Zweites Kapitel

»Sie wollen wirklich alle Bücher verkaufen?!«

Der junge Student, der vor mir stand, blickte mich vorwurfsvoll an. Er

war gekommen, mir beim Ordnen der philosophischen Bibliothek meines

verstorbenen Mannes behilflich zu sein.

»Mit wenigen Ausnahmen, -- ja!« antwortete ich mit erzwungener Ruhe.

»Sie sehen selbst: in der neuen Wohnung fehlt es an Platz für sie, --

und außerdem werde ich sie kaum je benutzen. Ich werde mit Überlegung

einseitig!« Dabei wies ich lächelnd auf die dickleibigen

Fabrikinspektorenberichte, die vor mir lagen. Er begab sich stumm,

gesenkten Kopfes an die Arbeit. Wie herzlos, daß ich Georgs geliebte

Bücher verkaufte, dachte er jetzt gewiß. Durfte ich ihm sagen, daß ich

sie verkaufen mußte? Daß ich gestern mit dem letzten, was ich besaß,

Georgs Grabdenkmal bezahlt hatte, -- einen schönen hohen Marmorblock,

auf dem in großen goldenen Lettern sein Wahlspruch stand, der nun auch

der meine war: »Wir leben durch die Menschen, laßt uns für die Menschen

leben.«

Mama hatte mir eben aus Pirgallen entrüstet über meine Verschwendung

geschrieben: »Ein schlichter Stein mit Georgs Namen wäre ausreichend

gewesen.« Ich lächelte unwillkürlich. Arm sind doch nur die Menschen,

die niemals verschwenden können! Ich war ja sonst so schrecklich

vernünftig. Treppauf, treppab war ich seit meiner Rückkehr aus England

gelaufen, um eine Wohnung zu finden, die meinen Mitteln entsprach. In

einem Hof der Kleiststraße, drei Treppen hoch, hatte ich sie endlich

gefunden: zwei Zimmer mit dem Blick auf eine Mauer, die eine riesige

gemalte Schweizer Landschaft schmückte. Zu allerhand öder

journalistischer Tagesarbeit hatte ich mich verpflichtet, um in der

übrigbleibenden Zeit meiner Aufgabe leben zu können. In vier Wochen zog

ich um, bis dahin mußte auch sie festere Gestalt gewinnen.

Ich hatte mich zunächst schriftlich an eine Anzahl hervorragender

Politiker und Sozialpolitiker gewandt, bei denen ich ein Interesse für

die Sache voraussetzen konnte, und ihnen meinen Plan eines

Zentralausschusses für Frauenarbeit auseinandergesetzt. Sehr höflich,

sehr zuvorkommend hatten sie mir geantwortet. »Ihr Plan hat meine volle

Sympathie,« schrieb mir eben Theodor Barth. »Ich habe nur Bedenken, ob

er sich in seinem vollen Umfang in absehbarer Zeit durchführen läßt.

Nach meinen Erfahrungen scheitern sehr viele an sich vortreffliche

Reformbestrebungen gerade daran, daß das Ziel von vorn herein zu weit

gesteckt ist. Meines Erachtens sollte man zunächst einmal an eine

Sammlung und Sichtung von Material, die Bedingungen der Frauenarbeit

betreffend, herangehen, wie das sub 1 Ihres Programms ja auch in

Aussicht genommen ist. Unternehmer und Arbeiter müßten allerdings

zusammenwirken und Vorurteile -- speziell auch gegen die

Sozialdemokratie -- dürften keine Rolle spielen ... Leider ist meine

Arbeitskraft schon anderweitig so stark in Anspruch genommen, daß ich

wohl mitraten, aber nicht mittaten kann ...«

Diesen Satz enthielt noch jeder Brief, den ich erhalten hatte. Warnungen

vor der Gefahr sozialpolitischer Dilettantenarbeit, Besorgnisse, Wasser

auf die Mühlen der Sozialdemokratie zu treiben, bedenkliche Fragen nach

der finanziellen Fundierung des Unternehmens wiederholten sich oft. »Auf

alle Fälle ist der Zeitpunkt schlecht gewählt,« hieß es in einem

Schreiben, das Dr. Jacob, mein alter Gegner aus der Ethischen

Gesellschaft, an mich richtete, »jetzt, im Jubiläumsjahr, wo das

unverantwortliche, antipatriotische Verhalten der Sozialdemokratie

selbst solche Kreise erbittern muß, die vielen ihrer Forderungen

sympathisch gegenüberstanden, ist nicht der Augenblick, um zu

gemeinsamer Arbeit aufzurufen. Ich bezweifle auch, daß Sie Kapitalien

finden, die Ihnen zu solchem Zweck die immerhin recht erheblichen Mittel

zur Verfügung stellen werden.« Und Frau Schwabach, die einzige unter den

Frauenrechtlerinnen, der ich ein ernsteres Verständnis der Sache

zutraute, war gleichfalls voller Bedenken gewesen. »Wir müssen zuerst

die Peinlichkeiten ausbilden, die zu solcher Arbeit fähig sein sollen,«

hatte sie gesagt. Das alte Lied, das die Gewissen einlullt, das

Selbstvertrauen betäubt und die Schuld trägt, wenn vor lauter

Vorbereitung zur Tat die Tat selbst von einem Tage zum andern verschoben

wird.

Heute nun erwartete ich Martha Bartels mit zwei ihrer Freundinnen --

Arbeiterinnen wie sie --, um ihr Urteil zu hören und ihren Rat, der mir

der weitaus wichtigste erschien, zu erbitten.

»Sie müssen für heute aufhören, mein lieber Schmidt,« wandte ich mich an

den Studenten, der vor den letztem Regalen des Bücherschranks hoch oben

auf der Leiter stand, »es ist unverantwortlich von mir, daß ich Ihre

Kraft und Zeit schon so lange in Anspruch nehme.«

Er fuhr, wie aus einem Traum erwachend, zusammen und strich sich die

dichten schwarzen Haare aus der heißen Stirn.

»Muß ich wirklich schon fort?« Hastig wandte er sich um und rieb die

roten, knochigen Hände wie fröstelnd aneinander. Ich nickte, denn schon

hörte ich draußen die Klingel. Langsam stieg er die Leiter hinab.

»Ach, -- wenn ich doch wirklich etwas für Sie tun könnte --,« damit

senkte er den Kopf tief auf meine Hand.

In dem Augenblick öffnete sich die Türe, und die drei Frauen traten ein.

Sie sahen uns, wechselten sekundenlang einen vielsagenden Blick, ein

leises spöttisches Lächeln kräuselte die Lippen der einen, der großen,

hageren; -- ein Gefühl, als hätte mich jemand mit Schmutz beworfen,

beschlich mich. Flüchtig erinnerte ich mich, daß meine Mutter die

Anwesenheit eines jungen Herrn bei mir, der Witwe, für unpassend erklärt

hatte, -- aber waren nicht diese Frauen Vorkämpferinnen einer freien

Weltanschauung?! Ich richtete mich gerade auf, zog meine Hand aus der

sie noch immer umklammernden; mit einer ungeschickt eckigen Verbeugung

drückte sich der junge Student an den neuen Gästen vorbei zur Türe

hinaus.

Bei Kaffee und Kuchen überwanden meine Besucherinnen die erste

Verlegenheit. Sie hatten sich in den besten Sonntagsstaat geworfen und

saßen kerzengerade auf den weichen Lehnstühlen; bei jeder Bewegung

krachten die engen Taillen ihrer schwarzen Kleider, und die vielen

bunten Blumen auf ihren Hüten schwankten hin und her. Nur Martha

Bartels, die nicht zum ersten Male hier war, gab sich ungezwungener.

Irgend etwas in dem Gesicht der kleinen Näherin hatte sich seit unserem

letzten Zusammensein verändert.

»Nun, Genossin Glyzcinski, was haben Sie uns Gutes mitzuteilen,« sagte

sie mit einem leisen gönnerischen Ton in der Stimme, den sie damals noch

nicht gehabt hatte, als sie mich »Frau von Glyzcinski« nannte. Freilich,

sie hatte ja im Grunde ein Recht dazu, ich war ja jetzt nur eine Novize

in ihren Reihen --, dachte ich und bezwang die gereizte Stimmung, die

sich meiner zu bemächtigen drohte.

Mit steigendem Eifer, an der eigenen Sache mich erwärmend, setzte ich

ihnen meine Pläne auseinander. »Ich brauche dabei Ihre Mitarbeit,«

schloß ich; »wir können für die Arbeiterinnen nichts tun, was nicht mit

ihnen geschieht --«

Tiefe Stille. Die drei löffelten in ihren Kaffeetassen, stießen einander

unter dem Tische an und wollten nicht mit der Sprache heraus. »Ja --,«

meinte Martha Bartels schließlich gedehnt, »das ist ja alles ganz schön

und gut, aber was uns das eigentlich angeht --! Wir wissen doch längst,

wie's bei uns aussieht, und um die Neugierde der Bourgeoisdamen und

-herren zu befriedigen, oder sie gar in unseren Organisationen

herumstänkern zu lassen, -- dazu sind wir nicht da.«

Frau Resch, die Hagere, nickte eifrig und warf mir einen giftigen Blick

zu. Frau Wiemer, ein rundliches Frauchen mit gutmütigen braunen Augen,

drehte sich hastig auf dem Stuhle um, so daß die Sprungfedern knackten.

»Da bin ich nun ganz und gar anderer Meinung,« rief sie, »wir wären

schön dumm, wenn wir so eine Unterstützung von der Hand weisen wollten.

