_Jena_, den 30. Nov. 98.
_Liebster Tieck!_
Sie haben mich durch Ihren freundschaftlichen Brief und durch Ihr
Urtheil über meine letzten Gedichte sehr erfreut. Das letzte kann ich
Ihnen in Ansehung des Sternbalds noch nicht erwiedern, -- ich las den
2ten Band nicht gründlich genug, und muß ihn im Zusammenhang mit dem
ersten noch ruhiger erwägen, ein Genuß, den ich jetzt eben bei ein
Paar ziemlich freien Tagen vor mir habe. Schicken Sie mir nur den 2ten
Theil für Göthe, ich werde ihn bestens besorgen, und Ihnen auch, wenn
Sie es wollen, Goethe’s Urtheil mittheilen. Wegen des Shaksp. kann ich
nicht unterlassen, Sie ohne Aufhören und ohne alle Gnade zu tribuliren,
bis Sie die Recension geliefert haben -- mir liegt erstaunlich viel
daran. Da Sie die Sache so sehr in Ihrer Gewalt haben, so kann die
Verlegenheit bei dem kritischen Geschäft bloß von dem Mangel an Uebung
herrühren, und Sie werden es selbst noch in der Folge sehr bequem
finden, wenn Sie sich in diese hinein geschrieben haben, und nun nach
Belieben mit den Autoren umspringen können. Am Ende rechne ich es Ihnen
noch gar als eine Gefälligkeit von mir an, daß ich Ihnen Gelegenheit zu
einer Recensirübung gebe? Also die Recension, mein lieber Tieck! Den
Maulthierszaum! meinen Maulthierszaum! An Ihrem Zerbino wird jetzt hier
gedruckt; ich mache mein Unrecht gegen ihn wieder gut, daß ich ihn in
Berlin nicht einmal konnte vorlesen hören, und habe, da die Setzer und
Frommann selbst mit Ihrer Hand nicht zum Besten fortkommen können, die
letzte Correctur übernommen. Zwei Bogen habe ich schon gehabt, es geht
rasch mit dem Druck, und man erwartet wieder Manuscript von Ihnen. Ich
habe mich an diesem Anfange schon sehr ergötzt. Ich weiß nicht, ob ich
Ihnen schon einmal den Vorschlag that, einen Spaß-Almanach, aber nur
ein einziges Mal, herauszugeben? Wenn Sie Lust dazu haben, wollen wir
uns näher verabreden -- wir beiden müßten die Hauptsache dabei thun --
mein Bruder lieferte uns eine Anzahl witziger Fragmente, -- Bernhardi
einen Aufsatz -- übrigens müßten wir uns an keine Form ausschließend
binden -- Prosa, Verse, Räsonnement, Erzählung, Parodie, kleine Dramen
in Hans Sachsischer Manier, Epigramme in Distichen u. s. w. -- Mir sind
eigentlich schon von einem Buchhändler Vorschläge geschehen, bei dem
ich wieder anfragen könnte.
Sollte er nicht wollen, so schlügen wir es etwa Unger vor, der ja
mancherlei Kalender herausgiebt.
Falk’s Taschenbuch vom nächsten Jahr ist noch nicht da -- ich glaube
doch nicht, daß es sich lange mehr halten kann.
Von wem sind denn die _Schattenspiele_, die in B. herauskommen?
Was macht Ihr Don Quixote? Vergessen Sie ihn ja nicht.
Meine Frau läßt sich für den alten Phantasus schönstens bedanken, der
ihr unendlich viel Vergnügen gemacht hat, -- überhaupt für die vielen
reizenden Liederchen.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau von mir und Bernhardi.