vorige. amphio verstört und bleich
amphio. O Hermione, find ich dich! Wenn du mich je
geliebt, so blick mich gütig an!
hermione. Was quält dich, Amphio? Was führt dich jetzt
hierher?
amphio (starr). Laß mich in deine Augen schaun, ich bitte
dich, so lang, bis sich mein Geist an ihrem Strahl
entzündet.
hermione (sieht ihn verwundert an).
amphio. Ich danke dir. (Er macht das Spiel, als wollte er sich
durch ihren Anblick zum Dichten begeistern, und vermag es
nicht; er geht daher hoffnungsvoll einen Schritt von ihr und sagt,
nachdenkend gegen Himmel schauend.) So--so--nun wird
es gehen. (Immer unruhiger.) Flamm auf, Gemüt,
flamm auf! (Verzweifelnd.) Es ist umsonst, sie ist für
mich verloren! (Will ab.)
hermione. Wo willst du hin?
amphio. Ins Meer. (Lacht wild.) Ich will Neptun mich
weihn.
hermione. Doch seiner ungetreuen Tiefe nicht?
amphio. Sie ist nicht tiefer als mein Schmerz, und seinen
Wellen kann ich nur vertraun, warums in ihren
Grund mich reißt.
hermione. Bist du mein Amphio? Hermione sei der Stoff,
sprach das Orakel heut, und so besingst du mich?
amphio. So wisse denn, ich kann dich nicht besingen; mein
Geist ist wüst, mein Herz ist kalt; seit du mich
sprachst, bin ich nicht Amphio mehr.
hermione. Ermanne dich, dir fehlt Vertraun auf deine
Kraft.
amphio. Betrogen bin ich durch die Phantasie, sie ist ein
Weib. Hätt ich ihr nicht getraut!
hermione (empört). O könnt ich für dich dichten, um dir
zu beweisen, wie schön ein Weib aus Liebe denken
kann.
amphio. Sie ist erschöpft, sie hat sich selbst verbannt.
hermione. O lästre nicht! Sagst du nicht selbst durch dein
Gedicht: Es ist die Phantasie ein tiefer
Zauberbrunnen, Aus dem wir der Gedanken Nektar
schöpfen; Es reichet vom Olymp bis in des Orkus
tiefsten Schlund, Mit seinem Ring umschließet er die
Welt, Und unausschöpfbar ist sein ewger Born; Denn
alle Ströme der Verhältnisse Ergießen sich auf seinem
Grund.
amphio. O Königin, warum hast du den kühnen Schwur
gewagt? Es hätte des Gedichtes nicht bedurft; nur
deine Liebe braucht ich zu erringen, den wisse, daß--
doch nein, nun ists zu spät, du wirst des Siegers Braut,
und mein Geheimnis laß ich mit mir untergehn.
hermione. O halt! Noch hab ich einen Hoffnungsstrahl.
Wie du, so klagen alle meine Dichter, vielleicht, daß
es ein Spuk der bösen Zauberschwestern ist. Drum
Mut, denn in dem Tempel des Apolls muß dieser
Zauber schwinden. Freude, Amphio, mir sagts mein
Herz.
amphio. Das Elend hascht nach jedem Hoffnungswahn, so
will ich mein Vertrauen mit deinem Hoffen denn
vermählen und einen Sohn erwarten, der Erfüllung
heißt.
hermione. Ich will noch vor dem Fest schnell das Orakel
fragen, mehr darf ich nicht für unsere Ruhe tun. Nicht
mir gehör ich an, nein, ich gehör Apoll! Mein
höchst Vertraun setz ich auf ihn, den
Weltbestrahlenden; denn eine Ahnung hat er mir in
meine Brust gelegt, daß mich ein andrer nicht
erringen darf als du. Darum erwart ich in dem
Tempel dich. Mut, Amphio, die Götter sind uns nah!
Vertrau auf ihren Schutz! (Ab.)
amphio (allein). Nun wohl, ich will mein Glück dem letzten
Augenblick vertraun; und konnte mich die Phantasie,
die hohe, täuschen, dann laß mich ziehen aus dir,
Welt, in der das Edle trügt und nur Gemeines sich
bewährt. (Ab.)
verwandlung
(Gemach im Palaste der Zauberschwestern. An der Seite ein
griechisches Schreibepult auf einer Stufe.)