Wir haben, weiß Gott, keinen Überfluß an Kräften, und wenn wir sie noch

dazu nach unserem Gutdünken benutzen können --«

Martha Bartels trommelte mit den zerstochenen Fingern auf dem Tisch. »In

meinem Kreis, Genossin Wiemer, kann ich dafür keine Stimmung machen,«

sagte sie scharf.

»Na, was das schon ist: Ihr Kreis. Ein halb Dutzend Frauen haben Sie

neulich in der Versammlung zur Vertrauensperson gewählt, -- das macht

den Kohl nicht fett!« spöttelte die Angeredete. »Die Männer haben,

gottlob, auch noch ein Wörtchen mitzureden!«

Frau Resch kicherte: »Sie freilich meinen immer, Sie haben die Männer am

Bändel --!«

Stumm, in wachsender Verblüffung hörte ich der Debatte zu, die sich mehr

und mehr ins Persönliche verlor.

»Im übrigen: was ereifern wir uns,« sagte Martha Bartels endlich,

während sie sich mit hochrotem Gesicht in den Stuhl zurücklehnte. »Zu

allererst werden wir doch Genossin Orbins Urteil hören müssen.«

Die Frauen verstummten. Wanda Orbin: das war die anerkannte Führerin der

Arbeiterinnen-Bewegung, eine Frau, die ich aus der Ferne schon längst zu

bewundern gelernt hatte. Mit der aufreizenden Leidenschaftlichkeit ihrer

Rednergabe vermochte sie alles mit sich fortzureißen.

Meine Gäste verabschiedeten sich, kühl und verlegen. Nur Frau Wiemer

schüttelte mir kräftig die Hand und zögerte beim Hinausgehen. »Wir reden

noch mal miteinander -- unter vier Augen,« flüsterte sie.

Enttäuscht -- mutlos blieb ich zurück. Tiefes Verständnis, freudige

Zustimmung, warme Kameradschaftlichkeit hatte ich erwartet --!

Am nächsten Morgen kam ein Brief von Martha Bartels: »Seit gestern weiß

ich nicht, ob Sie wirklich unsere Genossin sind. Was Sie da vorschlagen,

das kann jede Frauenrechtlerin auch. Es zeigt, daß Sie mit der

bürgerlichen Gesellschaft noch nicht gebrochen haben, und deshalb können

wir kein rechtes Vertrauen gewinnen. Ich sehe nun, daß man immer unrecht

tut, wenn man den schönen Gefühlen der Bourgeoisdamen Glauben schenkt.«

Hatte sie zu ihrer Enttäuschung nicht ein größeres Recht als ich zu der

meinen? War mein ganzes Verhalten nicht wirklich ein Rückzug? Versuchte

ich nicht, nach links und rechts Konzessionen zu machen, damit ich nur

selbst fein säuberlich auf dem normalen Mittelweg mich erhalten konnte?

In meinen Hoffnungen und Wünschen sehr herabgestimmt, machte ich mich in

den nächsten Tagen auf den Weg, um die Führer der sozialdemokratischen

Partei aufzusuchen, bei denen ich mich schon angekündigt hatte.

Ich ging zuerst zu Liebknecht. Er wohnte draußen in der Kantstraße, wo

inzwischen das neue Berlin aus der Erde schoß wie eine wildwuchernde

Urwaldpflanze. In der Tauentzienstraße, die vor fünf Jahren nicht viel

mehr als ein breiter Feldweg gewesen war, reihte sich ein Neubau an den

andern, -- hohe vier- und fünfstöckige Häuser, mit lauter Wohnungen zu

neun bis zwölf Zimmern. Wo kam der Reichtum nur her, der so üppig zu

wohnen vermochte? dachte ich. Und weiter nach dem Westen zogen sich

Straßen und Straßen hinaus, -- lange Spinnenarme, die über die Felder

griffen bis fernhin, wo der Grunewald, eine schwarze schmale Linie, am

Horizont auftauchte. Ratternd und fauchend bewegte sich die

Dampfstraßenbahn den Kurfürstendamm hinauf ihm entgegen. Wie viel kleine

gemütliche einstöckige Häuschen zwischen Birkenwäldchen und

Kartoffelfeldern waren der Spitzhacke hier zum Opfer gefallen! Und der

Riesenbaum, der an der Straßenkreuzung ein Wahrzeichen der Gegend

gewesen war hatte einer Kirche weichen müssen. Gut, daß er fiel, dachte

ich; wie hätten die Mauern den alten Recken beengt, wie hätte seine

trotzige, rauhe Schönheit ihre Fassadenpracht Lügen gestraft. Die Kirche

hatte sich noch immer ihrer Umgebung angepaßt, auch hier hatte sie sich

zu ihr nicht in Widerspruch gesetzt.

In die Kantstraße bog ich ein. Dicht an der Stadtbahnbrücke, im dritten

Stock, wohnte Liebknecht. Er empfing mich vor einem alten Schreibpult in

seinem winzigen Arbeitszimmer, das vollgestopft mit Papieren und

Zeitungen war, so daß dazwischen kaum ein freier Raum zum Treten übrig

blieb. Sein hartgeschnittenes Gesicht mit den tiefen Furchen, dem Blick,

der unter buschigen Brauen wie abwesend über einen hinwegsah, den wirren

dunkeln Haaren über der hohen geraden Stirn, dem grauen ungepflegten

Bart um das breite Kinn und den seltsam schiefstehenden großen Mund,

dazu der Rock, der an den Ellbogen und auf dem Rücken speckig glänzte,

das Hemd darunter mit dem weichen halboffenen Umlegekragen, die

ausgetretenen Pantoffeln an den graubestrumpften Füßen, -- das alles

wirkte zunächst wenig anziehend. Dann gab er mir flüchtig die Hand, die

weich und zart war, -- ich mußte ihn wirklich noch einmal betrachten, um

zu glauben, daß sie diesem Manne gehörte. Sie gab mir Mut zu reden, ich

wäre ohne sie am liebsten wieder umgedreht. Ich erzählte ihm auch von

meinen Erfahrungen mit den Frauen. Er lächelte mit einem gutmütigen

Spott in den Augen. »Soll ich Ihnen einen wirklich freundschaftlichen

Rat geben?« sagte er. »Kümmern Sie sich nicht um sie, wenn Sie was

erreichen wollen. Die sind noch rückständiger als die Männer, können gar

nicht anders sein. Wo sollen sie auch die Erkenntnis hernehmen, die

armen Weiber?! Schon alles mögliche, wenn sie rein aus ihrem

proletarischen Instinkt heraus gute Parteigenossinnen sind.«

Vergebens suchte ich ihn bei meinem Thema festzuhalten, es interessierte

ihn offenbar nicht; dagegen rief der Name England eine Flut von

Gedankenverbindungen in ihm wach. Er glaubte meinen rettungslos

bourgeoisen Standpunkt daran zu erkennen, daß ich zwar mit Burns und den

Fabiern, nicht aber mit Hyndman und der sozialdemokratischen Föderation,

die allein den Marxismus in England repräsentierten, verkehrt habe. Mit

den sprunghaften Übergängen eines glänzenden Geistes, der weder die

Fähigkeit hat, auf die Interessen des anderen einzugehen, noch die

Fähigkeit, sich in eine Frage zu vertiefen, kam er von da auf unsere

auswärtige Politik zu sprechen, auf das berechtigte Mißtrauen Englands

den offenbaren Weltmachtgelüsten unseres Kaisers gegenüber, auf Rußland,

an das wir um so näher uns anschließen würden, je weiter wir von

England abrückten, auf den künstlich ausgepeitschten Hurrapatriotismus

der Kriegserinnerungsfeiern der Gegenwart, der letzten Endes nur dazu da

sei, gegen die Sozialdemokratie mobil zu machen und die gescheiterte

Umsturzvorlage in anderer Form wieder aufleben zu lassen.

Mir war diese Gesprächswendung unbehaglich. Gut, daß ich, ohne

aufzufallen, schweigen konnte. Hafteten die Eierschalen der

Vergangenheit noch so fest an mir, daß die Artikel des »Vorwärts« über

die Gedenkfeiern an den »brudermörderischen Krieg« mir das Blut in

Wallung brachten? Sie vertraten doch zweifellos Menschlichkeit und

Gerechtigkeit in weit höherem Maße, als all die mit Orden und Bändern

behängten Kriegervereinler, die sich wie die Wilden an der blutigen

Unterdrückung eines Nachbarvolkes noch in der Erinnerung berauschten.

Liebknecht war in seiner Gegnerschaft gegen jede Art von Chauvinismus

ein Fanatiker. »National gesinnt ist meines Erachtens nur, wer das Recht

und das Wohl anderer Nationen ebenso zu achten weiß, wie das der

eigenen,« sagte er. Und mir wurde bewußt: er fühlte international,

während ich nur die Idee der Internationalität kühl verstandesmäßig

anerkannte. Ich sprach das aus, und er nickte eifrig: »Natürlich, -- das

ist der Unterschied, -- und der kommt zum großen Teil daher, daß das

Jahr 48 und das Sozialistengesetz mir das Vaterland nahmen und die Welt

zur Heimat machten. Auch der Proletarier, der nichts besitzt, und der

Arbeit über alle Grenzen hinweg nachrennen muß, ist von Herzen

international, und die Hammerstein und Konsorten,« -- er lachte

boshaft --, »die sich vom Vaterland den Schmerbauch mästen lassen,

predigen uns Verruchten Patriotismus!« Er unterbrach sich und stand auf.

