[1] Verlag der Dietzgenschen Philosophie. München 1911.
[2] Siehe hierzu die Abhandlung +Eugen Dietzgens+ »Dietzgen und
Kant« im Vorwort (S. 4 bis 40) zu seinem »Dietzgen-Brevier für
Naturmonisten«. München 1915, Verlag der Dietzgenschen Philosophie.
[3] Dialektik = Entwicklungslehre durch Aussöhnen aller
Gegensätzlichkeit in einer Einheit und durch Fortschreiten im stets neu
sich bildenden Gegensatzkampf zur immer höheren Aussöhnung und Einheit.
[4] Die gründlichste philosophische Unterweisung über den
»Universalzusammenhang« findet der Leser in den »Logischen Briefen«, 1.
Teil, 2. Band, der »Sämtlichen Schriften Josef Dietzgens«.
[5] Auf die nahe Verwandtschaft des erkenntnistheoretischen
Standpunktes von Dietzgen mit den Anschauungen von Ernst Mach
und seiner Anhänger hat Max Adler schon 1907 in der Neuen Zeit
aufmerksam gemacht. Machs Lehrkern habe Dietzgen schon 1868 gleichsam
vorweggenommen. (Christian Eckert in Schmollers Jahrbuch, Heft 1, 1914.)
Später (1911 und 1913) hat Gustav Eckstein in Aufsätzen der Leipziger
Volkszeitung und des Vorwärts die erkenntnistheoretische Harmonie von
Dietzgen und Mach beziehungsweise Stallo gewürdigt.
Es steht übrigens fest, daß die genannten Gelehrten zur Zeit der
Veröffentlichung ihrer Theorien von Dietzgen nichts wußten. Bis vor
fünf Jahren war der bloße Name Josef Dietzgen an den Universitäten nur
sehr wenigen bekannt.
[6] Eine Ausnahme machte inzwischen ~Dr.~ K. Österreich in seiner
Ausgabe des 4. Bandes (1916) von Überweg-Heinzes Geschichte der
Philosophie.
[7] In dem von mir übersetzten Buche von Morris Hillquit, New York,
»Der Sozialismus, seine Theorie und seine Praxis« (München 1911, E.
Reinhardt) behandelt das dritte Kapitel »Sozialismus und Ethik«, Seite
28 bis 50.
[8] Kant sagt: »Ich nehme an, daß es wirklich reine moralische
Gesetze gebe, die völlig ~a priori~ (ohne Rücksicht auf empirische
Bewegungsgründe, das ist Glückseligkeit) das Tun und Lassen, das
ist den Gebrauch der Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt
bestimmen, und daß diese Gesetze +schlechterdings+ (nicht bloß
hypothetisch unter Voraussetzung anderer empirischer Zwecke) gebieten
und also in aller Absicht notwendig sind.« -- Sein »kategorischer
Imperativ« lautet: »Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit
zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.«
Woran Sozialisten, angesichts der aus den Verschiedenheiten der
+Klasseninteressen+ resultierenden Differenzen der »Maxime des
Willens«, die im vorigen Zitat gedachten »reinen moralischen Gesetze«
-- die jeder normale Mensch angeblich aus seinem Innern (ohne sinnliche
Erfahrung) schöpft -- zu erkennen vermögen, ist ein Rätsel, dessen
Lösung die Revisionisten uns bisher vorenthalten haben. Wenn Kants
ethisches Grundgesetz richtig wäre, müßten doch die Wilden schon
unsere wichtigsten heutigen Moralanschauungen gehabt haben -- ganz
zu schweigen von der Sklavenhalterzeit, von der feudalen und von der
kapitalistischen Welt. Steht doch sogar der letzteren moralisches
Empfinden -- soweit es den Gütererwerb durch Verelendung der Massen
betrifft -- in krassem Gegensatz zu dem unsrigen.
Professor Oswald Külpe sagt in seiner Darstellung und Würdigung
Kants (Aus Natur und Geisteswelt, 146. Band, Seite 121) in bezug
auf Kants Moralgebot: Liebe aus Neigung kann nicht geboten werden,
sondern nur die praktische Liebe, das Wohltun aus Pflicht, wenn selbst
unbezwingliche Abneigung der Ausführung dieser Pflicht entgegensteht.
Auf solche Beispiele zielt das bekannte Epigramm von Schiller:
Gern dien' ich den Freunden, doch tu ich es lieber mit Neigung,
Und so wurmt es mich oft, daß ich nicht tugendhaft bin.
Da ist kein anderer Rat, du mußt suchen sie zu verachten,
Und mit Abscheu alsdann tun, was die Pflicht dir gebeut.
[9] In den letzten Jahren haben allerdings die Ergebnisse der
Erdbebenforschungen die alte Theorie von ehedem »feuerflüssigen« Gehalt
des Erdinnern erheblich diskreditiert.
[10] Dialektik im Sinne Dietzgens heißt soviel wie die Erkenntnislehre,
welche sich gründet auf der erfahrungsmäßig nachgewiesenen Versöhnung
des Kardinalgegensatzes zwischen Materie und Geist in der Einheit
des natürlichen Universalzusammenhanges. Dieser bildet die absolut
einheitliche Gattung, innerhalb welcher alle Gegensätze notwendig nur
relativ gegensätzliche Arten sind.
