II.

(Iwan Petrowitsch an Pjotr Iwanowitsch.)

Sehr geehrter Pjotr Iwanytsch!

Erhalte gestern Ihren Brief, lese ihn und staune! Sie suchen mich Gott

weiß wo und bei wem, während ich einfach zu Hause bin. Bis zehn Uhr

wartete ich auf Iwan Iwanytsch Tolokonoff, der aber nicht kam. Nach

Empfang Ihres Schreibens rief ich sogleich meine Frau – wir kleiden uns

an, ich nehme eine Droschke, scheue nicht die Ausgabe – und erscheinen

bei Ihnen gegen halb sieben. Sie aber – sind nicht zu Hause: wir werden

von Ihrer Frau empfangen. Ich warte bis halb elf. Länger kann ich nicht.

Nehme meine Frau, bezahle wieder eine Droschke, bringe meine Frau nach

Haus und begebe mich darauf allein zu Perepalkins, in der Hoffnung, Sie

vielleicht dort anzutreffen, sehe mich aber in meiner Annahme wieder

enttäuscht. Komme nach Haus gefahren, schlafe die ganze Nacht nicht,

rege mich auf, fahre am Morgen wieder dreimal zu Ihnen, um neun, um zehn

und um elf, stürze mich dreimal in Ausgaben, fahre hin und her, und

wieder lassen Sie mich mit einer langen Nase abziehen.

Als ich Ihren Brief las, wunderte ich mich nicht wenig. Sie schreiben

von Jewgenij Nikolajewitsch, bitten ihm eine Andeutung zukommen zu

lassen, erwähnen aber mit keiner Silbe, weshalb und warum. Vorsicht ist

ja freilich ganz lobenswert, aber mein Papier ist schließlich ebensoviel

wert, wie Ihres, von mir aber weiß ich wenigstens, daß ich wichtige

Papiere nicht meiner Frau zu Papilloten gebe. Ich begreife nicht, um es

endlich auszusprechen, in welchem Sinne Sie mir eigentlich dies alles zu

schreiben beliebt haben. Und überdies, da nun einmal die Rede davon ist:

weshalb ziehen Sie denn mich in diese ganze Angelegenheit hinein? Ich

habe keine Lust, meine Nase in alles und jedes hineinzustecken. Sie

können ihm doch ebensogut selbst eine Absage geben! Ich sehe vorläufig

nur das eine: daß ich mich mit Ihnen deutlicher auseinandersetzen muß.

Inzwischen aber vergeht die Zeit. Ich muß mich sehr einschränken und

weiß nicht, was ich tun soll, wenn Sie gewisse Bedingungen nebst Ihrem

Versprechen nicht aufrechterhalten. Die Reise läßt sich nicht

aufschieben, und Reisen kostet Geld. Außerdem quält einen noch die Frau,

die mit aller Gewalt einen Samtmantel nach der neuesten Mode haben will.

Was jedoch Jewgenij Nikolajewitsch betrifft, so beeile ich mich, Ihnen

folgendes zu bemerken: habe gestern, ohne viel Zeit zu verlieren, gleich

nochmals Erkundigungen über ihn eingezogen, als ich bei Pawel

Ssemjonytsch Perepalkin auf Sie wartete. Er besitzt rund 500 Seelen im

Jaroslawschen Gouvernement, und von der Großmutter hat er Aussicht, noch

ein Gut in der Nähe von Moskau mit 300 Seelen zu erben. Wieviel er an

barem Gelde besitzt, weiß ich nicht, denke aber, daß Sie hierüber selber

besser Bescheid wissen dürften. Bitte Sie ferner, mir endgültig Ort und

Zeit eines Zusammentreffens anzugeben. Sie schreiben, Iwan Andrejewitsch

habe Ihnen gesagt, daß ich mit meiner Frau im Alexandertheater

anzutreffen sei. Darauf kann ich nur erwidern, daß es Iwan Andrejewitsch

nicht sehr auf die Wahrheit anzukommen scheint und man ihm und seinen

Worten um so weniger Glauben schenken darf, als er noch vor nicht länger

als drei Tagen seine eigene Großmutter um achthundert Rubel betrogen

hat.

Habe die Ehre usw.

P. S. Meine Frau ist in anderen Umständen, außerdem ist sie schreckhaft

und zeitweilig zur Melancholie geneigt. In den Theatern aber wird auf

der Bühne zuweilen geschossen, oder künstlich, mit allerlei Maschinen,

Donner erzeugt. Und deshalb, um meine Frau nicht der Gefahr des

Erschreckens auszusetzen, besuche ich mit ihr keine Theater. Auch bin

ich selbst kein großer Liebhaber theatralischer Aufführungen.

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