Ich wollte gehen »Daraus wird nichts, -- nun müssen Sie noch bei meiner

Frau Kaffee trinken.«

Ich wurde ins Wohnzimmer geführt. Bei Frau Major X. in Bromberg und bei

Frau Hauptmann Z. in Brandenburg war es nicht viel anders gewesen --,

nur daß hier statt der Familienbilder die von Marx, Engels und Lassalle

an den Wänden prangten, statt des Stichs der Sixtina Walter Cranes

Maifestzug, und ich damals noch nicht in die rechte Sofaecke genötigt

wurde. Frau Liebknecht war die typische Gouvernante aus vornehmen

Häusern, der Bildung und Lebensform nicht die Haut war, sondern das

Kleid. Ihm war ich irgendwer gewesen, ihr: »Frau von Glyzcinski.«

Es dämmerte schon, als ich mit ihm das Haus verließ. Er ging in seine

Redaktion, ich in die Ansbacherstraße, wo ich die Eltern aus Pirgallen

zurückerwarten sollte. »Und für meinen Plan kann ich auf Ihre

Unterstützung nicht rechnen?« fragte ich nun doch noch einmal. Er blieb

stehen. »Meine Unterstützung?! Das würde keinem von uns nützen.

Überlegen Sie sich's selbst noch mal, ob er Ihrer eigenen Unterstützung

wert ist!«

* * * * *

Die Stimmung war keine rosige, in der ich Eltern und Schwester empfing,

und auch sie schienen erregt und niedergeschlagen: Mama hatte die Lippen

fest zusammengekniffen, so daß sie nur noch wie ein schmaler, blasser

Strich erschienen, der Vater war feuerrot im Gesicht und räusperte sich

ununterbrochen, Ilschen hatte verweinte Augen. »Alles ging so gut,«

flüsterte sie mir hastig zu, als die Eltern ins Zimmer getreten waren,

und hielt mich im Flur zurück, »da kam es gestern abend wegen der dummen

Hammerstein-Geschichte zu einer Auseinandersetzung zwischen Onkel Walter

und Papa. Das Vertuschungssystem sei unanständig, sagte er, während

Onkel es für notwendig erklärte im Interesse der Partei. Schließlich

schimpfte Papa -- du kannst dir denken, wie --, und Onkel sagte, Papa

habe sich wohl bei seiner Tochter, der 'Genossin', angesteckt, -- ein

Wort gab das andere, Onkel zeigte Papa schließlich die Kreuz-Zeitung mit

der Notiz über dich -- --«

»So, -- nun haben wir miteinander zu reden --,« unterbrach meines Vaters

vor Erregung rauhe Stimme die Schwester. Es war ein förmliches

Verhör ...

»Mitglied der sozialdemokratischen Partei bin ich noch nicht --,« sagte

ich. Er lehnte sich tief aufatmend mit geschlossenen Augen in den Stuhl

zurück. Ich wollte fortfahren. Er wehrte mit beiden Händen ab: »Genug --

genug! Mehr will ich nicht hören -- mehr nicht!« Dann erhob er sich

schwerfällig, ging zum Schreibtisch und setzte ein Telegramm auf: »Baron

Walter von Golzow, Pirgallen. Ich habe Alix' Wort. Verlange nunmehr von

dir Ehrenerklärung. Hans.« Ich wollte widersprechen, -- des Vaters

rotunterlaufene Augen blitzten mich herrisch an, Ilse faltete hinter ihm

mit bittender Gebärde die Hände --, ich schwieg. War es Feigheit? War es

Rücksicht? Oder nichts als schlaffe Ermüdung?

Beim Abendessen wurde mir mitgeteilt, daß die Gartenwohnung auf

derselben Etage frei geworden sei. »Wir hätten andernfalls umziehen

müssen, nun ersparen wir das, und du ziehst einfach hierher,« sagte der

Vater; »dann haben wir Alten wieder unsere beiden Töchter,« fügte er mit

einem Anflug liebevoller Heiterkeit hinzu und streckte mir über den

Tisch die Hand entgegen. Nur zögernd legte ich die meine hinein.

»Sehr gütig, Papa, daß du an mich dachtest, aber ich habe schon eine

Wohnung.« Er brauste wütend auf. Schweigend ließ ich den Wortschwall

über mich ergehen.

»Ich habe euch meine Überzeugung geopfert,« sagte ich dann fest, »meine

Freiheit opfere ich euch nicht ...«

Durch die sternenlose Augustnacht ging ich nach Hause. Über die

menschenleere Straße schwankten ein paar Betrunkene. Wie fürchtete ich

mich sonst vor ihnen, -- gleichgültig schritt ich heute vorbei, --

meinetwegen hätten sie mit mir tun können, was sie wollten. Ich war ja

gar nicht ich, nur ein Schatten dessen, das einst lebendig war. In

meiner einsamen dunkeln Wohnung warf ich mich angekleidet aufs Bett und

grübelte stumpfsinnig dem einen Gedanken nach: Warum ich eigentlich den

Morgen erwarten müßte -- und den Tag -- und wieder einen Tag, und so in

endloser Reihe die ganze Leere des Lebens?!

* * * * *

In meinen stillen Zimmern lastete die Luft auf mir. Die Sonne strahlte

durch die grünumsponnenen Fenster, über die lachenden Gärten, -- wäre

ich nur erst in meinem neuen Heim, wo ich nichts sah, als eine gemalte

Landschaft! Von innerer Unruhe getrieben, lief ich in der Stadt umher,

blieb vor den Schaufenstern stehen und ertappte mich auf einem halb

unbewußten Verlangen nach hellen Kleidern. Ich saß allein vor dem alten

verräucherten Kaffee Josty und sah über den Potsdamer Platz hinweg den

Menschen nach, die schwatzten und lachten und kokettierten, und unter

die ich mich nicht mischen durfte. Ein Gefühl von wohliger Wärme überkam

mich, wenn bewundernde Blicke mich trafen, -- ach, und Sehnsucht packte

mich, unbändige Sehnsucht nach Lebensfreude.

Damals begegnete mir Graf Oer, einer meiner alten Tänzer; er hatte den

schlechtesten Ruf und war doch einer der verwöhntesten Männer der

berliner Gesellschaft. Eine aufreizende, schwüle Atmosphäre verfeinerter

Sinnenlust umgab ihn; schon sein forschender Blick aus halbgeschlossenen

Augen, sein weicher, langsamer Händedruck ließ die Frauen erröten, denen

er sich näherte. Mir gegenüber war er ganz teilnehmender Freund. »Ihre

Blässe erhöht zwar nur Ihren Reiz, schönste Frau,« sagte er, »aber im

Verein mit Ihrer sylphidenhaften Gestalt« -- seine Blicke wanderten

förmlich über meinen Körper -- »finde ich sie beängstigend. Sie brauchen

Sonnenweide wie ein Rassepferd. Was meinen Sie, wenn ich Ihnen täglich

ein paar Stunden lang meinen Wagen schicke und Sie in den Grunewald

fahre oder nach Wannsee?« Trotz meiner Ablehnung, die nicht sehr

energisch gewesen sein mochte, hielt sein elegantes Juckergespann am

nächsten Morgen vor meiner Türe. War das wonnig, so in den jungen Tag

hineinzurollen; mit geschlossenen Augen vorbei an den öden Feldern des

Kurfürstendamms, in den Grunewald hinein, dessen vereinzelte Villen sich

rasch verloren, bis zu dem kleinen Försterhaus am stillen See, in dem

die Sonne sich, ihrer Schönheit froh, eitel bespiegelte. »Wie Sie

genießen können!« sagte Graf Oer, als wir beim Frühstück im Gärtchen

saßen. »Und Sie wollen lebendigen Leibes ins Kloster gehen! Die Welt ist

so schön und wartet nur darauf, Sie zu empfangen, -- lassen Sie mich Ihr

Führer sein --« Ich fühlte seine feuchten, kühlen Lippen auf meiner

Hand, sein Knie dicht an dem meinen, -- ein unbezwinglicher Ekel

schnürte mir die Kehle zusammen. Ich sprang auf, raffte mein Kleid und

verließ ohne ein Wort, ohne einen Blick den Garten. Waren Genuß und

Gemeinheit Zwillingsgeschwister, so wollt' ich wahrlich ins Kloster

gehen!

* * * * *

Zu Hause erinnerte mich ein Brief an den letzten und wichtigsten Besuch,

den ich im Interesse des Zentralausschusses machen wollte: bei Bebel. Er

lud mich zum Mittagessen ein, »dabei läßt sich am besten besprechen, was

Ihnen am Herzen liegt und mich lebhaft interessiert.«

In der Großgörschenstraße wohnte er, einer jener neuen Straßen, die jede

Fassadenpracht verschmähte und deren üppiger Blumenschmuck verriet, daß

die vielen kleinen Balkons die Sommerfrische ihrer Bewohner waren.

Ein lächelndes Dienstmädchen in blendend weißer Schürze öffnete mir auf

mein Läuten an der blank geputzten Klingel. Ein leichter Geruch nach

frischer Seife drang mir entgegen, und in dem hellen Zimmer, das ich

betrat, blinkte die Politur der Möbel, daß sich die Bilder an den Wänden

darin spiegelten. Die vollkommenste Einfachheit herrschte hier, jede

Spur künstlerischer Kultur fehlte, aber es fehlte auch jeder Versuch,

Nichtvorhandenes vortäuschen zu wollen. Die kleine, runde Frau, die mich

herzlich willkommen hieß, mit der schwarzen Schürze über dem schlichten

Kleid, den von Güte strahlenden Zügen unter den glatten Scheiteln, war

wie ein Teil dieses Raumes. Sie nötigte mich in den Lehnstuhl neben dem

Nähtischchen am Fenster, meine Hand fest in der ihren haltend.

