Vorige. Habakuk.
Sopie.
Diese gemeinen Äußerungen hören zu müssen! Habakuk, ist mein Mann
auf seinem Zimmer? Ist Malchen schon zu Hause?
Habakuk.
Der gnädige Herr ist schon wieder im Gartenzimmer, er hat sich
selbst seinen Schreibtisch und seinen Stuhl hinübergetragen und
geht mit sieben Ellen langen Schritten auf und ab. Ich versichere
Euer Gnaden, ich war zwei Jahr in Paris, aber ein solcher Herr
ist mir nicht vorgekommen.
Sabine (im schwäbischen Dialekt).
Nu da habe wirs, jetzt trau ich mich nicht in den Garte hinaus,
er hat den Schlüssel von der Hofgartetür abgezogen.--Ich kann
nicht koche--
Sopie.
Nun so geh Sie durch das Gartenzimmer.
Sabine.
Ja wer traut sich denn hinein? Wenn der Herr drinne ist? Da geh
ich ja eher zu einem Leopard in die Falle. Er jagt ja alles
hinaus. Wenn er in die Kuchel kommt, so wärs notwendig, ich
schliefet unter den Herd.
Habakuk.
Nun ja, und da sind so schon so viel Schwaben unten.
Kutscher.
Mich kann er gar nicht leiden, ich muß mich immer unters Heu
verstecken.
Habakuk.
Mich haßt er doch nur bis daher (zeigt den halben Leib). Er sagt,
ich wär nur ein halbeter Mensch.
Sopie.
Aber er beschenkt euch ja so oft.
Sabine.
Ja aber wie? Er tut einem dabei alle Grobheiten an und wirft
einem das Geld vor die Füß.
Habakuk.
Oh, da ist er noch in seinem besten Humor, aber neulich nimmt er
sein goldene Uhr, ich glaub, er macht mir ein Präsent, derweil
wirft er mir s' an den Kopf. (Hochdeutsch.) Ja, das sind halt
Berührungen, in die man nicht gern mit seiner Herrschaft kommt,
ich war zwei Jahr in Paris, aber das hab ich nicht erlebt. Zu was
brauch ich zwei Uhren, ich hab meine Uhr im Kopf, aber am Kopf
brauch ich keine.
Sabine.
Kurz, in dem Haus ist nichts zu mache, wenn man nicht einmal in
den Garten kann--
Habakuk.
Wie soll man denn da auf ein grünes Zweig kommen!
Alle.
Kurzum, wir wollen alle fort.
Sopie.
Also wollt ihr eure Frau, die euch immer so menschenfreundlich
gewogen war, so plötzlich verlassen, da ihr doch seht, daß sowohl
ich als meine Tochter eine gleiche Behandlung zu erdulden haben?
Ich kann euch nicht fortlassen, weil zwischen heut und morgen
mein Bruder ankömmt, der vieles über meinen Mann vermag. So
lange müßt ihr die Launen eures Herrn noch ertragen.
Alle.
Es geht nicht, Euer Gnaden, es ist nicht zum existieren.
Sopie.
Nun, so nehmt dieses kleine Geschenk (sie gibt jedem einige
Silberstücke) und stärkt eure Geduld damit, vielleicht geht es
doch.
Alle.
Ach! Wir küssen die Hand, Euer Gnaden.
Kutscher.
Wir werden halt sehen, ob wir auskommen können mit ihm.
Habakuk.
Solang wir mit dem Geld auskommen, kommen wir schon mit ihm auch
aus.
Sabine.
Und wisse Euer Gnade, er wär nicht gar so übel, der gnädge Herr--
Kutscher.
Ach gar nicht--wenn er nur anders wär.
Habakuk.
Freilich, das ist der einzige Umstand.
Sopie.
Doch jetzt geht beruhigt an eure Geschäfte.
Alle.
Gleich, gnädige Frau. (Ab.)
Kutscher.
Euer Gnaden sind halt eine gscheide Frau. Ich sag immer, Euer
Gnaden sind einmal ein Kutscher gwesen, weil Euer Gnaden so gut
wissen, daß man einen Wagen schmieren muß, wann er fahren soll.
(Lacht dumm und geht ab.)
Sabine (küßt ihr die Hand).
Das ist wahr, Euer Gnaden sind eine Frau, die man in der ganzen
Welt suche darf. (Ab.)
Habakuk.
Ich versichere Euer Gnaden, ich war zwei Jahr in Paris, aber ein
Herz, wie Euer Gnaden zu haben belieben, das ist wirklich, wie
man auf französisch sagt, nouveau!