_Bonn_, d. 3ten Sept. 37.
_Geliebtester Freund!_
Vor einigen Tagen habe ich Dir durch Prof. Löbell die Briefe von
Schiller und Goethe, nach der Zeit geordnet, in einer genauen und
leserlichen Abschrift zugeschickt. Verfahre nun damit nach eignem
Gutdünken. Wenn sie Dir nicht anziehend genug scheinen, so mögen sie
immerhin ungedruckt bleiben. Aber getrennt oder zerstückelt dürfen sie
nicht werden, weil sie sich gegenseitig erklären. Anmerkungen habe ich
beigefügt, zum Theil für den Druck, zum Theil zu Deiner Notiz. Die
Briefe von Schiller werden ziemlich vollständig seyn, von Goethe’s
Briefen sind mir einige auf Reisen verloren gegangen.
Du möchtest wohl meine Beiträge in den ersten anderthalb Jahrgängen der
Horen nachsehen, und die Auszüge aus dem Dante loben. Freilich würde
ich es jetzt anders angreifen, und habe es theilweise schon anders
angegriffen. (~Revue des deux mondes, Tome VII. Quatrième série. 15.
Août 1836.~) Aber damals war es in der That eine neue Offenbarung.
Kein Mensch wußte ja in Deutschland vom Dante, noch wollte davon
wissen. Auch hat es mächtig nachgewirkt, wie alles was ich in ähnlicher
Art gethan.
Aus dem Aufsatze: _Etwas über W. Shakespeare_ &c. erhellet
aufs klarste, daß damals noch niemand in Deutschland, auch Goethe
und Schiller nicht, an einen versificirten Shakspeare dachte. Meine
Uebersetzung hat das Deutsche Theater umgestaltet. Vergleiche nur
Schillers Jamben im Wallenstein mit denen im Don Karlos, um zu sehen,
wie sehr er in meine Schule gegangen.
In dem Aufsatze über Sprache und Sylbenmaaß war ich noch von der
Einbildung angesteckt, man könne aus den Sitten halbwilder Völker
die Anlagen der menschlichen Natur erforschen. Deswegen habe ich den
Aufsatz nicht in meine Kritischen Schriften aufgenommen, wiewohl er
sonst manches gute enthält.
Neuerdings ist doch hier und da einiges von mir im Druck erschienen,
zum Theil in Französischer Sprache, was Dir wohl nicht zu Gesichte
gekommen ist. Am meisten würde Dich das über die Ritterromane
interessiren:
Schluß fehlt.