»So eine arme, junge Frau,« sagte sie mitleidig; »ich mußte oft an Sie

denken und an Ihre Einsamkeit, -- ich wäre längst bei Ihnen gewesen,

wenn ich nicht gefürchtet hätte, zudringlich zu erscheinen.« Mir wurden

die Augen feucht, -- meiner Einsamkeit hatten sich auch die Nächsten

nicht erinnert. Mit jener Kunst verständnisvollen Zuhörens, die selbst

die beste Erziehung nicht zu geben vermag, wenn die Teilnahme des

Herzens fehlt, ließ sie sich von meinen kleinen Wohnungs- und

Wirtschaftskümmernissen erzählen. »Was, im Wirtshaus essen Sie --?!« Sie

schlug die Hände erstaunt zusammen. -- »Kein Wunder, daß Sie so blaß und

schmal werden; ordentlich herausfuttern müßte man Sie --«

Bebel trat ein, mit einem raschen, elastischen Schritt, die glänzenden

Augen gerade auf mich gerichtet, während ein Büschel Haare ihm keck, wie

bei einem Knaben, in die Stirne fiel. Von einer breiten Hand -- zu

schwer fast für den schmächtigen Körper -- fühlte ich meine Finger

umschlossen. »Ich freue mich Ihres Besuchs --,« seine Stimme klang im

Zimmer viel weicher und voller als auf der Rednertribüne, »-- nicht mehr

allein, weil Sie Glyzcinskis Witwe sind. Nach dem Schriftstück hier --,«

er hielt das Programm des Zentralausschusses in der Hand, »-- haben wir

von Ihnen viel Gutes zu erwarten.«

Er nötigte mich in sein Arbeitszimmer, einen kleinen Raum mit wenigen

gestrichenen Holzmöbeln, blank gescheuerter Diele und musterhafter

Ordnung. Wir erörterten alle Einzelheiten meines Plans.

»Sie können mit Ihrer Arbeit da einspringen, wo die Regierung nicht

eine, sondern hundert Lücken gelassen hat. Unsere Beteiligung freilich

wird sich wohl nur auf Ratschläge beschränken.«

»Damit ist mir nicht gedient!« rief ich. »Wie können wir in die Arbeits-

und Lebensverhältnisse der Arbeiter Einblick gewinnen, wenn Sie uns

nicht die verschlossenen Türen öffnen.«

»Ja, glauben Sie, ich wäre der liebe Gott?!« lachte er. »Ich könnte etwa

den Gewerkschaften befehlen, Ihren Bestrebungen Vertrauen

entgegenzubringen, oder gar unseren Frauen!!«

Wir wurden zu Tisch gerufen. Kein Diner hatte mir je so gut gemundet wie

dieses einfache Mittagsmahl. Die besten Stücke wurden mir auf den Teller

gehäuft.

»Sehen Sie, wie's schmeckt, wenn man nicht trübselig allein an einer

schmuddeligen Wirtstafel sitzt!« sagte Frau Bebel, befriedigt über

meinen Appetit. Sie schwieg sonst meist. Nur wenn der lebhafte Gatte gar

zu heftig irgendeinen Gegner angriff, warf sie ein paar besänftigende

oder entschuldigende Worte ein, und als er gegen die Junker wetterte,

sah sie zuerst ihn, dann mich vielsagend an.

»Ach soo --,« er unterbrach sich ein wenig verlegen, »-- Sie gehören ja

am Ende auch zu ihnen! -- Aber mein Schimpfen ist wahrscheinlich

ein sanftes Flötenspiel gegen die Töne, die angesichts der

Kreuzzeitungsaffäre in Ihren eigenen Kreisen angeschlagen werden. Der

Fall Hammerstein, diese Dekouvrierung eines der Edelsten und Besten,

kommt den privilegierten Beschützern von Religion und Sittlichkeit

gerade jetzt gewaltig in die Quere. Und die Sache ist noch lange nicht

zu Ende, -- die ganze Kreuzzeitungspartei, die den jungen Kaiser vor ein

paar Jahren als Zugpferd vor ihren eignen Wagen spannen wollte, wird

daran glauben müssen.« Er verbreitete sich, immer lebendiger werdend,

über die politische Lage und die nächsten Zukunftsaussichten. Er sah

überall Symptome für den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft,

und auf der anderen Seite Etappen zum Siege des Sozialismus. »Die

Weltmachtpolitik, die, einmal begonnen, nicht mehr aufzuhalten sein

wird, ist der Anfang vom Ende. Sie appelliert zwar an die stärksten, an

die brutalen Instinkte, aber sie führt schließlich mit Notwendigkeit zur

Auspowerung der Massen und treibt sie uns damit in die Arme, --

gewisser, als alle Agitation von unserer Seite es vermöchte. Selbst ein

möglicher Weltkrieg zwischen den Kolonialmächten wäre nur der Auftakt

der Revolution.«

Ich dachte an Shaw und seine unbedingte Gegnerschaft zu dieser ans

Fatalistische streifenden Auffassung von der Entwicklung zum Sozialismus

und warf in diesem Sinn eine bescheidene Frage in die Unterhaltung:

»Stehen wir nicht in Gefahr, als bloße Zuschauer die Hände in den Schoß

zu legen, wenn uns die Naturgesetzlichkeit des Sozialismus so zweifellos

fest steht?«

»Ein Einwurf, der nach dem Katheder schmeckt! Müssen wir nicht die

Menschen für diese Entwicklung vorbereiten?«

»Also ist alle Gegenwartspolitik der Partei nie Selbstzweck --?«

»Sondern nur Mittel zum Ziel,« rief er lebhaft, »und ihr Wert ist nur

von diesem Gesichtspunkt aus zu bemessen!«

»Wie habe ich danach Ihr Interesse für meinen Plan einzuschätzen?« frug

ich lächelnd. »Als bloße Höflichkeit etwa?!«

»Treiben wir Sozialpolitik aus Höflichkeit?! Doch nur, weil eine

gesunde, kräftige Arbeiterschaft, die Zeit hat zum Denken und zum

Wirken, die Armee ist, die wir haben müssen.«

Ich streifte mechanisch die Handschuhe über die Finger. Mein Herz schlug

in dem raschen Takt der Melodie, die dieser Mann angeschlagen hatte. Der

Glaube an die Sache --, das war das Unüberwindliche in ihr. An der Tür

hielt mich Bebel noch einmal auf: »Ich rate Ihnen, wenn Sie irgend etwas

im Kreise unserer Genossinnen erreichen wollen, -- setzen Sie sich mit

Wanda Orbin in Verbindung. Am besten, fahren Sie zu ihr. Ist sie gegen

Ihren Plan, so haben Sie alle miteinander gegen sich!«

Noch am selben Abend schrieb ich an Frau Orbin, um ihr meinen Besuch

anzukündigen; zugleich bat ich sie, in ihrer Zeitschrift, der

»Freiheit«, meine Idee zur Diskussion stellen zu dürfen. Sie antwortete

umgehend, aber was sie schrieb, klang wenig ermutigend: Wenn mein Weg

mich über Stuttgart führe, so würde ihr mein Besuch willkommen sein; zu

einer Reise, eigens ihretwegen, könne sie mir jedoch nicht raten, da sie

zwecklos sein würde; von einer Veröffentlichung meines Plans in ihrer

Zeitschrift könne auch keine Rede sein: »... die 'Freiheit' ist ein rein

sozialdemokratisches Blatt, an dem ich grundsätzlich nur solche

Mitarbeiter zulasse, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen.«

Trotzdem beschloß ich, zu ihr zu fahren, und wäre es nur, um die

Bekanntschaft dieser Frau zu machen, deren Leben und deren

Persönlichkeit ein wahrhaft vorbildliches zu sein schien. Bebel, den ich

in dieser Zeit öfter sah, erzählte mir viel von ihr: wie sie sich mit

Peter Orbin, einem russischen Sozialisten, in freier Ehe verbunden habe,

ihm nach Paris in Elend und Verbannung gefolgt sei und das schwere

Siechtum, das über ihn hereinbrach, jahrelang vor ihren Freunden zu

verstecken verstand, indem sie in seinem Namen korrespondierte, in

seinem Namen Artikel schrieb und mit zwei kleinen Kindern und dem

kranken, ständiger Pflege bedürftigen Mann nicht nur das tägliche Brot

für alle schaffte, sondern auch imstande war, für die Partei

unermüdlich zu agitieren. Mir schwindelte vor dieser Leistungskraft;

meine Schmerzen, meine Kämpfe schrumpften davor kläglich zusammen.

»Ihre Nerven freilich hat sie dabei ruiniert,« fügte Bebel schließlich

hinzu.

An einem Abend hatte ich Liebknechts und Bebels zu mir geladen. Längst

erloschene Gesellschaftsvorfreuden empfand ich wieder in der Erwartung

dieser Gäste. Zum erstenmal vermißte ich schmerzlich all die vielen

graziösen Geräte, mit denen ich als Haustochter die Festtafel zu

schmücken verstand, -- ich hatte nicht einmal genug Messer und Gabeln!

Schweren Herzens entschloß ich mich, bei den Eltern zu borgen, was am

notwendigen fehlte.

