Mein bester, verehrtester Freund Iwan Petrowitsch!
Ihr Brief hat mich in tiefster Seele betrübt. Und Sie, der Sie mein
bester, doch leider nur zu leicht ungerechter Freund sind, Sie schämen
sich nicht, mir, der ich Ihnen doch von allen am meisten zugetan bin, so
etwas zu schreiben – so übereilt zu urteilen, das Ganze nicht einmal zu
erklären und mich dann mit so beleidigendem Argwohn zu kränken?
Doch ich beeile mich, Ihnen Rede zu stehen und Ihre Anschuldigungen von
mir zu weisen.
Sie, Iwan Petrowitsch, haben mich gestern nur deshalb nicht dort
angetroffen, weil ich ganz plötzlich und unvorhergesehenermaßen an ein
Sterbelager gerufen wurde. Meine Tante Jewfimija Nikolajewna ist nämlich
gestern um elf Uhr nachts sanft entschlafen. Zum Anordner der sämtlichen
traurigen Obliegenheiten wurde ich durch einstimmigen Beschluß meiner
Verwandten gewählt. Da gab es denn für mich so viel zu tun, daß ich Sie
heute unmöglich treffen, ja nicht einmal ein paar Zeilen an Sie
schreiben konnte. So tut mir das Mißverständnis, zu dem es zwischen uns
gekommen ist, in der Seele leid. Meine Bemerkung über Jewgenij
Nikolajewitsch, die von mir scherzhaft und mehr so nebenbei geäußert
war, haben Sie ganz falsch verstanden und der Geschichte einen mich tief
kränkenden Sinn untergeschoben. Sie kommen auch auf das Geld zu sprechen
und verbergen nicht Ihre Befürchtungen. Was diese letzteren betrifft, so
bin ich bereit, allen Ihren Wünschen und Forderungen nachzukommen, doch
möchte ich Sie heute nur kurz daran erinnern, daß das Geld, die 350
Rubel, von mir in der vorigen Woche ausdrücklich nur unter gewissen
Bedingungen von Ihnen genommen worden sind, und zwar nicht als Darlehn!
In diesem Falle hätten Sie von mir unbedingt einen Wechsel oder eine
Quittung erhalten. Zu einer Erörterung der weiteren von Ihnen
angeführten Punkte will ich mich nicht herablassen. Ich sehe, daß alles
nur auf einem Mißverständnis Ihrerseits beruht, erkenne darin Ihre
gewohnte Übereiltheit in der Beurteilung menschlicher Verhältnisse, Ihre
Hitzigkeit und rücksichtslose Offenheit. Ich weiß jedoch, daß Ihr
Gerechtigkeitssinn und Ihr ehrlicher Charakter nicht lange bei solchem
Mißtrauen verbleiben und Sie mir noch einmal als erster die Hand zur
Versöhnung reichen werden. Sie sind in einem Irrtum befangen, Iwan
Petrowitsch, in einem sehr großen Irrtum!
Doch ungeachtet dessen, daß Ihr Brief mich tief verletzt hat, wäre ich
als erster bereit, heute noch mit meiner Entschuldigung zu Ihnen zu
kommen, nur habe ich leider so viel zu tun – heute sogar noch mehr als
gestern – daß ich schon halbtot bin und mich kaum noch auf den Füßen zu
halten vermag. Zur Vollendung meines Unglücks hat sich nun auch noch
meine Frau zu Bett legen müssen: ich befürchte eine ernste Krankheit.
Was den Kleinen betrifft, so geht es ihm jetzt Gott sei Dank etwas
besser. Doch ich schließe ... Die Geschäfte wollen erledigt sein und ich
habe ihrer mehr als einen ganzen Berg!
Verbleibe, teuerster Freund,
Ihr usw.