Vorwort.
Im Jahre 1858 erschien die erste Ausgabe dieses Handbuches, veranlaßt
durch eine von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften gestellte
Preisfrage; sie ist einem dringend empfundenen Bedürfnisse entgegen
gekommen und hat eine sehr günstige Aufnahme gefunden. Die Mängel,
welche bei einem ersten Versuch kaum zu vermeiden waren, wurden mit
freundlicher Nachsicht beurtheilt. In den neuen Ausgaben sind sie, so
weit es mir möglich war, beseitigt worden; manche früher übersehene
Quellenschrift ist nachgetragen. Vorzüglich aber ist die sehr
lebhafte litterarische Thätigkeit der Zwischenzeit auf diesem Gebiete
sorgfältig berücksichtigt. Dagegen ist an dem Plane und Charakter
des Buches nichts geändert; es soll kein gelehrtes Repertorium
zum Nachschlagen sein, sondern durch zusammenhängende Darstellung
zum eigenen Studium der Quellen anleiten, diesen in Beziehung zu
den geschichtlichen Vorgängen der einzelnen Abschnitte ihren Platz
anweisen. Bibliographische Vollständigkeit anzustreben, war um so
weniger nöthig, da seitdem Potthasts Werk erschienen ist, welches diese
Aufgabe verfolgt; hier genügte es, die zunächst brauchbaren Ausgaben
anzuführen, und Schriften, in welchen weitere Nachweise zu finden sind.
Ein großes Verdienst um die neuen Bearbeitungen hat sich, wie schon um
das ursprüngliche Werk, =Ernst Dümmler= erworben, welcher nie ermüdete,
mich mit Berichtigungen und werthvollen Nachweisungen zu versehen, von
denen nur wenige ausdrücklich erwähnt werden konnten. Vorzüglich auf
seinen Wunsch sind auch mancherlei Umstände und Nachrichten angeführt
und verwerthet, welche mehr culturgeschichtlicher Art sind und den
eigentlichen Geschichtsquellen etwas ferner stehen. Nicht ganz ohne
Besorgniß dadurch der Uebersichtlichkeit zu schaden, habe ich mich
doch von der Ueberlegung leiten lassen, daß die richtige Würdigung
der Persönlichkeiten und ihrer Werke dadurch befördert wird. Eine
gleichmäßige Durchforschung aller Schulen, auch solcher, welche
geschichtlicher Arbeit fern geblieben sind, eine Darstellung der
litterarischen Thätigkeit auf allen Gebieten, ist eine so schwierige
Aufgabe, daß ihre Lösung so bald wohl nicht zu hoffen ist, und ich
habe deshalb nach dieser Seite hin lieber etwas zu viel als zu wenig
thun wollen. Die von der Münchener historischen Commission gekrönte
Preisschrift des Dr. =Specht= über die Geschichte des Unterrichtswesens
in Deutschland während desselben Zeitraums berührt sich vielfach mit
meinem Buche und ergänzt es in gewisser Hinsicht.
Auch anderen Freunden habe ich wiederum für ihre rege Theilnahme
an dieser Arbeit zu danken. Ganz besonders förderlich waren mir
auch die zahlreichen Zusendungen von Dissertationen, Programmen und
einzelnen Aufsätzen, welche das hier vorliegende Gebiet berühren; je
leichter gerade solche Schriften der Aufmerksamkeit entgehen, um so
dankenswerther ist die Zusendung derselben, und indem ich für diese
sehr wesentliche Erleichterung meiner Arbeit den lebhaftesten Dank
ausspreche, erneuere ich die Bitte, mich auch fernerhin in gleicher
Weise unterstützen zu wollen bei der Bestrebung, die Fortschritte
der Forschung auf diesem Gebiete für eine spätere neue Bearbeitung zu
verwerthen.
=Berlin=, den 7. August 1892.
W. Wattenbach.