»Du gibst Gesellschaften?« frug Mama erstaunt. »Kaum ein halbes Jahr

nach dem Tode deines Mannes?!«

»Nur ein paar Interessenten meines Zentralausschusses --,« antwortete

ich ausweichend, während die Scham über diese verlogene

Geheimniskrämerei mich erröten machte. War es Zufall oder Absicht, daß

mein Vater, kurz ehe ich meine Gäste erwartete, zu mir kam und Anstalten

machte zu bleiben? In quälender Angst saß ich vor ihm, alle erdenklichen

Gründe ersinnend, um ihn, ohne ihn zu verletzen, zum Gehen zu nötigen.

Endlich stand er auf. »Meine eigene Tochter wirft mich hinaus,« sagte er

mit einem müden, wehen Ton in der Stimme. »Lieber -- lieber Papa! --«

ich schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn. In diesem Augenblick

kam ich mir vor wie ein Verräter. Der Abend, auf den ich mich so gefreut

hatte, war für mich eine Qual.

* * * * *

Am nächsten Morgen fuhr ich nach Stuttgart. Ein unbestimmtes Hoffen, das

wie durchleuchtet war von froher Ahnung, erfüllte mich: irgend etwas

ganz Ungewöhnliches würde geschehen. Auf dem Bahnhof empfing mich Frau

Orbin. Ihre Erscheinung war nicht die imponierende, die ich mir

vorgestellt hatte. Ich sah zunächst nichts als eine breite untersetzte

Gestalt und einen großen Hut mit zerzausten Federn, der windschief auf

ihrem Kopfe saß und ihre Züge beschattete. Fast hätte ich sie nicht

wiedererkannt, als sie ihn abgenommen hatte und sich im Speisezimmer des

Hotels zu mir setzte. Rotblonde Haare bauschten sich wellig um Stirn und

Schläfen, helle Augen, in allen Lichtern des Regenbogens spielend, sahen

mir gerade ins Gesicht, auf der Stirn, um Nase und Mund gruben sich

kleine senkrechte Falten, die zu der noch jugendlich-weichen Rundung

der Wangen in peinlichem Mißverhältnis standen. Ohne alle

Höflichkeitspräliminarien begann sie sofort meinen Plan rücksichtslos zu

zerzausen. Sie sprach mit nervöser Überstürzung, die Worte jagten

einander, als wollte eins das andere verschlucken. »An eine

Zusammenarbeit von uns und Ihnen ist natürlich gar nicht zu denken.

Sollte von anderer Seite etwas der Art für möglich erklärt worden

sein --,« ein mißtrauisch-fragender Blick traf mich, -- »so würde

ich jede solche Absicht auf das Schärfste bekämpfen. Der politische

Kampf ist für uns das A und O. Darum ist jede Harmonieduselei mit

bürgerlichen Elementen vom Übel und kann nur verwirrend wirken, den

Klassenkampfcharakter unserer Bewegung verwischen. Nicht die Gegensätze

überbrücken, wie bürgerliche Idealisten und Ethiker wünschen, sondern

sie auf das Schärfste betonen, ist für uns die Hauptsache. Reinliche

Scheidung, -- ohne Konzessionen.«

Ich seufzte tief auf. Sie verstand mich falsch und ein feines ironisches

Lächeln kräuselte flüchtig ihre Lippen. »Das ist freilich nicht immer

ganz bequem, aber für Menschen wie Parteien die einzig mögliche

Grundlage ihrer Existenz.«

Sie lud mich für den folgenden Tag zu sich ein. Hätte mich die Frau

nicht gereizt, der Sache wegen schien der Besuch keinen Zweck mehr zu

haben.

In einer Wohnung von puritanischer Schlichtheit empfing sie mich, aber

ein unbestimmtes Etwas, sei es die Wahl der Bilder, der Fall der

Vorhänge oder nur die ganze Farbenstimmung des Raumes, verriet das

künstlerische Empfinden der Bewohnerin. Und als ihre beiden frischen

Buben hereinstürmten, rotwangig und glänzenden Auges, sah ich hinter der

Rüstung der Kämpferin den Menschen, die Mutter. Wie reich war sie! --

Wir gingen nachmittags hinaus vor die Stadt, die bewaldeten Hügel hinan,

die sie so zärtlich umschließen. Die Kinder und die Natur schienen Wanda

Orbin zu verwandeln. Sie war viel milder heute. Sie sprach über Kunst

und Literatur mit dem Verständnis eines selbständigen Geistes und der

Wehmut unglücklich Liebender. »Das alles ist eingeschlafen, hat

einschlafen müssen gegenüber der großen, umfassenden Aufgabe,« sagte sie

schließlich, und ihre Augen bekamen wieder den fiebrigen Glanz des

Fanatismus.

Kaum waren wir in ihrer Wohnung, als ein Mann zu ihr hereinstürzte,

atemlos eine Depesche hin- und herschwenkend, während ihm hinter den

Augengläsern die dicken Tränen über die bärtigen Wangen liefen. »Engels

-- Engels ist tot --,« stieß er mühsam hervor. Mit einer abwehrenden

Bewegung der Hände -- breiter kurzfingeriger Hände, die aussahen, als

hätte der Bildhauer Natur sie nur in rohen Umrissen skizziert und

vergessen, sie auszuführen -- starrte Wanda Orbin dem Unglücksboten

sekundenlang ins Gesicht. Dann warf sie die Arme empor und brach in ein

konvulsivisches Schluchzen aus, unter dem ihr Körper immer heftiger zu

zittern begann. Ihre Füße würden die Schwankende nicht mehr tragen,

dachte ich, und schob ihr vorsichtig einen Sessel zu, in dem sie haltlos

versank. Inzwischen hatte sich das Zimmer gefüllt: die Eintretenden

tauschten miteinander warme Händedrücke. Alles sammelte sich um die

weinende Frau, leise Flüstergespräche, als läge der Tote mitten unter

ihnen, flogen nach langer beängstigender Stille hin und her. Eine

Familie war dies, die Stärkeres zusammengeschweißt hatte als das Blut:

aus gemeinsamen Empfindungen, Gedanken und Idealen entsprang die Tiefe

gemeinsamer Trauer um den, der ihr Führer gewesen war. Auf Zehenspitzen

schlich ich hinaus und fühlte doch mit überwältigender Gewißheit, daß

ich dazu gehörte.

Spät am Abend kam Wanda Orbin noch einmal zu mir, -- sehr weich, sehr

liebevoll. »Sie hätten bleiben dürfen, Sie sind uns doch keine Fremde,«

sagte sie. Da gewann ich Vertrauen und erzählte ihr von den Zweifeln und

Kämpfen der letzten Wochen. Ich sah, wie sie lächelte, -- nachsichtig

wie eine Mutter über Kinderleiden, aber es verletzte mich nicht. »Im

Zwiespalt der Empfindungen kann niemand dem anderen helfen,« meinte sie

dann. »Ich weiß nur eins gewiß: ist Ihre Überzeugung erst vollkommen

klar und unerschütterlich, so verschwindet vor ihr das bloße Gefühl, wie

Sommerschwüle vor dem Gewitter. Zu dieser Überzeugung zu gelangen, das

ist freilich das schwerste. Die Logik der Tatsachen, die

Lebensverhältnisse pauken dem Proletariat eine Auffassungsweise ein, die

sich der bürgerliche Idealist mit großer Mühe aneignen muß, wenn es ihm

überhaupt trotz aller Ehrlichkeit gelingt, den alten Adam der

bürgerlichen Ideen abzulegen. Es ist so furchtbar schwer, aus seiner

Haut zu fahren, sich von dem zu befreien, was Vererbung und Milieu aus

uns gemacht haben.« Ihre Augen schauten wie nach innen.

Wir sprachen noch lange miteinander. Sie riet mir jetzt zur Ausführung

meines Planes; ich würde durch ihn vielleicht am besten zur Klarheit

kommen, und an Rat und -- inoffizieller -- Hilfe von ihr sollte es nicht

fehlen. »Setzen Sie sich in Berlin mit den Gewerkschaften in Verbindung,

und zwar speziell mit den Konfektionsarbeitern, die infolge der

Bewegung, in der sie augenblicklich stehen, Ihre Sache als eine

Unterstützung betrachten dürften. Und dann, vor allen Dingen, suchen Sie

unseren Genossen Dr. Heinrich Brandt für sich zu interessieren. Gewinnen

Sie ihn, so ist Ihnen geholfen: er setzt alles durch, was er will.«

Dr. Brandt! -- Ich schloß unwillkürlich die Lider, verloren in

Erinnerung. »Alle Ströme fließen in unser Meer,« hörte ich eine dunkle

klingende Stimme sagen, und flüchtig -- ein Traumbild -- tauchte ein

Mann vor mir auf, blond und schlank, und tiefe graue Augen versanken

sekundenlang in den meinen.

* * * * *

Nach meiner Rückkehr schrieb ich sofort an Johannes Reinhard, den Führer

der Konfektionsarbeiter-Bewegung, und an Heinrich Brandt. Reinhard

kündigte mir umgehend seinen Besuch an; kurz darnach bestimmte Brandt

dafür dieselbe Stunde. Im ersten Gefühl starker Freude, über deren

Ursache ich mir nicht so recht klar war, wollte ich Reinhard

abschreiben, um den anderen bald und zuerst zu sehen. Über mich selbst

errötend, zerriß ich die Karte wieder, die ich zu schreiben begonnen

hatte, und bat statt dessen Brandt, seinen Besuch zu verschieben.

