XVII

An dem Spiel war außer dem betrunkenen Malinowski niemand mehr

interessiert.

Alle beschäftigte allein die Frage, was für ein Mädchen zu Sarudin

gekommen sei. Die, welche errieten, daß es sich um Lyda Ssanina handele,

waren unbewußt neidisch, und ihre Einbildung störte sie am Spiel, indem

sie ihnen Lydas ungekannte Nacktheit und ihre Intimitäten mit Sarudin

vorspiegelte.

Ssanin blieb nicht lange bei den Karten sitzen. Er stand auf und sagte:

»Ich mache nicht mehr mit! Auf Wiedersehen!«

»Warte, Bruder, wo willst du hin?« fragte Iwanow.

»Will mal hingehen und nachschauen, was da eigentlich passiert.« Ssanin

zeigte mit den Fingern auf die geschlossene Tür. Alle belachten seine

Worte als einen Scherz.

»Genug, den Hans Narr zu spielen! Komm, setz dich hin, genehmigen wir

einen.«

»Du bist selbst ein Hans Narr,« erwiderte Ssanin gleichgültig Iwanow und

ging hinaus.

Als er in eine schmale Gasse trat, in der saftige und dichte

Nesselsträucher wuchsen, machte er sich zunächst klar, wo sich die

Fenster von Sarudins Zimmer befinden mußten. Es gelang ihm, die

Nesselsträucher vorsichtig mit dem Fuße beiseite zu drücken; er kam bis

an den Zaun und kletterte elegant hinauf. Oben vergaß er fast, weshalb

er hinaufgeklettert war, so angenehm war es ihm, von dem hohen Platz

herab, auf das grüne Gras und den dichten Garten zu schauen und mit

allen von der Bewegung angespannten Muskeln, den frischen, weichen

Luftzug zu empfinden, der die Hitze milderte, und frei durch seine dünne

Bluse hindurchlief. Dann sprang er wieder hinab, trat in die Nesseln,

kratzte melancholisch die verbrannten Stellen und schritt durch den

Garten.

Er trat grade in dem Augenblick an das Fenster, als Lyda zu Sarudin

sagte: »Und haben Sie denn selbst nichts gemerkt? ...« Sofort verstand

er an dem seltsamen Tonfall ihrer Stimme, um was es sich handelte. Mit

den Schultern an die Wand gelehnt, blickte er in den Garten hinein und

lauschte doch interessiert den Stimmen, die durch die Erregung entstellt

waren. Es tat ihm um die schöne, in den Schmutz gezogene Lyda leid, zu

derem reizenden Bild das rauhe, tierische Wort schwanger so garnicht

paßte. Aber noch tiefer als der Inhalt ihres Gesprächs berührte ihn der

sonderbare und unsinnige Kontrast zwischen den erbosten Menschen im

Zimmer und der lichten Stille des grünen Gartens, die auch diesen

Menschen von der Natur gegeben war.

Ein weißer Falter schwebte leicht durch das Gras; sich in der sonnigen

Luft badend, senkte er sich und schwirrte wieder empor. Seinen Flug

verfolgte Ssanin ebenso aufmerksam, wie die Worte im Zimmer.

Als Lyda Rindvieh schrie, lachte Ssanin hell auf, prallte mit seinem

ganzen Körper von der Wand zurück und ohne daran zu denken, daß man ihn

sehen könnte, schritt er langsam durch den Garten. Eine Eidechse, die

gewandt seinen Weg kreuzte, lockte seine Aufmerksamkeit; sein Blick lief

lange hinter ihrem biegsamen Körperchen her, das elegant durch die

grünen Grasbüschel glitt.

Ssanin: Roman · 第 39 / 97 题