vorige. nachtigall mit der goldenen Harfe
nachtigall.
Arie.
Serviteur! Serviteur!
Ist Ihnen allerseits ein Ehr.--
Ich bin ein fremder Dichtersmann,
Das sieht mir jeder Narr gleich an,
Und schwimme übers Rote Meer
Als goldner Fisch aus England her.--
Apollo selbst ist mein Herr Vetter,
Im Himmel lauf ich ab und zu,
Und erst mit alle andern Götter
Da bin ich gar auf du und du.
Kurzum, ich bin hierher gekommen,
Weil, wer ein Preisgedicht ersinnt,
So hab die Nachricht ich vernommen,
Am ersten Ruf die Braut gewinnt.
Drum lach ich mir voll an den Buckel,
Der Sieg, ich wette drauf, ist mein;
Ich stiehl Fortunen ihre Kugel
Und scheib als Dichter alle neun!
Hab ich die Ehre, die Prinzessin Hermione zu
betrachten?
hermione. So ist es, Freund, du hast dich nicht geirrt.
nachtigall. Bin ungemein erfreut! (Beiseite.) Ach, das ist
eine liebe Person, wenn die meine Frau ist, schau ich
vierzehn Tag kein andre an. (Zum Narren.) Und wie
heißt dieser Herr?
narr. Ich heiße Muh.
nachtigall. Ein schöner Nam, so leicht, so flüssig--eine
jede Kuh kann ihn aussprechen.
narr. Ich hab ihn auch schon aus eines Esels Mund
gehört.
nachtigall. Vielleicht ein Anverwandter der Prinzessin?
narr. Der Hofnarr bin ich hier.
nachtigall. Hofnarr? Fidonc! Da gehört er in den Hof
hinunter, Freund, und nicht in den Saal herauf.
narr. Heut ist schon so ein Tag, wo alle Narren
eingelassen werden, sonst wärst du auch nicht da.
nachtigall. Also wie stehts mit uns, Verehrteste!
hermione. Mit uns? Du sprichst sehr kühn, mein Freund.
nachtigall. Ja, wer wird denn da viel Umständ machen!
Wir werden heut abend Mann und Weib.
hermione (lächelnd). Weißt du das so gewiß?
nachtigall. Gar kein Zweifel! Sie sind der Preis, der
ausgesungen wird, und ich der entsetzlichste der
Dichter in der Welt, das merkt man gleich an der--
wie sagt man nur--nun an Verschiedenem.
narr. An der Ideenfülle hauptsächlich.
nachtigall. Das will ich hoffen; die gefüllten Ideen sind
immer besser als die ungefüllten, das ist so wie mit
den Krapfen. Übrigens hab ich als Dichter eine
außerordentliche Leichtfertigkeit, ich hab schon über
fünfhundert Trauerspiels geschrieben, und je mehr als
ich schreibe, desto trauriger wird das Publikum.
hermione. Kennst du den Homer?
nachtigall. Nein! Aber den Humor kenn ich, und der
soll mir auch Ihr Herz erobern. Auch darf man gar
nicht glauben, daß ich ein armer Teufel bin, ich hab
in England schöne Revenuen.
narr. Also nicht der arme Poet von Kotzebue?
nachtigall. Nein, der reiche, aber es sind nicht alle so
reich. Es gibt geschickte Dichter, wenn sie den Mund
auftun, machen sie sehr witzige Ausfälle, aber wenn
sie den Sack aufmachen, fällt ihnen nie was heraus.
Doch zur Sach jetzt! Mein Herr Vetter, ein gwisser
Apollo, ist mir die vorige Nacht im Traum erschienen,
hat mir Ihre Hand versprochen und den heutgen
Abend zur Vermählung bstimmt. Machen Sie also
keine Umständ und fügen Sie sich in sein Willen.
Meine Aufwartung hab ich gmacht, ich werd jetzt
noch ein kleins Jausenschlaferl machen, und dann
fang ich zum Dichten an, daß der Rauchen auffliegt.
Und eh die Sonne in das Meer noch plumpst, bin ich
so glücklich, Ihr Gemahl zu sein. (Will ab.)
hermione. So lebe wohl; beweise bald, ob du ein Meister
in dem Versbau bist.
nachtigall. Was Bau? Verzeihen Sie, da muß ich
nochmal umkehren. Ein Baumeister bin ich nicht, das
sag ich gleich.
hermione. Ist nicht die Dichtkunst mit der Baukunst
formverwandt? Denn wie der Bauherr Stein an Stein
aus edlem Marmor füget, so reihet der Poet
Gedanken an Gedanken und bindet sie durch seines
Witzes Mörtel.
nachtigall. Sie irren sich. Wissen S was für ein
Unterschied ist zwischen einem Dichter und ein
Baumeister? Wenn einem Dichter was einfallt, ist s
ihm eine Ehr, wenn aber einem Baumeister etwas
einfallt, das ist eine schöne Schand, das glauben Sie
mir, der ich die Ehre habe mich zu empfehlen. (Ab.)