»Schade,« antwortete er mir, »ich wäre gern gleich gekommen. Vorgestern

las ich in der wiener 'Zeit' einen Artikel von Ihnen, der mich so

entzückte, daß der Wunsch, die Verfasserin kennen zu lernen, in mir rege

wurde. Diesem Wunsch begegnete noch am selben Morgen Ihr Brief.«

Und nun stand Reinhard vor mir, unter der linken Schulter die Krücke,

das Gesicht noch gelber, als da ich ihn zum letztenmal in der

Egidyversammlung gesehen hatte, die schwarzen, dünnen Haarsträhnen wie

festgeklebt um den breiten Schädel und die tief eingefallenen Schläfen.

»Hielte ich Ihren Plan nicht für gut, für notwendig sogar in diesem

Augenblick, wo der Reichskanzler den Stillstand der Sozialreform nicht

nur zugab, sondern verteidigte, ich würde nicht so rasch hier sein,«

begann er die Unterhaltung, indem er sich mühsam, das linke Bein gerade

ausgestreckt, auf dem Stuhl niederließ. »Wir stehen in der Konfektion

seit Beginn des Jahres in einer Bewegung, die mir Tag und Nacht keine

Ruhe läßt -- --«

»Ich weiß: um die Durchsetzung von Betriebswerkstätten handelt es sich,«

unterbrach ich ihn. »Der Zentralausschuß könnte nichts Besseres

beginnen, als Sie darin unterstützen.«

Er sah erfreut auf. »Ich sehe, Sie sind orientiert, und so brauche ich

nur hinzuzufügen, daß Ihr Zentralausschuß auch nirgends reicheres

Material zur Frage der Frauenarbeit finden könnte als bei uns. Ihren

londoner Eindrücken, von denen ich in den Zeitungen gelesen habe, würden

die berliner nicht nachstehen.«

Ich zweifelte an der Möglichkeit ähnlichen Elends bei uns. Nicht einmal

in der Nacht, wenn ich aus Versammlungen gekommen war, hatte ich so

bittere Not gesehen, wie sie mir in London bei hellem Tage begegnet war.

»Unsere Ärmsten schämen sich, -- das ist vielleicht der letzte Rest

Menschlichkeit in ihnen,« meinte er; »seit Wochen mache ich fast nichts

anderes als Besuche bei den Heimarbeitern. Eben erst war ich bei einem

alten gelähmten Weibe, das hier im Westen, fünf Treppen hoch, ein

einfenstriges Zimmer und eine fensterlose, winzige Küche mit ihrer

Tochter und deren vier kleinen Kindern bewohnt. Von früh fünf bis nachts

um elf trampelt die Tochter die Nähmaschine, um bestenfalls neun Mark in

der Woche zu verdienen. Vor wenigen Tagen war ich in einem engen

Kellerloch, wo eine Witwe mit zwei Kindern wohnt; auf den schimmeligen

Möbeln, auf dem einzigen wackeligen Bett, liegen elegante Damenblusen,

für die sie ganze fünf Mark wöchentlich einnimmt.« Reinhard erhob sich,

rote Flecken brannten auf seinen Backenknochen, und während er

weitersprach, humpelte er im Zimmer aufgeregt hin und her. »In einem

anderen Keller, wo die Dielen faulen und die Fenster tief unter der Erde

liegen, arbeiten zwei Schwestern, -- junge, bleichsüchtige Dinger, --

für die, die oben in Luft und Sonne lachend vorübergehen. Ist die Ehre,

die ihr bewahrt habt, das elende Leben wert, -- hätte ich ihnen am

liebsten zugerufen. Dicht unter dem Dach, in zwei kleinen Löchern, sah

ich ein Ehepaar mit fünf Kindern und einem Schlafmädchen; den Mann

zerfrißt auf dem Lager voll Lumpen der Kehlkopfkrebs, die Frau näht

Knopflöcher für ganze vier Mark in der Woche,« -- klipp -- klapp --

klipp -- klapp, -- rascher und rascher schlug Reinhards Krücke den Takt

zu der grausen Melodie --; »eine arme Mutter fand ich in einem

sonnenlosen Winkel im Norden, sie nähte Hemden, halbfertig lagen sie auf

dem Bett, wo zwei diphtheritiskranke Kinder mit dem Tode rangen. Und,

denken Sie nur«, -- er blieb stehen und lachte grell auf, »-- einen

schneeweißen Mantel, bestimmt für nackte Schultern schöner Frauen, sah

ich einmal in den Händen einer Syphilitischen --«

»Um Gottes willen -- hören Sie auf!« Auch ich erhob mich. »Warum

schreien Sie diese Tatsachen nicht auf öffentlichem Markte aus? Warum

kleben Sie Ihre Berichte nicht an alle Straßenecken? -- Kein

Reichskanzler würde mehr wagen, den Stillstand der Sozialreform zu

verteidigen.«

»Wir sind dabei, es zu tun,« antwortete er, und seine Sprechweise nahm

wieder den Ton der alten sachlichen Ruhe an. »Eine Broschüre, an der ich

arbeite, wird allen maßgebenden Persönlichkeiten zugeschickt und unserem

diesjährigen Parteitag vorgelegt werden; wir haben außerdem,

wie Sie wissen, die Unternehmer vor die Alternative gestellt,

Betriebswerkstätten einzurichten, oder einer allgemeinen

Arbeitseinstellung gewärtig zu sein. Kommt es dazu, so wird die

Öffentlichkeit sich mit uns beschäftigen müssen. Übrigens: --,« er

dachte einen Augenblick nach, »wie wär's, wenn Sie die Tätigkeit Ihres

Zentralausschusses auf eigene Faust beginnen und mich bei meinen

Recherchen zuweilen begleiten würden?«

Dankbar nahm ich sein Anerbieten an. In der nächsten Zeit brachte ich

fast täglich ein paar Stunden mit ihm zu. Wir kamen in Stadtteile, die

ich noch nie gesehen hatte, lange, nüchterne Straßenzeilen, die Häuser

regelmäßig aufgereiht, gleichmäßig grau getüncht; die Öde des Anblickes

nur noch erhöht durch die äußere Ordnung und Reinlichkeit. Wir schritten

durch enge Höfe in dunkle Hinterhäuser, die das Licht der Straße nicht

mehr fürchteten und ohne Scham die Blößen ihrer Not enthüllten. Nach

Osten, nach Süden führte uns der Weg, wo mitten im kahlen, der Stadt

schon preisgegebenen Boden hohe Mietskasernen an zerwühlten, werdenden

Straßen standen. Hier, zwischen den feuchten Wänden, hauste das Elend

und starrte uns an mit den glanzlosen Blicken erloschenen Lebens, die

grausamer in die Seele schneiden als die wildesten Schreie der

Verzweiflung.

Oft, wenn wir aus dem Dunkel sparsam verteilter Laternen kamen und das

Licht der Friedrichstadt uns blendend empfing, haftete mein Auge

staunend an den glänzenden Spiegelscheiben der Läden und der

Restaurants. Prahlend breiteten sich hinter den einen all die

Herrlichkeiten aus, die den Gaumen laben, den Körper schmücken, das

Leben bereichern; lachend, scherzend, mit vollen Taschen und glänzenden

Augen saßen hinter den anderen die reizenden Frauen, deren einziger

Daseinszweck ihre Schönheit zu sein schien, und die Männer, die ihnen

huldigen. Wie war es nur möglich, daß die von draußen, aus den grauen

Häuserzeilen und den werdenden Straßen, nicht dicht gedrängt, auf leisen

Sohlen, wie Nachtgespenster, hierher sich schoben, um all die Pracht zu

zertrümmern, das Lachen erstarren zu machen?!

Und in meinem Herzen nistete der Haß sich ein für alle die, die nicht

mehr hassen konnten.

* * * * *

Am frühen Morgen des 18. August war es. Eine arme Frau hatte ich

besucht, die ich auf einem unserer Wege gefunden hatte. Sie war

sterbenskrank, -- ach, und wie gern wollte sie sterben, wenn nur die

Kinder nicht gewesen wären, die sie fester als alle Arzeneien der Welt

ans Leben ketteten. Die durchsichtigen Finger durften sich nicht zum

Schlafen friedlich ineinanderfalten, sie hielten krampfhaft die weiße

Leinwand fest, um zierliche Namenszüge, stolze Freiherrn- und

Grafenkronen hineinzusticken. Ein wenig Hoffnung hatte ich ihr gebracht,

-- Hoffnung, daß sie bald ruhig werde sterben dürfen. Nun ging ich nach

Hause, den Kopf gesenkt; die Sonne tat mir weh. An der Königsstraße

geriet ich in einen Menschenschwarm, der mich mit sich riß: geputzte

Frauen mit jenem aus Neugierde, Aufregung und Nervenspannung gemischten

Ausdruck in den Zügen, der gewöhnliche Menschen bei allen großen

Ereignissen, -- seien es Feuersbrünste oder Hochzeitsfeiern, --

charakterisiert, Männer im Sonntagsstaat, irgend eine Medaille oder ein

Kreuz auf der Brust, das in diesen Tagen der Freibrief für alles war:

Betrunkenheit -- man nannte sie Begeisterung --, Roheit gegen

Nichtdekorierte, -- man nannte sie Vaterlandsliebe. Ich sah um mich:

Fahnen flatterten von den Häusern, Straßenverkäufer boten mit krähender

Stimme Kaisermedaillen aus, von ferne klang Trommelwirbel,

Pferdegetrappel. Richtig: die Grundsteinlegung des Nationaldenkmals war

heute.

