Diesmal fiel der Häuptling ihm in das Wort: „– und zu verdammen.“

„Ja“, sagte der Mönch, nun ein wenig erregt werdend, „ja, um zu

verdammen alle und alle, die nicht an ihn glauben und die an seinen

Worten herumkratzen und die Lehre des wahren Heils nicht erkennen

wollen, wenn sie ihnen mit offenen Händen dargebracht wird und für

nichts zu haben ist.“

Der Häuptling ließ sich von der Erregung des Mönches nicht mit

fortreißen. Als der Pater geendet hatte, sagte der Indianer ruhig: „Und

das ist es, was Gott mir als letztes Wort ins Herz gelegt hat: Mein Gott

stirbt jeden Abend für uns, seine indianischen Kinder, um ihnen Kühle zu

bringen, Ruhe und Frieden. Er stirbt in tiefer, goldener Schönheit,

nicht verhöhnt, nicht angespeit, nicht mit Kot beworfen. Er stirbt schön

wie ein wahrhaft großer Gott. Aber am Morgen steht er wieder auf von den

Toten, zuerst von den Schleiern des Todes noch umhüllt, dann aber

glitzern seine goldenen Speere über das blaue Firmament, und endlich

steht er da groß, golden und mächtig, Licht, Wärme, Schönheit und

Fruchtbarkeit spendend, den Blumen Duft und Farben gebend, den Vögeln

süße Lieder lehrend, dem Mais Kraft und Gesundheit in die Kolben

flößend, den Früchten Süßigkeit und heilende Säfte einhauchend, mit den

Wolken spielend jagen im Meer der blauen Lüfte. Und gleich meiner

geliebten Mutter ist mein Gott, gebend und gebend und gebend, keine

Gebete verlangend, keine Gebete erwartend, keinen Glauben gebietend und

niemals verdammend. Und wenn der Abend kommt, stirbt er wieder dahin in

rot-goldener Pracht, nicht verhöhnt, nicht winselnd, sondern in einem

ruhigen, tiefen Frieden verheißenden Lächeln; mit dem letzten Zucken

seiner müde werdenden Augen seine indianischen Kinder segnend. Und am

Morgen ist er wieder da am Firmament, der ewig junge, ewig strahlende,

ewig schenkende, ewig sich neugebärende, ewig wiederkehrende, große,

goldene Gott der Indianer. Und so sagte mir Gott als letztes Wort in

mein Herz: Tausche deinen Gott nicht, mein guter Sohn, denn es ist kein

größerer Gott als dein Gott, der lachende Gott, der in seinen Strahlen

jauchzt und singt, kein schönerer und kein edlerer Gott ist in der

weiten Welt, als der im flutenden Golde badende Gott, als der herrliche

strahlende Gott des Indianers.“

Und als der Häuptling das gesagt hatte, dankte er dem Pater Balverde für

die Freundlichkeit, die er ihm erzeigt hatte. Dann rollte er seine

Decke, auf die er gesessen hatte, zusammen, warf sie sich über die

Schulter, und er ging, gefolgt von seinen Begleitern, zurück zu seinem

Volke.

Der Stamm wohnt in der nördlichen Hälfte der Sierra Madre. Er ist bis

zum heutigen Tage ohne die Lehre des wahren Heils geblieben. Bei dem

raschen Zerfall der katholischen Kirche in Mexiko ist nunmehr jegliche

Hoffnung für uns geschwunden, jenen Stamm und einige zwanzig andere

Indianerstämme in Mexiko dereinst im Paradiese als geflügelte

Harfenschläger und Posaunenbläser begrüßen zu können. Wir werden es als

gute Christen in tiefer Demut und völliger Unterwerfung unter dem Willen

anderer geziemend zu ertragen wissen. Halleluja!

Der Busch · 第 26 / 42 题