11. Szene

vorige. amphio verstört und bleich

amphio. O Hermione, find’ ich dich! Wenn du mich je

geliebt, so blick’ mich gütig an!

hermione. Was quält dich, Amphio? Was führt dich jetzt

hierher?

amphio (starr). Laß mich in deine Augen schau’n, ich bitte

dich, so lang, bis sich mein Geist an ihrem Strahl

entzündet.

hermione (sieht ihn verwundert an).

amphio. Ich danke dir. (Er macht das Spiel, als wollte er sich

durch ihren Anblick zum Dichten begeistern, und vermag es

nicht; er geht daher hoffnungsvoll einen Schritt von ihr und sagt,

nachdenkend gegen Himmel schauend.) So--so--nun wird

es gehen. (Immer unruhiger.) Flamm’ auf, Gemüt,

flamm’ auf! (Verzweifelnd.) Es ist umsonst, sie ist für

mich verloren! (Will ab.)

hermione. Wo willst du hin?

amphio. Ins Meer. (Lacht wild.) Ich will Neptun mich

weih’n.

hermione. Doch seiner ungetreuen Tiefe nicht?

amphio. Sie ist nicht tiefer als mein Schmerz, und seinen

Wellen kann ich nur vertrau’n, warum’s in ihren

Grund mich reißt.

hermione. Bist du mein Amphio? Hermione sei der Stoff,

sprach das Orakel heut’, und so besingst du mich?

amphio. So wisse denn, ich kann dich nicht besingen; mein

Geist ist wüst, mein Herz ist kalt; seit du mich

sprachst, bin ich nicht Amphio mehr.

hermione. Ermanne dich, dir fehlt Vertrau’n auf deine

Kraft.

amphio. Betrogen bin ich durch die Phantasie, sie ist ein

Weib. Hätt’ ich ihr nicht getraut!

hermione (empört). O könnt’ ich für dich dichten, um dir

zu beweisen, wie schön ein Weib aus Liebe denken

kann.

amphio. Sie ist erschöpft, sie hat sich selbst verbannt.

hermione. O lästre nicht! Sagst du nicht selbst durch dein

Gedicht: Es ist die Phantasie ein tiefer

Zauberbrunnen, Aus dem wir der Gedanken Nektar

schöpfen; Es reichet vom Olymp bis in des Orkus

tiefsten Schlund, Mit seinem Ring umschließet er die

Welt, Und unausschöpfbar ist sein ew’ger Born; Denn

alle Ströme der Verhältnisse Ergießen sich auf seinem

Grund.

amphio. O Königin, warum hast du den kühnen Schwur

gewagt? Es hätte des Gedichtes nicht bedurft; nur

deine Liebe braucht’ ich zu erringen, den wisse, daß--

doch nein, nun ist’s zu spät, du wirst des Siegers Braut,

und mein Geheimnis laß ich mit mir untergeh’n.

hermione. O halt’! Noch hab’ ich einen Hoffnungsstrahl.

Wie du, so klagen alle meine Dichter, vielleicht, daß

es ein Spuk der bösen Zauberschwestern ist. Drum

Mut, denn in dem Tempel des Apolls muß dieser

Zauber schwinden. Freude, Amphio, mir sagt’s mein

Herz.

amphio. Das Elend hascht nach jedem Hoffnungswahn, so

will ich mein Vertrauen mit deinem Hoffen denn

vermählen und einen Sohn erwarten, der Erfüllung

heißt.

hermione. Ich will noch vor dem Fest schnell das Orakel

fragen, mehr darf ich nicht für unsere Ruhe tun. Nicht

mir gehör’ ich an, nein, ich gehör’ Apoll’! Mein

höchst’ Vertrau’n setz’ ich auf ihn, den

Weltbestrahlenden; denn eine Ahnung hat er mir in

meine Brust gelegt, daß mich ein andrer nicht

erringen darf als du. Darum erwart’ ich in dem

Tempel dich. Mut, Amphio, die Götter sind uns nah!

Vertrau’ auf ihren Schutz! (Ab.)

amphio (allein). Nun wohl, ich will mein Glück dem letzten

Augenblick vertrau’n; und konnte mich die Phantasie,

die hohe, täuschen, dann laß mich ziehen aus dir,

Welt, in der das Edle trügt und nur Gemeines sich

bewährt. (Ab.)

verwandlung

(Gemach im Palaste der Zauberschwestern. An der Seite ein

griechisches Schreibepult auf einer Stufe.)

Die gefesselte Phantasie · 第 41 / 55 题