Mit liebevoller Wehmut, wie die Greisin vergilbte Liebesbriefe, hatte

der Vater gestern die Generalsuniform aus ihren Seidenpapierhüllen

herausgeholt, hatte die Stickerei, die Knöpfe und die vielen Orden

selbst mit einem Lederläppchen abgestaubt und war gewiß heute früh, voll

Erregung, zum Schloß gefahren.

Jetzt waren wir selbst bis dicht hinter die Schutzmannsketten

vorgedrungen. Ein Vorwärts gab's nicht mehr, ein Zurück noch weniger. Es

galt, auszuhalten. Die Galawagen der deutschen Fürsten rollten vorüber

in ihrer altertümlich schwerfälligen Pracht, dröhnenden Schrittes rückte

die Garde auf den Schloßplatz, hinter ihr mit wehenden Fahnen Ulanen,

Dragoner und im blitzenden Küraß die Gardedukorps.

Von hinten hauchte mir ein heißer Atem in den Nacken, der nach

klebrigem Biere roch; aus dem Halsausschnitt der dicken, kleinen Frau

neben mir stieg ein süßlicher Schweißgeruch. Mich ekelte vor der

Erregung der Menge; eindruckslos rauschte sogar die mich sonst

elektrisierende Musik an meinem Ohre vorüber; wie ein schlechtes

Ausstattungsstück empfand ich das bunte Schauspiel vor mir.

Unwillkürlich fiel mir das Modell des Nationaldenkmals ein: wie gut

paßte es hierher mit seinen unruhigen Tier- und Menschengestalten,

seinen Fahnen, Kanonen, Gewehren und Säbeln und dem theatralisch

daherschreitenden Engel, der des alten Kaisers vierschrötiges

Schlachtroß führt. Von seinem künftigen Standort, dem Winkel vor dem

Schloß, den man noch dazu dem Wasser hatte abringen müssen, tönten

Hammerschläge, Kanonendonner fiel ein, die Luft erschütternd, von tiefen

Glockenklängen untermischt.

Glocken und Kanonen, -- die führenden Instrumente im Orchester der

bürgerlichen Gesellschaft, mit denen sie das Weinen und Klagen der

Millionen zu übertönen glaubt! Ich aber hörte es, und ich wußte: der Tag

wird kommen, wo die Glocken vor ihm schweigen und die Kanonen vor ihm

verstummen werden.

* * * * *

Vor dem Spiegel stand ich in meinem Schlafzimmer. Wie lange war es her,

daß ich nichts als flüchtige Blicke hineingeworfen hatte, die nur der

Ordnung meiner Haare, meiner Kleidung galten. Heute sah ich mich wieder:

schärfer waren meine Züge geworden und schmaler mein Gesicht, meine

Gestalt aber war noch immer die eines jungen Mädchens. Ich lächelte:

'Frau' von Glyzcinski -- und ein Mädchen, ein altes Mädchen sogar von

dreißig Jahren! Aber ich wollte nicht alt sein, -- heute nicht. Ich

fühlte wieder, wie ich rot wurde. Daß das Weib in mir sich nicht töten

ließ! Wo doch so vieles schon gestorben war!

Es klingelte. Kurz und scharf. Die Aufwärterin hatte ich früh schon nach

Hause geschickt, sie war so alt und so häßlich. Dem Besuch, den ich

erwartete, wollte ich selber öffnen.

»Gnädige Frau?!« -- Eine überraschte, fragende Stimme. Ich unterschied

im Dämmerlicht der Treppe und des Flurs die Silhouette eines Mannes, mit

dem weiten Mantel über den Schultern, dem breiten Schlapphut auf dem

Kopf. Ich selbst in meinem schwarzen Kleid mußte ihm nur wie ein

Schatten erscheinen. Ich ging ihm voran ins Zimmer, das flutendes

Sonnenlicht durchstrahlte, wie einst, da ich zum erstenmal über die

Schwelle trat. Ich wendete mich um, -- meine Hand blieb vergessen in der

Heinrich Brandts. »Wir sind uns -- keine Fremden --,« stotterte ich

verlegen. »Nein, -- nein --,« antwortete er und sah mich noch immer an.

Die Uhr auf dem Schreibtisch holte zum Schlagen aus. Ich zuckte

zusammen, setzte mich hastig, und steif und förmlich lud ich auch ihn

zum Sitzen ein.

»Nein,« wiederholte er, und seine Augen ließen mich noch immer nicht

los, während sein Gesicht heller zu werden schien, »-- Sie sind mir

keine Fremde. Kennen Sie das?« Er zog das graue Heft der Wiener »Zeit«

aus seiner Rocktasche. »Im Grunde ein ganz dummer, kleiner Artikel, den

Sie da geschrieben haben, und doch so wundervoll! Ein ganzer Mensch

steckt dahinter!«

Mir wurde warm ums Herz. Seine Worte streichelten mir die Wangen, seine

Stimme erfüllte die Luft um mich mit einem einzigen Wohllaut.

»Und Ihr Plan interessiert mich sehr. Ich habe auch gar nicht

abgewartet, bis Sie endlich die Gnade hatten, mich herzubefehlen«, -- er

lächelte ein wenig malitiös, »Sie haben, wie ich höre, Freund Reinhard

den Vortritt gelassen, -- ich habe indessen, ohne zu fragen, den Schritt

getan, von dessen Erfolg Ihre ganze Sache abhängt.« Ich sah fast

erschrocken auf. »Oder sollten Sie wirklich nicht daran gedacht haben,

daß Geld, viel Geld dazu gehört?« Ich nickte lächelnd. »Ich schrieb an

einen unserer ernsthaftesten und reichsten Sozialreformer und schickte

ihm Ihr Programm. Ich zweifle nicht, daß er die Sache in angemessener

Weise finanzieren wird.«

Ich versuchte, ihm zu danken; es kam vor tiefer innerer Erregung

ungeschickt und hölzern heraus.

»Lassen Sie doch diese Formalitäten!« sagte er. »Wenn jemand Dank

verdient, so sind Sie es, die den Gedanken hatten. Ich bin bestenfalls

nichts als sein untergeordnetes Werkzeug.«

Wir sprachen noch lange miteinander. Ich erzählte von allem, was mir

seit den letzten Wochen das Herz bewegte, und Leidenschaft und Haß und

Liebe brachen durch die Dämme, die Einsamkeit und Zurückhaltung um sie

aufgeschichtet hatten.

»Sie sind wie eine Flamme, die lodernd gen Himmel strebt,« flüsterte er

wie zu sich selbst.

Als er gegangen war, blieb ich regungslos, die Hände fest

ineinandergekrampft, mitten im Zimmer stehen. War das ein Traum gewesen,

oder hatte er wirklich hier vor mir gestanden?! In diesem selben Zimmer,

wo ich Georg, meinen einzigen Freund, gefunden und verloren hatte?!

Am nächsten Tag gegen Abend kam er wieder.

»Ich bin zudringlich, nicht wahr?« lachte er mir entgegen. »Aber Sie

kommen mir vor, wie ein verflogenes Vögelchen, das sich an Scheiben und

Wänden den Kopf stößt und einer Hand bedarf, die es fängt und ins Freie

läßt.«

»Sie mögen recht haben. Ich bilde mir wohl nur ein, daß ich in Freiheit

flöge, und die anderen Leute waren bisher kurzsichtig genug, mich darin

zu bestärken, wohl gar zu bewundern --«

Es dämmerte. »Entschuldigen Sie einen Augenblick,« sagte ich und ging

hinaus, um die Lampe zu holen. Als ich wiederkam, fand ich ihn über das

Manuskript eines Artikels gebeugt, den ich eben vollendet hatte.

Ärgerlich wollte ich ihn vom Schreibtisch weg an mich reißen. »Verzeihen

Sie --«, fest drückte er die Hand darauf, -- »das gehört zu meinem

Vogelfang. Wie kommen Sie dazu, dergleichen zu schreiben?!« Ich erschrak

vor dem finsteren Gesicht, das er mir plötzlich zuwandte. »'Londoner

Gefälligkeit'! Haben Sie nichts Besseres zu tun?!« Sein Blick blieb an

der Lampe haften, die ich zitternd auf den Tisch stellte. Seine Stirn

glättete sich, forschend sahen die großen grauen Augen mir ins Gesicht.

»Sie müssen sich selbst bedienen? -- Sie öffnen mir immer selbst?! --«

Ich senkte einen Augenblick lang den Kopf.

»Wie Sie sehen: ja!« Meine Stimme, die zuerst ein wenig verschleiert

klang, wurde klar und fest. »Ich kann mir ein Dienstmädchen nicht

halten, und ich muß solche Artikel schreiben, weil ich von meiner

Pension nicht leben kann.«

»Verzeihen Sie, -- aber wie konnte ich ahnen --« Er sah mir tief in die

Augen.

Wir waren von da an täglich zusammen, sei es, daß er mich zu einem

Spaziergang abholte, sei es, daß wir uns in der Stadt trafen. Mit tiefer

Beglückung empfand ich die zarte Sorgfalt, mit der er mich umgab. Wenn

ich jetzt zu den Eltern kam und der Vater in heller Aufregung über die

Sozialdemokraten schimpfte, -- »lauter Hochverräter, die man hängen

sollte«, -- so hörte ich nur mit halbem Ohre hin, es verletzte mich

nicht; um mich lag es wie ein warmer, kugelfester Mantel, den die

Freundschaft um mich geschlungen hatte.

