20. Szene

vorige. nachtigall karikiert gekleidet, mit der Harfe

nachtigall.

Lied.

Nichts Schöner’s auf der ganzen Welt

Als wie ein Harfenist,

Wenn er nur seinen Gästen g’fällt

Und all’weil lustig ist.

Trinkt er sich auch ein Räuscherl an,

Dann singt er erst recht frisch,

Und wenn er nimmer singen kann,

So fallt er unter’n Tisch.

Er hat nur für sein’ Harfen G’fühl,

Sie ist sein Weib sogar,

Die kann er schlagen, wie er will,

Die fahrt ihm nicht in d’ Haar.

So singt er sich durch’s Lebensjoch,

Und wird er einst kaputt,

So sag’n die werten Gäste noch:

Er war ein Haupt-Adut.

kellner (setzt ihm einen Stuhl in die Mitte der Bühne).

wirt. Aber warum denn gar so spat? Herr Nachtigall?

nachtigall. Ich bitt’ um Verzeihung, ich hab’ Kopfweh

g’habt, ich hab’ mich ang’schlag’n. Ich hab’ gestern

einen Rausch g’habt, und unser Hausmeister, wenn

man um zwölf Uhr anläut’t, so macht er erst um eins

auf--und da hab’ ich mich derweil ans Tor angelehnt

und hab’ eing’schlafen; auf einmal macht er gäh’ auf,

und ich lieg’ nach aller Längst beim Tor drin, ihn

schlag’ ich nieder und mich schlag’ ich auf.

fiaker. Weil Er halt wieder ein’ Rausch g’habt hat, jetzt

nur anfangen!

nachtigall. Gleich!--Hansel, mein’ Kolophoni zum

Halsschmieren.

kellner. Weiß schon. (Beiseite.) Das sind sechs Maß Bier.

nachtigall. Und den Zinnteller zum Einsammeln.

fremder. Kellner!

nachtigall. Aha! Bist schon da, Vogel! Heut’ setzt es

was.

fremder. Wann krieg’ ich denn einmal meinen

Schafskopf?

nachtigall. Nu, so gebt’s dem Herrn sein’ Schafskopf,

laßt’s die Leut’ nicht so lang ohne Kopf dasitzen.

kellner (bringt das Schafsköpfel).

wirt. Er fangt schon wieder an. Herr Nachtigall, ich rat’

Ihm’s!

nachtigall. Herr Wirt, mit dem gibt’s ein Streit, ich

kenn’ ihn, er will mich ums Brot bringen.

wirt. Untersteh’ Er sich.

nachtigall. Nutzt nichts. Ich bin ein streitbarer Mann,

g’stritten wird!

wirt. Wenn Er mir ein’ Gast beleidigt--

nachtigall. Er ist kein Gast, ich werd’ ihm’s schon sagen,

warum?

fiaker (mit der Peitsche). Anfangen einmal, und a bissel was

Neues singen!

nachtigall. Allemal! (Singt und spielt die Harfe).

Lied.

He! Brüderln, wollt’s recht lustig sein,

Es kost’ euch nicht viel Geld,

Da spannt’s nur eure Rappeln ein

Und fahrt’s ins Lerchenfeld.

Da ist ein neues Wirtshaus drauߒ,

Das heißt beim gold’nen Affen,

Da schaut der Wirt beim Fenster ’raus

Und fragt gleich, was wir schaffen?

He! Brüderln, wollt’s etc.

chor. Bravo, Harfenist! O bravo, Harfenist!

nachtigall.

Die Wirtin hat gar feinen Sinn,

Und heißt die schöne Franzel,

Geboren ist sie in Berlin,

Erzogen ist’s beim Schanzel.

Der Wirt ist gar ein flinker Mann,

Bedient die Gäst’ gar schleuni,

Schafft einer was um sieb’n Uhr an,

So bringt er’s erst um neuni.

Die Wirtin hat gar etc.

chor. Bravo, Harfenist! O bravo, Harfenist!

nachtigall.

Der Wirt, der halt aufs Wasser viel,

Er sagt: das macht recht munter,

Und weil ein jeder Bier hab’n will,

So schütt’ er g’schwind eines d’runter.

Ein Extrazimmer hab’ns, a schön’s,

Das braucht der Wirt alleini,

Da füttern’s Hend’l und die Gäns’,

Ein Gast darf gar nicht eini.

Der Wirt, der halt etc.

chor. Bravo, Harfenist! O bravo, Harfenist.

nachtigall.

Auch stellt ein Harfenist sich ein,

Der singt die schönsten Lieder,

Und kommt ein’ schöne Köchin ’rein,

Klopft er sie gleich aufs Mieder.

Und setzt es eine Rauferei,

Die Leut’ hab’n z’viel Courage:

Da singt der Harfenist halt glei,

Ah, das ist a Bagage!

Auch stellt ein Harfenist etc.

chor. Bravo, Harfenist! O bravo, Harfenist!

nachtigall.

