_Bonn_, den 12ten Aug. 36.
_Geliebtester Freund!_
Höchst bestürzt über den Zeitungs-Artikel von Deinem Unfalle, lief ich
sogleich zu Löbell, in der vergeblichen Hoffnung, etwas beruhigendes zu
erfahren. Erst gestern konnte er mir Deinen Brief mittheilen, der mich
mit dem herzlichsten Bedauern erfüllt hat. Ich schreibe sogleich. Du
mußt Dich nun nach beendigter Kur ausruhen und stärken, und das kann
am beßten in meinem Hause geschehen, wo Du auf alle Weise gehegt und
gepflegt werden sollst. Der Umweg hierher führt keine Ermüdung herbei,
da Du ihn ganz zu Wasser machen kannst. Nämlich so: in Leopoldshafen
schiffst Du Dich sammt Deinem Wagen ein; so hinunter bis Mainz. Da
giebst Du Deinen Wagen einem Gastwirthe in Verwahrung, und fliegst
mit dem Dampfschiffe in Einem Tage bis hierher hinunter. Hinauf geht
es von hier in zwei Tagen. Von Mainz an nimmst Du dann den Wagen über
Frankfurt, Gotha, Leipzig, Dresden.
Wenn Du keinen andern Grund hast, so nach Hause zu eilen, als die
Besorgniß vor der schlimmen Jahreszeit und den verdorbenen Wegen,
so ist beides noch weit entfernt, und läßt Dir alle Muße, bei mir
zu verweilen. Die Folgen des Unfalls haben unerwartete Ausgaben
verursacht; wie viel? Ein funfzig Thaler etwa? Ei nun, zur Ausfüllung
der Lücke läßt sich ja wohl Rath schaffen. Ich pumpe Dir, und wenn
ich es nicht in der Casse hätte, so pumpt mir der Banquier. Wie
gesagt, überlege es wohl. Du wirst mich sehr erfreuen, wenn Du Dich
zu einem ruhigen Aufenthalte von wenigstens acht Tagen entschließest.
Mein Haus kennst Du, meine Küche kennst Du, meinen Keller kennst Du
(nur nicht den himmlischen 34er Asmannshäuser; Champagner und alter
Rheinwein ist auch da), meine bequeme Calesche kennst Du; unsre
gemeinschaftlichen Zimmer kennst Du (diesmal will ich Dir aber das
breiteste Bett einräumen); die neu aufgeputzten Damenzimmer im oberen
Stock kennst Du noch nicht; das Badezimmer im Hintergebäude kennst Du
in der neuen hübschen und sehr bequemen Einrichtung auch noch nicht.
Freilich müßtest Du Dich mit natürlichen Bädern oder künstlichen
Mineralbädern begnügen. Meine Späße kennst Du, meine gute Laune kennst
Du, meine Schwatzhaftigkeit kennst Du, meine Passion für Dich kennst Du
vielleicht nicht ganz.
Ich bleibe unverrückt hier, und werde um die Zeit, wo Du eintreffen
kannst, meine ganze Zeit frei haben. Im Falle Deiner Weigerung würde
ich mich nicht lange besinnen und Dich in Baden aufsuchen, aber vor dem
Anfange der Ferien, besonders gegen Ende des Semesters müßte ich erst
um Urlaub nachsuchen.
Nun laß mich bald etwas erfreuliches von Deiner Gesundheit und
Deiner Ankunft vernehmen. Der gnädigen Gräfin meine ehrerbietigsten
Empfehlungen. Lebe tausendmal wohl, geliebter Freund.