_Frankfurt_, 7. April 1830.
_Verehrtester Freund!_
Mit Freude benutze ich den Anlaß, den mir anliegender vor wenigen
Wochen vollendeter Abdruck meiner Uebersetzung des Manzoni’schen Adalgis
giebt, mich, nach längerm Schweigen, in Ihr freundschaftliches Andenken
zurückzurufen. Mögen Sie meinem Versuche, wie in den mir unvergeßlichen
Tagen, in welchen wir Ihres lieben Besuches am schönen Neckarufer uns
erfreuten, so auch jetzt, gütigen und nachsichtigen Antheil schenken,
auf welchen, wenn auch nicht der Werth der Arbeit, doch der gute Wille,
mit welchem sie unternommen und ausgeführt worden, einigen Anspruch
verleiht, und für welchen Ihre freundschaftliche Gesinnung mir bürgt.
Noch steht das Bild der schönen Tage des 1820r Sommers, die Sie uns
verschönten, in unserer eben so lebhaften als dankbaren Erinnerung.
Seit jenen schönen Tagen hat sich Manches bei uns verändert, und
mancher schmerzliche Verlust hat tief in unser Leben eingegriffen.
Hoffentlich haben Sie, und die lieben Ihrigen den traurigen Sommer und
Herbst des verflossnen Jahres, und diesen harten Winter, gesund und
ohne dauernd nachtheilige Einwirkung auf Ihr Befinden, überstanden,
wie ich dies Gottlob von uns sagen kann; der Frühling, welcher bereits
kräftig sich einzustellen beginnt, wird hoffentlich bald alle noch
vorhandene Spuren winterlicher Beschwerden tilgen, und gebe Gott,
daß uns in diesem Jahre ein besserer Sommer zu Theil werden möge.
In etwa vierzehn Tagen gedenken wir, wenn keine ungeahndete Hemmung
dazwischentritt, unsern ländlichen Wohnsitz wieder zu beziehen.
Ungemein würde es mich erfreuen von Ihnen und den lieben Ihrigen
glückliche und beruhigende Nachrichten zu erhalten, vorzüglich
erfreulich aber würde uns seyn, wenn freundliche Sommerplane Sie
einmal wieder aus den reizenden Elbegegenden an den Rhein und Neckar
führen, und uns den Genuß des Wiedersehens bereiten würden.
Meine Frau empfiehlt sich auf’s herzlichste, und wir beide bitten
Sie uns dem freundlichen Andenken der lieben Ihrigen auf’s wärmste
empfehlen zu wollen.