Durch solche Überwindung der Gegensätzlichkeit zwischen Materialismus
und Idealismus verwandelt sich die bislang mit Recht als sophistisch
diskreditierte Dialektik in eine streng monistische Logik und
Entwicklungslehre, die auf erfahrungsmäßig kontrollierbare und daher
wissenschaftlich überzeugende Weise fortschreitend immer besser mit
jeder dualistischen Unlogik zu räumen versteht.
Noch Hegels Dialektik (Entwicklungslehre im stets sich erneuernden
Gegensatzkampf zur immer höheren Einheit) nahm ihren letzten Ausgang
von unvermittelter Begriffsarbeit, welche sich mit ihrem objektiven
Arbeitsmaterial in keiner Einheit zu versöhnen vermochte, weil ihr
die Erkenntnis der genannten letzten Einheit mangelte und daher auch
nicht zur Überwindung des Gegensatzes zwischen Objekt und Subjekt
fortschreiten konnte.
[11] Ich existiere, daher denke ich.
[12] Erst neulich wurde in den »Sozialistischen Monatsheften« erklärt,
es sei ganz und gar nicht Aufgabe der Partei, diese oder jene
Weltanschauung zu fördern.
Ähnlich gleichgültig verhält sich +Kautsky+ gegenüber einer durch
erfahrungsmäßige Erkenntniskritik begründeten Weltanschauung und
Denkmethode für die proletarische Bewegung, indem er im »Kampf« vom
1. Juli 1909 schreibt: »Marx hat keine Philosophie, sondern das Ende
aller Philosophie verkündet. Der Marxismus will dem Proletariat die
Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate
der proletarischen Bewegung beibringen, wie das Kommunistische
Manifest sagt. Der Ausgangspunkt dabei ist die Erkenntnis, daß
nicht das Bewußtsein der Menschen ihr Sein, sondern umgekehrt ihr
gesellschaftliches Sein ihr Bewußtsein bestimmt. Ob man diese
Auffassung auf den Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts oder
den Machismus oder den Dietzgenschen dialektischen Materialismus oder
sonstwie stützt, ist ja für die Klarheit und Einheitlichkeit unseres
Denkens nicht ganz gleichgültig, aber eine Frage, die für die Klarheit
und Einheitlichkeit der +Partei+ ganz belanglos ist.«
[13] Mit großem Erfolg haben die Aufsichtsräte deutscher
Aktiengesellschaften ihren Lohn, Tantieme genannt, in den letzten
Jahren, und ganz besonders wieder 1913/14, erhöht. Auf Grund der
Einnahmen aus der +Tantiemesteuer+ berechnet die »Frankfurter
Zeitung« für das Fiskaljahr 1913/14 versteuerte Tantiemen von 88,38
Millionen Mark gegen 79,38 Millionen für das Jahr 1912/13, 71,50
Millionen für 1911/12, 65,39 Millionen für 1910/11, 59,30 Millionen
für 1909/10 und 41,01 Millionen Mark für 1908/09. +Seit 1908/09 hat
sich die Jahreseinnahme der Aufsichtsräte mehr als verdoppelt+, die
Aufsichtsratstantiemen sind erheblich schneller gestiegen als die
Dividenden der Aktionäre. Von einer Steigerung der Arbeitsleistung
der Aufsichtsräte kann dabei keine Rede sein, schon weil das
Aufsichtsratsamt in den meisten Fällen überhaupt mit keiner ernsthaften
Arbeit verknüpft ist. (»Vorwärts«.)
[14] Siehe hierzu das Zitat aus Verworn, Seite 25.
[15] Lehrlingskontrakt (wie in Deutschland) kennt man in den
Vereinigten Staaten nicht; auch gibt es keine »unentgeltliche«
Lehrzeit; jeder Lehrling erhält Bezahlung und avanciert nach Maßgabe
seiner Fähigkeiten und der eintretenden Vakanzen.
[16] Freund des Vater Dietzgen, in dessen Geschäft und Fabrik Eugen als
Volontär aufgenommen wurde.
[17] An manchen Stellen dieser Korrespondenz ist zu beachten, daß J. D.
die Vereinigten Staaten vor Einsetzen der großkapitalistischen Periode
kennen lernte, als sie tatsächlich das Eldorado des Kleinbürgertums
waren. Dies hat sich inzwischen sehr verändert, so daß der Unterschied
zwischen der Union und Deutschland von Jahr zu Jahr geringer wird. Auch
heute noch sind zu Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs die Chancen zum
Fortkommen drüben bessere als in Europa, dafür aber um so verzweifelter
und schlechter während einer Periode wirtschaftlichen Niedergangs.
[18] Der junge Dietzgen wurde vom Fabrikherrn K., einem alten Freunde
und Gesinnungsgenossen Josef Dietzgens, in Pension genommen.
[19] Von Georg Ebers. Der Sohn hatte geschrieben, daß er dies Buch
gelesen.