_Bonn_, d. 11ten Jul. 37.
_Geliebter Freund und Bruder!_
Diese Zeilen überbringt Dir ein junger Geistlicher aus Genf, Herr
Vernet, Enkel des berühmten Physikers Pictet, und Bruder der Baronin
von Staël, der Wittwe meines verewigten Freundes. Aber seine
Persönlichkeit empfielt ihn genugsam, auch ohne die Erwähnung einer so
ausgezeichneten Verwandtschaft.
Er macht eine gelehrte und litterarische Reise durch Deutschland, und
würde glauben, es nur unvollständig gesehen zu haben, wenn er nicht
Dresden besucht und Deine Rede vernommen hätte. Gewähre ihm eine
freundliche Aufnahme, ich werde es als einen Beweis Deiner Freundschaft
betrachten. Er legt sich mit Eifer auf die deutsche Sprache durch Lesen
und Hören. Ich habe mich, wie natürlich, immer auf Französisch mit
ihm unterhalten; aber ich zweifle nicht, er wird im Stande sein, ein
deutsches Gespräch zu führen, und Du wirst ihm Gelegenheit geben, die
Anmuth zu bewundern, welche unsre Sprache in Deinem Munde hat. Durch
ihn hoffe ich erwünschte Nachricht von Deinem Befinden zu erhalten.