XV.

_Wien_, den 30ten April 1824.

Ich sende Dir hier, theuerster Freund! durch die Güte des Hrn. v.

_Krause_, den 9ten Band meiner Werke; am 10ten fehlen noch einige

Bogen zum Schluß, und somit muß ich dafür noch eine andre Gelegenheit

erwarten.

Das Neue in diesem Bande von Gedichten, so wie das Beste unter dem

Neuen und Alten wirst Du wohl selbst herausfinden. Und nun wünschte

ich wohl endlich auch einmal von Dir ein Lebenszeichen zu erhalten; da

ich doch hoffe, daß Dir die früheren acht Bände alle richtig werden

zugekommen seyn. Denn daß Du auch in dem gleichen bleyernen Todesschlaf

mit befangen wärest, der sich in dem übrigen Deutschland so weit umher

erstreckt und alles mehr und mehr mit seinem schweren Flügel deckt;

dieß kann ich und will ich nicht glauben, bis Du mir nicht selbst die

Nachricht davon mittheilst.

Ich hoffe, daß es Dir und den Deinigen wohl geht. Möllers, die wohl

sind, sehen wir zuweilen, so oft es die weite Entfernung der Wohnungen

gestattet. Sollte Schütz noch in Dresden seyn, so bitte ich mich ihm

bestens zu empfehlen. Ich werde ihm nächstens selbst schreiben, so wie

auch meiner Schwester, wenn Du diese etwa sehen solltest.

Philipp denkt uns diesen Sommer mit den Seinigen aus Rom zu besuchen;

ich wünschte wohl im Herbst einen kleinen Abstecher mit ihm nach

Dresden machen zu können, und werde es gern thun, wenn es irgend

ausführbar ist, da ich schon lange sehnlich gewünscht habe, meine

Schwester zu besuchen und das geliebte Dresden einmal wieder zu sehen.

Behalte mich indessen in gutem Andenken und laß einmal wieder etwas von

Dir hören. Meine Frau empfiehlt sich Dir und den Deinigen mit mir zum

freundschaftlichen Andenken. Von ganzem Herzen

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 279 / 309 题