3. April 1882.

Deine letzten Nachrichten haben mir nicht nur viel Sorge gemacht,

sondern waren mir besonders unerfreulich, weil ich sehe, daß Du einen

so großen Leichtsinn hast, wie ich nie vermutet habe. Die zwölf

Dollar pro Woche, die Du errungen, waren nötig zur Existenz, und so

das Notwendige aufs Spiel setzen, um ein übriges zu gewinnen, ist

unverantwortlich. Ich wünsche nur, daß die Sache sich besser gestaltet,

wie meine Liebe zu Dir mich fürchten läßt. Also fünfzig Dollar Schulden

hast Du schon bei Sorge und zehrst wahrscheinlich auf Kredit! Das kann

nur gut enden, wenn Du nicht manchen Tag nach einem neuen Unterkommen

zu suchen brauchst. Denke und hoffe optimistisch, aber handle

pessimistisch. Wenn Du etwas von meiner Kraft hättest, dann würdest

Du sofort Deine Ausgaben auf das Allernotwendigste einschränken,

buchstäblich von Brot und Wasser leben und möglichst schnell in Arbeit

treten, gleichviel ob man zwanzig oder nur drei Dollar dafür zahlt.

Solche Handlungsweise würde von Verstand zeugen, aber große Ansprüche

machen, die man nicht zu erringen und zu bestreiten weiß, ist eine

törichte, eitle Kaprice. Weißt Du auch, daß ich froh wäre, wenn ich

den Wert von zwölf Dollar wöchentlich nicht nur für mich, sondern für

uns alle hier zu verzehren hätte? Solange Du mir nicht sagen kannst:

»ich habe hundert Dollar für einen Notpfennig zurückgelegt«, so lange

schelte ich dich leichtfertig.

Josef Dietzgens philosophische Lehren · 第 50 / 78 题