Zehn Tage später kam der Doktor zurück.
Meine erste Frage war: „Sagen Sie, Doktor, haben Sie jemals drei Hogs
(Schweine) hier in der Nähe des Bungalows oder in der Nachbarschaft
gesehen? Zwei schwarze und ein gelbes?“
„Hogs?“ fragte er, mich dabei scharf beobachtend. „Hogs?“ wiederholte er
nach einer Weile noch einmal, und ich hatte das Empfinden, als ob er in
seine Stimme und in seinen mich festhaltenden Blick eine Färbung legte,
die ganz gut eine unauffällige Prüfung meines Geisteszustandes sein
konnte. „Hogs? Nein! Sie meinen ganz bestimmt Dogs (Hunde). Sie
verwechseln nur die Worte. Ich habe hier allerdings verschiedene Male
drei Hunde herumlaufen sehen, zwei schwarze und ein gelber, die sich
etwas sonderbar benahmen. Ich habe herumgefragt, aber niemand kannte die
Hunde. Schließlich, was habe ich mich um herumtreibende Indianerhunde zu
kümmern?“
Nun erzählte ich ihm meine Geschichte. Ich glaubte, er würde in Ekstase
geraten.
„Einen toten Indianer, sagen Sie? Einer, der Sie besuchte, in zwei
Nächten?“ Er löste meine lange ausführliche und begeistert vorgetragene
Erzählung in so trockene Worte auf, preßte meine Ausrufe des Entzückens
in so winzige und klapperdürre Fragezeichen zusammen, daß es mir leid
tat, zu diesem zynischen Skeptiker überhaupt von meinem Erlebnis
gesprochen zu haben.
Wie mit einer Sonde in einer Wunde, so bohrte er mit seinen Augen in
meinem Gesicht herum und sagte: „Schmucksachen? Antike aztekische
Arbeit? In der Hand gehabt? Verschwunden? Wissen nicht wo und wie?“
Seine Ironie empörte mich, und ich sagte lauter und rascher, als nötig
war: „Wenn Sie es nicht glauben, ich kann Ihnen den Hügel zeigen mit den
Steinstufen und auch die Höhle, die ich gegraben habe.“
Immer noch die Augen auf mich geheftet, als ob er einem
Krankheitsbericht zuhöre, dann die Stirne hochziehend, nahm er endlich
ruhig seine Pfeife aus der Tasche, griente mich unverschämt an und sagte
knochentrocken: „Ich kann Ihnen auch eine Höhle zeigen, die ich gegraben
habe im Busch, vor – achtundzwanzig Jahren. Passiert mir heute nicht
mehr. Ich lasse die toten Indianer und ihre Könige ruhig schlafen in
ihren Gräbern.“
Er reichte mir ein großes Paket Tabak über den Tisch: „Habe ich Ihnen
von der Reise mitgebracht.“
Dann tat er zwei Züge aus seiner kleinen Pfeife.
Er blies den Rauch mit einem langen Atem und spitzen Munde aus. Er tat
es sehr philosophisch und nachdenklich.
Als der Rauch sich verflogen hatte, betrachtete er seine Tabakspfeife
von allen Seiten, und während er wieder einen Zug nahm, heftete er seine
Augen auf mich und ließ mein Gesicht nicht mehr los.
Er neigte den Kopf ein wenig zur Seite, sah mich von unten herauf an,
griente ganz niederträchtig, pfiff abermals den Rauch in einem langen
Stoß aus und sagte nun, das unverschämte Grienen beibehaltend und die
Augen halb zugekniffen: „Ja, was ich Ihnen raten möchte: Nehmen Sie sich
ein nettes, nicht zu dreckiges Indianermädel in Ihre Strohbude. Als
Köchin. Dann erscheinen Ihnen keine toten Indianer mehr.“
Die Auferweckung eines Toten 7
Indianertanz im Dschungel 16
Die Geburt eines Gottes 23
Der aufgefangene Blitz 28
Spießgesellen 44
Die Geschichte einer Bombe 52
Die Dynamitpatrone 59
Die Wohlfahrtseinrichtung 61
Der Wachtposten 66
Der ausgewanderte Antonio 68
Familienehre 78
Ein Hundegeschäft 84
Der Eselskauf 91
Diplomaten 98
Bändigung 116
Der Großindustrielle 146
Die Medizin 152
Der Banditendoktor 157
Indianerbekehrung 189
Der Nachtbesuch im Busch 195