XXXIV.

_Bonn_, d. 11ten Jul. 37.

_Geliebter Freund und Bruder!_

Diese Zeilen überbringt Dir ein junger Geistlicher aus Genf, Herr

Vernet, Enkel des berühmten Physikers Pictet, und Bruder der Baronin

von Staël, der Wittwe meines verewigten Freundes. Aber seine

Persönlichkeit empfielt ihn genugsam, auch ohne die Erwähnung einer so

ausgezeichneten Verwandtschaft.

Er macht eine gelehrte und litterarische Reise durch Deutschland, und

würde glauben, es nur unvollständig gesehen zu haben, wenn er nicht

Dresden besucht und Deine Rede vernommen hätte. Gewähre ihm eine

freundliche Aufnahme, ich werde es als einen Beweis Deiner Freundschaft

betrachten. Er legt sich mit Eifer auf die deutsche Sprache durch Lesen

und Hören. Ich habe mich, wie natürlich, immer auf Französisch mit

ihm unterhalten; aber ich zweifle nicht, er wird im Stande sein, ein

deutsches Gespräch zu führen, und Du wirst ihm Gelegenheit geben, die

Anmuth zu bewundern, welche unsre Sprache in Deinem Munde hat. Durch

ihn hoffe ich erwünschte Nachricht von Deinem Befinden zu erhalten.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 246 / 309 题