Die Freundschaft! -- Ich glaubte an sie, -- ich wollte an sie glauben,

auch wenn die heißen Wellen meines Herzens mich zu überfluten drohten.

»Sie müssen bald einmal mit mir hinauskommen zu meiner Frau und meinen

Buben. Sie ist anders wie Sie, -- ganz anders, aber klug und gut, -- Sie

werden einander verstehen,« hatte er mir einmal gesagt. Es kam aber noch

immer nicht dazu, und ich drängte nicht danach.

Eines Nachmittags saßen wir zusammen auf dem schmalen Balkon des Kaffee

Klose. In weichem, silbernen Sonnenlicht fluteten unter uns auf der

Leipziger Straße die Menschen auf und nieder. Ein früher Herbstnebel,

zart und duftig wie Feenschleier, spielte um die endlosen Häuserreihen,

und es schien, als dämpfte er selbst das Rasseln der Wagen.

»Sehen Sie nur, was ich heute bekam,« damit hielt ich ihm einen Brief

entgegen. »Die Wiener Fabier fordern mich zu einem Vortrag auf« -- Er

nickte erfreut, ich sah ihn von der Seite an. »Ich habe keine

Beziehungen in Wien,« fuhr ich nachdenklich fort, »-- sollten Sie auch

hier meine Vorsehung gewesen sein?!«

»Und wenn dem so wäre?!«

Ich reichte ihm still die Hand. Ganz sanft, als ob sie sehr zerbrechlich

wäre, nahm er sie in die seine, -- eine zarte Hand mit dichtem Geäder

und nervösen Fingern.

»Glauben Sie,« fragte er langsam, nach einem Schweigen, das die Nähe

zweier Menschen zueinander verrät, »glauben Sie, daß ein Tag kommen

könnte, an dem unsere Freundschaft uns zwingt, einander 'du' zu sagen?«

Ein Zittern durchlief meinen Körper. Ich antwortete nicht. Stumm standen

wir auf, stumm fuhren wir zu mir nach Hause. Drinnen im Zimmer sahen wir

uns an, das Herz schlug mir zum Zerspringen, die Finger erstarrten mir

zu Eis.

»Alix --,« wie ein Hauch kam mein Name über seine Lippen.

»Du --,« mehr vermochte ich nicht zu sagen. Es dunkelte mir vor den

Augen. Einen Herzschlag lang fühlte ich seinen Mund auf dem meinen, --

dann schlug die Türe, -- ich war allein.

Und die Wände schienen um mich zu kreisen, und der Glanz der Abendsonne

wurde zu glühenden Flammen. Wie Gesang lag es in der Luft von lauter

Harfen, -- meines Herzens Jubel hatte sie zum Klingen gebracht. In allen

Weisen der Welt, im Ton süßer Wiegenlieder und stolzer Siegeshymnen sang

und jauchzte es: ich liebe.

* * * * *

Wir verkehrten wie früher miteinander. Nur die Augen wagten es hier und

da, eine andere Sprache zu sprechen als der Mund. Ich war mitten im

Packen; schon starrten die lieben Räume mich fremd und öde an, als sein

Weib kam, mich zu besuchen. Entgeistert sah ich sie an, als sie vor mir

stand: sie war hochschwanger.

Rasch warf ich die Kleider vom Sofa und nötigte sie hinein, ihr

vorsichtig die Kissen in den Rücken legend. Seine Frau! Sein Kind!! --

Der Gedanke bohrte sich mir ins Gehirn, daß es mir den Kopf zu sprengen

drohte. Nie, -- nie hatte er mir von Liebe gesprochen, dachte ich,

während ich gleichgültig freundliche Phrasen mit ihr wechselte, nur

immer von Freundschaft. Und dieser Frau vor mir mit den großen, breiten

Händen und den stechenden dunklen Augen hatte ich nichts genommen --

nichts, was ich nicht nehmen durfte. Denn daß ich ihn liebte, was

schadete das ihr?! Und war nicht mein eigenes, großes, wundervolles

Gefühl und seine Freundschaft Glückes genug für mich, die ich gelernt

hatte, auf alles Glück zu verzichten?

»Wir ziehen im Winter auch in die Stadt,« sagte sie ruhig, »sonst

bekomme ich meinen Mann nicht mehr zu sehen --.« War das eine

Anspielung? Ihr Gesicht blieb unbewegt. Ȇbrigens sah ich eben im Hause,

wo Sie mieteten, eine Wohnung, die gut für uns passen würde. Das wäre

für alle Teile das beste --, und ich hätte doch auch etwas von Ihnen.

Könnte auch von Ihnen lernen, was mir leider noch an Verständnis für die

Interessen meines Mannes fehlt.« Ich begriff sie nicht; war das echt,

was sie sagte, oder lauerte Bosheit dahinter und Mißtrauen? Feuchtkalt

lag ihre Hand beim Abschied in der meinen. Die Schleppe ihres seidenen

Kleides raschelte hinter ihr her wie eine Schlange. Ich mußte mich ans

Fenster in die Sonne stellen, um wieder warm zu werden, nachdem sie mich

verlassen hatte.

* * * * *

»Gute Botschaft bringe ich!« Am frühen Morgen, ich saß noch beim

Frühstück, trat Heinrich Brandt in mein Zimmer, freudestrahlend. »Die

Sache ist entschieden.« Ich griff hastig nach dem Brief, den er brachte

und las. »Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dahin entschieden,

das mir vorgelegte Projekt eines Zentralausschusses für Frauenarbeit

insoweit zu unterstützen, als ich zunächst eine Summe von achttausend

Mark jährlich dafür aussetze, die, wenn der Umfang der Arbeiten es

später notwendig macht, entsprechend gesteigert werden kann. Ich hoffe,

Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, der Sie ja ausdrücklich erklärten, nur

die Rolle eines unbeteiligten Vermittlers zu spielen, nicht zu nahe zu

treten, wenn ich Sie bitte, Frau von Glyzcinski mitzuteilen, daß die

Voraussetzung meiner Unterstützung, von der ich unter keinen Umständen

abweiche, die ist, daß die Leitung der Sache nicht in den Händen von

Sozialdemokraten ruht. Diese meine Forderung entspringt keinerlei

persönlicher Animosität, sondern nur der Erkenntnis, der sich

gegenwärtig kaum jemand verschließen kann, daß die Sozialdemokratie zu

ruhiger Reformarbeit unfähig ist und die maßgebenden Kreise einer von

ihr ausgehenden Bewegung mit Recht ablehnend gegenüberstehen würden.«

Ich hatte zuerst laut und freudig, dann immer langsamer und leiser

gelesen. »Das nennen Sie eine gute Botschaft?« frug ich kopfschüttelnd.

»Gerade heute sah ich in der Presse, wie alles von rechts und links nach

einer neuen Auflage der Umsturzvorlage schreit. Und gestern erzählte

mein Vater, daß man im Kasino schon die Maßregeln erörtert, durch die

die Sozialdemokraten mundtot gemacht werden sollen --«

Brandt unterbrach mich: »Nun -- und? Wird Ihre Aufgabe dadurch etwa

überflüssig?«

»Gewiß nicht. Aber für mein Gewissen kann es eine größere Aufgabe geben:

mich in dem Augenblick der Verfolgung an die Seite derer zu stellen, die

verfolgt werden. Die eigene Überzeugung in die Tasche zu stecken, läßt

sich nur so lange entschuldigen, als es keine Feigheit ist.«

»Sie haben recht -- wie immer, wenn Ihre erste Empfindung spricht,« er

drückte mir die Hand, fest und kameradschaftlich, »und doch möchte ich

Sie bitten: überlegen Sie ruhig, ehe Sie antworten. Die Ausnahmegesetze

sind bisher nichts als Wünsche und Drohungen, und das klägliche Ende der

Umsturzvorlage dürfte kaum zu einer Wiederholung reizen.« -- --

»... Hängt am Tage von St. Sedan Trauerfahnen aus, erhebt feierlichen

Protest gegen den Massenmord und ehrt diejenigen, die zum Kriege hetzen,

wie es ihnen gebührt: steckt sie als Verbrecher ins Zuchthaus.« Mein

Vater hatte mir einen Zeitungsausschnitt geschickt, der diesen Satz aus

der sozialdemokratischen Breslauer 'Volkswacht' zitierte. Roh und

häßlich, unwürdig vor allem war er. Die geistigen Waffen, die wir

führen, sollten blanker und damit auch schärfer sein, dachte ich.

Wenige Tage später veröffentlichten die bürgerlichen Zeitungen in

Riesenlettern den Trinkspruch, den der Kaiser am Sedantag ausgebracht

hatte:

»... In die große hohe Festesfreude schlägt ein Ton hinein, der wahrlich

nicht dazu gehört; eine Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen

Deutsche zu tragen, wagt es, das deutsche Volk zu schmähen; wagt es, die

uns geheiligte Person des allverehrten verewigten Kaisers in den Staub

zu ziehen. Möge das gesamte Volk in sich die Kraft finden, diese

unerhörten Angriffe zurückzuweisen. Geschieht es nicht, nun, dann rufe

ich Sie, um der hochverräterischen Schar zu wehren, um einen Kampf zu

führen, der uns von solchen Elementen befreit.«

Wortlos reichte ich Brandt das Blatt, als er kam. »Was haben Sie

beschlossen?«

»Die Rotte von Menschen sind meine Brüder und Schwestern. -- Ich lehne

ab.«

Memoiren einer Sozialistin: Kampfjahre · 第 7 / 30 题