B., d. 24. Dec. 1802.
_Liebster Freund_.
Eben sehe ich, daß die Post nach Frankfurt heute Vormittag abgeht, und
kann also nur wenige Zeilen schreiben, um sie nicht zu versäumen.
Das Manuscript vom Ion nimm mit nach Dresden, wenn Du nämlich bald
dahin gehst und händige es meiner Schwester ein. Bleibst Du noch lange
in Ziebingen, so schicke es nach gemachtem Gebrauch mit der Post an sie.
Empfiehl mich bey dieser Gelegenheit dem Grafen von Finkenstein, und
entschuldige mich, daß ich mein Versprechen, ihm den Ion mitzutheilen,
nicht eher halten können.
Die Andacht zum Kreuze hätte ich Dir früher geschickt, wenn ich
sie nicht erst eben wieder zurück erhalten. Es findet sich wohl
Gelegenheit, sie mir mit den beyden Bänden der Müllerschen Altdeutschen
Sachen nach Berlin zurückzubesorgen. Ich wollte diese Abschrift bey dem
bald anzufangenden Druck gebrauchen.
Reimer hat für Dich aus einer Auction das Lied der Nibelungen, den
Tristan und einige andre Stücke der Müllerschen Sammlung erstanden, Du
wirst also mein Exemplar entbehren können. Es fehlt hauptsächlich nur
der Parcival.
Einen Ariost für Dich habe ich nun hier, mag Dir aber kein Porto dafür
verursachen, Du erhältst ihn mit Gelegenheit.
Schütze hat mir gesagt, der Graf v. Finkenstein habe einiges aus
dem Petrarca übersetzt. Kannst Du mir die Privatmittheilung davon
verschaffen, so wäre es mir sehr angenehm. Ich habe letzthin auch eine
Anzahl Sonette und ein paar Canzonen übersetzt, und werde noch mehrere
hinzufügen, daher interessirt es mich, da Schütze sie als sehr gelungen
beschreibt. Meine lasse ich eben abschreiben und schicke sie Dir mit
nächster Post, sowie die Glossen.
Deine Schwester befindet sich jetzt wieder ziemlich gut und die Bäder
und stärkende Mittel werden ihr bald auch ihre Kräfte wiedergeben. Die
Kinder sind frisch und gesund. Dein Bruder in Weimar arbeitet viel und
ist wohl.