XVI.

_Jena_, d. 10. Oct. 1801.

Aus dem beigelegten Billet von Frommann wirst Du sehen, daß es mit ihm

nichts ist. Da mir die Hauptsache war, ob er es nähme oder nicht, so

weiß ich in der That seine Gründe nicht recht mehr. Ich glaube aber, es

war, daß er schon etwas andres zu ähnliches von Dir auf Ostern verlege.

Ich bin auf Vieweg gefallen, weil dieser völlige Censurfreiheit hat;

wie er sonst ist, weißt Du. Frommann nannte Cotta, der mir aber eben

schreibt, er sei schon überhäuft.

Mit andern hiesigen Buchhändlern ist schwerlich etwas zu machen. Für

den Moment konnte ich also nichts weiter thun, da ich vermuthlich erst

nach gänzlichem Ende der Messe nach Leipzig komme. Ich habe daher

geglaubt, Deinen Absichten gemäß zu handeln, wenn ich Frommann das

Manuscript mit nach Leipzig anvertraute, damit es dort ist, wenn Du

etwa sogleich während der Messe Aufträge giebst. Kannst Du dergleichen

nicht durch Frommann selbst besorgen lassen, oder durch Mahlmann?

Mit vielem Ergötzen habe ich den Anti-Faust von neuem gelesen.

Friedrich hat nach diesem Anfange große Erwartungen vom Folgenden, und

meint, es werde etwas gänzlich Verschiednes vom Zerbino werden, und die

Aehnlichkeit läge bloß in Aeußerlichkeiten. Die classischen Grobheiten

im Aristophanes haben ihm besonders gefallen. Ich bin im ganzen mit ihm

einig. Die einzelnen Einfälle, das göttliche Böttiger Lied u. s. w. das

versteht sich von selbst.

So sehr ich indessen Deine Darstellungen des prosaischen Zeitgeistes

in mancherlei komödischen Allegorien bewundere, könnte ich doch wohl

wünschen, Dich mit der Komödie im Felde des nackten und baaren Lebens

erscheinen zu sehen. Hast Du noch keine Anmuthungen dieser Art gehabt?

Daß man sich mit solchen Gesellen wie Böttiger und Falk einlassen muß,

ist ein nothwendiges Uebel, oder auch nicht, denn sie werden durch ihre

Erbärmlichkeit wieder klassisch und symbolisch.

Lebe recht wohl, ich bin die Zeit her fleißig gewesen, und werde

hoffentlich bald mit der letzthin erwähnten Arbeit fertig sein.

Fr. ebenfalls: er hat einen höchst wunderbaren zweiten Akt eines

Schauspiels, welches nicht mehre haben soll, beendigt.

Den Tristan und die letzten Bogen vom Almanach wirst Du hoffentlich

richtig erhalten haben. Das Geld von Cotta habe ich noch nicht, sonst

hätte ich natürlich sogleich Deinen Antheil übersandt.

Leb nochmals wohl.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 214 / 309 题