was will die Frau, da, für die Keischen? Ich kauf s'. Wenn s'
noch so teuer ist.
Marthe.
Ah, Euer Gnaden machen nur einen Spaß. Was wollten S' denn mit
der miserablichen Hütten da?
Rappelkopf.
Das geht Sie nichts an. Hat Sie genug an zweihundert Dukaten?
Marthe.
O mein, Euer Gnaden! So viel Geld kanns ja gar nicht geben auf
der Welt, da wären wir ja versorgt auf unser Lebtag.
Salchen.
Aber die Mutter wird doch nicht die Hütten verkaufen? Was wird
denn mein Franzel sagen, wenn ers hört?
Andresel.
Mutter, gebts ihm s', es ist nicht mehr wert.
Marthe (freudig).
O du lieber Himmel, das ist a Glück! Wenn nur mit mein Mann was
zu reden wär!
Andresel.
Vater! steht der Vater auf! Oder wir verkaufen 's Haus, und den
Vatern auch dazu.
Marthe.
Du Mann! (Für sich.) Nein, die Schand vorn Leuten! Er kann sich
gar nicht rühren. (Während dieser Rede liebkost der Hund
Rappelkopf, welcher ihn mit dem Fuß von sich stößt. Der Hund
bellt auf ihn. Marthe laut.)
Die Hütten kannst verkaufen, stell dir vor, zweihundert Dukaten
kriegen wir dafür.
Christian (schlaftrunken).
Ist zu wenig--viel zu wenig.
Salchen.
Wenn er s' nur nicht hergebet!
Marthe.
Der Mann weiß gar nicht, was er redt. Sie können s' habn, Euer
Gnaden, es ist schon alles in der Ordnung.
Rappelkopf.
Da kauf ich alles, wies da liegt und steht.
Marthe.
Oh, da drauß ist auch ein Kuchel, da hängt a Menge Kuchelgschirr.
Andresel.
Und Mäus gibts, die sind gar nicht zu bezahlen.
Rappelkopf.
Also da ist's Geld. (Wirft ihnen Geld hin.) Und jetzt
augenblicklich hinaus. Alle miteinander. In zwei Minuten will
ich keins mehr sehen.
Salchen.
Sieht die Mutter, jetzt kommts halt doch auf Hinauswerfen heraus.
(Während dieser Reden haben die Kinder alles nach und nach
zurückgeräumt, so daß die Bühne im Vordergrunde frei von Möbeln
ist, bis auf einen Stuhl, auf den sich Rappelkopf setzt. Franzel
tritt ein.)
Franzel.
Guten Abend, der Franzel ist da!
Rappelkopf.
Da kommt noch so ein Halbmensch.
Salchen.
O lieber Franzel, schau nur den Fremden an, dem hat die Mutter
die Hütten verkauft, er wirft uns alle 'naus. Er hat s' schon
zahlt.
Franzel.
Aber Mutter, was fallt Euch denn ein? Gebts ihm doch 's Geld
zurück, dem abscheulichen Menschen.
Marthe.
Warum nit gar--das gib ich nimmer her, keinen solchen Narren
finden wir nicht mehr. Seids still, von dem Geld könnts euch
heiraten.
Salchen.
Aber wo bleiben wir denn? Es ist ja schon bald Nacht.
Marthe.
Ums Geld lassen s' uns überall hinein. He! Kinder, Vater, Mutter,
auf, auf! wir müssen alle fort.
Andresel.
Das wird ein Auszug werden! Ich freu mich schon.
Marthe.
Aufsteh, Mann! (Sie zerrt ihn auf und führt ihn vor.)
Rappelkopf.
Ist er krank?
Marthe.
Nu, ich glaubs.
Rappelkopf.
Schon lang?
Marthe.
Halt ja, das ist gar ein altes Übel, das ist noch vom vorigen
Jahr.
Rappelkopf.
Das ist nicht wahr! es ist vom Heurigen. Hinaus mit ihm!
Christian.
Ich geh nicht fort, bis ich das Geld nicht hab. Ich bin ein
Mann, ich hab etwas im Kopf, so will ich im Sack auch was haben.
Marthe.
Ich hab schon 's Geld, (zieht ihm den Rock an und setzt ihm den
Hut auf) so geh nur zu! Jetzt Kinder, packts zusammen.
(Hansel nimmt den Hund an einen Strick.)
Der Christoph führt die Großmutter.
(Sie heben die Alte aus dem Bett und geben ihr die Krücke in die
Hand. Auf Hänschen.)
Du führst den Hund, und ich mein Mann.
Rappelkopf.
Und das Kind? Was gschieht mit den?
Andresel.
Das nimm ich unterm Arm.
Rappelkopf.
Das ist ein Hottentottenvolk. Seid ihr in Ordnung jetzt?
Andresel.
Ja. Eingspannt ists.
Rappelkopf.
So fahrt hinaus.
Salchen.
So müssen wir denn wirklich fort, aus unsern lieben Haus--
Christoph (weint).
Wo wir alle geboren und verzogen sein.
Salchen.
Meiner Seel, der Herr kanns nicht verantworten, was der Herr mit
seinen Geld für ein Unheil anstift.