9. Szene

vorige. nachtigall mit der goldenen Harfe

nachtigall.

Arie.

Serviteur! Serviteur!

Ist Ihnen allerseits ein’ Ehr.--

Ich bin ein fremder Dichtersmann,

Das sieht mir jeder Narr gleich an,

Und schwimme übers Rote Meer

Als gold’ner Fisch aus England her.--

Apollo selbst ist mein Herr Vetter,

Im Himmel lauf’ ich ab und zu,

Und erst mit alle andern Götter

Da bin ich gar auf du und du.

Kurzum, ich bin hierher gekommen,

Weil, wer ein Preisgedicht ersinnt,

So hab’ die Nachricht ich vernommen,

Am ersten Ruf die Braut gewinnt.

Drum lach’ ich mir voll an den Buckel,

Der Sieg, ich wette drauf, ist mein;

Ich stiehl’ Fortunen ihre Kugel

Und scheib’ als Dichter alle neun!

Hab’ ich die Ehre, die Prinzessin Hermione zu

betrachten?

hermione. So ist es, Freund, du hast dich nicht geirrt.

nachtigall. Bin ungemein erfreut! (Beiseite.) Ach, das ist

eine liebe Person, wenn die meine Frau ist, schau’ ich

vierzehn Tag’ kein’ andre an. (Zum Narren.) Und wie

heißt dieser Herr?

narr. Ich heiße Muh.

nachtigall. Ein schöner Nam’, so leicht, so flüssig--eine

jede Kuh kann ihn aussprechen.

narr. Ich hab’ ihn auch schon aus eines Esels Mund

gehört.

nachtigall. Vielleicht ein Anverwandter der Prinzessin?

narr. Der Hofnarr bin ich hier.

nachtigall. Hofnarr? Fidonc! Da gehört er in den Hof

hinunter, Freund, und nicht in den Saal herauf.

narr. Heut’ ist schon so ein Tag, wo alle Narren

eingelassen werden, sonst wärst du auch nicht da.

nachtigall. Also wie steht’s mit uns, Verehrteste!

hermione. Mit uns? Du sprichst sehr kühn, mein Freund.

nachtigall. Ja, wer wird denn da viel’ Umständ’ machen!

Wir werden heut’ abend Mann und Weib.

hermione (lächelnd). Weißt du das so gewiß?

nachtigall. Gar kein Zweifel! Sie sind der Preis, der

ausgesungen wird, und ich der entsetzlichste der

Dichter in der Welt, das merkt man gleich an der--

wie sagt man nur--nun an Verschiedenem.

narr. An der Ideenfülle hauptsächlich.

nachtigall. Das will ich hoffen; die gefüllten Ideen sind

immer besser als die ungefüllten, das ist so wie mit

den Krapfen. Übrigens hab’ ich als Dichter eine

außerordentliche Leichtfertigkeit, ich hab’ schon über

fünfhundert Trauerspiels geschrieben, und je mehr als

ich schreibe, desto trauriger wird das Publikum.

hermione. Kennst du den Homer?

nachtigall. Nein! Aber den Humor kenn’ ich, und der

soll mir auch Ihr Herz erobern. Auch darf man gar

nicht glauben, daß ich ein armer Teufel bin, ich hab’

in England schöne Revenuen.

narr. Also nicht der arme Poet von Kotzebue?

nachtigall. Nein, der reiche, aber es sind nicht alle so

reich. Es gibt geschickte Dichter, wenn sie den Mund

auftun, machen sie sehr witzige Ausfälle, aber wenn

sie den Sack aufmachen, fällt ihnen nie was heraus.

Doch zur Sach’ jetzt! Mein Herr Vetter, ein g’wisser

Apollo, ist mir die vorige Nacht im Traum erschienen,

hat mir Ihre Hand versprochen und den heut’gen

Abend zur Vermählung b’stimmt. Machen Sie also

keine Umständ’ und fügen Sie sich in sein’ Willen.

Meine Aufwartung hab’ ich g’macht, ich werd’ jetzt

noch ein klein’s Jausenschlaferl machen, und dann

fang’ ich zum Dichten an, daß der Rauchen auffliegt.

Und eh die Sonne in das Meer noch plumpst, bin ich

so glücklich, Ihr Gemahl zu sein. (Will ab.)

hermione. So lebe wohl; beweise bald, ob du ein Meister

in dem Versbau bist.

nachtigall. Was Bau? Verzeihen Sie, da muß ich

nochmal umkehren. Ein Baumeister bin ich nicht, das

sag’ ich gleich.

hermione. Ist nicht die Dichtkunst mit der Baukunst

formverwandt? Denn wie der Bauherr Stein an Stein

aus edlem Marmor füget, so reihet der Poet

Gedanken an Gedanken und bindet sie durch seines

Witzes Mörtel.

nachtigall. Sie irren sich. Wissen S’ was für ein

Unterschied ist zwischen einem Dichter und ein’

Baumeister? Wenn einem Dichter was einfallt, ist ’s

ihm eine Ehr’, wenn aber einem Baumeister etwas

einfallt, das ist eine schöne Schand’, das glauben Sie

mir, der ich die Ehre habe mich zu empfehlen. (Ab.)

Die gefesselte Phantasie · 第 39 / 55 题