Drauf spielt er aus ein’ ander’m Ton,

Gar à la Paganini,

Jetzt geht erst der Spektakel an,

Die Gäst’ werd’n völlig wini.

Um zwölf Uhr, da heißt’s umgesteckt,

Und alles muß nach Haus,

Da kommt der Kellner voll Respekt,

Und wirft die Gäst’ hinaus.

Drauf spielt er aus ein’ etc.

chor. Bravo, Harfenist! O bravo, Harfenist!

fremder (lacht laut). Das ist nicht zum Anhören. Kellner,

zahlen!

nachtigall (hört plötzlich auf). Ah, heut’ kommst mir nicht

aus. (Nimmt den Sammelteller und geht damit herum.) Haben

Sie die Güte, meine Herren! (Zu dem Fremden.) Sie, ich

bitt’ untertänig.

fremder. Was gibt’s? Er hat ja noch nichts g’sungen.

nachtigall. Ich hab’ ja just aufg’hört.

schuster. Ja, aber der Herr hat schon eher aufg’hört, eh’

der Herr ang’fangt hat.

nachtigall. Das geht mich nichts an, er hat gestern zwei

Lieder b’stellt und hat nix bezahlt.

fremder. Impertinent!

nachtigall. Sie sind impertinent!

fremder. Fahr’ Er mir nicht auf!

nachtigall. Fahren Sie mir nicht ab!

fremder. Just nicht! Kellner, zahlen!

nachtigall. Nichts Kellner zahlen, Harfenisten zahlen!

schuster. Ruhig, der Herr hat recht; wer wird eh’ zahlen,

eh’ man was hört? Ich trag’ als Schuster die War’ ins

Haus und krieg’ oft kein Geld, viel weniger vorhinein.

nachtigall. Warum ist der Herr ein Schuster worden?

Dem Herrn sein’ War’ treten die Leut’ mit Füßen,

aber ich leid’ das nicht. Das ist ein verkleid’ter

Harfenist von Linz, der will mich ausstechen.

fremder. Das ist erlogen. (Wirft ihm ein Stückel Geld hin.) Da

hat Er, und jetzt marsch!

nachtigall. Nichts marsch, halt! wird kommandiert. Da

haben Sie Ihre zwei Groschen, mit denen kaufen Sie

mir die Grobheiten nicht ab, die ich Ihnen heut’ noch

antun will.--Über meine Stimm’ haben Sie

g’schimpft? Sie haben g’sagt: ich heiߒ deswegen

Nachtigall, weil d’ Leut immer ein’ Gall’ haben, wenn

ich auf die Nacht sing’.

fremder. Kerl, ich nimm mein spanisches Rohr und--

nachtigall. Was? Für deutschen G’sang wollen Sie

spanische Schläg’ hergeben? Wenn Sie ein g’schickter

Harfenist sein, so lassen Sie ein paar tüchtige Triller

heraus; aber Sie sind ein Sänger der Vorzeit, der in

der jetzigen nichts mehr kann.

fremder. Meine Herren, nehmen Sie sich um mich an, ich

bin ein Reisender.

nachtigall. Und ich bin ein Rasender. Und wenn Sie

noch so weit gereist sind, in meinen Augen sind Sie

doch nicht weit her.

wirt. Jetzt sei der Herr still, oder ich red’ aus einem

andern Ton.

nachtigall. So stimmen Sie einen an! Ich red’ einmal aus

dem F.

wirt. Ich sag’ drauf G. (Zeigt auf die Tür.)

nachtigall. Was G! Solche Buchstaben stoßen sie aus?

Ah, jetzt muß ich als Harfenist andre Saiten aufzieh’n.

schuster. So, jetzt geht er über’n Wirt auch.

wirt. Ich verbiet’ Ihm mein Haus ganz.

nachtigall. Das können Sie nicht ganz, weil Sie noch die

Hälfte drauf schuldig sein. Übrigens sind Sie in

meinen Augen ein braver Mann, aber Ihr Bier ist

nichts nutz.

wirt. Weil Er seine Grobheiten nicht aufgibt, so geh’ Er

gleich.

nachtigall. Weil ich meine Grobheiten nicht aufgib’, so

bleib’ ich gleich. Allen Respekt vor meine verehrten

Gäst’; aber meine Herren ich fordere Sie bei Ihrer

Ehr’ auf, können Sie mir etwas Höfliches nachsagen?

alle. Nein, das ist wahr.

nachtigall. Sehen Sie, nur eine Stimm’. Ich bin ein

gerader Mann, ich laß mich kerzeng’rad bei der Tür

hinauswerfen, ich geh’ doch wieder herein; ich weiß

schon warum; aber zwei Leirer in einem Wirtshaus

tun nicht gut. Das ist ein Harfenist, der muß hinaus!

alle. Er muß hinaus!

nachtigall. Ich will sehen, wer mich aus dem Haus

bringt.

Die gefesselte Phantasie · 第 28 / 55 题